Eingewöhnt

Es ist still hier. Sehr still. Aber ich komme einfach nicht zum Bloggen.
Gerade passieren ein paar unvorhersehbare Dinge, die mich ein bisschen ins Rotieren bringen. Davor genoss ich die Elternzeit in vollen Zügen und erfreute mich an der neuen Routine, die dafür sorgte, dass ich meinen Ansprüchen wieder genügte. Es lief endlich so, wie ich es lange versucht hatte, hinzubekommen.
Dazwischen blieb aber nicht viel Zeit und abends war ich müde. Wie dem auch sei, es stehen noch einige Posts aus, mal sehen, ob ich die jemals fertig bekomme.

Wovon ich aber unbedingt berichten wollte, ist der aktuelle Stand der Eingewöhnung.

Ziel war es, dass der kleine Mann bis zum Ende meiner Elternzeit bis 11:30 Uhr in der KiTa bleibt. Das reicht schon, damit ich ins Büro fahren und kann. Sollte er sogar schon doer schlafen, wäre das grandios, aber absolut nicht notwendig. Das nahm viel Druck aus der Sache, aber ich war dennoch fürchterlich angespannt. Es wollte nicht so recht voran gehen.

Jeden Morgen weinte und klammerte der Kleine als ich ging. Noch ehe ich den Kinderwagen vor den Gruppenraum gestellt hatte, hatte er sich beruhigt, aber mir fiel es jeden Morgen unheimlich schwer ihn loszulassen, obwohl ich uns beiden immer gut zuredete. Darüber hinaus blieb es bis Mitte April immer noch nur etwa 1,5 Stunden. Ich hatte den Eindruck, die Erzieherin traute sich nicht wirklich, denn sie wollte ihn nicht überfordern. Müde war zu der Zeit immer und inzwischen ist ja bekannt, dass der Kleine nicht unbedingt eines dieser Kinder ist, die einfach schlafen, wenn sie müde sind. Ich wollte nicht drängen, aber die Zeit arbeitete gegen uns. Ich wurde zunehmend unruhig, der Freund beantragte zur Sicherheit Elternzeit, um es auffangen zu können, sollte der Kleine noch länger für die Eingewöhnung brauchen.

Ab etwa 9:45 Uhr gehen die Erzieherinnen mit den Kleinen nach draußen. Ein Umbruch, der wohl auch mal etwas schwerer fällt. Der nächste Schritt war also den Kleinen bis 10:30 Uhr in der KiTa zu lassen. Ich war beim ersten Versuch unheimlich nervös, aber es klappte echt gut. Er war zwar sehr müde, aber ich holte jeden Tag ein fröhliches Kind ab. Sein Kinderwagen half ihm unheimlich. Er nutzte ihn als seinen sicheren Hafen, zeigte wohl darauf, wenn es ihm zu viel war und machte eine Pause, bis er wieder ins Spiel einstieg. Das klappte wirklich sehr gut, ich war total baff. Nur schlafen wollte er nicht.

Ich sprach ganz viel mit dem kleinen Mann. Ich erzählte ihm von der KiTa. Erklärte ihm, dass es ok sei, wenn er traurig ist, dass ich gehe, aber er auch sehr gerne dort spielen darf, weil ich ihn jeden Tag abholen komme und mich sehr auf ihn freue. Ich wiederholte es fast mantraartig. Und dann passierte es:
Letzte Woche Montag ging der kleine Mann freiwillig auf den Arm der Erzieherin. Wir waren beide ganz baff. Ich kann nicht sagen, wer sich mehr darüber gefreut hat, sie oder ich. Aber mich macht das unheimlich glücklich. Am Ende der Woche streckte er sogar den Arm nach ihr aus.

Dienstag versuchten wir dann den großen Schritt. Ich sollte den Kleinen um halb 12 abholen. Sollte es nicht klappen, würden sie mich anrufen. Soweit so gut. Ab halb 11 hatte ich aber keine Ruhe mehr. Also machte ich mich fertig und schlich vor der KiTa herum, sodass ich ganz schnell da wäre, sollte der Anruf kommen. Aber der kam nicht. Mir schoss bei jedem aufweinenden Kind der Puls in die Höhe, selbst wenn gar keins weinte, hörte ich doch ein Phantomweinen, so sehr rechnete ich damit. Die letzten Wochen waren nicht ganz einfach, aber ich wollte einfach, dass der Kleine mit dem besten Gefühl in die KiTa geht. Das ist mir wirklich wichtig.

Und so blieb der Kleine bis zum Essen. Und am nächsten Tag und seit dem jeden Tag. Einfach so.
Und ich war so stolz, erleichtert und wehmütig. Mein großer Junge! Wenn ich ihn abhole, flitzt er durch die Gruppe, grinst mich an und zeigt mir sein Spielzeug. Er grinst und winkt zum Abschied. Das ist großartig.
Er ist dann sehr müde und schläft Zuhause sofort und das für etwa 2 Stunden. Wir haben so einen tollen Rhythmus und das ohne, dass ich etwas dazu beitragen musste. Das war ja auch so ne Sache. als nächstes versuchen wir dann, ob er sich dem Herdentrieb hingibt und auch dort schlafen wird, aber das hat Zeit und wenn es nicht klappt, hole ich ihn weiterhin ab.

Vor zwei Wochen hätte ich niemals gedacht, dass der Kleine jemals bis 11:30 Uhr durchhalten würde. Selbst als er früh wach war oder der Zahn drückte, hielt er durch. Ein ganzes Gebirge kullerte da von meinem Herzen. Ich glaube, er ist eingewöhnt. Und das fühlt sich so gut an.

Ich bin wirklich dankbar, dass die Erzieherin sich so viel Zeit für den Kleinen nahm und ihn so liebevoll und geduldig begleitete. Das ist unbezahlbar.

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