Herzensangelegenheiten

Ich möchte ein Baby.

Ich fühle mich ein bisschen verrückt, während ich das hier schreibe, denn mein allergrößter Herzenswunsch wurde wahr und liegt gerade leise schnorchelnd neben mir. Ich habe ein Baby. Und doch spüre ich so deutlich, dass ich mich noch nicht komplett fühle. Dass da jemand fehlt.

Jemand, den ich gerne bald kennenzulernen würde. Nun sind die Umstände aber wie sie sind und vorerst wird sich nichts daran ändern. 

Ich bin ein bisschen froh, dass ich noch keinen Zyklus habe (ok, unfassbar, weil ungenutzter Zyklus halt!). Und dass da diese Narbe ist, der Frau Zeit geben sollte. Diese Narbe, über die ich manchmal nicht wütend bin, weil sie genau das ist, ein Hindernis. Aber meistens bin ich um diese beiden Dinge gerade dich sehr froh,denn anders würde das drängende Herz vielleicht über die anderen Umstände hinwegsehen. Ich habe nie gedacht, dass ich mir so schnell ein weiteres Kind wünschen würde. Und am liebsten wäre ich fast unmittelbar nach der Geburt wieder schwanger geworden.

Es gibt viel Für und Wider. Es ist auch gerade genau richtig so wie es ist. Der kleine Mann darf seine Exklusivzeit noch ein bisschen länger genießen. Es ist ja auch nicht so als hätte ich zu wenig zu tun. Es ist, wie es ist und das nehme ich an. Es geht nicht anders. Aber…

Es ist eben, was es ist. Ein Herzenswunsch. 

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„Tock, tock, tock.“ ertönt es aus dem Raum um die Ecke. Sofort schnürt sich ein Band um meinen Magen. Ich stehe am Tresen der Frauenarztpraxis, möchte die regelmäßige Vorsorgeuntersuchung wahrnehmen und werde übermannt von meinen Gefühlen. Ich fühle mich zurückversetzt und spüre die Sehnsucht in mir aufsteigen wie bisher noch nie. Ich wünsche mir ein zweites Kind.

Ich konnte es nie nachvollziehen, dass Frauen kurz nach der Entbindung geplant erneut schwanger wurden. Ich finde es schön, jeder soll wie er möchte und es für ihn passt, aber ich konnte mir das für mich nicht vorstellen. Und jetzt stehe ich da und merke, dass ich es mir doch vorstellen könnte. Ja, wirklich wünsche. Dabei wird es vorerst aber aus verschiedenen Gründen bleiben wie es ist, allen voran der Kaiserschnitt.

Ich habe gerade erst mein absolutes Wunschkind bekommen, aber ich spüre deutlich, dass da noch Platz in meinem Herzen ist. Ich habe noch mehr Liebe zu geben.

And so on

Viel brauche ich wohl nicht sagen, ne?! Wieder einmal einmal ist ein Zyklus vorbei und wieder einmal beginnt ein Neuer. Wunderbar.
Ganz ehrlich, ich bin es so leid. Ich weiß auch, dass ich mich eigentlich nicht beschweren darf, aber das ist mir gerade ziemlich egal.
Es nervt mich nämlich und ich habe einfach keine Lust mehr. Punkt!

Aber auch jammern macht nicht schwanger. (Oh Gott, sonst wäre ich es vermutlich mit Drillingen!)
Ich habe aktuell echt keine Lust mehr mich mit der ganzen Thematik zu beschäftigen, darum lasse ich es jetzt einfach.

Aber auch, wenn es nicht geklappt hat, wovon ich ja auch ausging, kann ich eine wunderbare Hochlage vermelden. Immerhin etwas! (Das auch nur mit Hilfe, aber was soll’s.)

Vor einem Jahr

Vor einem Jahr nahm ich die letzte Pille. Ich erinnere mich genau wie aufgeregt ich deshalb war. So ein großer Schritt. In diesem Jahr habe ich emotional viel erlebt.
Als ich in den ersten Zyklen meine Periode bekam, brach immer eine kleine Welt zusammen und meine Enttäuschung ließ mich bittere Tränen weinen. Mit der Zeit wurde das besser.
Um ehrlich zu sein rechne ich kaum noch damit.

Ich könnte jetzt von all den Hohen und Tiefen erzählen und von Verlust und Schmerz, aber auch von Intimität, Liebe und Vertrauen. Werde ich vielleicht, aber jetzt gerade sind diese Gefühle zu groß.

