Äußere Wendung

20.12.2016

Meine größte Angst ist es, dass dieser Versuch das Ende der Schwangerschaft bedeuten könnte. Davor habe ich wirklich unfassbar große Angst. Ich hatte nicht damit gerechnet schon für morgen einen Termin zu bekommen. Andererseits drängt die Zeit und Weihnachten macht es nicht einfacher.
Der Freund und ich besprachen Für und Wider des Ganzen. Immer wieder. Ich weinte viel, fühlte mich überrumpelt und als müsste ich mein Kind sofort hergeben. Dazu bin ich noch nicht bereit und wahrscheinlich bereitet es mir am meisten Angst, dass die Schwangerschaft plötzlich einfach vorbei sein könnte und ich keine Zeit hatte mich darauf vorzubereiten.
Es ist mir klar, dass das immer der Fall sein kann. Aber ich hatte Sorge, dass meine Entscheidung dafür verantwortlich ist und nicht mein Kind aus eigenen Stücken entscheiden darf.

21.12.2016

Den Morgen verbrachte ich damit mich zu entspannen, damit mein Bauch möglichst weich ist. Ich machte Lavendelwickel, massierte und streichelte den knüppelharten Bauch. Optimale Bedingungen schaffen sozusagen. 

Ich sollte um 9 Uhr im Kreißsaal anrufen, um zu erfahren wann ich da sein sollte. Mir schlug das Herz bis zum Hals. Vorher versuchte ich meine Hebamme zu erreichen und die andere Ärztin mit der ich schon über die Wendung sprach. Aber egal wen ich versuchte zu erreichen, niemand ging ran.

Ich rief im Krankenhaus an, fest damit rechnend, dass ich in ein paar Stunden kommen soll und war wie überfahren als man mir sagte, ich solle am besten so bald wie möglich vorbeikommen, da die Kreißsäle benötigt werden.

Ich informierte den Freund, zog mich an und packte den Rucksack für die Nacht im Krankenhaus. Ich beschloss auch die Geburtstasche mitzunehmen. Ganz nach dem Regenschirmprinzip: hat man sie dabei, benötigt man sie nicht. 

Im Krankenhaus wurde noch ein Ultraschall zur Lagebestimmung und ein CTG gemacht. Dann legte mir die Ärztin einen Zugang und injizierte mir ein wehenhemmendes Mittel, um zumindest ein bisschen Spannung vom Bauch zu bekommen. Binnen Sekunden bekam ich krasses Herzrasen und wurde zittrig, wie es die Ärztin vorausgesagt hatte und dann ging es los. 

Sie versuchte den Po des Babys aus dem Becken zu heben, was sich als recht schwierig herausstellte. Der Po saß schon ordentlich fest und erst als man mich fast schon in die Position der indischen Brücke brachte, gelang es. Allerdings drängte der bei jeder Bewegung des Kopfes wieder zurück. Weder eine Vorwärts- noch eine Rückwärtsrolle wollte gelingen. Als besondere Schwierigkeit kam mein hoher Muskeltonus hinzu. Mein Bauch ist sehr fest und man kann ihn kaum eindrücken, ganz besonders schwierig ist das, wenn das Baby sich vorne in den Bauch drückt, statt es sich im Bauch gemütlich zu machen.

Eine zweite Ärztin unterstütze sie bei den Handgriffen oder kontrollierte, ob beim Baby alles OK war. Sie versuchten es einige Mal, redeten auf das Baby ein, rüttelten, schoben und drückten, aber es wollte nicht klappen.

Ich konzentrierte  mich auf meine Atmung und versuchte dem Drang zu widerstehen gegen den starken Druck anzukämpfen. Ich versuchte mir vorzustellen wie ich mich im warmen Wasser treiben ließ oder redete in Gedanken mit dem Baby. Versuchte ihm gut zuzureden, es zu ermuntern mitzumachen. Der Freund war die ganze Zeit bei mir und seine Hand zu halten hat mir so sehr geholfen. Alleine hätte ich das wirklich nicht erleben wollen. Die Erinnerung verblasst schon wieder, aber es war wirklich sehr unangenehm. Dieser starke Druck war schwer auszuhalten ohne komplett dagegen zu gehen. Am unangenehmsten war es in der Magengegend.

Der Versuch wurde nach ca. 20 Minuten abgebrochen. Unser Baby möchte nicht. Meine Enttäuschung war groß, aber die Erleichterung, dass unser Baby alles super mitgenacht hat und sich nicht stressen ließ, war so viel größer. Außerdem macht es mir etwas Hoffnung für die Geburt.

Ich habe in den letzten Wochen alles ausprobiert. Von moxen über die verschiedensten Verrenkungen bis hin zu Osteopathie und Globuli. Ich habe ALLES ausprobiert. Vielleicht war ich nicht konsequent genug und habe nicht früh genug angefangen, weil ich bis zur 34. Woche immer gesagt bekam, dass das noch völlig normal sei. Vielleicht hatte ich zu viel Stress. Sicherlich auch durch das Ausprobieren. Ich werde nicht herausfinden, warum unser Baby lieber mit dem Po zuerst zur Welt kommen möchte, aber ich habe nun alles probiert, das ich tun kann und das nimmt mir eine große Last von den Schultern. 

