10 Monate Januarbaby

Mein kleiner Mann,

du bist heute 10 Monate alt. Das sind 43 Wochen und 3 Tage.

Du faszinierst mich. Dein Wesen hat sich so stark entwickelt. Du bist ein eigener kleiner Mensch mit eigenem Charakter, das zeigst du immer deutlicher und es so toll dich bei dieser Entwicklung zu  beobachten. Du bist voller Entdeckungsdrang, spielst und kasperst herum. Aber du brauchst auch ganz viel Nähe und Kuscheleinheiten, um dich aufzutanken. Du zeigst deutlich, wenn dir etwas zuviel wird oder du etwas möchtest. Du bist mein Sonnenschein.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass du deine zauberhaften blauen Augen behalten wirst. Um deine Iris zeichnet sich ein heller Ring ab, der äußere Rand ist ganz dunkel. Je nach Stimmung sind deine Augen fast grau.
Deine Haare haben manchmal einen leicht roten Schimmer und beginnen sich zu kringeln, wenn sie feucht werden. Ob du noch ein Lockenköpfchen wirst?

Du bist eine richtige Wasserratte, weshalb wir nun auch einen Babyschwimmkurs besuchen. In deiner Badewanne strampelst du ganz wild herum und setzt unter freudigem Quietschen alles unter Wasser. Im Hallenbad bist du etwas zurückhaltender, dir scheint die Begrenzung zu fehlen, aber du fühlst dich trotzdem sehr wohl.

Du und der Staubsauger, das ist eine ganz besondere Beziehung. Sobald ich ihn raushole, rufst du schon freudig „Ah!“. Du robbst hinterher und versuchst auf ihn drauf zu klettern. Von Angst keine Spur! Ich muss eher aufpassen, dass du dich nicht selbst wegsaugst.

Du kannst sitzen. Noch bringst du dich nicht alleine in diese Position, außer du lagst vorher angelehnt bei mir, aber du hast große Freude daran. Du übst aber fleißig, dich wieder zurück in die Bauchlage zu bringen. Das klappt mal ganz gut, hat aber auch schon für Tränen und die wildesten Verrenkungen gesorgt. Es ist unglaublich wie beweglich du bist!

Du kannst dich sehr ausdauernd damit beschäftigen Kataloge in ihre kleinsten Teile zu zerpflücken oder über alles zu klettern, was dir in den Weg kommt. Dabei robbst du wie ein geölter Blitz hin, ziehst dich mit deinen Oberarmen hoch. Seit du herausgefunden hast, dass es noch viel einfach ist, wenn man dann die Hüfte nach hinten schiebt und die Knie mitbenutzt, klappt es noch viel besser. Wir müssen wirklich aufpassen, denn auf dem Weg zu dem Objekt deiner Begierde gibt es kein Halten und du würdest dich dafür auch in die Tiefe stürzen. Seit heute gehst du sogar richtig auf die Knie und richtest den Oberkörper auf. Ich schwöre, du bist auf der Stelle um 3 cm gewachsen!

Wir haben jetzt „Füße zuerst!“ eingeführt. Ich zeige dir, wie du dich sicher auf den Boden bringen kannst und schon nach ein paar Tagen hast du auch verstanden, wie es funktioniert. Du robbtest im Bett auf mich zu und noch bevor ich etwas sagen konnte, hast du die Füße zur Bettkante gedreht und dich runterplumpsen lassen. Ich bin fast geplatzt vor Stolz und dir ging es ganz genauso! Du hast so gestrahlt. Mein Herz, wie liebe ich dein Lachen!

Du brauchst noch etwas Hilfe, denn unser Bett ist etwas hoch und du stehst noch nicht, aber ich glaube, das dauert auch nicht mehr lange. Auf unserem Schoß stößt du dich nämlich auch schon mit den Füßen ab. Das ist ganz neu.

Du weißt genau, wenn du etwas nicht darfst. Ich glaube, niemand kann so wunderbar ertappt gucken wie du! Ich muss mir sehr oft ein Grinsen verkneifen, weil du so unheimlich niedlich dabei aussiehst. Du bist eh ein wahrer Gesichtskasper. Über deine Grimassen könnte ich mich wirklich ewig amüsieren. Ganz neu ist dein überraschter Gesichtsausdruck. Du reißt die Augen ganz weit auf, ziehst deine Augenbrauen nach oben, formst den Mund zu einem „o“ und manchmal sagst du auch genau das noch dazu. Ich könnte dich auffressen vor Niedlichkeit! Das hast du natürlich gemerkt, aufmerksam wie du bist, und wiederholst das immer wieder, weil ich mich so darüber freue.

Oder dein Gesichtsausdruck, wenn du Stücke im Mund hast oder satt bist. Da kneifst du die Augen zusammen, nimmst die Händchen vor den Mund, öffnest diesen, schiebst die Zunge heraus und schabst dann mit den Lippen alles von der Zunge. Wo wir auch gleich beim Thema „Essen“ sind.
Du liebst Nudeln mit Tomatensauce, da sind Stücke auf überhaupt kein Problem, kommen die eher unerwartet im Bei daher, reagierst du etwas pikiert. Schmeckt dir etwas nicht, ist es schneller wieder draußen als ich gucken kann. Meistens isst du einfach bei uns mit, aber ab und zu bekommst du auch Brei. Du greifst immer öfter nach dem Löffel, nicht bereit ihn wieder herzugeben. Du führst ihn selbst zum Mund und hast auch schon versucht selbst Brei darauf zu löffeln. Manchmal klappt das sogar. Du probierst alles und bisher konnte gab es nichts, das du komplett abgelehnt hast.

Ich würde sagen, wir stillen noch voll. Da du nie zu geregelten Zeiten getrunken hast, kann ich es gar nicht so genau sagen. Ich biete dir nach dem Essen die Brust an, aber meistens trinkst du dann nur kurz, obwohl du nach wie vor eher wenig isst. Auch sonst hast du tagsüber nicht mehr die Ruhe, um ordentlich zu trinken, außer du hast richtig Hunger. Wir stillen weiterhin beim Einschlafen und morgens nach dem Aufstehen.

Du brauchst über den Tag noch 2 Schläfchen. Aber bitte Zuhause oder im Auto, denn unterwegs ist alles zu spannend. Die liegen zeitlich zwischen 30 Minuten und 2,5 Stunden. Insgesamt schläfst du an schlechten Tagen 1,5 oder bis zu 3,5 Stunden. Je nachdem, wann du schläfst, bist du auch mal bis zu 6 Stunden wach bis du abends um 19 Uhr ins Bett gehst. Dann bist du aber auch wirklich durch und schläfst innerhalb von 5 Minuten ein. Du wirst richtig albern, wenn du müde bist. Du kicherst und giggelst dann über wirklich alles, dabei hüpft dein kleiner Körper im Sitzen auf und ab. Ich habe sofort, dein Quietschen im Ohr und dein Grinsen im Kopf. Manchmal kann ich mein Glück noch immer nicht so richtig fassen.
Du schläfst inzwischen häufig etwas länger und kommst damit auf etwa 11 Stunden Nachtschlaf, Ausreißer nach oben und unten inbegriffen. Tagsüber schläfst du fast unterbrechungsfrei, dafür klappt das abends plötzlich nicht mehr. Teilweise beginnst du alle 30 Minuten zu weinen und möchtest nochmal etwas stillen. Es gab nur wenige Nächte, in denen du mehr als 3 Stunden am Stück schliefst und dann auch nur, wenn ich neben dir lag. Außerdem stillst du nachts öfter, aber wir sind da inzwischen so routiniert, dass ich gar nicht genau sagen kann, wie oft das ist. Einige Nächte waren aber schon besonders herausragend und katapultierten mein Schlafdefizit in ungeahnte Höhen.
Schlaf war also nicht gerade dein Ding, du kletterst lieber umher, gerne auch nachts, wenn du doch mal etwas länger am Stück geschlafen hast. Ich hoffe, das wird wieder besser.

