Rückschlag

Sagte ich, die Eingewöhnung läuft? Tut sie. Rückwärts und bergab, aber läuft.

Bis jetzt lief es wirklich bilderbuchmäßig. Die 2,5 Stunden letzte Woche waren wirklich anstrengend für ihn und er war danach richtig erledigt, aber er meisterte das ganz wunderbar. Das änderte sich diese Woche.
Für diese Woche standen große Schritte an. Der Kleine sollte das erste Mal bis zum Mittagessen bleiben und dann zum ersten Schlafversuch bleiben. Der Punkt, dem ich ohnehin mit Bauchschmerzen entgegen blickte. Stattdessen fuhren wir die Zeit sogar zurück.

Tag 16 startete nach einer durchzahnten Nacht mit der Nachricht, dass die Bezugserzieherin des Kleinen die komplette Woche ausfallen wird. Tatsächlich begann er 10 Minuten bevor ich ihn abholen kam, zu weinen. Er war so unfassbar müde, dass er nach 3 Minuten in der Trage tief und fest einschlief. Zum ersten Mal hatte ich kein gutes Gefühl. So kamen einfach zwei schwierige Umstände zusammen. Im Grunde ist das nicht weiter schlimm, aber mir tat er dennoch so leid.Er hat seine Bezugserzieherin schon sehr ins Herz geschlossen, dass sie nicht da war, warf ihn etwas aus der Bahn.

Auch am den nächsten Tagen weinte er bittere Tränen als ich wir ihn abholte. Ich vermutete, dass ihm im Schneenazug velleicht einfac zu warm war, aber wir beschlossen ihn am Tag darauf noch vor dem Rausgehen abzuholen, falls ihm das einfach zu viel ist. Er sei halt ab 10 müde, sagte mir die Leitung. Ja, schon. Aber da muss sich doch ein anderer Weg finden als dass ich ihn abhole? Er muss sich ja auch dran gewöhnen. Da dachte ich zum ersten Mal, dass es die Kapazitäten wohl nicht herzugeben scheinen, dass vielleicht jemand versucht ihn zu einem Schläfchen zu bewegen.
Neuer Tag, neues Glück. Aber da klingelte zum ersten Mal das Telefon. Der Kleine lasse sich nicht beruhigen, ob ich ihn abholen könne. Natürlich! Mich empfang ein völlig aufgelöster, kleiner Mann. Die Sorgen, die ich mir seit Montag machte, verwandelten sich in einen wahren Sturm. So kann es unmöglich weitergehen. Der Kleine soll doch mit einem guten Gefühl in die KiTa gehen. Daneben steht der Jobbeginn, der immer näher rückt. Beim Gedanken daran wurde mir schlecht. An diesem Tag verriet uns eine Erzieherin, dass die Bezugserzieherin des Kleinen schwanger ist. Uff. Ich freue mich riesig für sie. Für den kleinen Mann ist das eine Katastrophe. Ich hätte heulen können. Wie soll das so klappen? Da muss unbedingt eine Lösung her. Zeitgleich werden gerade zwei weitere Kinder eingewöhnt, wodurch eigentlich keine Kapazitäten frei sind.

Es machte sich das Gefühl breit, dass für mein Kind kein Platz ist. Ich hatte den Eindruck, dass er so hin und her geschoben wird. Er ist zwar schon seit 3 Wochen dort und hat sich etwas eingelebt, aber eben noch nicht so sehr, dass er da derart flexibel reagieren kann. Er zwar sehr offen, aber auch sensibel und mit ganz feinen Antennen ausgestattet. Er shäkert gerne, aber er vertraut nicht jedem.

Zuhause erarbeiteten der Freund und ich einen Notfallplan, den ich am nächsten Tag mit meiner Chefin besprechen würde. Ich hatte ohnehin vor ins Büro zu fahren, weil ich meine Arbeitszeiten mit ihr besprechen wollte. Kaum ausgesprochen, fühlte ich mich schon viel leichter. Jetzt muss es nur noch klappen.

