40+2 ♡ (Geburtsbericht Teil 2)

Am Abend sehen der Freund und ich uns „Fack juh Göhte“ an. Eigentlich lasse ich mich eher berieseln, denn ich kann mich nicht so richtig darauf konzentrieren. Gegen 21:30 Uhr nimmt der Schmerz zu und ich muss ständig auf die Toilette. Ich erinnere mich, dass sich der Körper entleert ehe es losgeht, aber ich kann immer noch nicht so richtig daran glauben. Ich schreibe immer wieder mit meiner Freundin, das lenkt mich ab.

Der Freund beobachtet mich und fragt ständig, wie es mir geht. Ich kann nicht viel dazu sagen. Ich versuche ihn zu beruhigen, denn ich spüre seine Unsicherheit und Hilflosigkeit. Es fällt ihm schwer tatenlos zuzusehen, ich tue ihm leid. Alle 5 Minuten verkrampft sich meine Gebärmutter eine Minute lang. Ich konzentriere mich darauf tief in den Bauch zu atmen. Es ist gut auszuhalten, tut aber gleichzeitig echt weh. Aber auch jetzt bin ich unsicher, weil es sich wirklich nur wie schlimme Periodenschmerzen anfühlt. Ich spüre nichts im Bauch oder im Rücken. Meine Freundin ist sich sicher, dass es sich um keinen Fehlalarm handelt. Um 23 Uhr stoppe ich das Messen, es stresst mich und ich möchte mich konzentrieren. Die Wehen kommen alle 3-10 Minuten. Ich frage meine Freundin, wie man solche Schmerzen bis zur Geburt aushalten soll, das kann ja ewig dauern und schiebe ein „Aber die Pausen sind super!“ hinterher.

„Oh, das tut weh, aber solange ich noch unsicher bin, ist es nicht ernst.“, schwebt es in meinem Kopf und ich beschließe in die Wanne zu gehen. Der Freund lässt mir das Wasser ein. Um halb zwölf gleite ich in das warme Wasser und fühle wie sich die Entspannung breit macht. Die Wehen werden weniger und angenehmer. „Also doch ein Fehlalarm, sonst würden die Wehen nicht weggehen!“, denke ich mir und halte mich für ein waschechtes Weichei. Ich genieße die Entspannung bin aber auch etwas enttäuscht. Der Freund sieht alle 10 Minuten nach mir, ich bitte immer wieder um Verlängerung, das Wasser tut so gut. Ich streichle meinen Babybauch, atme tief in ihn hinein. Das Baby ist ganz ruhig, es schiebt sein Köpfchen in meine Handfläche. Die Wehen werden seltener, ihre Intensität nimmt zu. Ich vergesse Raum und Zeit, bin ganz bei mir und dem Baby. Ich atme den Schmerz tief in den Bauch, das hilft mir sehr. Ich spüre wie der Schmerz sich aufbäumt und wieder abflacht.

Als das Wasser kalt wird, beschließe ich die Wanne zu verlassen. Ich zittere. Kaum habe ich das Wasser verlassen, nimmt der Schmerz zu. Noch immer habe ich Zweifel an der Wirksamkeit der Wehen. Beim Versuch meine Blase zu entleeren, verkrampft sich meine Gebärmutter.

Ich überlege in die Klinik zu fahren, ehe der Schmerz so stark wird, dass ich das Sitzen nicht mehr ertragen kann.

ET+2

Ich bitte den Freund im Kreißsaal anzurufen und uns anzukündigen. Vor lauter Nervosität vergisst er die Beckenendlage und den Kaiserschnitt zu erwähnen. Zitternd, nur in ein Handtuch gehüllt, telefoniere ich mit der Hebamme. Während des 30-sekündigen Gesprächs veratme ich eine Wehe ganz ruhig, dabei lasse meine Hüften kreisen. Das tut gut.

Der Freund ist ziemlich durch den Wind. Er wuselt planlos durch die Gegend und schafft es, mich immer genau dann anzusprechen, wenn wieder eine Wehe heranrollt. Ich teste mich und antworte auf dem Höhepunkt der Wehe. Geht. Es ist nicht schön, aber machbar. Auch das ist laut meiner Hebamme im Ernstfall anders. Bestimmt komme ich im Kreißsaal an und es hat sich nichts getan, aber ich möchte nicht mehr warten.

Wir packen die letzten Dinge, dann schicke ich den Freund los, um das Auto zu holen, damit wir die Taschen und die Babyschale nicht so weit tragen müssen. Ich ziehe mich währenddessen an und mache noch ein letztes Bild von meinem Babybauch. So richtig realisiert habe ich das alles noch nicht. Ich habe kein Zeitgefühl mehr. Irgendwann kommt der Freund zurück und berichtet von Schnee und einer spiegelglatten Fahrbahn. Ich kann es fast nicht glauben. Wir bekommen ein richtig echtes Winterbaby. Ein Schneeflöckchen!

Ich bin ganz ruhig. Als wir durch die Türe treten, umhüllt mich frische, eiskalte Luft. Ich bleibe stehen, atme tief ein. Ich nehme das Knirschen des frisch gefallenen Schnees unter meinen Stiefeln war. Ich halte die Hand des Freundes und sage: “Wenn wir zurückkommen, haben wir unser Baby. Dann sind wir Eltern!“ und muss die Tränen wegblinzeln. Der Freund verlädt das Gepäck, stellt mir den Autositz ein, ich schaffe es nicht alleine mich nach vorne zu beugen.

Wir fahren los. Die Straßen sind komplett zugeschneit, ich bitte den Freund langsam zu fahren. Sobald ich ruhiger werde, um eine Wehe zu veratmen, beginnt der Freund zu quasseln und gibt Gas. Er ist unglaublich aufgeregt. Ich versuche ihn zu beruhigen, ich versichere ihm, dass alles ok ist und er bitte langsam fahren soll. Im Radio läuft „Human“ von Rag ‚n‘ Bone Man, während ich die erste Wehe leise vertöne.

Tatsächlich habe ich mir die Wehen im Auto schlimmer vorgestellt, ich würde dennoch gerne wieder stehen und mit den Hüften schaukeln. An der Klinik angekommen, brauche ich 3 Versuche, um aus dem Auto zu steigen, weil immer eine Wehe dazwischen kommt. Auf den 200 Metern bis zum Eingang muss ich ein paar Mal stehen bleiben. Ich schicke mein „Aaaah“ in die Stille. Es ist zauberhaft.

In der Klinik fragt die Dame am Empfang, ob sie uns helfen könne. Ich lächle und antworte „Wir müssen in den Kreißsaal, wir kennen den Weg.“ Sie lächelt zurück und wünscht uns alles Gute.

In der Klinik wird gerade umgebaut. Zwischen den Lifttüren steht eine Holzwand, um die man herumlaufen muss. Man sieht leider nicht welche Türe sich öffnen wird. Zielsicher steuere ich auf die Seite zu, die sich natürlich nicht öffnet. Ich veratme gerade eine Wehe als sich die andere Tür öffnet. Der Freund erwähnt, dass wir die Seite wechseln müssen. Ich reagiere nicht. „Wir müssen rüber!“ setzt er erneut an. Meine Luft reicht nur für ein gezischtes „Wehe! … Der kommt bestimmt nochmal.“ An der Information kichert es.

