Erinnern und vermissen

Heute vor einem Jahr verlor ich mein erstes Kind.
Ich erinnere mich noch genau an diesen Tag, während es sich gleichzeitig ein wenig wie weichgezeichnet anfühlt. Eine Erinnerung, die sich so irreal anfühlt und doch überrollt sie mich noch immer gelegentlich mit solch einer Wucht. Ich weiß genau was ich tat als die Bauchschmerzen begannen und wie unsicher ich war, ob ich wirklich ins Krankenhaus fahren sollte. Ich kann die Verzweiflung noch immer spüren, die mich durchschüttelte als ich das Blut sah. Ich ahnte sofort was das bedeutete, wollte es aber nicht wahrhaben. Klammerte mich wie eine Ertrinkende an die Hoffnung, dass sich alle irren und ich im Juli ein gesundes Baby in den Armen halten würde.
Mein Wunsch sollte nicht in Erfüllung gehen. 2 Monate später bestätigte mir der Arzt, dass die Natur alles von alleine geregelt hatte. 

In diesem Jahr ist unheimlich viel passiert. Auf die Trauer folgten Angst und Unsicherheit, ob ich jemals ein Baby bekommen würde. Aber schon kurze Zeit später zog unser Winterwunder bei mir ein und entfachte damit ein Glück, das ich nicht für möglich gehalten hatte.
Der Tag des errechneten Entbindungstermins war schlimm, aber die Freude auf das Baby in meinem Bauch machte es erträglich. Und auch jetzt, während ich diese Zeilen tippe, wühlt sich unser kleines Winterwunder durch meinen Bauch als wollte es mich trösten.
Auch wenn ich diesen kleinen Mensch niemals kennenlernen durfte, ist er ein Teil von mir und wird es immer sein.

Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass ich jemals über das Geschehene sprechen können würde ohne sofort in verzweifelte Tränen auszubrechen. Es wird besser, aber es schmerzt noch immer und wahrscheinlich wird sich das niemals ändern. Aus der klaffenden Wunde wurde eine Narbe.

Es gibt Momente, an denen ich mich frage, warum alles so kommen musste, wie es kam. Wie es wäre, wenn du bei uns sein könntest. Wie du aussehen würdest. Wie du wärst. Und dann rollen auch ein paar Tränen.

Heute fällt es mir besonders schwer zu verstehen, warum du nicht bei uns bleiben durftest, warum du uns genommen wurdest. Du warst gewünscht und sehnlichst erwartet. Ich habe mich so sehr auf dich gefreut. Du fehlst mir. In meinem Herzen tobt ein Sturm. Ich muss immer wieder doll schlucken und die Tränen bahnen sich ihren Weg. Da sind so viele Worte, die ich sagen möchte, die ihren Weg nicht nach außen finden. Sie scheinen nur für dich bestimmt zu sein, ich bin sicher, du hörst sie. Es tut so weh.

Du bist unvergessen. Tief in meinem Herzen. Unser kleiner Stern.

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Die Schwangere, die ich sein will

Ich war mir nicht sicher, wie ich auf einen positiven Test reagieren würde nach den Erlebnissen letztes Jahr.
Ich lese immer wieder dass viele Frauen mit Kinderwunsch Sorgen und Ängste mit sich herumtragen, ob sie schwanger werden können. Ich gehörte da ganz gewiss dazu. Mal mehr, mal weniger.

Was ich aber sehr traurig finde, ist dass diese Ängste unmittelbar mit dem positiven Test durch andere Ängste ersetzt werden. Statt sich über das Ergebnis zu freuen, wird darüber gerätselt, ob der Strich vielleicht nicht deutlich genug sein könnte.
Ich verstehe, dass man je nach Vorgeschichte ängstlicher an das Ganze herangeht, aber warum bremst man sich so aus? Ich verstehe, dass man nervös ist vor den Arztterminen, das wird mir nicht anders gehen, aber ich will nicht von Termin zu Termin Leben und nur glücklich sein dürfen, wenn der Ultraschall läuft.

Ich möchte in meinen Körper vertrauen, denn er hat mir bewiesen, dass ich das kann, auch wenn es im letzten Jahr nicht immer lief wie gewünscht. Ich möchte die Zeit genießen, aufsaugen und einfach nur glücklich sein über das Wunder, das gerade in mir passiert.

Ich hatte vor dem Test Angst vor dem Ergebnis. Ich wusste nicht was ich tun sollte, wäre das Ergebnis negativ. Weinen vermutlich. Aber das Ergebnis war positiv. Und ich weinte und zitterte. Vor Glück und Freude.
Ich war verunsichert als der Test im trockenen Zustand negativ war. Aber ich wollte mich nicht verunsichern oder die Freude nehmen lassen und wiederholte ihn am Tag darauf, denn mit einem blütenweißen Schwangerschaftstest bräuchte ich dem Freund nichts beweisen wollen. Der Strich war deutlicher, das war toll und damit war es ok. Ich testete 2 Tage darauf noch mal, weil alle guten Dinge drei sind und weil ich am Tag nach Ausbleiben der Periode noch mal testen wollte. Ich hätte es nicht gebraucht, aber ich mochte das Gefühl, das jedes Mal in mir hochstieg, wenn die zweite Linie erschien. Unabhängig von ihrer Intenstität.

Als es eines abends zog und ziepte, wurde ich nervös, aber ich versuchte mich zu beruhigen.
Ich habe es nicht in der Hand. Es ist nicht meine Entscheidung, ob dieses Baby bei uns bleiben will, aber es ist meine Entscheidung, ob ich diese Zeit genieße oder mit Sorgen vergeude. Ich entschied mich für das Glück und beschloss es zu genießen. Alles was ich tun kann, ist positiv zu denken und zu vertrauen. Auf dieses – unser Baby und oben.

Ja, ich bin unsicher, ob unser Glück am richtigen Fleck sitzt und ja, ich hätte gerne eher einen Ultraschalltermin, aber ich bin im Ausland im Urlaub und danach ist mein Frauenarzt weg. Zu einer Vertretung gehe ich nach der letzten Erfahrung nur im Notfall. Das Schicksal hat entschieden und so werde ich erst in der 8. Woche zum Ultraschalltermin gehen. So überspringt man zumindest diese Zeit in der ein Herzschlag da sein könnte oder auch nicht. Alles was dann ist, ist zweifelsfrei. Und genau das brauche ich.

Ich will dieses Gefühl einfach genießen und all den negativen Dingen keinen Raum geben. Ich weiß, was das Schlimmste ist, das passieren kann, aber ich möchte mich nicht damit beschäftigen, denn ich bin guter Dinge, dass alles gut ist.