Für Donnerstag (Tag 19) planten wir schon nur noch 1,5 Stunden ein, aber bereits nach 45 Minuten klingelte das Handy, ob wir den Kleinen in 30 Minuten abholen könnten. Irgendwie verwirrte mich das, ich fragte, ob er weine und als es hieß ja, schickte ich den Freund los, denn ich saß im Büro. Als er ankam, spielte der Kleine mit einer der Erzieherinnen am Waschbecken. Nicht ganz glücklich, aber auch nicht weinend. Der Freund nahm ihn dann mit, so blieb zumindest ein einigermaßen positiver Abschluss. Allerdings beschlich uns immer mehr das Gefühl, dass da eben kein Platz, keine Zeit für unser Kind ist. Und dass es vielleicht auch gar nicht richtig versucht wird und man es sich etwas leicht macht. Es machte mich wütend, dass noch keine Lösung erarbeitet wurde. Ich meine, die Erzieherin fällt jetzt einfach weg, er steckt mitten in der Eingewöhnung. Da muss man sich doch mal überlegen, wie man das auffängt?
Ziemlich blöde Gefühle und Gedanken, die das Verhältnis belasten, wo ich doch so überzeugt von der KiTa bin. Da muss ein Gespräch und eine Lösung her. Mein Kind hat eine liebevolle Eingewöhnung verdient, so wie die anderen auch.

Es tut mir weh zu sehen wie mein aufgewecktes, offenes Kind jeden Tag zurückhaltender wird. Statt in seiner geliebten Sandkiste zu verschwinden, die Arme nach uns ausstreckt und deutlich zeigt, dass er lieber mit nach Hause möchte. Zuhause klebt er an uns. Als ich zum Arzttermin aufbrach, weinte er wohl nach 10 Minuten ganz bitterlich nach mir. Er rückte nicht einen Zentimeter von meiner Seite. Er ist schon immer auch anhänglich gewesen, aber so kenne ich ihn nicht. Wir versuchen ihm viel zu erklären, gut zuzureden, ihn auf den nächsten Tag vorzubereiten und ganz viele Spiel- und Kuscheleinheiten einzubauen, aber das allein reicht nicht.

Das Gespräch mit meiner Chefin lief wunderbar. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass sie so verständnisvoll reagieren würde. Mich hatte nämlich wirklich ernsthaft das Gewissen gebissen, weil man mich auch einplant, aber ohne ein Zögern stimmte sie meinem Wunsch zu und so werde ich noch einmal meine Elternzeit verlängern. Das gibt uns etwas mehr Zeit. Auf Dauer ist das aber keine Lösung, denn von Elternzeit allein gewöhnt sich der Kleine auch nicht ein. Das Wohl meines Kindes steht über allem, aber auch der finanzielle Aspekt ist nicht zu verachten. Ich bin dankbar, dass wir das auffangen können, aber auf Dauer geht das nicht. Ich bin so unfassbar dankbar für meinen grandiosen Arbeitgeber.

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KiTa-Kind } Tag 1

Und plötzlich ist war er da, der erste Tag der Eingewöhnung. Ab nun ist alles anders und seit über einem Jahr habe ich wieder einen Wecker gestellt.