Am Kreißsaal angekommen, nimmt uns eine Hebamme in Empfang. Es soll erst ein CTG geschrieben und dann noch ein Ultraschall gemacht werden. Ich verstehe nicht so recht warum, da ich ja ohnehin einen Kaiserschnitt bekomme, aber sie werden schon wissen, was sie tun. Ich bitte darum stehen bleiben zu dürfen, weil der Schmerz im Sitzen schlecht zu ertragen ist. Ich habe keine Ahnung, ob das CTG starke Wehen aufzeichnet oder nicht. Laut der Hebamme zeigt sich das Baby von den Wehen völlig unbeeindruckt. Die coole Socke! Es war auch schon beim Wendungsversuch die Ruhe selbst.

Dann kommt die Ärztin. Ich bin wahnsinnig neugierig und freue mich als sie sagt, dass sie mich gerne untersuchen würde. Ich möchte wissen, ob ich mich nur anstelle oder das Ganze etwas bewirkt. Der Muttermund ist 2-3 cm geöffnet. Ich bin sehr glücklich! Innerlich gebe ich mir ein High-Five. Es sind also doch richtige Wehen! Die Ärztin erklärt, dass noch eine Frau vor mir im OP sei, ich aber als nächstes dran komme. Sie bespricht noch einmal den Ablauf mit uns. Wir dürfen unsere Musik im OP abspielen, wenn wir möchten. Sobald das Baby entwickelt wird, werde der Vorhang abgesenkt, damit wir zusehen können. Ich frage, ob der Freund die Nabelschnur durchtrennen darf. Das gehe nicht, aber sie könnte das Baby mit der Plazenta entbinden, sodass er es auf der „Einheit“ abnabeln könne. Ich frage noch einmal nach, ob ich mein Baby auch wirklich gleich bei mir haben dürfe. „Selbstverständlich! Wenn es dem Baby gut geht, kommt es kurz auf die Einheit, wo es abgetrocknet wird. Das dauert ein paar Sekunden und dann kommt es zu Ihnen, wo es auch bleibt.“ Ich freue mich.

Ich solle noch ein bisschen CTG schreiben. Für die Untersuchung bin auch aus dem Schlauch gestiegen, beim Versuch ihn wieder anzuziehen, rollt eine Wehe heran. Die Hebamme stützt mich, eine Hand an meinem Bauch. Sie sieht mich an und sagt „Das ist eine ordentliche Wehe“, da müssen wir kein CTG mehr schreiben. Die Wehenabstände werden immer kürzer. Ich möchte auf die Toilette, das Entleeren der Blase ist schmerzhafter als die Wehen selbst. Ich ziehe das OP-Hemd an. Nach vorne offen, damit das Baby und ich sofort kuscheln können. Ich bekomme den Katheter gelegt. Ist das eklig! Ich bin überzeugt davon, mir gerade in die Hose gemacht zu haben. Die Hebamme erklärt mir, dass sich das am Anfang so anfühle.

1:30 Uhr. Wir werden alleine gelassen. Der Freund spielt den Geburtssoundtrack ab, solange wir warten. Er hält meine Hand, ich atme. Es fühlt sich so surreal an hier zu sein. Ab und zu muss ich die Wehen vertönen. Der Anästhesist, der nach der äußeren Wendung bereits das Aufklärungsgespräch durchgeführt hat, hat heute Dienst. Er ist lustig. Ich werde in den Vorbereitungsraum geschoben, der Freund wird von der Hebamme in einen anderen Raum gebracht, um sich umzuziehen.

Ich bekomme den Zugang gelegt. Dr. Sandmann erklärt mir alles ganz genau. Ich soll mich auch die Seite legen, den Rücken etwas rund machen und ganz still halten. Ich bin nervös wegen der Spinalanästhesie. Mittlerweile kommen die Wehen ununterbrochen, die Abstände sind so kurz, dass sie kaum der Rede wert sind. Ich halte meine Augen geschlossen, konzentriere mich auf meine Atmung und versuche sie zuzulassen, um nicht noch mehr zu verkrampfen, während eine Wehe nach der anderen auf mich zurollt.

Davon abgesehen bin ich einfach nur aufgeregt. Mein Rücken wird betäubt, kurz darauf spüre ich einen unangenehmen Druck im Rücken. Nach ein paar Sekunden macht sich ein warmes, kribbeliges Gefühl in meinen Beinen breit. Es breitet sich bis zu meiner Brust aus, ich spüre wie mir das Atmen etwas schwerer fällt. Die Anästhesie liegt. Der Schmerz ist einfach weg. Für den Moment genieße ich das sehr.

Irgendwann fragt Dr. Sandmann wo der Freund bleibe, ich scherze „Der bummelt bestimmt wieder.“. Alle lachen. Es herrscht eine lockere, fröhliche Atmosphäre. Währenddessen saß der Freund im Umkleideraum und wartete darauf abgeholt zu werden, er wusste nicht, dass wir auf ihn warteten. Ich bin froh als er wieder bei mir ist. Auf dem Weg in den OP erzählt mir der Freund, dass er so nervös war, dass er dreimal in dasselbe Hosenbein stieg.

Im OP stellt sich das Team vor, das finde ich richtig toll. Ich werde mit warmen Decken zugedeckt. Ich bin sehr glücklich, dass meine Arme nicht festgebunden werden. Gleich geht es los. Plötzlich taucht das Gesicht des Anästhesisten über mir auf, er fragt, ob ich nervös sei. Mein Blutdruck läge bei 180 zu irgendwas. Die Situation zeugt von Witz. Das Tuch wird vor meinen Augen gespannt, der Freund wird angewiesen auf keinen Fall aufzustehen. Sollte ihm schwindelig werden, solle er sich auf den Boden legen. Mit gedämpfter Stimme, informiert die Ärztin Dr. Sandmann darüber, das Tuch beim Entwickeln zu senken, damit wir zusehen können. Er wiegelt das ab. Ich bin genervt, dass er dem Wunsch nicht nackommen will, aber ich sage nichts. In diesem Moment ist es nicht so wichtig. Ich möchte mein Baby haben!

Der Freund hält meine Hand. Dann beginnt es zu ruckeln. Ich spüre wie ordentlich an mir gezogen und gedrückt wird. Es fühlt sich an als wolle das Kleine nicht raus. Gleich ist es soweit! Ich bekomme Sauerstoff.

Und dann geht alles ganz schnell. Noch ehe ich es sah, hörte ich mein Baby gurgeln. Ich habe nie ein schöneres Geräusch gehört. Mein Baby ist da! Die Ärztin hält das Baby über das Tuch. Ich sehe eine blutverschmierte Stupsnase. Das Profil sieht genauso aus wie auf dem Ultraschallbild! „Es ist ein Junge“, höre ich jemanden sagen. „Er ist so süß!“ ist alles was ich denken kann.