Du suchst meine Nähe. Immer und überall.
Du vergewisserst dich immer wieder ob ich da bin, bewegst dich dann aber frei im Raum. Im Schlaf legst du deinen Kopf auf und deinen Arm um mich. Das macht mir ganz viel Herzklopfen! Nach dem Aufwachen hauchst du ein „Mam“ durchs Babyphone und wartest darauf, dass ich dich hole. Dann kuschelst du dich noch einmal richtig an, bevor du dann wieder auf Entdeckungstour gehst.
Aber wehe ich verschwinde auf deinem Blickfeld. Dann robbst du „Mmamma“ rufend hinter mir her. Dann streckst du deine Arme nach mir aus, um mir zu zeigen, dass du hochgenommen werden möchtest. Bist du unsicher, klammerst du dich fest an mich und legst deinen Kopf auf meine Schulter.
Wenn du könntest, würdest du manchmal am liebsten in mich hineinkriechen.
Du hast einmal im Schlaf richtig „Mama“ gesagt. Du kannst dir nicht vorstellen, wie sich das anfühlt. Als würden tausende Schmetterlinge in meinem Bauch tanzen.

Du liebst, nein, du LIEBST Hunde! Im Gegensatz zu wilden Kindern, konntest dich selbst der ungestüme Welpe nichtaus der Ruhe bringen. Im Gegenteil, kaum hast du einen Hund entdeckt, robbst du hinterher und versuchst Kontakt aufzunehmen. Du vergräbst dich in das Fell, versuchst vorsichtig zu streicheln und den Schwanz zu fangen. Den halben Abend kannst du damit verbringen hinter ihnen herzujagen.

Vor kurzem hast du zum ersten Mal geschaukelt und wie es nicht anders zu erwarten war, hast du großen Spaß daran gehabt.
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Du liebst es, wenn ich dir die Füße, Hände, Augenbrauen, Nase, usw. entlang fahre und die  benenne. Dabei kicherst du und kräuselst deine Nase, dann streckst du den Zeigefinger aus und beginnst auch bei mir mir die Körperteile entlang zu fahren.

Und du gibst Küsschen. OK, du knutschst. Sehr feucht, aber meine Güte, ist das süß. Von außen sieht es wohl eher aus als wolltest du mich auffressen, aber du tust es ganz gezielt auf die Frage hin,ob ich einen Kuss bekomme oder nachdem ich dich abgeknutscht habe.

Du bist eine bunte Mischung voller Leben. Du bist sensibel, lustig, aufmerksam, fröhlich, laut und leise, kuschelig und wild. Du bist ein und ausdauernd. Du bist großartig.

Mein kleiner Rabauke, ich liebe dich so sehr!

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40+2 ♡ (Geburtsbericht Teil 2)

Am Abend sehen der Freund und ich uns „Fack juh Göhte“ an. Eigentlich lasse ich mich eher berieseln, denn ich kann mich nicht so richtig darauf konzentrieren. Gegen 21:30 Uhr nimmt der Schmerz zu und ich muss ständig auf die Toilette. Ich erinnere mich, dass sich der Körper entleert ehe es losgeht, aber ich kann immer noch nicht so richtig daran glauben. Ich schreibe immer wieder mit meiner Freundin, das lenkt mich ab.

Der Freund beobachtet mich und fragt ständig, wie es mir geht. Ich kann nicht viel dazu sagen. Ich versuche ihn zu beruhigen, denn ich spüre seine Unsicherheit und Hilflosigkeit. Es fällt ihm schwer tatenlos zuzusehen, ich tue ihm leid. Alle 5 Minuten verkrampft sich meine Gebärmutter eine Minute lang. Ich konzentriere mich darauf tief in den Bauch zu atmen. Es ist gut auszuhalten, tut aber gleichzeitig echt weh. Aber auch jetzt bin ich unsicher, weil es sich wirklich nur wie schlimme Periodenschmerzen anfühlt. Ich spüre nichts im Bauch oder im Rücken. Meine Freundin ist sich sicher, dass es sich um keinen Fehlalarm handelt. Um 23 Uhr stoppe ich das Messen, es stresst mich und ich möchte mich konzentrieren. Die Wehen kommen alle 3-10 Minuten. Ich frage meine Freundin, wie man solche Schmerzen bis zur Geburt aushalten soll, das kann ja ewig dauern und schiebe ein „Aber die Pausen sind super!“ hinterher.

„Oh, das tut weh, aber solange ich noch unsicher bin, ist es nicht ernst.“, schwebt es in meinem Kopf und ich beschließe in die Wanne zu gehen. Der Freund lässt mir das Wasser ein. Um halb zwölf gleite ich in das warme Wasser und fühle wie sich die Entspannung breit macht. Die Wehen werden weniger und angenehmer. „Also doch ein Fehlalarm, sonst würden die Wehen nicht weggehen!“, denke ich mir und halte mich für ein waschechtes Weichei. Ich genieße die Entspannung bin aber auch etwas enttäuscht. Der Freund sieht alle 10 Minuten nach mir, ich bitte immer wieder um Verlängerung, das Wasser tut so gut. Ich streichle meinen Babybauch, atme tief in ihn hinein. Das Baby ist ganz ruhig, es schiebt sein Köpfchen in meine Handfläche. Die Wehen werden seltener, ihre Intensität nimmt zu. Ich vergesse Raum und Zeit, bin ganz bei mir und dem Baby. Ich atme den Schmerz tief in den Bauch, das hilft mir sehr. Ich spüre wie der Schmerz sich aufbäumt und wieder abflacht.

Als das Wasser kalt wird, beschließe ich die Wanne zu verlassen. Ich zittere. Kaum habe ich das Wasser verlassen, nimmt der Schmerz zu. Noch immer habe ich Zweifel an der Wirksamkeit der Wehen. Beim Versuch meine Blase zu entleeren, verkrampft sich meine Gebärmutter.

Ich überlege in die Klinik zu fahren, ehe der Schmerz so stark wird, dass ich das Sitzen nicht mehr ertragen kann.

ET+2

Ich bitte den Freund im Kreißsaal anzurufen und uns anzukündigen. Vor lauter Nervosität vergisst er die Beckenendlage und den Kaiserschnitt zu erwähnen. Zitternd, nur in ein Handtuch gehüllt, telefoniere ich mit der Hebamme. Während des 30-sekündigen Gesprächs veratme ich eine Wehe ganz ruhig, dabei lasse meine Hüften kreisen. Das tut gut.

Der Freund ist ziemlich durch den Wind. Er wuselt planlos durch die Gegend und schafft es, mich immer genau dann anzusprechen, wenn wieder eine Wehe heranrollt. Ich teste mich und antworte auf dem Höhepunkt der Wehe. Geht. Es ist nicht schön, aber machbar. Auch das ist laut meiner Hebamme im Ernstfall anders. Bestimmt komme ich im Kreißsaal an und es hat sich nichts getan, aber ich möchte nicht mehr warten.

Wir packen die letzten Dinge, dann schicke ich den Freund los, um das Auto zu holen, damit wir die Taschen und die Babyschale nicht so weit tragen müssen. Ich ziehe mich währenddessen an und mache noch ein letztes Bild von meinem Babybauch. So richtig realisiert habe ich das alles noch nicht. Ich habe kein Zeitgefühl mehr. Irgendwann kommt der Freund zurück und berichtet von Schnee und einer spiegelglatten Fahrbahn. Ich kann es fast nicht glauben. Wir bekommen ein richtig echtes Winterbaby. Ein Schneeflöckchen!

Ich bin ganz ruhig. Als wir durch die Türe treten, umhüllt mich frische, eiskalte Luft. Ich bleibe stehen, atme tief ein. Ich nehme das Knirschen des frisch gefallenen Schnees unter meinen Stiefeln war. Ich halte die Hand des Freundes und sage: “Wenn wir zurückkommen, haben wir unser Baby. Dann sind wir Eltern!“ und muss die Tränen wegblinzeln. Der Freund verlädt das Gepäck, stellt mir den Autositz ein, ich schaffe es nicht alleine mich nach vorne zu beugen.