Meine Nacht war grauselig. Eigentlich war der Plan früh ins Bett zu gehen. Uneigentlich kam die Urlaubsplanung dazwischen (die mittlerweile Gott sei Dank abgeschlossen ist!). Als ich dann viel zu spät ins Bett ging, konnte ich dennoch kein Auge zu tun. Ich konnte einfach nicht einschlafen, obwohl ich völlig ruhig war. Der Kleine schlief wegen eines späten Mittagsschlafs spät ein und öffnete 3 Stunden später bereits wieder die Äuglein. Er war ganz ruhig und kuschelig, wollte ganz nah bei mir sein, bis er dann um 3 Uhr einschlief. Während ich mein Baby versuchte in den Schlaf zu kraulen, fragte ich mich, ob er wohl meine Unruhe spürt? Ich glaubte ja, die Ruhe selbst zu sein, aber die Tatsache, einfach nicht einschlafen zu können, muss doch insgeheim mit dem aufregenden Ereignis zusammen hängen, das uns nach dem Schlafen erwarten würde. Erst als ein paar stumme Tränen kullern, fühle ich mich leichter und kann schlafen. 3,5 Stunden später klingelte der Wecker leise.

Ich schlüpfte aus dem Bett und gehe ins Bad, um mich fertig zu machen. Im Anschluss bereite ich das Frühstück vor. Der kleine Mann wird um 7 Uhr nach einer viel zu kurzen Nacht wach, ist aber bester Laune. Der Freund ist mittlerweile schon auf dem Weg zur Arbeit. Ich ziehe das Kind um, wir frühstücken, putzen die Zähne und machen uns auf den Weg. Den morgendlichen Ablauf muss ich noch ein wenig optimieren, denn zum Schluss wurde es dann doch noch knapp und ich hasse es unpünktlich zu sein!

Pünktlich um 8 Uhr betraten wir dir KiTa. Wir beginnen vorerst so früh, damit noch nicht so viele Kinder gleichzeitig da sind und der kleine Mann langsam ankommen kann.
An der Garderobe waren schon Name und ein Bild des kleinen Mannes angebracht. Ich mag sowas ja. Also kurz ausziehen und los ging der erste Tag als (fast) KiTa-Kind.

Die Bezugserzieherin der Kleinen begrüßte ihn ganz freudig, wofür sie ein dickes Grinsen erntete. Es waren noch drei andere Kinder da, die den Kleinen ganz neugierig bestaunten. Ich zog ihm seine Puschen an und machte es mir auf meinem Stuhl bequem, von dem aus ich den ganzen Raum überblicken kann, aber nicht ganz so präsent bin. Und dann ging es auch schon los.
Der Kleine erkundete ganz neugierig den ganzen Raum und beobachtete interessiert die anderen Kinder. Er kletterte umher und nahm ersten Kontakt zu seiner Erzieherin auf.

Mir fiel das wirklich schwer, nicht mit ihm zusammen zu spielen. Solange ich dabei bin, hat das alles ja noch Krabbelgruppencharakter, aber beim Gedanken an die erste Trennung musste ich doch ein bisschen schlucken. Ich sah ja, dass es ihm wirklich gefällt, aber die Eingewöhnung ist auch eine Entwöhnung für mich.
Wir waren jetzt über ein Jahr fast rund um die Uhr zusammen. Da wünschte ich mir zugegebenermaßen auch mal ein bisschen Pause, aber seufz. Es ist halt doch was anderes, ob es regelmäßig muss oder darf. Jeden Entwicklungsschritt bejubelte ich als Erste. Mir wird diese Zeit fehlen, so ganz für uns ohne Termine und feste Abläufe. Aber es bringt nichts sich jetzt darüber Gedanken zu machen. Es ist wie es ist und es ist ja nicht schlecht! Wie sagte die Erzieherin „Wenn es Ihnen gar nichts ausmachen würde, wäre doch irgendwas falsch.“.

Der Kleine räumte Spielzeug ein und aus und wirbelte fröhlich umher. Die Kinder zeigten ihm wie das Spielzeug funktioniert und kreisten um ihn wie um einen verborgenen Schatz. Das war wirklich putzig anzusehen. Sogar das Kind, das laut Erzieherin ein bisschen verschlossen ist und nicht so gerne abgibt, teilte das Spielzeugauto mit ihm. Hach. Der kleine Mann hatte sichtlich Spaß, sah sich immer mal wieder nach mir um oder zeigte mir freudestrahlend welche Errungenschaft er gerade gemacht hatte. Seine Erzieherin blieb immer in seiner Nähe, reichte ihm Spielzeug und versuchte ein bisschen Kontakt aufzubauen.