Bis zur Geburt wussten wir das Geschlecht unseres Babys nicht sicher, da mein Gynäkologe bei jedem Ultraschall etwas anderes erzählte. Bei der letzten Untersuchung vor ein paar Tagen, erzählte er noch etwas von einem Mädchen.

Der Kleine wird auf die Einheit gebracht, der Freund folgt ihm, wo er die Nabelschnur durchtrennt. Mir steigen die Tränen in die Augen, jemand tupft sie mir aus dem Augenwinkel. Ich werde gefragt wie er heißen soll. Ich tat mich mit dem Namen für einen Jungen bis zum Schluss unheimlich schwer, aber jetzt bin ich mir ganz sicher, obwohl ich ihn noch nicht einmal richtig gesehen habe. Ich antworte, gebe unserem Sohn seinen Namen.

Plötzlich wird mir furchtbar schlecht. Ich bekomme etwas gespritzt, aber es hilft nicht. Ich muss würgen. Es ist ein furchtbares Gefühl, die Übelkeit aufsteigen zu spüren und sich nicht drehen oder aufrichten zu können. Kurz darauf beruhigt sich mein Magen wieder.

Der Freund ist zurück, wir strahlen uns an, küssen uns. Er berichtet voller Stolz wie süß unser Baby sei. Und dann bekomme ich endlich mein Baby auf den Bauch gelegt. In diesem Moment hörte die Welt um mich herum auf zu existieren. Es ist unbeschreiblich. Er ist unglaublich warm und weich! Ich flüstere „Hallo, Baby!“, er schmiegt sich an mich und schläft ein. Meine Finger streichen sanft über seinen Rücken. Er ist so zart, als wäre er gar nicht richtig da. So muss sich eine Wolke anfühlen! Nur seine winzigen Hände und Füße sind ganz rau und runzlig.

Ich vergrabe meine Nase in sein Haar (so viele Haare!), atme seinen unvergleichlichen Duft ein. Er riecht ganz frisch und süß, wie ein Frühlingtag.

Da liegt es nun, dieses kleine Bündel Mensch, auf das ich so lange gewartet habe. Der Weg dahin ganz anders als erhofft, das Ergebnis unbeschreiblich.

Ich bin der glücklichste Mensch der Welt.

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40+2 ♡ (Geburtsbericht Teil 1)

Es war eine verschneite Winternacht…

Eine Geschichte, die so beginnt, kann gar nicht schlecht sein, oder? Ohne viel vorweg nehmen zu wollen: es ist eine wunderbare Geschichte – die Geburt des kleinen Mannes.

Heute bist du genauso lange auf der Welt wie du in meinem Bauch warst. Und auch, wenn dein Weg zu uns ganz anders als erhofft und gewünscht war, war es doch ein unvergesslicher Moment, der sich tief in mein Herz gebrannt hat. Niemals mehr werde ich vergessen, wie ich dich zum ersten Mal sah.

Du hast mich zur Mama gemacht. Und nun möchte ich davon erzählen.

Ich muss aber ein bisschen ausholen, denn eigentlich ging es schon ein bisschen eher los.

Ich war die gesamte Schwangerschaft davon überzeugt, dass sich unser Baby nicht vor dem Termin Weg machen würde. Ich würde Wehen bekommen und unser Kind nachts zur Welt bringen. Ich war mir über diesen Ablauf so sicher, dass ich darauf verzichtete das Bett wasserfest zu machen.

 

ET-3

Seit einiger Zeit fühle ich immer wieder ein Ziehen im Unterleib als würde sich die Periode ankündigen. Mir fällt auf, dass das meist mit der Bewegung des Babys zusammenhängt. Ohne es weiter beschreiben zu können, macht sich immer mehr das Gefühl breit, dass sich unser Baby bald auf den Weg macht. Es fühlt sich anders an und arbeitet in mir.

Die Vorsorge bei meinem Gynäkologen bestätigt dies. Der Po des Babys sitzt tief im Becken, der Gebärmutterhals hat sich verkürzt und es ist eine Trichterbildung zu sehen. Alle Zeichen stehen auf Geburt. Es kann noch dauern, aber es könnte auch jederzeit losgehen.

Nach der Untersuchung fühlt sich mein Bauch an als hätte ich einen Gürtel um meinen Oberbauch gelegt. Mir fällt das Atmen schwer und es zieht im Unterleib. Ich mache mir wieder Sorgen. Mein Gynäkologe sprach nämlich auch von wenig Fruchtwasser und setzt mir eine Deadline bis wann das Baby kommen solle. Das macht mich unheimlich traurig. Ich wünschte mir nichts mehr als dass mein Baby sich seinen Geburtstag selbst aussuchen darf, nachdem mir der Traum von einer Geburt in ruhigen Atmosphäre in der Badewanne des Geburtshauses aufgrund der Beckenendlage verwehrt bleiben soll. Ich weine. Ich möchte doch Geburtswehen fühlen dürfen. Ich brauche das! Und ich wünsche es mir für mein Baby, damit es nicht ohne Vorwarnung aus mir herausgerissen wird.

 

ET-1

Ich telefoniere mit meiner Hebamme.  Ich weine mich ein bisschen aus, erzähle, dass ich seit Tagen furchtbar schlecht schlafe und sehr emotional bin. Sie kann mir meine Sorgen ein bisschen nehmen und das Gedankenkarussell etwas bremsen. Sie sagt, dass meine Beschreibung sehr gut zum Befund passe. Es sei die richtige Zeit und ich müsse ja auch irgendwann loslassen wollen.

Sie rät mir, mich viel zu bewegen, einen lustigen Film anzusehen (Oxytocin!) und einen netten Abend mit dem Freund zu verbringen, all das würde den Anstoß geben, wenn unser Baby bereit sei auf die Welt zu kommen.

Ich verbringe den Tag damit, die letzten Vorbereitungen zu treffen, trage den Sperrmüll an die Straße und gehe einkaufen. Insgeheim hoffe ich darauf, das Mäuschen so aus seinem Versteck locken zu können.
Mittags höre ich mir den Geburtssoundtrack an. Ich heule Rotz und Wasser, weil die Schwangerschaft bald ein Ende hat, während ich das Baby in meinem Bauch wiege. Ein letzter Tanz, bevor wir uns vielleicht schon ganz bald kennenlernen und ein neues Band knüpfen werden. All meine Gefühle brechen aus mir heraus, quellen aus jeder Pore meines Körpers. Ich bin so glücklich und dankbar. Ich bekomme ein Baby! Viele der Lieder habe ich über die Schwangerschaft hinweg gehört und gesungen, jetzt tragen sie mich durch diese Erinnerungen.

Meine Emotionen gehen mit mir durch. Ich bin bereit. Ich möchte mein Baby haben.

Es ist 17 Uhr als ich zum ersten Mal ein Ziehen spüre, ohne dass sich das Baby bewegt hätte. Ich sitze an den Tisch in der Küche gelehnt, das Essen auf dem Herd und grinse. Vielleicht geht es jetzt bald los. Ich freue mich auf den Freund. Ich möchte Abschied von der Zweisamkeit nehmen, die Zeit noch einmal richtig auskosten.