Wir fahren los. Die Straßen sind komplett zugeschneit, ich bitte den Freund langsam zu fahren. Sobald ich ruhiger werde, um eine Wehe zu veratmen, beginnt der Freund zu quasseln und gibt Gas. Er ist unglaublich aufgeregt. Ich versuche ihn zu beruhigen, ich versichere ihm, dass alles ok ist und er bitte langsam fahren soll. Im Radio läuft „Human“ von Rag ‚n‘ Bone Man, während ich die erste Wehe leise vertöne.

Tatsächlich habe ich mir die Wehen im Auto schlimmer vorgestellt, ich würde dennoch gerne wieder stehen und mit den Hüften schaukeln. An der Klinik angekommen, brauche ich 3 Versuche, um aus dem Auto zu steigen, weil immer eine Wehe dazwischen kommt. Auf den 200 Metern bis zum Eingang muss ich ein paar Mal stehen bleiben. Ich schicke mein „Aaaah“ in die Stille. Es ist zauberhaft.

In der Klinik fragt die Dame am Empfang, ob sie uns helfen könne. Ich lächle und antworte „Wir müssen in den Kreißsaal, wir kennen den Weg.“ Sie lächelt zurück und wünscht uns alles Gute.

In der Klinik wird gerade umgebaut. Zwischen den Lifttüren steht eine Holzwand, um die man herumlaufen muss. Man sieht leider nicht welche Türe sich öffnen wird. Zielsicher steuere ich auf die Seite zu, die sich natürlich nicht öffnet. Ich veratme gerade eine Wehe als sich die andere Tür öffnet. Der Freund erwähnt, dass wir die Seite wechseln müssen. Ich reagiere nicht. „Wir müssen rüber!“ setzt er erneut an. Meine Luft reicht nur für ein gezischtes „Wehe! … Der kommt bestimmt nochmal.“ An der Information kichert es.

Am Kreißsaal angekommen, nimmt uns eine Hebamme in Empfang. Es soll erst ein CTG geschrieben und dann noch ein Ultraschall gemacht werden. Ich verstehe nicht so recht warum, da ich ja ohnehin einen Kaiserschnitt bekomme, aber sie werden schon wissen, was sie tun. Ich bitte darum stehen bleiben zu dürfen, weil der Schmerz im Sitzen schlecht zu ertragen ist. Ich habe keine Ahnung, ob das CTG starke Wehen aufzeichnet oder nicht. Laut der Hebamme zeigt sich das Baby von den Wehen völlig unbeeindruckt. Die coole Socke! Es war auch schon beim Wendungsversuch die Ruhe selbst.

Dann kommt die Ärztin. Ich bin wahnsinnig neugierig und freue mich als sie sagt, dass sie mich gerne untersuchen würde. Ich möchte wissen, ob ich mich nur anstelle oder das Ganze etwas bewirkt. Der Muttermund ist 2-3 cm geöffnet. Ich bin sehr glücklich! Innerlich gebe ich mir ein High-Five. Es sind also doch richtige Wehen! Die Ärztin erklärt, dass noch eine Frau vor mir im OP sei, ich aber als nächstes dran komme. Sie bespricht noch einmal den Ablauf mit uns. Wir dürfen unsere Musik im OP abspielen, wenn wir möchten. Sobald das Baby entwickelt wird, werde der Vorhang abgesenkt, damit wir zusehen können. Ich frage, ob der Freund die Nabelschnur durchtrennen darf. Das gehe nicht, aber sie könnte das Baby mit der Plazenta entbinden, sodass er es auf der „Einheit“ abnabeln könne. Ich frage noch einmal nach, ob ich mein Baby auch wirklich gleich bei mir haben dürfe. „Selbstverständlich! Wenn es dem Baby gut geht, kommt es kurz auf die Einheit, wo es abgetrocknet wird. Das dauert ein paar Sekunden und dann kommt es zu Ihnen, wo es auch bleibt.“ Ich freue mich.

Ich solle noch ein bisschen CTG schreiben. Für die Untersuchung bin auch aus dem Schlauch gestiegen, beim Versuch ihn wieder anzuziehen, rollt eine Wehe heran. Die Hebamme stützt mich, eine Hand an meinem Bauch. Sie sieht mich an und sagt „Das ist eine ordentliche Wehe“, da müssen wir kein CTG mehr schreiben. Die Wehenabstände werden immer kürzer. Ich möchte auf die Toilette, das Entleeren der Blase ist schmerzhafter als die Wehen selbst. Ich ziehe das OP-Hemd an. Nach vorne offen, damit das Baby und ich sofort kuscheln können. Ich bekomme den Katheter gelegt. Ist das eklig! Ich bin überzeugt davon, mir gerade in die Hose gemacht zu haben. Die Hebamme erklärt mir, dass sich das am Anfang so anfühle.

1:30 Uhr. Wir werden alleine gelassen. Der Freund spielt den Geburtssoundtrack ab, solange wir warten. Er hält meine Hand, ich atme. Es fühlt sich so surreal an hier zu sein. Ab und zu muss ich die Wehen vertönen. Der Anästhesist, der nach der äußeren Wendung bereits das Aufklärungsgespräch durchgeführt hat, hat heute Dienst. Er ist lustig. Ich werde in den Vorbereitungsraum geschoben, der Freund wird von der Hebamme in einen anderen Raum gebracht, um sich umzuziehen.

Ich bekomme den Zugang gelegt. Dr. Sandmann erklärt mir alles ganz genau. Ich soll mich auch die Seite legen, den Rücken etwas rund machen und ganz still halten. Ich bin nervös wegen der Spinalanästhesie. Mittlerweile kommen die Wehen ununterbrochen, die Abstände sind so kurz, dass sie kaum der Rede wert sind. Ich halte meine Augen geschlossen, konzentriere mich auf meine Atmung und versuche sie zuzulassen, um nicht noch mehr zu verkrampfen, während eine Wehe nach der anderen auf mich zurollt.

Davon abgesehen bin ich einfach nur aufgeregt. Mein Rücken wird betäubt, kurz darauf spüre ich einen unangenehmen Druck im Rücken. Nach ein paar Sekunden macht sich ein warmes, kribbeliges Gefühl in meinen Beinen breit. Es breitet sich bis zu meiner Brust aus, ich spüre wie mir das Atmen etwas schwerer fällt. Die Anästhesie liegt. Der Schmerz ist einfach weg. Für den Moment genieße ich das sehr.

Irgendwann fragt Dr. Sandmann wo der Freund bleibe, ich scherze „Der bummelt bestimmt wieder.“. Alle lachen. Es herrscht eine lockere, fröhliche Atmosphäre. Währenddessen saß der Freund im Umkleideraum und wartete darauf abgeholt zu werden, er wusste nicht, dass wir auf ihn warteten. Ich bin froh als er wieder bei mir ist. Auf dem Weg in den OP erzählt mir der Freund, dass er so nervös war, dass er dreimal in dasselbe Hosenbein stieg.

Im OP stellt sich das Team vor, das finde ich richtig toll. Ich werde mit warmen Decken zugedeckt. Ich bin sehr glücklich, dass meine Arme nicht festgebunden werden. Gleich geht es los. Plötzlich taucht das Gesicht des Anästhesisten über mir auf, er fragt, ob ich nervös sei. Mein Blutdruck läge bei 180 zu irgendwas. Die Situation zeugt von Witz. Das Tuch wird vor meinen Augen gespannt, der Freund wird angewiesen auf keinen Fall aufzustehen. Sollte ihm schwindelig werden, solle er sich auf den Boden legen. Mit gedämpfter Stimme, informiert die Ärztin Dr. Sandmann darüber, das Tuch beim Entwickeln zu senken, damit wir zusehen können. Er wiegelt das ab. Ich bin genervt, dass er dem Wunsch nicht nackommen will, aber ich sage nichts. In diesem Moment ist es nicht so wichtig. Ich möchte mein Baby haben!

Der Freund hält meine Hand. Dann beginnt es zu ruckeln. Ich spüre wie ordentlich an mir gezogen und gedrückt wird. Es fühlt sich an als wolle das Kleine nicht raus. Gleich ist es soweit! Ich bekomme Sauerstoff.

