Verschluckt

In der Schwangerschaft machten der Freund und ich einen Kurs zum Thema „Erste Hilfe am Kind“. Es war mir wichtig ein bisschen was an der Hand zu haben. Vor der Beikosteinführung informierte ich mich nochmal darüber, was ich tun müsste, würde sich der kleine Mann an seinem Essen verschlucken. Das tat ich etwa 300 Mal, weil ich derzeit sehr vergesslich bin und ich im Fall der Fälle wirklich sicher wissen wollte, was zu tun ist. Ich las nach, sah mir Bilder und zuletzt Videos bei YouTube an.

Der kleine Mann isst nun schon eine ganze Weile bei uns mit und ich würde ihn als recht sicheren Esser bezeichnen. Anfangs verschluckte er sich zwar ab und zu, was mich gerade bei den ersten Malen unheimlich erschreckte, förderte es dann aber immer ganz souverän zu Tage. Ich denke, ein Stück weit gehört es einfach auch zum Lernprozess. Wie weit kann ich etwas in den Mund stecken und wie viel? Wie schnell kann und wie viel ich schlucken? Muss ich vorher kauen und wie gründlich? All das will getestet werden.
Ich achte darauf ihm nichts Hartes oder Verschluckbares wie z.B. rohe Karotte oder Heidelbeeren zu geben. Hartes wird weich gegart, Rundes geteilt, zerdrückt oder püriert.

Und je länger er mitaß, desto seltener verschluckte er sich und umso entspannter wurden wir. Bis vor ein paar Tagen.

Der Kleine aß ein bisschen Brot, stopfte sich den Mund voll und begann herum zu kaspern. Wir erklären ihm zwar, dass er das bitte nicht tun soll, aber man kennt das ja, es klappt nicht immer. Er warf den Kopf in den Nacken, begann zu lachen und verschluckte sich.
Er begann zu würgen, aber ich hörte sofort, dass etwas nicht stimmt. Er kämpfte, aber nichts passierte. Wir gaben ihm zwei Versuche, um es hochzuholen, dann fischte ihn der Freund eilig aus seinem Stuhl und neigte seinen Kopf nach vorne.
Ich schnappte mir den Kleinen, legte ihn mit dem Oberkörper über meinen Schoß, der Kopf herunterhängend und klopfte zwischen seine Schultern. Er spuckte daraufhin etwas aus, ich nahm ihn hoch und rief – noch voll in meiner Angst gefangen – mehr zu mir selbst „Atmet er?“ und sah ihn an. Er atmete, irgendwie. Aber es klang gepresst, seine Lippen waren etwas lila, sein Blick voller Panik.
In seinem Hals sah ich das Brot stecken. Er versuchte es hochzuwürgen, aber es klappte nicht. Ich bekam Panik und rief dem Freund ein „Scheiße! Lies nach!“ zu. Das klingt jetzt vielleicht verrückt, aber wir haben ein Buch über Notfälle am Kind und ich wollte einfach, dass er schaut, was da als nächster Schritt steht. Mehr konnte er gerade nicht tun. Die Aussage kam einfach von Innen ohne nachzudenken.

Ich nahm ihn sofort wieder über die Beine und klopfte kräftiger zwischen seine Schultern. Und dann flutschte es raus.
Der Kleine weinte sofort bitterlich, schmiegte sich an mich. Das war der Moment, in dem ich wieder begann zu atmen.

Uff.. Ihr hlaubt nicht wie erleichtert ich war. Das alkes spielte sich in vielleicht 30 Sekunden ab, alles was ich tat,tat ich ohne nachzudenken, aber mrinem Kopf ratterte es unentwegt „Das muss raus! Was mache ich, wenn es nicht rauskommt?“. Ich funktionierte einfach.