Wir haben es uns schon auf dem Sofa gemütlich gemacht als mein Handy klingelt. Ohne zu wissen, wer anruft, weiß ich, dass mich keine guten Neuigkeiten erwarten. Manchmal verfluche ich mein Gefühl. Mein Opa liegt im Sterben. Wieder übermannen mich meine Gefühle. Wieder bin ich voller Wut und Trauer. Diese Gefühle dominierten die letzten Wochen. Ich bin so wütend auf das Leben.

Wir verbringen trotz der Nachricht einen schönen Abend miteinander und sehen uns „Monsieur Claude und seine Töchter“ an. Gegen 23 Uhr gehe ich auf die Toilette und bin ein bisschen überrumpelt. Ich hatte schon seit Weihnachten immer wieder etwas Schleim verloren und seitdem, trotz innerer Überzeugung, gebibbert und gehofft, dass wir es bis Januar schaffen würden. Dachte ich, das könnte der Schleimpropf gewesen sein, wurde ich gerade eines Besseren belehrt. SO sieht also ein Schleimpropf aus.

 

ET

Um 1 Uhr werde ich wach. Der Bauch drückt sehr unangenehm. Es sind wieder diese periodenartigen Schmerzen, aber das kenn ich ja schon. Ich bin furchtbar unruhig, was auch am Sturm liegen könnte, der draußen wütet. Meine Gedanken sind bei meinem Opa. Um 3 Uhr schlafe ich wieder ein, es ist ein ruhiger Schlaf. Morgens erfahre ich, dass ich in Gedanken bei ihm war, als mein Opa starb.

Um 9 Uhr bin ich in der Praxis meines Gynäkologen. Das CTG zeichnet Wehen auf, sobald sich das Baby bewegt. Sie sind nicht schmerzhaft, aber unruhiger als noch vor ein paar Tagen. Ich fühle mich ausgelaugt. Seit Tagen liege ich nachts stundenlang wach und finde auch tagsüber nicht zur Ruhe. Die Gynäkologin, die meinen Arzt vertritt, rät mir, auf meinen Körper zu hören und um den Kaiserschnitt zu bitten.

Einen kurzen Moment denke ich darüber nach, verwerfe den Gedanken aber sofort wieder. Nein, so will ich das nicht. Es fühlt sich nach abkürzen an. So schön ich das Datum auch fände, es wäre nicht die Entscheidung unseres Babys gewesen.

Das Ziehen kommt über den Tag nun öfter, aber ich weiß ja, dass das nichts heißen muss. Viele Frauen haben über Wochen regelmäßig Wehen, die nach Stunden einfach wieder weg sind. Ich spreche mit dem Freund und wir sind uns einig, dass wir uns ans Protokoll halten wollen. Ich will, nein, ich brauche diese abgespeckte Version von Geburtserlebnis.

Um 19 Uhr wird das Ziehen regelmäßig. Alle 20 Minuten macht sich ein Periodenschmerz breit, der 30 Sekunden anhält. Das ist unangenehm, aber ich stelle mich sicherlich auch an, ich kenne das ja schon von der Periode. Eins ist aber sicher, ein Spaß wird das mit den Wehen nicht.

Gegen 21:30 Uhr finde ich rosanen Schleim am Toilettenpapier. Eine Zeichnungsblutung! Ich bin sofort hellwach und aufgeregt. Es tut sich also wirklich etwas am Muttermund. Das ist so spannend! Für eine Geburt heute würde es wohl nicht mehr reichen.

 

ET+1

Es ist 1 Uhr und wieder einmal bin ich wach. Auf der Toilette verliere ich blutigen Schleim. Viel Schleim. Wo kommt das denn alles her?! Ab 2 Uhr wird das Ziehen zu Krämpfen. Ich kann mich schwer konzentrieren, möchte tief in den Bauch atmen, aber das fällt mir unheimlich schwer, weil sich alles so fest anfühlt. Ich verfluche mich ein bisschen, das Atmen nicht richtig geübt zu haben. Vor lauter Beckenendlage und Kaiserschnitt habe ich irgendwie vergessen, dass ich ja trotzdem Wehen haben werde. Ich massiere den Bauch und hoffe, dass er sich durch die Wärme ein bisschen entspannt.

Das Baby drückt unter meine Rippen und nimmt mir die Luft zum Atmen. Das ist unangenehmer als die Wehen. Bei jeder Wehe fühlt es sich an als würde mein Bauch innen größer werden, nur der untere Teil bleibt eng. Dieses Gefühl kommt in unregelmäßigen Abständen von 20 bis 2 Minuten und hält 30 bis 60 Sekunden lang an.

Gegen 3 Uhr schleiche ich mich aus dem Bett und mache es mir auf dem Sofa gemütlich. Ich esse Kekse gegen die aufsteigende Übelkeit. Ich drappiere die Decke unter meinem Bauch und schaffe es eine einigermaßen bequeme Position zu finden. Ich bin so unglaublich müde. Ich starte die Wehenapp und lese nebenher Geburtsberichte, um herauszufinden, ob das, was ich spüre echte Wehen oder nur ekeliges Vorgeplänkel sind. Es fühlt sich so sehr nach Periode an, dass ich ständig mit einem Schwall Blut rechne. Um 4 Uhr ist der Spuk vorbei, keine Wehen mehr,ich schaffe es endlich einzuschlafen.

Ich möchte nicht zu früh ins Krankenhaus fahren, aus Angst gleich da behalten zu werden, wenn ich schon mal da bin, auch wenn es noch keine geburtswirksamen Wehen sind, ich möchte aber auch nicht zu spät dort ankommen, damit die Vorbereitungen für den Kaiserschnitt ganz entspannt durchgeführt werden können. Monkisch wie ich bin, hoffe ich, dass es ruhig bleibt. Ich hätte so gerne ein ungerades Geburtsdatum. Ja, es ist interessant worüber man sich so Gedanken machen kann.

Der Freund weckt mich um 8 Uhr. Ich fühle mich wie ausgespuckt. Ich bin erschöpft. Nach dem Frühstück versuche ich noch ein bisschen Kraft zu schöpfen, aber der Kopf gibt keine Ruhe. Ich bin überzeugt, dass wir die Deadline nicht mehr erreichen werden.

Eigentlich wollten wir heute einen schönen Tag miteinander verbringen. Wir hatten geplant noch ein bisschen bummeln und etwas essen zu gehen und danach noch ein letztes Mal ins Kino, bevor wir Eltern werden. Dazu fühle ich mich nicht in der Lage, stattdessen liege ich im Bett und versuche zu schlafen. Mein Körper weiß nicht, dass ich einen Kaiserschnitt bekomme, vielleicht geht es ja los, wenn ich etwas Kraft tanken konnte.