Und dann geht alles ganz schnell. Noch ehe ich es sah, hörte ich mein Baby gurgeln. Ich habe nie ein schöneres Geräusch gehört. Mein Baby ist da! Die Ärztin hält das Baby über das Tuch. Ich sehe eine blutverschmierte Stupsnase. Das Profil sieht genauso aus wie auf dem Ultraschallbild! „Es ist ein Junge“, höre ich jemanden sagen. „Er ist so süß!“ ist alles was ich denken kann.

Bis zur Geburt wussten wir das Geschlecht unseres Babys nicht sicher, da mein Gynäkologe bei jedem Ultraschall etwas anderes erzählte. Bei der letzten Untersuchung vor ein paar Tagen, erzählte er noch etwas von einem Mädchen.

Der Kleine wird auf die Einheit gebracht, der Freund folgt ihm, wo er die Nabelschnur durchtrennt. Mir steigen die Tränen in die Augen, jemand tupft sie mir aus dem Augenwinkel. Ich werde gefragt wie er heißen soll. Ich tat mich mit dem Namen für einen Jungen bis zum Schluss unheimlich schwer, aber jetzt bin ich mir ganz sicher, obwohl ich ihn noch nicht einmal richtig gesehen habe. Ich antworte, gebe unserem Sohn seinen Namen.

Plötzlich wird mir furchtbar schlecht. Ich bekomme etwas gespritzt, aber es hilft nicht. Ich muss würgen. Es ist ein furchtbares Gefühl, die Übelkeit aufsteigen zu spüren und sich nicht drehen oder aufrichten zu können. Kurz darauf beruhigt sich mein Magen wieder.

Der Freund ist zurück, wir strahlen uns an, küssen uns. Er berichtet voller Stolz wie süß unser Baby sei. Und dann bekomme ich endlich mein Baby auf den Bauch gelegt. In diesem Moment hörte die Welt um mich herum auf zu existieren. Es ist unbeschreiblich. Er ist unglaublich warm und weich! Ich flüstere „Hallo, Baby!“, er schmiegt sich an mich und schläft ein. Meine Finger streichen sanft über seinen Rücken. Er ist so zart, als wäre er gar nicht richtig da. So muss sich eine Wolke anfühlen! Nur seine winzigen Hände und Füße sind ganz rau und runzlig.

Ich vergrabe meine Nase in sein Haar (so viele Haare!), atme seinen unvergleichlichen Duft ein. Er riecht ganz frisch und süß, wie ein Frühlingtag.

Da liegt es nun, dieses kleine Bündel Mensch, auf das ich so lange gewartet habe. Der Weg dahin ganz anders als erhofft, das Ergebnis unbeschreiblich.

Ich bin der glücklichste Mensch der Welt.

40+2 ♡ (Geburtsbericht Teil 1)

Es war eine verschneite Winternacht…

Eine Geschichte, die so beginnt, kann gar nicht schlecht sein, oder? Ohne viel vorweg nehmen zu wollen: es ist eine wunderbare Geschichte – die Geburt des kleinen Mannes.

Heute bist du genauso lange auf der Welt wie du in meinem Bauch warst. Und auch, wenn dein Weg zu uns ganz anders als erhofft und gewünscht war, war es doch ein unvergesslicher Moment, der sich tief in mein Herz gebrannt hat. Niemals mehr werde ich vergessen, wie ich dich zum ersten Mal sah.

Du hast mich zur Mama gemacht. Und nun möchte ich davon erzählen.

Ich muss aber ein bisschen ausholen, denn eigentlich ging es schon ein bisschen eher los.

Ich war die gesamte Schwangerschaft davon überzeugt, dass sich unser Baby nicht vor dem Termin Weg machen würde. Ich würde Wehen bekommen und unser Kind nachts zur Welt bringen. Ich war mir über diesen Ablauf so sicher, dass ich darauf verzichtete das Bett wasserfest zu machen.

 

ET-3

Seit einiger Zeit fühle ich immer wieder ein Ziehen im Unterleib als würde sich die Periode ankündigen. Mir fällt auf, dass das meist mit der Bewegung des Babys zusammenhängt. Ohne es weiter beschreiben zu können, macht sich immer mehr das Gefühl breit, dass sich unser Baby bald auf den Weg macht. Es fühlt sich anders an und arbeitet in mir.

Die Vorsorge bei meinem Gynäkologen bestätigt dies. Der Po des Babys sitzt tief im Becken, der Gebärmutterhals hat sich verkürzt und es ist eine Trichterbildung zu sehen. Alle Zeichen stehen auf Geburt. Es kann noch dauern, aber es könnte auch jederzeit losgehen.

Nach der Untersuchung fühlt sich mein Bauch an als hätte ich einen Gürtel um meinen Oberbauch gelegt. Mir fällt das Atmen schwer und es zieht im Unterleib. Ich mache mir wieder Sorgen. Mein Gynäkologe sprach nämlich auch von wenig Fruchtwasser und setzt mir eine Deadline bis wann das Baby kommen solle. Das macht mich unheimlich traurig. Ich wünschte mir nichts mehr als dass mein Baby sich seinen Geburtstag selbst aussuchen darf, nachdem mir der Traum von einer Geburt in ruhigen Atmosphäre in der Badewanne des Geburtshauses aufgrund der Beckenendlage verwehrt bleiben soll. Ich weine. Ich möchte doch Geburtswehen fühlen dürfen. Ich brauche das! Und ich wünsche es mir für mein Baby, damit es nicht ohne Vorwarnung aus mir herausgerissen wird.

 

ET-1

Ich telefoniere mit meiner Hebamme.  Ich weine mich ein bisschen aus, erzähle, dass ich seit Tagen furchtbar schlecht schlafe und sehr emotional bin. Sie kann mir meine Sorgen ein bisschen nehmen und das Gedankenkarussell etwas bremsen. Sie sagt, dass meine Beschreibung sehr gut zum Befund passe. Es sei die richtige Zeit und ich müsse ja auch irgendwann loslassen wollen.

Sie rät mir, mich viel zu bewegen, einen lustigen Film anzusehen (Oxytocin!) und einen netten Abend mit dem Freund zu verbringen, all das würde den Anstoß geben, wenn unser Baby bereit sei auf die Welt zu kommen.

Ich verbringe den Tag damit, die letzten Vorbereitungen zu treffen, trage den Sperrmüll an die Straße und gehe einkaufen. Insgeheim hoffe ich darauf, das Mäuschen so aus seinem Versteck locken zu können.
Mittags höre ich mir den Geburtssoundtrack an. Ich heule Rotz und Wasser, weil die Schwangerschaft bald ein Ende hat, während ich das Baby in meinem Bauch wiege. Ein letzter Tanz, bevor wir uns vielleicht schon ganz bald kennenlernen und ein neues Band knüpfen werden. All meine Gefühle brechen aus mir heraus, quellen aus jeder Pore meines Körpers. Ich bin so glücklich und dankbar. Ich bekomme ein Baby! Viele der Lieder habe ich über die Schwangerschaft hinweg gehört und gesungen, jetzt tragen sie mich durch diese Erinnerungen.

Meine Emotionen gehen mit mir durch. Ich bin bereit. Ich möchte mein Baby haben.

Es ist 17 Uhr als ich zum ersten Mal ein Ziehen spüre, ohne dass sich das Baby bewegt hätte. Ich sitze an den Tisch in der Küche gelehnt, das Essen auf dem Herd und grinse. Vielleicht geht es jetzt bald los. Ich freue mich auf den Freund. Ich möchte Abschied von der Zweisamkeit nehmen, die Zeit noch einmal richtig auskosten.

Wir haben es uns schon auf dem Sofa gemütlich gemacht als mein Handy klingelt. Ohne zu wissen, wer anruft, weiß ich, dass mich keine guten Neuigkeiten erwarten. Manchmal verfluche ich mein Gefühl. Mein Opa liegt im Sterben. Wieder übermannen mich meine Gefühle. Wieder bin ich voller Wut und Trauer. Diese Gefühle dominierten die letzten Wochen. Ich bin so wütend auf das Leben.