Ich hatte gehofft, nun schon Mama sein zu dürfen. Rechnerisch befinde ich mich im 7. Übungszyklus. Das ist nicht viel, aber es ist dennoch ein Jahr, in dem ich immer wieder davon träumte mit dem Freund eine Familie zu gründen. Mir in den buntesten Farben ausmalte wie es sein könnte.

Denn das ist es. Es ist viel mehr als „nur“ ein Kind zu bekommen. Es ist Familie, Verbundenheit und eine gemeinsame Zukunft. Es sind er und ich, die unser kleines Wir erweitern wollen. Ich kann es nur schwer in Worte fassen. Es ist nicht nur schwanger werden, das alles, was wir erleben, den Schritt den wir gemeinsam wagen wollen, bedeutet die Welt für mich.

Ein Jahr später bin ich dort wo ich vorher auch stand. Emotional sind wir aber viel weiter.

Sitting, waiting, wishing

Sie ist oben. Inzwischen ist die Temperatur gestiegen. Es dauerte eine Weile bis sich das eindeutig zeigte, aber sie ist nun dort, wo sie sein soll.

Sobald die Blutung einsetzt, weiß ich dann wohl mehr. Richtig, ich glaube nicht, dass es geschnackelt hat. Ich wünsche es mir, glaube aber nicht daran. Punkt.

Sitting, waiting, wishing. Mal wieder.

Ich hasse diese Warterei. Ab wann habt ihr eigentlich (vielleicht nach negativen Tests) positiv getestet?

Ovu là là!

Ich finde Ovulationstests gleichermaßen faszinierend wie furchtbar doof.
Mich macht diese ganze Testerei einfach super nervös und ungeduldig.
Ich würde allerdings lügen, würde ich behaupten noch nie welche benutzt zu haben. Die Ergebnisse waren aber bisher immer recht zweifelhaft und damit der Beweis, dass ich sowas definitiv nicht brauche.
Von dem beknackten Drang ständig testen zu wollen, ob sich nicht doch etwas getan hat oder man vielleicht nur zur falschen Zeit getestet hat mal ganz abgesehen.
Denn ganz so einfach ist das mit diesen Stäbchen nicht. Da ist nicht viel mit Stäbchen rein, sicher sein. Nö. Das wäre ja viel zu einfach.

Jetzt kam es aber so, dass mein Krebsvorsorgetermin in die erste Zyklushälfte fiel und ich von der anfänglichen Reaktion meines Arztes (auf den ersten Blick) und der Eisprungprognose (auf den zweiten Blick) nicht ganz so überzeugt war.
Ehrlich gesagt war ich auch etwas enttäuscht, denn ein bisschen Hoffnung hatte ich mir schon gemacht, wo ich nun seit einer Weile Mönchspfeffer nehme.
Also klemmte ich mich zu Hause an den PC und recherchierte ein wenig über Follikel und deren Wachstum. Ausgehend von den Angaben, die mir gefielen, fühlte ich mich darin bestätigt, dass mein Arzt sich verrechnet haben musste und bestellte kurzerhand ein paar Ovulationstests.

Ich hätte natürlich auch einfach auf den Temperaturanstieg warten können. Punkt. Hab ich aber eben nicht. Je mehr ich darüber nachdenke, umso weniger finde ich einen logischen Grund, weshalb ich die Tests kaufte. Es war einfach so ein Gefühl. Vielleicht wollte ich auch einfach nur etwas „tun“ können.

Wie man unschwer erkennen kann, schlugen die Ovulationstest dieses Mal an und zeigten mir bereits am 4. Testtag ein eindeutiges Ergebnis.

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Hätte ich mich blind auf die Aussage meines Frauenarztes verlassen oder mich daran orientiert, wann der Eisprung sonst stattfindet, hätte ich ihn gnadenlos verpasst. Denn das Ergebnis lässt vermuten, dass der Eisprung 5 bis 7 Tage(!!!) früher als sonst stattfindet! Ich habe echt einen kleinen Freudentanz aufgeführt! Vielleicht kann Mönchspfeffer ja doch zaubern!
Zum Glück bin ich ja aber ohnehin keine dieser Frauen, die nur um den Eisprung herum „Bienchen setzen“ (Erwähnte ich schon mal wie bescheuert ich diese Formulierung finde?!). Also hätte ich die Tests eh nicht gebrauch. Geschadet hat es allerdings auch nicht. Jeden Zyklus brauche ich das aber wirklich nicht.