Gegen 14 Uhr gelingt mir das endlich. Als ich 3 Stunden später aus dem Bett steige, fühle ich mich annähernd erholt. Jede Drehung des Babys löst das altbekannte krampfartige Ziehen aus. Mittlerweile fühlt es sich deutlich fieser an als dieses leichte Gefühl, wenn sich die Periode ankündigt. Es fühlt sich viel mehr nach richtigen Periodenschmerzen an. Ich verliere weiterhin unfassbar viel mit Blut durchzogenen Schleim. Mein Körper scheint das mit dem Schleimpropf sehr ernst zu nehmen. Die Unsicherheit hat mich fest im Griff, es fühlt sich alles so sehr nach Periode an und die Abstände sind sehr unregelmäßig. Ich weiß doch gar nicht wie sich richtige Wehen anfühlen und wo sie weh tun. Ich warte auf das Ziehen im Bauch und im Rücken, das mir sagt, dass es richtig losgeht. „Das merkst du dann“, schreibt eine Freundin. Sie schreibt aber auch, dass es bei ihr genauso war und sie es sich ganz anders vorgestellt hatte.

And so the adventure begins

Am Sonntag, an ET+2, erblickte unser Sohn um 2:40 Uhr das Licht der Welt. Sein erstes Gurgeln werde ich nie vergessen, ab da war es um mich geschehen.

Nach anfänglichen Startschwierigkeiten sind wir nun endlich Zuhause. Es geht uns gut. Wir brauchen noch etwas Zeit, um anzukommen und genießen unsere kleine Blase sehr.

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Unser Leben Kopf und alles dreht sich nur noch um ihn.
Ich habe so viel zu erzählen. Aber ich kann (und will) mich nicht von ihm losreißen. Ich kann einfach nicht aufhören ihn zu bestaunen. Er ist perfekt. Jede kleine Hautfalte, jedes Blinzeln. Er ist so warm und weich. Sein Blick so intensiv. Seine Geräusche und das Engelslächeln, das manchmal über seine Lippen huscht, lassen mein Herz überquellen.
Ich, nein, wir sind unglaublich verliebt.

Aus dem Bauch. Mitten ins Herz.

Happy birthday, Babybär! ♡

Bereit. (ET-2)

​Die Nacht war grauenhaft. Erst musste ich ständig auf die Toilette und lag dann nach nur 3,5 Stunden Schlaf ab 3:43 Uhr schlaflos im Bett. An Müdigkeit mangelte es nicht, nur am Willen meines Körpers dem nachzugeben. Stattdessen hatte ich einen steinharten Bauch, der sich nicht annähernd bequem Betten ließ und ab 4:30 Uhr solchen Hunger, dem ich dann eine Stunde später nachging als mir schon übel wurde. Mäh.
Schlafen konnte ich trotzdem nicht mehr.

Auf die letzten Tage hat mein Körper also beschlossen mir den Abschied leicht zu machen. Tagsüber ist es in Ordnung. Ich fühle mich schwerfällig und so groß, aber faul auf dem Sofa liegend ist das auszuhalten.

Ich bin bereit. Seit Tagen ist da so ein unterschwelligen Gefühl, dass es bald losgeht. Manchmal packt mich die Panik ob der Verantwortung, die da auf uns zukommt, wenn ich daran denke, dass es nur noch Tage sind bis unser Baby bei uns ist. Aber dann spüre ich es im Bauch strampeln und kann es kaum erwarten es endlich kennenlernen zu dürfen. 

Im Grunde bin ich sehr entspannt. Bis auf das wenige Fruchtwasser, das macht mir etwas Sorgen, denn es macht Druck. Am Wochenende soll ich noch Mal ins Krankenhaus zum CTG und Doppler und ich habe wirklich Angst, dass man mich direkt dort behält und man dem Baby und mir damit auch noch den letzten Funken an Selbstbestimmung nimmt. 

Ich wünsche mir wirklich sehr, dass es nun einfach losgeht und wir unser Baby gesund in den Armen halten dürfen.

Ich bin überzeugt davon, dass sich das Baby nachts auf den Weg macht, wenn man es lässt. In 2 Tagen ist der (wunderschöne) Entbindungstermin. In der Nacht zuvor ist Vollmond, wie auch in der Nacht vor dem Eisprung. Es wäre doch eine runde Sache, wenn es dann einfach losginge.
Ich weiß, dass nur 4% der Kinder am errechneten Termin zur Welt kommen, aber auch nur 3-5% der Kinder begeben sich nicht in Schädellage. Also schauen wir einfach mal.

Mein Kleines, wir sind bereit und freuen uns so sehr auf dich. Du darfst nun gerne den Startschuss geben.

Von selbstbestimmt zu fremdbestimmt

Es sind nun einige Tage vergangen und ich hatte Zeit mich ein bisschen mit dem Gedanken an einen Kaiserschnitt zu gewöhnen.
Ich bin nach wie vor alles andere als glücklich damit und wünsche mir wirklich sehnlichst, dass sich das Baby noch wie durch ein Wunder dreht.
Das wäre der einfachste Weg.

Denn wenn ich ehrlich bin, würde ich auch gerne mit Beckenendlage spontan entbinden wollen, aber ein bisschen mulmig ist mir da schon auch. Es ist nun mal kein Standardfall und da Ärzte gerne mit Zahlen und Risiken um sich werfen, ist mir natürlich auch bewusst, dass das Risiko für Komplikationen höher liegt bzw. die Komplikationen aus dieser Konstellation einfach noch mal subotpimaler sind. Es kann immer etwas schief gehen. Immer. Aber geht der Kopf bei Schädellage nicht durchs Becken, dann ist es so. Bei Beckenendlage ist der schlimmste Fall, dass das Baby halb geboren festhängt.

Es ist ein Für und Wider. Jede Klinik hat andere Voraussetzungen und Vorgaben. Meine besteht eben auf dieses MRT. Ob das sinnvoll ist oder nicht sei dahingestellt. Ob es wirklich etwas aussagt oder nicht auch.

Ich habe mir schon lange bevor ich schwanger wurde ausgemalt wie es wohl wäre in einem Geburtshaus zu gebären. In intimer Atmosphäre ohne Geräte und unnötiges Personal und ich habe mich in diese Vorstellung verliebt. Vielleicht so sehr, dass ich selbst meine Hebammenwahl ein bisschen übers Knie gebrochen habe, um hier die Möglichkeit zu bekommen. Das würde ich bei einem zweiten Kind definitiv anders machen. Denn gerade jetzt habe ich gemerkt, dass mir das Reden über die Situation sehr hilft. Dass ich dankbar dafür bin ehrlich meine Gedanken aussprechen zu dürfen ohne verurteilt zu werden und sogar Rückmeldung zu bekommen, die mich darin bestärkt, dass das was ich fühle nicht schön und vielleicht auch unfair und hart ist, aber es ok ist und viele Frauen schon so empfunden haben, wenn auch in anderen Situationen. Ich bin wirklich sehr dankbar für die Unterstützung, die ich die letzten Tage erfahren durfte und den Austausch. Meine Hebamme war jedoch kein Teil davon. Es ist vielleicht schon bezeichnend, dass ich erst gar nicht auf die Idee kam sie zu kontaktieren. Und als ich es versuchte nicht einmal gefragt wurde, wie es mir damit geht, sondern mit einem „Wir reden beim nächsten Mal, wenn wir uns sehen drüber“ abfrühstückt wurde.

