Unser Weihnachten 2016

Schon vor Wochen hatten wir unseren Familien gesagt, dass wir dieses Weihnachten alleine für uns verbringen möchten. Ganz ohne Stress und Hektik. Denn so schön es auch ist die Familie zu sehen, ist es in unserem Fall logistisch doch immer eine Herausforderung 4 Parteien an 2 Tagen unter einen Hut zu bringen ohne hinterher völlig überfressen auf dem Zahnfleisch zu kriechen.
Mit der Schwangerschaft hatten wir dann auch eine Ausrede, die alle akzeptieren ohne zu murren und so stand einem ruhigen Weihnachten im Grunde nichts im Wege.

Der Morgen des 24. Dezember, begann jedoch wie der Abend davor endete.
Ich war wütend, traurig und weinte viel. Der Freund und ich redeten viel und er versuchte mich aufzumuntern, was ich ihm nicht gerade leicht machte.
Mir stand nicht der Sinn nach Weihnachten. Ich wollte nicht so tun als sei alles super, denn das war es für mich nicht. Es war Scheiße. Ich bat ihn sogar zu seinen Eltern zu fahren, damit zumindest er ein wenig Weihnachten feiern konnte, aber er weigerte sich. Ich bekam es erst im Nachhinein mit, aber der Freund hatte auch mit seinen Eltern gesprochen und ihnen erzählt, was sich die Tage ergeben hatte. Sie legten ihm nahe bei mir zu bleiben. Sein Papa sagte wohl sogar, er will ihn nicht mehr sehen ehe das Baby da sei. Das klingt doof, aber ich weiß genau wie es gemeint ist, vor allem weil der Freund eigentlich noch mal wegen der Technik Zuhause vorbeischauen wollte/sollte. Das war wirklich schön. Ja, meine Schwiegereltern sind schon toll.

Der Freund gab aber nicht auf und schmückte den Baum, während ich mit einer Freundin telefonierte. Das tat richtig gut und auch wenn sich nichts an der Situation geändert hatte, fühlte ich mich nicht mehr wie der schlimmste Mensch auf diesem Planeten. Und dann begann Weihnachten.

Wir verbrachten ein wunderbar faules, ruhiges Weihnachten ganz für uns.
Wir machten es uns den ganzen Tag in Jogginghose und weiten Pullis bequem. Bereiteten das Abendessen vor und ließen nach einer ganz minimalistischen Bescherung den Abend kuschelnd auf dem Sofa mit dem Wunder von Manhattan und Herr der Ringe ausklingen. Wir hatten so viel Zeit für uns, das war ganz ungewohnt und so wichtig. Ich habe das Reden und die Nähe des Freundes sehr vermisst, denn gerade in den letzten Wochen kam beides aus verschiedensten Gründen viel zu kurz. Ich habe jeden Moment aufgesogen wir ein Schwamm.

Am 25.12. blieben wir lange im Bett liegen und entschlossen uns spontan nachmittags ins Kino zu gehen. Wer weiß, wann wir das das nächste Mal so ohne Weiteres machen können. Die Freude in den Augen als ich vorschlug, dass wir uns den neuen Star Wars ansehen könnten, war echt das größte Geschenk für mich. Da konnte man den kleinen Jungen richtig herausleuchten sehen. Der Film war klasse und der Freund danach richtig aufgekratzt. Ich glaube, er hätte ihn am liebsten direkt noch mal geschaut. Ich liebe es einfach ihn so zu sehen. So glücklich und gelöst.
Zuhause angekommen, bereiteten wir unser Abendessen vor und machten es dann mit der 9. Staffel Big Bang Theory gemütlich.