Wir verbringen trotz der Nachricht einen schönen Abend miteinander und sehen uns „Monsieur Claude und seine Töchter“ an. Gegen 23 Uhr gehe ich auf die Toilette und bin ein bisschen überrumpelt. Ich hatte schon seit Weihnachten immer wieder etwas Schleim verloren und seitdem, trotz innerer Überzeugung, gebibbert und gehofft, dass wir es bis Januar schaffen würden. Dachte ich, das könnte der Schleimpropf gewesen sein, wurde ich gerade eines Besseren belehrt. SO sieht also ein Schleimpropf aus.

 

ET

Um 1 Uhr werde ich wach. Der Bauch drückt sehr unangenehm. Es sind wieder diese periodenartigen Schmerzen, aber das kenn ich ja schon. Ich bin furchtbar unruhig, was auch am Sturm liegen könnte, der draußen wütet. Meine Gedanken sind bei meinem Opa. Um 3 Uhr schlafe ich wieder ein, es ist ein ruhiger Schlaf. Morgens erfahre ich, dass ich in Gedanken bei ihm war, als mein Opa starb.

Um 9 Uhr bin ich in der Praxis meines Gynäkologen. Das CTG zeichnet Wehen auf, sobald sich das Baby bewegt. Sie sind nicht schmerzhaft, aber unruhiger als noch vor ein paar Tagen. Ich fühle mich ausgelaugt. Seit Tagen liege ich nachts stundenlang wach und finde auch tagsüber nicht zur Ruhe. Die Gynäkologin, die meinen Arzt vertritt, rät mir, auf meinen Körper zu hören und um den Kaiserschnitt zu bitten.

Einen kurzen Moment denke ich darüber nach, verwerfe den Gedanken aber sofort wieder. Nein, so will ich das nicht. Es fühlt sich nach abkürzen an. So schön ich das Datum auch fände, es wäre nicht die Entscheidung unseres Babys gewesen.

Das Ziehen kommt über den Tag nun öfter, aber ich weiß ja, dass das nichts heißen muss. Viele Frauen haben über Wochen regelmäßig Wehen, die nach Stunden einfach wieder weg sind. Ich spreche mit dem Freund und wir sind uns einig, dass wir uns ans Protokoll halten wollen. Ich will, nein, ich brauche diese abgespeckte Version von Geburtserlebnis.

Um 19 Uhr wird das Ziehen regelmäßig. Alle 20 Minuten macht sich ein Periodenschmerz breit, der 30 Sekunden anhält. Das ist unangenehm, aber ich stelle mich sicherlich auch an, ich kenne das ja schon von der Periode. Eins ist aber sicher, ein Spaß wird das mit den Wehen nicht.

Gegen 21:30 Uhr finde ich rosanen Schleim am Toilettenpapier. Eine Zeichnungsblutung! Ich bin sofort hellwach und aufgeregt. Es tut sich also wirklich etwas am Muttermund. Das ist so spannend! Für eine Geburt heute würde es wohl nicht mehr reichen.

 

ET+1

Es ist 1 Uhr und wieder einmal bin ich wach. Auf der Toilette verliere ich blutigen Schleim. Viel Schleim. Wo kommt das denn alles her?! Ab 2 Uhr wird das Ziehen zu Krämpfen. Ich kann mich schwer konzentrieren, möchte tief in den Bauch atmen, aber das fällt mir unheimlich schwer, weil sich alles so fest anfühlt. Ich verfluche mich ein bisschen, das Atmen nicht richtig geübt zu haben. Vor lauter Beckenendlage und Kaiserschnitt habe ich irgendwie vergessen, dass ich ja trotzdem Wehen haben werde. Ich massiere den Bauch und hoffe, dass er sich durch die Wärme ein bisschen entspannt.

Das Baby drückt unter meine Rippen und nimmt mir die Luft zum Atmen. Das ist unangenehmer als die Wehen. Bei jeder Wehe fühlt es sich an als würde mein Bauch innen größer werden, nur der untere Teil bleibt eng. Dieses Gefühl kommt in unregelmäßigen Abständen von 20 bis 2 Minuten und hält 30 bis 60 Sekunden lang an.

Gegen 3 Uhr schleiche ich mich aus dem Bett und mache es mir auf dem Sofa gemütlich. Ich esse Kekse gegen die aufsteigende Übelkeit. Ich drappiere die Decke unter meinem Bauch und schaffe es eine einigermaßen bequeme Position zu finden. Ich bin so unglaublich müde. Ich starte die Wehenapp und lese nebenher Geburtsberichte, um herauszufinden, ob das, was ich spüre echte Wehen oder nur ekeliges Vorgeplänkel sind. Es fühlt sich so sehr nach Periode an, dass ich ständig mit einem Schwall Blut rechne. Um 4 Uhr ist der Spuk vorbei, keine Wehen mehr,ich schaffe es endlich einzuschlafen.

Ich möchte nicht zu früh ins Krankenhaus fahren, aus Angst gleich da behalten zu werden, wenn ich schon mal da bin, auch wenn es noch keine geburtswirksamen Wehen sind, ich möchte aber auch nicht zu spät dort ankommen, damit die Vorbereitungen für den Kaiserschnitt ganz entspannt durchgeführt werden können. Monkisch wie ich bin, hoffe ich, dass es ruhig bleibt. Ich hätte so gerne ein ungerades Geburtsdatum. Ja, es ist interessant worüber man sich so Gedanken machen kann.

Der Freund weckt mich um 8 Uhr. Ich fühle mich wie ausgespuckt. Ich bin erschöpft. Nach dem Frühstück versuche ich noch ein bisschen Kraft zu schöpfen, aber der Kopf gibt keine Ruhe. Ich bin überzeugt, dass wir die Deadline nicht mehr erreichen werden.

Eigentlich wollten wir heute einen schönen Tag miteinander verbringen. Wir hatten geplant noch ein bisschen bummeln und etwas essen zu gehen und danach noch ein letztes Mal ins Kino, bevor wir Eltern werden. Dazu fühle ich mich nicht in der Lage, stattdessen liege ich im Bett und versuche zu schlafen. Mein Körper weiß nicht, dass ich einen Kaiserschnitt bekomme, vielleicht geht es ja los, wenn ich etwas Kraft tanken konnte.

Gegen 14 Uhr gelingt mir das endlich. Als ich 3 Stunden später aus dem Bett steige, fühle ich mich annähernd erholt. Jede Drehung des Babys löst das altbekannte krampfartige Ziehen aus. Mittlerweile fühlt es sich deutlich fieser an als dieses leichte Gefühl, wenn sich die Periode ankündigt. Es fühlt sich viel mehr nach richtigen Periodenschmerzen an. Ich verliere weiterhin unfassbar viel mit Blut durchzogenen Schleim. Mein Körper scheint das mit dem Schleimpropf sehr ernst zu nehmen. Die Unsicherheit hat mich fest im Griff, es fühlt sich alles so sehr nach Periode an und die Abstände sind sehr unregelmäßig. Ich weiß doch gar nicht wie sich richtige Wehen anfühlen und wo sie weh tun. Ich warte auf das Ziehen im Bauch und im Rücken, das mir sagt, dass es richtig losgeht. „Das merkst du dann“, schreibt eine Freundin. Sie schreibt aber auch, dass es bei ihr genauso war und sie es sich ganz anders vorgestellt hatte.

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„Tock, tock, tock.“ ertönt es aus dem Raum um die Ecke. Sofort schnürt sich ein Band um meinen Magen. Ich stehe am Tresen der Frauenarztpraxis, möchte die regelmäßige Vorsorgeuntersuchung wahrnehmen und werde übermannt von meinen Gefühlen. Ich fühle mich zurückversetzt und spüre die Sehnsucht in mir aufsteigen wie bisher noch nie. Ich wünsche mir ein zweites Kind.

Ich konnte es nie nachvollziehen, dass Frauen kurz nach der Entbindung geplant erneut schwanger wurden. Ich finde es schön, jeder soll wie er möchte und es für ihn passt, aber ich konnte mir das für mich nicht vorstellen. Und jetzt stehe ich da und merke, dass ich es mir doch vorstellen könnte. Ja, wirklich wünsche. Dabei wird es vorerst aber aus verschiedenen Gründen bleiben wie es ist, allen voran der Kaiserschnitt.