In Anbetracht dessen ist es vielleicht sogar gut, dass ich nicht außerklinisch gebären darf. Denn so ist das Setting in jedem Fall anders und ich wäre möglicherweise erst unter der Geburt auf den Trichter gekommen wie wenig es doch zwischen uns zu passen scheint. Meine Hebamme ist nett, keine Frage. Aber sich zu verstehen, wenn alles rund läuft ist ja auch nicht so schwer.

Ich arbeite also daran zu akzeptieren, dass unser Baby auf die Welt geholt wird. Aus meiner selbstbestimmten Geburt wird also eine voll und ganz fremdbestimmte Geburt. OK, vielleicht nicht ganz, denn wir warten die Wehen ab. Erst wenn Baby den Startschuss gibt, wird alles Weitere in die Wege geleitet.
Es ist wie es ist. Und ich werde mich damit abfinden müssen. Aber es macht mir auch Angst. Ich habe ehrlich Angst vor der OP und den Schmerzen danach. Mehr als vor den Schmerzen der Geburt (die kenne ich ja auch nicht). Ich wünsche mir mein Kind aus eigener Kraft auf die Welt bringen zu dürfen, nun werde ich nur ein passiver Teil des Ganzen sein. Ich habe Angst vor Komplikationen, die auch hier auftreten können.
Ich habe nach der Nachricht der Klinik wirklich sehr gewütet und getobt. Ich war so furchtbar enttäuscht. Ich bin es immer noch und so traurig. Aber all das ändert nichts an der Situation.

Ich weiß, dass es Frauen gibt, die sich im Nachhinein wünschen nicht spontan entbunden zu haben. Frauen, die sich bewusst für einen Kaiserschnitt entscheiden. Jede Frau hat ihre Beweggründe und Gefühle und diese sollten jeder Frau zugestanden werden. Mein Gefühl ist es gerade, dass man mich der Geburt meines Kindes beraubt (unabhängig davon, ob das sinnvoll ist oder nicht!). Ich will mein Kind nicht gefährden. Aber wer mir mit „Hauptsache gesund!“ kommt, hat nichts verstanden. Denn gesund meint nicht nur den körperlichen Zustand.
Und ich habe Angst vor der Zeit danach. Dass es etwas mit mir macht, das ich nicht möchte. Dass ich vielleicht mein Kind nicht annehmen kann, dass ich mich mit dem Kaiserschnitt nicht arrangieren kann und ich die Traurigkeit darüber wie ein dunkles Tuch über unserem Wochenbett liegt.

Ich freue mich so unendlich auf diesen kleinen Menschen. Es wäre das Schlimmste für mich, wenn unser Baby da wäre und ich es als Mama im Stich lassen würde. Ich habe von vielen Frauen Nachrichten erhalten, darunter viele mit Kaiserschnitt aus jeder denkbaren Konstellation. Manche haben ihren Frieden damit gemacht, andere nicht. Einige waren geplant, andere Notfälle. Aber bisher haben mir alles Mut machen können, dass die Art und Weise wie ein Kind geboren wird, der Bindung zum Kind keinen Abbruch tun muss. Das macht mir Hoffnung, aber meine Sorge bleibt, gerade weil ich mit dieser Entscheidung so sehr hadere. Ich wünsche mir für uns einen schönen Start als Familie. Und der sah ursprünglich anders aus. Ich möchte so gerne sofort nach Hause und als Familie in unseren 4 Wänden ankommen. Das geht nun nicht mehr.

Ich versuche mir zu sagen, dass das Baby sich nicht selbst in Gefahr bringt und vielleicht weiß es einfach mehr als ich. Alles was passierte, führte zu der Situation, die sie ist. Ich muss es annehmen. Ich finde die Situation maximal beschissen, um es ehrlich zu sagen, aber immerhin kann ich mich dem Kaiserschnitt auseinandersetzen und muss ihn nicht aus einer Notsituation heraus erleben. Was Leben rettet, kann dennoch wirklich schlimm für die Gefühlswelt sein.

Alles in allem hat diese Situation aber auch Positives hervorgebracht.
Ich habe dazu gelernt. Ich musste mich mit Alternativen auseinandersetzen, wie ich es sonst nicht getan hätte. Ich habe Erfahrungen gesammelt, die dazu führen, dass ich meine Entscheidungen bezüglich Betreuung und Geburt während einer weiteren Schwangerschaft anders angehen würde.

Aber vor allem hat es mich und den Freund gezwungen zu reden.
Natürlich haben wir das vorher auch, aber wir haben uns viel intensiver mit der Geburt auseinandergesetzt und der Tatsache, dass es nun jeden Tag soweit sein könnte. Ich bin klarer und deutlicher in meinen Gefühlen und Worten geworden und auch wenn es manchmal hart war zu sehen wie erschrocken der Freund über manche Äußerung war, war es so wichtig, dass er es hörte, sich ein Stück weit in mich hineinfühlen kann. Ich wünsche mir, dass unser Wochenbett entspannt läuft, aber es tat auch gut meine Ängste zu äußern, dass es anders sein könnte.

Der Freund hat sich noch mal auf einer ganz anderen Ebene mit dem Baby beschäftigt. Erst vor ein paar Tagen sagte er mir, dass er anfangs ein bisschen Sorge hatte, aber sich inzwischen einfach nur auf das Baby freut. Er redet ständig davon, wie es mit Baby sein könnte, was er alles mit dem Würmchen machen möchte. Er erstaunt mich immer wieder mit seinen Aussagen und bereitet mir Herzklopfen. Er ist schon ein Stück weiter als ich und kann die Ankunft unserer Babys kaum noch erwarten. Das macht mich sehr glücklich. Und zuversichtlich, dass wir das alles hinbekommen werden, selbst wenn ich mit dem Kaiserschnitt nicht so einfach zurechtkommen sollte. All das hat uns zusammen und ihn wachsen lassen. Ich war zum Beispiel ganz erstaunt, dass er ohne mein Zutun seinen Eltern mitteilte, dass wir ihnen natürlich Bescheid geben, wenn das Baby da ist, aber alles andere dann von uns bestimmt wird und es durchaus sein kann, dass sie nicht schon in den ersten Tagen vorbeikommen dürfen. Das zeigt mir auch noch mal wie wichtig ihm unser Ankommen zu dritt ist.

Wir nehmen nun das, was uns gegeben wird und versuchen daraus das Beste zu machen. Diesen Kaiserschnitt und die Zeit danach für uns so schön wie möglich zu gestalten.

Ich habe mir das alles anders gewünscht. Aber dieses Baby verbindet uns auf so vielen verschiedenen Ebenen miteinander und bringt uns noch näher zusammen. Es hat uns jetzt schon viel beigebracht und auch, wenn ich traurig bin, dass alles anders läuft als gewünscht, bin ich dankbar für die Schwangerschaft und dieses Wunder in meinem Bauch.