Am 26.12. standen wir wieder super spät auf und schlugen uns den Bauch mit einem opulenten Pancake-Frühstück den Bauch voll. Wir wollten schon vor Wochen ins Thermalbad, hatten es aber bisher nicht geschafft und entschieden uns es jetzt zu wagen. Wir hatten beide keine Lust auf ein großes Programm, aber nur Zuhause sitzen wollten wir auch nicht. Es schien als hätte die halbe Stadt dieselbe Idee gehabt. Wir ließen uns davon aber nicht abschrecken und irgendwann fanden wir dann auch einen Parkplatz. Das Bad war wirklich total voll, das tat der Entspannung aber keinen Abbruch. Wir ließen uns durch das warme Wasser treiben und genossen die Schwerelosigkeit. Nach ein paar Stunden fuhren wir wieder nach Hause und ließen den Tag ganz ruhig ausklingen.

Unser Weihnachten war nach ein paar Anlaufschwierigkeiten in einem Wort: entspannt. Es war wunderschön und voller tiefer, inniger Momente, die mir unheimlich viel bedeuten. Das Baby war an beiden Tagen ungewöhnlich lange am Stück aktiv als freute es sich auch total über Papas Aufmerksamkeit. Der wurde auch nicht müde zu erzählen wie sehr er sich auf unser Baby freut. Ich kann das gar nicht oft genug hören. Das sind solche Momente, da drohe ich zu vor lauter Glücksgefühlen zu platzen. Herzschmelzmomente! Ich habe die Zeit so genossen und bin richtig traurig, dass der Freund nun wieder arbeiten muss.

Weihnachten hätte nicht schöner sein können. Mir hat nichts und niemand gefehlt. Es war genau richtig so. Es hätte ruhig noch länger dauern können, aber ich bin auch ein bisschen froh, dass es vorbei ist und Baby noch im Bauch ;-)

Unser erstes Weihnachten als Familie.
Unser letztes Weihnachten zu zweit. ♡

Magisch

Gestern Abend sahen der Freund und ich uns den neuen Film mit Ryan Gosling an.
Mir ging dieser Film sehr nahe. Manchmal war es für mich geradezu beklemmend und ich hatte den Drang das Kino zu verlassen. Das hatte ich bisher noch nie. Ich kann mir auch nicht erklären warum. So richtig kriege ich den Film auch nicht zu fassen, aber diese Familiengeschichte nagte doch sehr an mir.
Nach dem Film sprechen der Freund und ich immer noch einmal über das Gesehene. Dieses Mal fällt es mir sehr schwer und ich muss immer wieder etwas Schlucken und mit den Tränen kämpfen.

Wir schlendern durch die lauwarme Nacht. Es ist so schön, die warme Luft auf der Haut zu spüren. Ich beobachtete das Gewusel, das von der nächtlichen Stille umarmt wird. Als wir fast beim Auto sind, sehe ich ein Paar an einer Straßenecke stehen.

Es sieht so aus als wollen sie die Straße überqueren, aber obwohl sie total verlassen war, gingen sie nicht weiter. Irgendwas an dieser Situation ist anders. Die Frau hat die Hände in den Rücken gestemmt. Plötzlich schießt mir „Sie hat Wehen!“ durch den Kopf. Noch ehe der Gedanke fertig gedacht ist, dreht sich der Mann um. Sein Blick wirkt ein wenig hilflos.
Als wir an auf Höhe der beiden sind (wir gehen auf der anderen Straßenseite), sehe ich, dass sie wirklich schwanger ist.

„Sie bekommt ihr Baby!“, flüstere ich dem Freund zu, der mich fragend anblickt. Auf dem Weg zum Auto erkläre ich ganz leise wie ich darauf komme. Meine Beobachtung. Mitten in der Nacht, die Geburtsklinik in Fußnähe. Ich weiß es einfach. Dieses Paar ist gerade auf dem Weg eine Familie zu werden. Meine Stimme ist kaum mehr als ein Wispern. Erst im Auto traute ich mich wieder in normaler Lautstärke mit dem Freund zu sprechen. Ich möchte diese absolute Stille nicht zerstören.

Dafür ist dieser Moment einfach viel zu magisch.