Ich habe gerade erst mein absolutes Wunschkind bekommen, aber ich spüre deutlich, dass da noch Platz in meinem Herzen ist. Ich habe noch mehr Liebe zu geben.

Manchmal

Manchmal frage ich mich, ob ich etwas falsch gemacht habe. Ob ich es hätte anders angehen sollen. Ob ich mich mehr hätte probieren sollen. Mich durchsetzten oder besser organisieren müsste. Ob ich zu sehr auf ihn eingehe und deshalb kaum Raum für mich habe. Ihn zu sehr betüddle.

Ich war immer sehr organisiert, hab viel hinbekommen. Das klappt nun nicht mehr. Im Grunde bekomme ich nur noch das Nötigste geschafft und selbst das nicht immer. Das frustriert mich an manchen Tagen sehr. Dann kommen diese Gedanken. Ich hatte es mir etwas einfacher vorgestellt. Um nichts in der Welt wollte ich tauschen, aber ich gebe zu, ich habe unterschätzt wie anstrengend es sein kann 24/7 bereitzustehen. 
Zu kuscheln, tragen, stillen, wickeln, bespaßen. Die Welt zu erklären und selbst neu kennenzulernen, während ich versuche den Alltag zu bestreiten und das Chaos nicht die Oberhand gewinnen zu lassen. 

Und dann sehe ich wie wunderbar er sich entwickelt. Wie fröhlich und offen er ist. Wie toll er sich bereits verständlich machen kann und erkenne, dass es ist wie es ist. Und so muss es sein, denn es ist das, was er einfordert. Das was er braucht. Und genau das gebe ich ihm, das kann nicht falsch sein. Er braucht meine Nähe und die soll er bekommen, auch wenn es in mir manchmal nach Pause und Auszeit schreit. Er schreckt nicht im Schlaf auf, um mich zu ärgern. Nichts von dem, was er tut, hat einen Hintergedanken, zumindest keinen bösen. Es ist ein Bedürfnis, meist eines, das ich leicht erfüllen kann. Warum sollte ich es nicht tun? Aus reinem Egoismus? Ja, manchmal da würde ich auch Mal gerne alles abgeben, die Türe schließen, aber das bringe ich nicht übers Herz. Das fühlt sich nach Strafe an, wenn ich doch genau weiß, was ich tun kann. Und wenn nicht, kann ich ihn in seiner Unruhe und Verzweiflung nicht sich selbst überlassen.

Dann schiebe ich diese Gedanken beiseite, denn ich weiß, dass ich es richtig mache. Ich handle nach meinem Gefühl, bin für ihn da, wenn er mich hraucht. Ich mache sicher nicht alles richtig, aber ich gebe mein Bestes. Ich sage mir, dass er mich nicht lange so intensiv brauchen wird, dass ich mir in ein paar Jahren diese Momente zurück wünschen werde. Dass es mir fehlen wird, wie er sich ankuschelt und kichert und fröhlich kreischt, wenn ich ihn abknutsche. 

Ich war nie müder, erschöpfter und nie glücklicher.

Ich bin nichts lieber als seine Mama. Der schönste und fordernste Job der Welt. Und für mich definitiv der Beste.

6 Monate Januarbaby

Mein kleiner Mann,

du bist 25 Wochen und 6 Tage alt, das sind genau 6 Monate. Ein halbes Jahr!

Ich habe keine Ahnung, wann das passiert sein soll. Es ist als wäre es gestern gewesen, dass du in meine Arme gelegt wurdest und fühlt sich doch so an als wärst du schon immer da gewesen.

Du bist so groß geworden. Nichts erinnert mehr an das Minibaby, das du noch vor kurzem gewesen sein sollst. Ein richtig kleiner Junge bist du schon. Für die Statistik: Du trägst nach wie vor Vieles in Größe 62/68,aber auch 68 passt zum Teil wie angegossen.

Du bist ein Kuschler! Sowohl beim Einschlafen als auch über den Tag, forderst du meine Nähe ein. Sobald ich dich auf meinen Arm oder auf den Schoß nehme, lehnst du dich an und kuschelst deinen Kopf in meine Halsbeuge. Ich genieße das so sehr, kleiner Mann!

Zum Einschlafen robbst du dich an mich heran und kuschelst dich richtig ein. Du liebst es, wenn ich dir den Kopf kraule oder über deine Augenbrauen streichle, es fällt dir dann leicht in den Schlaf zu kommen. Oft legst du dann deine Hand auf meine und nestelst mit der anderen an mir oder deinem Tuch herum. Morgens nach dem Aufstehen kuscheln wir erst einmal eine kleine Runde, bevor wir in den Tag starten.

Du schläfst weiterhin bei uns im Bett. Alles andere ist undenkbar. Der Test, dich alleine im Bett oder in der Nonomo zum Einschlafen zu bewegen, ist gescheitert. Also stillen wir weiterhin. Dein Schlafverhalten in diesem Monat war in einem Wort: chaotisch.

Warst du bisher wie ein Uhrwerk sind deine Schlafenszeiten und Dauer richtig durcheinander. Fällt der Mittagsschlaf kürzer aus (1,5-2,5h), willst du abends noch einmal 30 bis 60 Minuten schlafen. Abends wirst du verlässlich gegen 19:00 Uhr müde. Seit diesem Monat reibst du dir nicht nur die Augen, wenn du müde bist, sondern krabbelst dir auch am Ohr und krallst dich in deine Haare.

Etwa um 18:30 Uhr machen wir dich bettfertig und spielen dann noch ein bisschen. Dann pustest du mit Papa das Licht aus und wir stillen. Manchmal schläfst du dann um 19:30 Uhr direkt ein, aber meistens bist du plötzlich wieder fit und spielst und quietschst noch ein bisschen vor dich hin, abwechselnd mit Stillpausen und schläfst dann gegen 20:30 Uhr brummend ¬¬ein. Dich später ins Bett zu bringen, funktioniert nicht, weil du wirklich richtig müde bist. In letzter Zeit hatten wir auch ein paar zeitliche Ausreißer und du schliefst erst zwischen 21 und 21:30 Uhr. Zu meinem Leidwesen sind deine Schlafphasen momentan etwas kurz, besonders in den letzten Tagen wirst du ca. 3:00 Uhr unruhig und möchtest stündlich stillen. Nach 6 Monaten kann ich also sagen: Ich bin furchtbar müde. Aber immerhin weinst du nicht! Du mopperst ein bisschen rum oder brummelst und schläfst recht zügig wieder ein.

Wenn du abends eingeschlafen bist, schläfst du auch ohne mich. Meistens bleibe ich aber doch bei dir liegen, weil ich diese Nähe so genieße und selbst sehr müde bin. Auch tagsüber klappt es öfter, da brauchst du zwischendurch immer noch die Brust.

Wir stillen noch immer voll. Du zeigst noch kein Interesse an Essen. Du beobachtest uns zwar und versuchst nach unserem Essen zu greifen, wenn ich dich gerade auf dem Arm habe, aber das machst du wirklich mit allem. Wenn du in deinem Newbornset mit uns am Tisch sitzt, spielst du lieber mit deinem Tuch und legst ganz frech die Füßchen auf den Tisch. Alles andere ist nicht so spannend. Ich glaube aber, dass wir trotzdem demnächst mal einen Versuch starten werden, ich bin schon sehr gespannt darauf!

Du bist so ein fröhlicher, kleiner Junge! Du kannst so wunderbar Spitzbübisch grinsen und wenn du deine kleine Zunge ganz spitz machst und herausstreckst, könnte ich dich in einem Haps auffressen, so süß bist du! Ich kann dir fast immer ein Grinsen entlocken und es ist wirklich jedes Mal ein Geschenk für mich.

Wenn dein Papa ein Tuch über deinem Kopf hin und herschwingt, reißt du vor Freude die Arme hoch. Aber noch besser ist es, wenn er für dich tanzt, da musst du richtig lachen. Du hast also Humor! An den Flanken und an den Oberschenkeln bist du kitzelig. Aber auch nicht immer!