Alles steht Kopf…

…außer das Baby.
Aber dank einer sehr ermutigenden E-Mail einer Ärztin, bin ich doch etwas beruhigt. Ich wünsche mir immer noch sehnlichst, dass sich Stubbs dreht, aber wenn nicht, weiß ich zumindest, dass eine natürliche Geburt nicht grundsätzlich ausgeschlossen ist und es auch Ärzte in meinem (weiteren) Umfeld gibt, die das genauso sehen. Diese Mail sorgte direkt für ein richtiges Hochgefühl bei mir. Das war mal nicht so eine typische Ärzteantwort voller statistischer Werte, sondern voller warmer Worte und Erfahrungswerte. Es war menschlich! Und das vermisse ich doch schon manchmal.

Aber auch, wenn die Lage und damit die Geburt ein Gedankenkreisel sind, der sich unentwegt dreht, sickert nun auch immer mehr durch, dass die Tage der Schwangerschaft gezählt sind. Es klingt verrückt, aber ich wäre echt nicht böse, würde ich übertragen. Die Vorstellung, dass diese besondere Zeit bald ein Ende haben soll… Es ist doch verrückt. Erst hofft man, dass man möglichst schnell das kleine Menschlein in den Bauch bekommt und einen Wimpernschlag später setzt man sich plötzlich mit der Geburt auseinander. Liest Bücher, übt Atemtechniken und überlegt sich wo und wie man den kleinen Menschen empfangen möchte.

Ich war so voller Sehnsucht ehe ich schwanger war. Ich habe auch schon oft gelesen, dass viele Schwangere es kaum erwarten können ihr Baby in den Armen zu halten. Das ist bei mir anders. Ich bin noch so voll in dieser Schwangerschaft. Ich habe so lange auf dieses Baby gewartet, dass mich die Schwangerschaft schon voll erfüllt. Ich spüre mein Baby in mir. Es kommt nicht erst, es ist schon da. Und das ist das abgefahrenste, unbeschreiblichste Gefühl, das ich jemals empfunden habe. Ich bin so unfassbar verliebt und könnte jedes Mal vor Verzückung laut losquietschen, wenn ich die kleinen Füßchen spüre. Da ist ein Mensch in mir dir! Sie sehen mich ungläubig staunen, immer noch!

Aber vielleicht kann ich auch einfach nicht loslassen, weil ich weiß, dass mein Baby dort wo es jetzt ist, sicher und beschützt ist. Es geht ihm gut. Vielleicht spüre ich aber auch einfach, dass es noch Zeit braucht und Sehnsucht deshalb nichts bringen würde. Aber auch wir brauche noch Zeit. Der Freund und ich. Für uns und er auch, um sich mit dem Gedanken intensiver auseinanderzusetzen. Die Zeit ist im Laufschritt an uns vorbei gezogen und plötzlich sind es nicht einmal mehr vier Wochen bis zum Termin. Da muss der Kopf erst einmal hinterher kommen, selbst wenn man sich täglich mit dem Thema beschäftigt ist.

Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich mir nie Gedanken machen würde, ob ich die Geburt schaffe. Ich freue mich riesig darauf, aber dann und wann frage ich mich natürlich doch, ob ich den Schmerz aushalten werde. Wie unser Baby das Licht der Welt erblicken wird. Ob alles gut läuft und wie wir ins Wochenbett starten werden.
Das sind aber nur kurze Momente. Das Glück der Erstgebärenden ist ja, dass sie nicht wissen, was auf sie zukommt und ich bin eigentlich nur voller Vorfreude und Hoffnung, dass ich eine natürliche Geburt erleben darf. Ich übe schon seit einigen Wochen immer wieder die in Buch Hypnobirthing beschriebenen Atemtechniken und habe mit autogenem Training/progressiver Muskelentspannung sehr gute Erfahrungen gemacht, dass ich hoffe, das auch unter der Geburt anwenden zu können. Ich glaube zwar nicht daran, dass eine Geburt nur weh tut, weil man Schmerz erwartet, wie es in Hypnobirthing beschrieben ist, dennoch glaube ich, dass man mit dem Schmerz besser umgehen kann, wenn man in annimmt statt dagegen anzukämpfen.
Außerdem fand ich Die selbstbestimmte Geburt super interessant, das hat sogar der Freund gelesen. Ich fühle mich also nicht ganz unvorbereitet und würde das nun nur zu gerne anwenden. Also bitte Daumen drücken!

Eins ist gewiss: Unser Baby wird alles auf den Kopf stellen. Alles wird sich ändern. Im Grunde hat es das jetzt schon. Ich fühle Stubbs‘ Bewegungen, kann es aber immer noch nicht fassen, dass wir wirklich bald Eltern werden. Dieser Gedanke lässt sich nach wie vor noch nicht greifen. Ich habe mir immer ausgemalt wie es einmal mit Baby sein wird, viel fantasiert. Ich stelle mir natürlich immer wieder vor, dass in dem Bettchen bald ein Baby liegen wird. Aber es ist nur ein Bild, eine Vorstellung, die mir zwar ein Lächeln ins Gesicht zaubert, aber es fühlt sich noch immer irgendwie irreal an.

ET-Tipprunde

Wie habe ich die ET-Tipprunden bei anderen geliebt! Das Mitfiebern erreichte damit noch mal ein ganz anderes Level und außerdem bedeutete es, dass schon bald ein kleines Menschlein geboren werden würde. Kann es einen schöneren Grund geben vorfreudig zu sein?!

Ich freue mich wie Bolle, dass ich nun auch endlich meine eigene ET-Tipprunde starten darf. Ich kann es immer noch nicht so richtig fassen! Die Zeit ist nur so verflogen und schon in einem Monat ist der errechnete Entbindungstermin! Es wird also Zeit für eure Tipps, wann unser Stubbs das Licht der Welt erblicken wird.

Die Regeln:
Jeder hat einen Tipp frei, der einfach als Kommentar abgegeben werden kann. Der Tipp muss mindestens 5 Tage im Voraus abgegeben werden. Er darf einmal korrigiert werden und auch hier müssen noch 5 Tage bis zum ursprünglich getippten Termin verbleiben.
Erlaubt sind Tipps ab der 38. Schwangerschaftswoche, also dem 23.12.2016. Wir wollen ja kein Frühchen!
Ich werde nach und nach eine Liste mit allen Tipps anlegen.

Die Fakten:
• Der errechnete Entbindungstermin ist der 13.01.2017. Das Datum stimmt mit meiner Berechnung überein. Der Termin wurde nie korrigiert.
• Ich bin Erstgebärende
• Das Baby ist laut Arzt zart, war aber bei allen Untersuchungen insgesamt immer zeitgerecht entwickelt
• Das Baby liegt noch in Beckenendlage und laut Hebamme mit dem Po fest im Becken
• Der Gebärmutterhals lag bei 4 cm (34. Woche) und ist noch fest verschlossen (Ende 35. Woche)
• Der Freund kam etwa 2 Wochen vor Termin zur Welt, ich wurde 5 Tage vor Termin geboren

Und weil unser Stubbs es gerne (in jeder Hinsicht) spannend macht, dürft ihr auch noch einen Tipp zum Geschlecht abgeben.