Ich unterhielt mich nebenbei mit der anderen Erzieherin und konnte einen ersten Eindruck davon bekommen, wie der Umgang mit den Kindern ist. Ich glaube, wir haben wirklich das goldene Los gezogen.
Es sind je nach Tageszeit 2-3 Erzieherinnen für bis zu 10 Kinder da. Das wäre bei der Tagesmutter auch nicht besser gewesen. Die Räume sind hell und freundlich und voller toller Sachen, ohne komplett vollgestellt zu sein. Auch da haben wir bei den Besichtigungen schon ganz andere Dinge gesehen. Aber was mein Herz aufgehen lässt, ist der Umgang mit den Kindern. Die Erzieherinnen sind alle so ruhig und liebevoll. Sie zeigen ganz bestimmt ihre Grenzen, verlieren aber dabei nicht einen harschen Ton. Ganz im Gegenteil, sie sind so freundlich und respektvoll mit den Kleinen, dass diese nach kurzen Ansagen wirklich mitmachen. Das einzige, was hier ein bisschen fehlt, ist der ein oder andere männliche Erzieher.

Etwa nach einer halben Stunde verfolgte der Kleine die Rasselbande in den Schlafraum. Die Räume sind alle mit Gucklöchern ausgestattet, so können die Kleinen auch schauen, was die Großen im Kindergarten so treiben. Ich konnte also beobachten, was der Kleine so trieb und ich sag mal so, er steht den Größeren in nichts nach. Er erklomm die Stufen und krabbelte wie von der Tarantel gestochen hin und her und immer den Großen nach. Ich bin ja gespannt wie lange es noch dauert, bis er versucht die ersten Schritte zu machen, wo alle anderen in der Gruppe schon laufen können. Ich bin so froh, dass wir ein paar Kurse gemacht haben und der Kleine andere Kinder kennt und mag. Das war ja nicht immer so. Wenn ich an die erste Zeit denke, wo jeder Blick schon einer zu viel war. Da hätte er die Stunde auf meinem Arm verbracht und sich Spielzeug anreichen lassen, jetzt war er mittendrin. Das hat mein Herz leichter gemacht und freut mich unheimlich.
Während er da so rumtollte, wurde ein kleiner Lockenkopf abgegeben. Er wurde von seiner Erzieherin auf den Arm genommen und begrüßt. Als sein Papa sich von ihm verabschiedete, begann er zu weinen. In dem Moment verkrampfte sich mein Herz richtig und ich dachte nur, dass ich so nicht hätte gehen können, obwohl uns schon gesagt wurde, dass kurze, deutliche Abschiede am einfachsten seien. Noch ehe sein Papa ums Haus herum gegangen war und einen Blick durchs Fenster werfen konnte (ihm fiel das auch sichtlich schwer. Im Nachhinein glaube ich, dass es einfacher sein könnte, damit man selbst nicht anfängt zu weinen *hust*), hatte sich der kleine Lockenkopf schon wieder beruhigt. Er durfte dann auf dem Schoß bleiben bis er soweit war. Das fand ich richtig, richtig schön.

Jedes Kind wurde mit Namen begrüßt und konnte zum Ankommen auf den Schoß oder Arm. Manche brauchten das und andere hatte kaum mehr Zeit sich von den Eltern zu verabschieden. So kann’s eben auch gehen. Nach knapp einer Stunde wurde es Zeit zu gehen. Die Kinder deckten den Frühstückstisch und ich versuchte den kleinen Mann zum Gehen zu überreden. Das fand er richtig doof und meckerte mit mir. Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätte er noch länger dort verbracht, aber wir wollten den ersten Tag abschließen, solange die Stimmung noch gut war, sodass er mit einem positiven Gefühl geht.