Du kannst dich immer besser verständlich machen. Du kannst unheimlich ernst und skeptisch gucken. Wenn du wütend wirst, bekommst du eine Zornesfalte auf der Nase, das ist so niedlich! Wenn dir etwas nicht passt, fiepst du sehr energisch. Du bevorzugst ganz klar die hohen Töne, egal ob du lachst, weinst oder Geschichten erzählst. Aber du verleihst dir nicht nur mit Tönen und Mimik Ausdruck, auch deine Gestik wird immer differenzierter. Du forderst Nähe und Ruhe ebenso ein wie Aufmerksamkeit. Vor ein paar Tagen warst du das erste Mal beleidigt. Dein Papa hat dir einen Stapelturm gebaut, den du zu Fall gebracht hast, dabei ist dir ein Becher ins Gesicht gefallen. Man hat richtig gesehen, wie du gegen die Tränen angekämpft hast. Immer wieder sind deine Mundwinkel wieder nach unten gewandert, aber du konntest dann doch nicht anders und fingst an zu weinen. Als ich dich hoch nahm, beruhigtest du dich sofort, aber deinen Papa wolltest du für einen Augenblick gar nicht ansehen. Als du ihn dann doch angesehen hast, stiegen dir gleich wieder Tränchen in die Augen und während du ein bisschen lächeln wolltest, schobst du auch immer wieder die Unterlippe nach vorne. Das war so unfassbar niedlich!

Du bist wirklich kein hilfloses Minibaby mehr. Du drehst dich weg, wenn dir etwas nicht gefällt oder du keine Lust mehr auf etwas hast. Du zeigst Freude, Abneigung und Interesse ganz deutlich. Es macht so viel Spaß mit dir zu interagieren, deine Reaktionen zu erforschen und mir dir zusammen die Welt ein bisschen neu zu entdecken.

So kratzt du momentan an allen Gegenständen, die dir in die Finger kommen. Du erkundest die Haptik und Akustik, dabei kannst du dich wirklich ausdauernd mit unserem Regal oder meiner Wasserflasche beschäftigen. Je mehr Geräusche es macht, desto besser.

Deine Bewegungen sind so fließend geworden und manchmal kann man gar nicht so schnell gucken wie du dich auf den Bauch gedreht hast. Du drehst dich aber selten einfach so, am liebsten strampelst du nämlich auf dem Rücken liegend herum. Meist möchtest du an eines deiner Spielzeuge und kommst sonst nicht heran oder abends, da drehst du noch mal richtig auf – und rum. Du bewegst dich quasi rollend und rotierend fort. Wenn du dich falsch herumgerollt hast und dein Arm unter deinem Bauch gefangen ist, holst du mit dem Po Schwung und ziehst den Arm heraus. Es kam auch schon vor, dass du so viel Schwung nahmst, dass du fast wieder herumgepurzelt bist. Wenn du auf dem Bauch liegst nimmst du deine Beinchen in Froschhaltung und stößt dich mit den Füßen ab.

Die Füße sind dabei im Idealfall nackt. Das liebst du sehr! Das hast du wohl von deinem Papa, der ist nämlich auch am liebsten barfuß unterwegs. Du greifst manchmal nach ihnen und legst beim Spielen gerne einen Fuß ganz lässig auf deinem anderen Knie ab. 

Du greifst nach deinem Frosch am Spielbogen und lässt ihn schnalzen, legst dir deine Greifringe aufs Gesicht über die Nase und freust dich so sehr an meiner Reaktion daran. Du greifst hochkonzentriert auch nach der dünnsten Haarsträhne und du liebst Bücher! Vermutlich noch mehr wegen der Geräusche, die das Papier macht, wenn du es zerknüllst oder darüber kratzt oder vielleicht auch, weil sie besonders gut schmecken, aber du sitzt auch ganz ruhig auf meinem Schoß und lässt dir von mir die Bilder erklären. Auf meinem Schoß liegend, spannst du den Bauch an und hebst dein Köpfchen.

Du akzeptierst den Kinderwagen immer mehr und bist tatsächlich einmal darin eingeschlafen. Am liebsten wirst du aber trotzdem getragen, ganz egal ob in der Trage oder auf dem Arm, Hauptsache oben.

Mein kleiner Mann, da sind so viele kleine Dinge, alles ist besonders. Am liebsten würde ich jeden Moment einfrieren, um ihn immer wieder erleben zu können, aber das geht leider nicht. In 6 Monaten feierst du schon deinen ersten Geburtstag, ich kann es nicht glauben.
Das Leben mit dir macht so viel Spaß.

Ich liebe dich.

5 Monate Januarbaby

Mein kleiner Kobold,

du bist heute 5 Monate alt. Das sind genau 21 Wochen und 4 Tage.

Dieser Spitzname ist nur einer von vielen, aber in letzter Zeit verwende ich ihn häufig. Wenn du so frech grinst, deine Augen zusammen kneifst, die Zungenspitze  herausstreckst und dabei deine Händchen reibst, muss ich einfach an einen Kobold denken. Du bist so unglaublich süß.

Du bist 64 cm lang und trägst mittlerweile Größe 62/68. Wie immer sind es deine Beinchen, die schon in 68 passen, leider ist dir der Bund fast immer zu weit. Obenrum trägst du noch zwei Pullover in 56/62, sonst passt 62 perfekt. Du warst lange sehr zierlich, aber jetzt hast du endlich niedliche Speckbeinchen und Ärmchen bekommen.

Deine Augenfarbe verändert sich. Sie sind immer noch blau, aber es wirkt als mische sich ein Grauton darunter. Ich bin so gespannt, wohin das führt. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass sie irgendwann nicht mehr blau sein sollen.

Du trägst einen modischen Undercut mit natürlichem Seitenscheitel. Selbst an deiner Liegestelle wachsen viele, ganz helle Härchen nach. Nur der Rest im Nacken, der noch von deiner Geburt blieb, dünnt langsam aus. Deine Haare sind so unglaublich weich und schon richtig lang geworden. Ich liebe es so sehr darin zu wuscheln und du genießt das sehr.

Eine eher selten genutzte Fähigkeit ist das Drehen. Du drehst dich fleißig auf die Seite, um dir Spielzeug zu schnappen oder zu schlafen, aber dabei bleibt es auch meist. Dabei kannst du dich nun vom Rücken auf den Bauch drehen. Vermutlich weißt du, dass du dann eben in Bauchlage liegst. Das machst du zwar echt toll, aber du findest das reichlich anstrengend und möchtest dann bitte bald wieder in deine Ausgangslage gebracht werden. Dass du dich zurückdrehen könntest, hast du noch nicht ganz verinnerlicht, obwohl du mit dem Po ordentlich Schwung nimmst und dich auch schon einmal nach kurzem Üben zurückgedreht hast.
Apropos Bauchlage, du bringst dich alleine in den Unterarmstütz und greifst dann nach Spielzeug ohne dass du die Balance verlierst. Das ist richtig cool und erhöhte die Akzeptanz dieser Position ungemein! Du bist jedes Mal stolz wie Bolle.

Du bist so aufmerksam und neugierig. Du beobachtest deine Umwelt ganz genau. Du folgst unseren Bewegungen und lässt uns nicht aus den Augen. Gebe ich dir deinen Schnuller, begutachtest du ihn ausgiebig von allen Seiten. Du drehst und wendest ihn, steckst ihn dir dann selbst in den Mund und kaust darauf herum. Hast du genug, spuckst du ihn wieder aus. Du trampelst wild herum und ruderst mit den Armen. Du trittst aber auch ganz gezielt nach Dingen, zum Beispiel wenn dir dein Papa den Oball vor die Füße hält oder wenn du auf meinem Schoß liegst. Dein Ehrgeiz ist bewundernswert und dein konzentrierter Gesichtsausdruck der Knaller.

Du baust deine Palette an Gesichtsausdrücken immer weiter aus. Erschrickst du oder freut dich etwas sehr, reißt du die Augen ganz weit auf. Ich liebe es, dich dabei zu beobachten, wie du dich ausprobierst.

Liegst du angelehnt auf meinem Schoß, greifst du meine Hände und versuchst dich nach vorne zu ziehen. Du bist gerne auf dem Arm. Von dort aus kannst du viel mehr sehen. Du machst dich lang und sitzt schon richtig aufrecht. Ich muss mich immer daran erinnern, dich nicht jetzt schon auf die Hüfte zu setzen, so stabil bist du dabei.