Der Gewinn:
Ich kann noch nicht garantieren, dass es einen Gewinn geben wird, aber geplant ist es schon. Das kann allerdings ein bisschen dauern. Bei mehreren Gewinnern entscheidet das Los.

Ich selbst tippe auf den errechneten Termin, weil ich das Datum so wunderschön finde. Freitag, 13.01.2017.
Der Freund glaubt, dass wir unser Stubbs am 15.01. auf der Welt begrüßen dürfen.

Die Tipps:

29.12. Märchenkönigin
05.01. Gnomhexe
06.01. Novembersonne, Anna, Reni, MrsEule
07.01. Jukefrosch, Talymiau
08.01. MenschMama
09.01. Cathi
10.01. Kleinerasselbandeblog
11.01. Verena
12.01. Manuela
13.01. Toffi, Annyclaws
14.01. Frl. Null.Zwo, Valentinslöckchen
16.01. MaaJules
17.01. FrolleinPueppilotta, Pienznäschen, Pjaupe
18.01. Septemberherz, Lilafee
20.01. Schokolane, SBKVS, Lila.Fuchs
24.01. heywhatsmynameagain

44 Tage

[33 Wochen & 5 Tage]

Die Woche war geprägt von einem nicht stillstehenden Gedankenkarussell. Ich hatte viel zu erledigen, aber meine Gedanken fanden immer wieder den Weg zurück zur Lage des Babys.

Immerzu beschäftigte ich mich damit, was man tun könnte, damit unser Mäuschen sich noch dreht.

„Es hat noch ausreichend Zeit! Manche Kinder drehen sich noch in der letzten Minute. Du siehst doch wie doll sich der Bauch verformt und du spürst genau, dass sich das Baby noch bewegen kann und in dir rotiert!“ bete ich mir immer wieder vor, während ich mir mit der indischen Brücke fast das Kreuz breche.

Auf Licht reagierte die kleine Motte auch ganz gut, drehte sich aber wieder um. Allerdings werde ich das immer wieder mal probieren, einfach weil es so unheimlich faszinierend ist, wie das Baby auf das Licht reagiert und sich die Bewegungen anfühlen. Wie gesagt, wechselt es ohnehin ständig die Position. Zum Teil recht schmerzhaft für mich, insbesondere, wenn es sich nur direkt im Bauch quer legt.

Es ist kein Geheimnis, dass ich mir eine Geburt im Geburtshaus wünsche. Inzwischen liebäugle ich sogar sehr mit einer Hausgeburt. Das ist aber nicht möglich, wenn Mäuschen den Po weiterhin nach unten streckt. Eine natürliche Geburt wäre nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich und ob ich die erfülle, werden wir dann noch sehen. Außerdem ist meine Hebamme ja auch noch 2 Wochen im Urlaub und ich dann vollends auf das Krankenhauspersonal und dessen Wohlwollen diesbezüglich angewiesen. Es würde die ganze Sache allerdings erheblich verkomplizieren, da unter Umständen auch ein relativ weit entferntes Krankenhaus meine Anlaufstelle Nr. 1 wäre, da dort eine sehr BEL-erfahrene Ärztin arbeitet. Sollte das dann alles ganz doof ausgehen und in einem Kaiserschnitt enden, wäre ich echt weit weg vom Freund. Das wäre wirklich schlimm für mich.

Ich versuche mich damit anzufreunden, dass es auch so auf einen Kaiserschnitt hinaus laufen könnte. So oder so. Aber das will noch nicht so recht funktionieren. Ich versuche die Gedanken loszulassen, spreche mit dem Baby, bitte es sich doch zu drehen, damit ich zur Ruhe komme.

Es ist noch Zeit! Einatmen. Ausatmen.

Nicht besonders hilfreich ist dabei der Bauch, der immer wieder hart wird und mir ein bisschen Angst macht, dass das vielleicht schon in Richtung Senkwehen und damit Geburtsvorbereitung des Körpers ist. Dabei weiß ich auch, dass das völlig normal ist. Schließlich wird mein Bauch schon seit der 28. Woche immer mal wieder fest, aber auch das hatte keinerlei Auswirkungen. Übungswehen halt. Alles wird anstrengender und das Baby immer größer. Da wird bei den wilden Drehungen im Bauch eben auch mal der Bauch fest. Ich habe aber schon festgestellt, dass das weniger ist, wenn ich entspannter bin, aber wen wundert das. Wenn ich ständig auf Achse bin, strengt das eben an.

Seit dem Wochenende fühle ich mich plötzlich deutlich positiver. Total optimistisch. Ich habe viel abarbeiten können und plötzlich fühlt es sich an als wäre noch richtig viel Zeit.
Während des Kinderwunschs beschäftigte ich mich nach einer Weile auch mit künstlicher Befruchtung und allen möglichen Dingen. Dabei fühlte es sich aber nie an als würde es mich wirklich betreffen. Ich war davon überzeugt, dass es von alleine klappen würde, wenn der Zyklus erstmal rundläuft. Und so war es. Ich wusste damals sicher, dass ich schwanger bin. Es konnte gar nicht anders sein. Und so fühlt es sich auch jetzt an. Ich beschäftige mich durchaus intensiv mit den Möglichkeiten, aber es fühlt sich so an als würde sich alles selbst ins Lot bringen. (Murphy, ich bitte dich, hör einfach mal weg, ja?!) Wir haben also noch Zeit.

Vielleicht regelt sich ja alles, sobald ich aufhören kann zu rotieren. Gefühlt steht bei mir seit Monaten alles Kopf, wer weiß, vielleicht überträgt sich das auch so. Ich freue mich jedenfalls sehr auf den Mutterschutz und erhoffe mir mehr Zeit für das Baby und mich.

Der Freund wird demnächst noch eine Woche beruflich unterwegs sein. Ich kenne mich ja, deshalb habe ich das Angebot des Arztes angenommen und lasse noch mal nach dem Gebärmutterhals sehen, damit ich zumindest dort einen Befund habe und weiß, ob ich so weitermachen kann wie bisher oder mich zumindest schonen sollte, damit es hier nicht viel zu früh losgeht. Auch, wenn ich –wie schon zig Mal erwähnt- absolut nicht daran glaube.

Zahlen sind Fakten und Fakten beruhigen mich. Mir ist durchaus bewusst, dass der Schuss auch nach hinten losgehen kann, aber bisher war ich vor den Messungen immer nervös und rechnete aufgrund vieler Berichte von Bekannten und Freundinnen immer mit einem verkürzten Gebärmutterhals o.Ä. und nie war etwas. Im Gegenteil, es war immer ok. Und wenn nicht, weiß ich zumindest Bescheid. Es kann immer anders kommen.
Ich erhoffe mir dasselbe vom heutigen Termin und ich der Abwesenheit des Freundes ein klein wenig entspannter entgegen blicken kann. Auch ein top Befund, muss nichts heißen, aber trotzdem. Und außerdem ist da ja noch immer mein Bauchgefühl, das mir sagt, dass alles gut wird,

Hach ja, es ist schon nicht immer leicht, ich zu sein.