Der erste Tag lief richtig gut. Nur einmal kam der Kleine kurz zu mir gekrabbelt, legte seinen Kopf für eine Millisekunde auf meinen Schoß und zog dann wieder los. Auch die Erzieherinnen waren beide total begeistert wie gut es lief. Sie sagten mir immer wieder wie offen, freundlich, neugierig und fröhlich der Kleine sei. Ich habe da ja nicht wirklich dazu beigetragen, aber es fühlt sich schon echt toll an, wenn man sowas gesagt bekommt. Vor allem auch, weil es mir Hoffnung macht, dass die Eingewöhnung für uns alle entspannt werden kann.

Das Eingewöhnungsgespräch

Unser Lotterleben hat nun bald ein Ende. Schon nächste Woche beginnt die Eingewöhnung des kleinen Mannes.
Es ist kein Geheimnis, dass mir das unheimlich schwer fällt. Aber ich sehe es auch mit einem lachenden Auge, denn es ist mehr als nur das Ende eines sehr intensiven Abschnitts unserer gemeinsamen Zeit. Es ist auch ein Anfang von etwas, das dem kleinen Mann mit Sicherheit sehr gefallen wird.

Letzte Woche hatten wir also das Eingewöhnungsgespräch. Es war super!
Ich würde lügen, würde ich behaupten, dass es mir jetzt total leicht fiele, aber ich fühle mich dort und mit der Bezugserzieherin des kleinen Mannes sehr wohl. Insgeheim hatte ich ja gehofft, dass sie es wird und nun ist es tatsächlich so. Ich freue mich darüber echt riesig. Denn nicht nur der erste Eindruck, sondern auch das Gespräch hinterlassen ein sehr positives Gefühl.

Der Freund hatte frei und so gingen wir alle 3 gemeinsam zum Gespräch. Der Kleine konnte so schon mal die Räumlichkeiten kennenlernen und seine Bezugserzieherin ganz ungestört beschnuppern.
Zuerst besprachen wir die vertraglichen Dinge. Den kleinen Mann hielt es nicht lange an Ort und Stelle und so machte er nach kürzester Zeit den Gruppenraum unsicher, während uns seine Bezugserziehherin viele Fragen stellte, um uns und ihn ein bisschen kennenzulernen. Sie wollte gerne wissen, was er schon kann, was er mag und was nicht. Sie stellte Fragen zu unserem Umfeld, ob er es kennt von anderen Personen als von uns betreut zu werden und solche Dinge. Sie erzählte vom Tagesablauf in der KiTa und besprach kurz, was wir für den Kleinen besorgen müssen. Wir sprachen über das Essen und ich konnte mir die Essenspläne des Caterers ansehen, der die KiTa beliefert.
Das ist nämlich auch ein Thema, das mir sehr wichtig ist. Da habe ich schon ganz furchtbare Pläne gesehen.
Am Anfang werde ich ihm noch Essen mitgeben, aber sobald er dort richtig angekommen ist, darf er gerne dort essen. Das Essenansgebot ist ausgewogen und klingt super lecker. Ob ich da wohl mittags mit essen darf? ;)