Wenn du dich unbeobachtet fühlst, spielst du richtig ausdauernd mit dir selbst. Du rollst dich auf die Seite, lachst plötzlich los und wirfst die Arme in die Luft. Du brabbelst und erzählst wild vor dich hin. Überhaupt kannst du eine ausgesprochene Quasselstrippe sein. Da kommst du nach mir. Dein Papa tut mir jetzt schon ein bisschen leid.

Autofahren mit dir ist ein bisschen wir Russisch Roulette. Meistens lässt du es wirklich geduldig über dich ergehen. Du spielst mit deinem Oball oder knabberst an deinen Händchen. Bist du müde, schläfst du auch mal ohne einen Mucks einfach ein. Damit hast du mich wirklich überrascht. Aber wenn irgendetwas nicht passt, dann ist Polen offen. Die Mischung müde, hungrig, warm ist dabei ganz fatal. Du brüllst dann ganz herzzerreißend. In der Sekunde, in der man dich aus der Babyschale nimmt, beruhigst du dich. Mit etwas Glück bist du nach einer Auszeit oder einem kleinen Snack wieder bereit für die Fahrt, aber die Erfahrung zeigt, dass das nur von kurzer Dauer ist.

Du bist ein Wasserratte. Sobald dein großer Zeh das Wasser berührt, legt sich ein breites Grinsen auf dein Gesicht und es gibt kein Halten mehr. Du planschst wie verrückt drauf los, da bleibt nichts trocken.

Dein Lachen ist das schönste der Welt. Ich kann nicht genug davon bekommen. Wenn dein Papa und ich Quatsch mit dir machen oder dich kitzeln, kannst du dich kaum halten vor Lachen. Du windest dich, kicherst, kreischst und gluckst vor Freude. Ganz hoch im Kurs sind „Gugucks? – Da!“ und wenn dich dein Papa in die Luft hebt. Du bist ein wirklich fröhliches Kerlchen und fast immer, wenn ich dich ansehe, schenkst du mir dein bezauberndes Lächeln. Es ist wie eine Droge für mich und ich mache mich zu gerne zum Affen, um immer mehr davon zu bekommen.

Ich habe den Eindruck du reagierst schon manchmal auf deinen Namen. Das ist ziemlich cool! Und auch wenn es dafür noch etwas früh ist, benutze ich beim Stillen das Babyzeichen für Milch und bilde mir ein, dass du das schon richtig verstehst. Mittlerweile drehst du dich zu mir, wenn ich es zeige.
Bevor ich dich hochnehme, Klatsche ich oft in die Hände, öffne sie und sage dabei ‚Komm.“, greifst du nach meinen Händen nehme ich dich hoch.

Den Abendschlaf hast du fast komplett abgeschafft, müde genug wärst du zwar, aber nur noch selten tankst du mit einem Powernap Kraft. Morgens pendelst du irgendwo 45 und 90 Minuten. Mittags schläfst du etwa 3 Stunden. Das klappt aber nur, wenn du Ruhe hast. Wenn wir unterwegs sind oder nicht unserem gewohnten Rhythmus nachgehen können, reicht auch stillen nicht, um dir die nötige Ruhe zu geben. Als wir für das Familienshooting Zuhause waren, warst du einfach mal 7 Stunden wach, weil du eben nicht einfach mal so einschläfst.
Du schlummerst meist zwischen 19:30 und 20:30 Uhr ein und schläfst dann zwischen 4 und 6,5 Stunden in der ersten Schlafphase.
Du lässt dich inzwischen ablegen, wenn du nicht eh schon neben mir beim Stillen einschläfst. Manchmal kann ich mich dann auch wegschleichen. Abends klappt das inzwischen recht zuverlässig. Der erste Abend nur mit einem Papa auf dem Sofa, so ganz ohne dich, fühlte sich richtig ungewohnt an.
Ob du ausgeschlafen bist, erkennt man daran, ob du beim Aufwachen weinst. Ist das der Fall, schläfst du nach einem kurzen Snack einfach wieder weiter.
Zum Einschlafen stillen wir. Du legst deine Füße auf meinen Oberschenkel, überhaupt legst du deine Füßchen überall hoch, kuschelst dich an Larry, deine Giraffe, oder dein Spucktuch. Du nestelst noch eine Weile daran herum bis du richtig eingeschlafen bist.
Ab und an drehst du dich sogar weg und schaffst den Sprung ins Land der Träume ohne die Brust. Oder nickst ohne Brust wieder ein, wenn du zwischendurch kurz wach wirst. Solange ich in der Nähe bin ist alles ok und wenn ich dir ein getragenes Shirt zum Schlafen gebe, klappt es auch ohne mich immer öfter. Das ist erwähnenswert, weil an sowas bis vor kurzem gar nicht zu denken war. Da wurdest du schon wach, wenn du im Schlaf versehentlich abdocktest.

Du bist ein Stillprofi. Gerade jetzt, wo es so heiß ist, stillen wir meistens im Liegen. Wenn du keine Lust mehr hast oder satt bist, dockst du ab und drehst dich auf den Rücken oder ganz weg. Wenn du wieder trinken möchtest, drehst du dich zurück und dockst ohne Hilfe wieder an.
Das hast du abends zum Spiel gemacht und dockst dich ab und an und ab und an. Drehst dich, rotierst, zappelst ein bisschen herum. Trinkst, spielst und irgendwann schläfst du dann beim Stillen ein. Du schläfst nur noch sofort ein, wenn ich genau den richtigen Zeitpunkt erwische, das klappt am Tag besser als abends.

Apropos Hitze: Die macht dir zu schaffen. Du schläfst extrem unruhig und auch tagsüber weißt du nicht so Recht wohin mit dir. Aber du liebst es mit nackten Beinen oder ganz nackig zu strampeln. Liegst du dabei auch noch unter einem Baum, ist dein Glück perfekt.

Du weinst wirklich selten. Nur ein einziges Mal weintest du nachts. Das hast du seit kurz nach der Geburt nicht mehr getan. Wir waren richtig überrascht. Das fiel aber auch in die Tage, an denen du plötzlich beim Stillen den Kopf zurückwarfst und ganz furchtbar zu weinen anfingst. Du liest dich teilweise gar nicht beruhigen. So kennen wir dich gar nicht. Vielleicht hing das aber auch mit der Impfung zusammen, die du ein paar Tage zuvor bekommen hattest. An einem Abend war es so schlimm, dass wir dir ein Schmerzzäpfchen gaben. Kurz darauf schliefst du schnuffelnd beim Stillen ein. Dich so zu sehen ist wirklich schwer zu ertragen, armer Spatz.

Ich erwische dich immer öfter mit dem Daumen im Mund. Du kaust eher drauf herum als dass du nuckelst, so richtig glücklich bin ich darüber aber trotzdem nicht. Du lässt dich dann aber meistens recht schnell ablenken.

Da sind so viele kleine Momente, in denen ich mein Glück nicht fassen kann. Fast jeden Abend stehen mit die Tränen in den Augen, während ich dich beim Einschlafen beobachte. Du bist bist alles.

Ich liebe dich so sehr.

Mama.

Nachtschatten

Oft sind es Momente, die zu dunkel für die Kamera sind, die mein Herz zum Leuchten bringen.
Wenn du im Schlaf unruhig wirst und leise wimmerst, ist es meine Nähe, die dich beruhigt. Ich gebe zu, manchmal ist es schön, dass nur ich es dir recht machen kann.

Dein Anblick, wenn du dein Köpfchen entspannt in meine Hand schmiegt, du wieder ganz locker wirst. Wenn du deine Äuglein öffnest und mich so intensiv und durchdringend ansiehst.

Dein verschmitzes Lächeln, wie du dich räkelst und vorsichtig immer wieder ein Auge öffnest, wenn du wach wirst.

Ich wünschte mir, ich könnte es bildlich festhalten, aber oft spielen sich diese Dinge im Nachtschatten ab. Flüchtige Momente, die ganz uns gehören. Niemandem sonst. Ich habe sie abgespeichert. 

Du bist alles.