Obwohl der Versuch scheiterte, fühle ich mich ein großes Stück befreit. Sowohl körperlich als auch psychisch machte sich gleich eine Erschöpfung breit wie ich sie lange nicht erlebt habe. Aber auch Ruhe. Ich bin entspannt, gelöster. Mein Bauch wurde trotz dieser Belastung nicht einmal richtig hart.

Ich werde nun noch ein MRT machen müssen und wenn das okay ist, darf ich zumindest eine spontane Geburt versuchen.

Ich bin enttäuscht, dass nun die Option des Geburtshaus es entfällt. Aber es hat mir auch gezeigt, dass es nicht hilft sich auf etwas zu sehr zu versteifen. Ich hätte mich wohl bei einer Schädellage kaum mit möglichen Komplikationen auseinandergesetzt, obwohl die auch da auftreten können. Und das hätte mich dann erst richtig umgeworfen. Ich muss es nehmen wie es ist. So oder so. Po oder Kopf zuerst ist dabei egal. Das habe ich nun gelernt. Wer weiß, vielleicht würde eine Geburt im Geburtshaus ja in einer Katastrophe enden. Ich werde es nicht erfahren. Aber es wird schon seinen Sinn haben, dass es nun ist wie es ist.

Und es hat mir etwas die Angst vorm Krankenhaus genommen. Ich wäre lieber Zuhause, aber ich werde wirklich super umsorgt. Das ist schon anders als in der Uniklinik letztes Jahr.

Ich wünschte, es wäre anders gelaufen, das will ich nicht verleugnen, aber ich kann es nicht ändern. Ich wünsche mir nun aber sehr, dass die Schwangerschaft so endet wie sie begann – voller Optimismus und ohne weitere Probleme.

Geburtsplanung

Wir haben das Gespräch zur Geburtsplanung nun hinter uns gebracht. 

Auch im Krankenhaus wurde Urin getestet, ein CTG geschrieben, das keinerlei Wehen zeigte und Blut abgenommen.
Ich besprach mit einer Hebamne meine Wünsche für die Geburt (möglichst viel Ruhe und wrnig Untersuchungen, frei bewegen dürfen…), auch im Hinblick auf eine Beckenendlage. Mir gefällt die Philosophie des Krankenhauses, sich möglichst wenig einzumischen sehr. Ob es am Ende auch do sein wird, wird man sehen.

Das Aufklärungsgespräch bezüglich der Beckenendlage war etwas mager, aber da vorher noch ein MRT meines Beckens gemacht werden soll (was ich persönlich völlig unnötig finde, aber ok), kommt da sicherlich noch mehr dazu, wenn alle Befunde vorliegen.
Im Vorfeld spricht erst einmal nichts gegen eine Spontangeburt aus Beckenendlage.

Dann wurde es spannend. Der Ultraschall zeigte ein putzmunteres Baby. Es wurde auf 2.760g geschätzt mit einem Kopfumfang von 32cm und einem Bauchumfang von 31cm. Die Ärztin konnte keine Nabelschnurumschlingungen feststellen und auch sonst sieht wohl alles gut aus. Ich habe vom Ultraschall leider nicht viel gesehen, aber immerhin wissen wir nun, dass unser Baby die perfekte Beckenendlage-Position eingenommen hat, heißt Po unten und beide Füßchen nach oben. Wenn das MRT passt, darf es spontan kommen.

Ich hatte mich bereits im Vorfeld mit der Möglichkeit der äußeren Wendung beschäftigt. Diese wurde uns nun auch vorgeschlagen. Mein Bauch sei zwar etwas fest, aber der Rest passe und wenn ich wolle, würde man es probieren. Die Risiken sind sehr gering, aber es gibt sie. So könnte die Blase springen, Wehen auftreten oder sich die Plazenta lösen. Die Ärztin versicherte mir, dass das wirklich selten vorkomme und sie das noch nie erlebt habe. Das Schlimmste war bisher, dass es eindach nicht klappte. Die Risiken einer spontanen Geburt lägen höher. Man würde es ein paar Mal probieren, aber nicht um jeden Preis. Im Anschluss muss ich eine Nacht zur Überwachung bleiben.

Ich sagte zu. Aber ich bin sehr hin und her gerissen. Wie schon die ganze Zeit. Bei allem. Ich habe Angst, dass etwas schief geht. Ich will aber auch nichts unversucht lassen, denn auch beim Sponanversuch könnte etwas schief gehen, wie bei jeder anderen Geburt auch. Das Versuche ich mir immer wieder zu sagen. Man steckt nicht drin. Aber durch diese Situation bin ich gezwungen mich intensiver damit auseinander zu setzen. Mehr als mir lieb ist.

Ich bin ziemlich fertig heute. Es ist zu viel. Ich möchte meinem Kind nicht schaden. Wäre es besser es zu akzeptieren wie es ist? Ich bin überfordert und wünsche mir gerade einen Blick in die Zukunft. Am liebsten würde ich einfach abhauen. Hilft ja aber auch nicht.