Jetzt heißt es mal wieder abwarten und hoffen, dass in mir ein kleines Wunder passiert ♡

Vom Glück anderer

Es tut mir so leid, aber ich kann es grade sehr schwer ertragen glückliche Familien zu sehen.
Ich wünschen mir so sehr ein Kind, dass es mir immer wieder fiese Stiche versetzt, wenn ich von Schwangerschaften, Geburten und Familienglück lese, höre oder es sehe.

Ich möchte auch glücklich über meinen immer dicker werdenden Bauch streicheln dürfen. Ich möchte die Wärme meines Babys auf meiner Brust spüren. Es begleiten dürfen, wie es immer größere Schritte im Leben macht. Ich möchte auch an verregneten Sonntagen bei Kakao Brettspiele zocken. Ich will so viel und jetzt fühlt es sich soweit entfernt an, wie ein großer Lottogewinn.

Immer wieder muss ich daran denken, was hätte sein können, aber auch daran was noch sein kann. Es ist ein schwieriges Thema, um das ich kreise wie ein Adler um seine Beute. Ich kann es nicht einfach beiseite schieben und so tun als gehe es mich nichts an, auch wenn ich es gerne täte.

Kinderwunsch ist ein so großes Thema. Allumfassend, emotional, fordernd. Aber er baut auch Brücken, vertieft und intensiviert.
Manchmal oder mit bestimmten Menschen möchte ich darüber sprechen, aber ganz häufig kann ich es nicht und ich meide das Thema. Nicht nur deshalb, weil ich diesbezüglich unheimlich nah am Wasser gebaut bin. Immer wieder steigen mir die Tränen in die Augen. Es ist nicht leicht für mich damit zurecht zu kommen. Die Sehnsucht ist groß. Der Wunsch nach einem Happy End noch viel größer.

Ich hätte nie geglaubt, dass man etwas, das man nie selbst erfahren hat, so sehr vermissen kann.

Wie es wäre

Als ich heute Morgen noch im Halbschlaf im Bett lag, dachte ich darüber nach wie es wohl sein wird, wenn ich irgendwann meine Schwangerschaft bekannt geben werde. Ich stellte mir vor, wie wir die tollen Neuigkeiten überbringen und unsere Familien reagieren werden.

Meine Eltern wären gern schon lange Großeltern. Und auch die Eltern des Freundes scheinen inzwischen darauf zu warten.
Werden sie erstaunt sein? Sich freuen? Wie wird Opa reagieren? Wird der ihm ein Urenkelchen ein bisschen mehr Lebenswillen und Freude bringen? Ich wünsche mir so sehr, dass er wieder mehr sieht als die scheinbar – für ihn mit Sicherheit – blöde Lebenssituation, in der er sich befindet.

Sie werden da sein, Teil dieses neuen Lebens werden und es (hoffentlich) bereichern.

Und dann dachte ich an die, denen ich nicht mehr davon erzählen kann. Wie es wäre, wenn sie noch da wären. Wenn alles noch so wäre wie früher.

Oma, die so unheimlich nah am Wasser gebaut war. Ich sehe ihre Reaktion genau vor mir. Sie würde die Augen und Mund aufreißen, die Hände vor den Mund halten und weinen – dieses Mal vor Freude. Sie würde mich mit Fragen löchern und sich so sehr auf dieses Urenkelchen freuen. Der Kater wohl eher weniger. Ich kann mir vorstellen wie unser kleines Menschlein krabbelnd hinter dem Kater herjagt, der einfach nur seine Ruhe haben möchte.

Uromi, der Mensch mit dem reinsten Herzen, den ich kenne. Sie würde ihre Hände erst an mein Gesicht, dann eine auf sanft auf den Kopf gelegt, mit ihren klaren, blauen Augen in meine blicken und mir Kindchen, Gott segne euch! zu flüstern. Da wäre Liebe, Glück und Freude. Ich würde ein Stück meiner Kindheit durch mein Kind erneut erleben, wenn es durch den Garten fegt und sich mit dem Obst all der Sträuche den Bauch vollschlägt, wie verrückt mit dem Fußpedal der Nähmaschine wippt oder mit den Filzstiften malt, die so vertraut nach Essig riechen.

Und ein Kind, immer begleitet von diesen wunderbaren Frauen, die neue Kindheitserinnerungen erschaffen als wäre es das leichteste der Welt. Nichts davon wird jemals Realität werden. Und trotzdem lässt mich die Gewissheit, dass es genau so wäre, wenn es nur ginge, ein Lächeln über mein Gesicht huschen und mich dankbar zurückblicken auf die wunderbare Zeit, die ich mit ihnen verbringen durfte.