Ohne den Kurs bzw. hätte ich mich nicht informiert, wäre der Kleine vielleicht erstickt.
Das alleine bereitet einen nicht darauf vor, aber man hat etwas an der Hand.
Ich hätte den Kleinen noch tiefer hängen lassen oder beim ersten Versuch direkt fester zwischen die Schultern klopfen sollen. Ich war unsicher und hatte Angst ihn zu verletzten. Beim zweiten Mal wollte ich einfach nur, dass dieses Ding rauskommt, ganz egal wie.

Ich möchte das bitte nie wieder erleben.
Sobald es mir möglich ist, werde ich den Kurs auffrischen.

Bitte lasst eure Kinder nur im Sitzen und niemals unbeaufsichtigt essen. Und macht einen Kurs/informiert euch! Bitte.
Eine Twitterin erzählte mir, dass man sich auch von jedem Kinderarzt die Handgriffe bei Verschlucken zeigen lassen kann, wenn Zeit und/oder Geld keinen Kurs möglich machen. Wirklich, tut das. Es macht einen nicht zum Profi, aber in etwa zu wissen, was man tun kann, ist so viel wert und bewahrte mich davor einfach nur in nackte Panik zu verfallen.

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Tagebuchbloggerei im November

Der heutige Tag stand im Zeichen der erste Hilfe.

Da hier schon bald ein kleines Menschlein wohnen wird, hielten wir es für eine gute Idee einen erste Hilfe Kurs am Kind zu besuchen. Ist ja auch ein bisschen anders als bei Erwachsenen. Heute war es dann soweit.

Geplante war, etwas früher aufzustehen, um noch in Ruhe duschen zu können. Tatsächlich war ich sogar 30 Minuten vor dem Wecker wach und konnte noch ein bisschen im Bett rumlümmeln.

Nachdem ich die Brötchen in den Ofen geschoben hatte, stellte ich mich unter die heiße Dusche. Das warme Wasser Tat so gut und sogar mein Bauch entspannte sich etwas, der ist zur Zeit nämlich ständig angespannt. Nach dem üblichen After-shower-Prozedere, scheuchte ich den Freund aus dem Bett.
Wir frühstückten im Schnelldurchlauf, packten unser Proviant für den Kurs und machten uns trotz der Eile zu spät auf den Weg.
Ich hasse es so sehr zu spät zu sein, unnötig zu erzählen, dass uns das Navi auch noch falsch lotste und wir als letzte zum Kurs kamen. Eigentlich hätte ich noch dringend auf die Toilette müssen, aber ich kniff die Zähne oder vielmehr die Beine zusammen und wartete 20 Abstandsminuten bis ich dem Bedürfnis nachging.

Der Kurs war richtig interessant. Mir war schon einiges bekannt, könnte aber auch viel Neues mitnehmen. Wir sprachen u.a. über Gehirnerschütterungen, Hitzeschläge, verschiedene Krämpfe, Herz-Lungen-Massagen und natürlich über die Basics wie Versorgung von Verletzungen, Brandwunden und dem Absetzen des Notrufs.
Es hat sich auf jeden Fall sehr gelohnt. Ich hoffe, das Wissen nicht so schnell bzw. manche Dinge niemals anwenden zu müssen, fühle mich jetzt aber besser vorbereitet, falls es doch nötig werden sollte.

Die Zeit verging super schnell und bis wir Zuhause waren, war es schon fast 17 Uhr.
Ich durfte mich ein bisschen erholen, während der Freund das Abendessen vorbereitete.

Es gab Geschnetzeltes mit Reis und Rosenkohl. Das war so lecker!
Nach dem Abwasch verlegten wir uns aufs Sofa und ließen den Abend mit Lebkuchen und „Ein ganzes halbes Jahr“ ausklingen.
Den Film hatte ich schon mit einer Kollegin gesehen, aber ich finde ihn so toll, dass ich ihn unbedingt noch mal mit dem Freund sehen wollte. Lou ist einfach zu niedlich!

Und das war’s auch schon.

Weitere Tagebuchbloggereien findet ihr bei Frau Brüllen.