Eingewöhnt wird nach dem Berliner Modell.
Die ersten Tage wird der kleine Mann mit mir zusammen eine Stunde lang in der Krippe verbringen. In dieser Zeit werde ich mich zurückhalten, aber dabei sein, sodass er die Umgebung, die anderen Kinder und seine Bezugserzieherin kennenlernen und Vertrauen aufbauen kann. Nach ein paar Tagen unternehmen wir den ersten Trennungsversuch. Dazu soll ich ihn in die Krippe bringen, mich eindeutig verabschieden und dann gehen. Die Trennung dauert im Idealfall 30 Minuten, in denen in der Garderobe auf ihn warten werde. Sollte er weinen und sich nicht beruhigen lassen, werde ich wieder zurückgerufen.
Sie sagte auch gleich, dass sie da nicht lange herumexperimentieren. Nach 5, maximal 10 Minuten, je nachdem wie doll er weint, auch früher, würde ich spätestens angerufen werden. Das hat mich gleich sehr beruhigt. Natürlich sollen sie versuchen dürfen ihn zu beruhigen, aber ich möchte nicht, dass das auf biegen und brechen passiert.
Ich habe 6 Wochen für die Eingewöhnung eingeplant, da ist auch Platz für ein paar Rückschläge. Das fand auch die Erzieherin super.

Anhand dieses Trennungsversuches entscheidet sich dann das weitere Vorgehen. Scheitert der Versuch, findet ein erneuter Bindungsaufbau statt und die Eingewöhnung wird etwas langsamer vorgenommen. Klappt es, bleibt es ein paar Tage bei 30 Minuten und wird dann Schrittweise um 15-30 Minuten verlängert, solange bis er dann zum Mittagessen und zum Schluss zum Schlafen bleibt. Der erste Schlafversuch wird etwa in Woche 3 oder 4 stattfinden.

Das Schlafen war und ist ja mein persönlicher Bibberpunkt. Denn hier klappt das ohne zu stillen einfach nicht. Die Bezugserzieherin (ich muss mir dringend einen Namen ausdenken) reagierte sehr offen darauf, dass der Kleine ein Einschlafstiller ist. Wir würden es einfach probieren. Es wäre auch gar kein Problem die erste Zeit den Kinderwagen mitzubringen und ihn darin schlafen zu lassen, das klappe bei vielen Kindern. Ein Versuch wäre das eventuell wirklich wert. Ihre Erfahrung zeige aber, dass in der Krippe vieles klappt, was zuhause nicht geht. Auch das Schlafen. Wir lassen es also auf uns zukommen.
Da ich dank meines Arbeitgebers und der Möglichkeit von zuhause aus zu arbeiten sehr flexibel bin, wäre es auch kein Problem den Kleinen auch nach den 6 Wochen noch vor dem Schlafen abzuholen und dann Zuhause hinzulegen, sollte es bis dahin nicht klappen. Das nimmt auch nochmal viel Druck aus der Sache. So können wir das wirklich ganz entspannt angehen und ich bin mir sicher, dass auch das irgendwann klappen wird.

Nach jedem Tag besprechen wir die Lage und das Vorgehen, um ganz individuell auf den Kleinen eingehen zu können.

Ich glaube, wir haben eine wirklich tolle Einrichtung und eine noch tollere Erzieherin erwischt.
Die Erzieherin freute sich sehr als ich ihr sagte, dass sie gerne mit dem Kleinen kuscheln darf, wenn er es braucht und sie das auch möchte. Sie erzählte, dass es viele Eltern gebe, die das nicht wollen. Sie sagte uns wie schön sie es finde, dass wir so offen und unkompliziert seien. Diese Frau scheint ein echter Glücksgriff zu sein! Ich hatte nämlich schon befürchtet, dass wir ein bisschen in unserer Wünsche belächelt werden, weil wir doch schon sehr auf den Kleinen eingehen und das so vielleicht nicht umsetzbar ist. Aber ganz im Gegenteil, sie war sehr interessiert und ich habe den Eindruck, dass sie das von sich selbst aus eh machen würde. In der Zwischenzeit nahm der kleine Mann auch schon Kontakt zu ihr auf und kasperte mit ihr herum. Das machte mir das Herz auch gleich etwas leichter.

Ich erzählte auch ganz offen, dass mir dieser Schritt unheimlich schwer fällt, obwohl ich ein rundum gutes Gefühl habe. Sie war so verständnisvoll, sagte, dass das völlig normal sei und viele (meist) Mütter bei der Eingewöhnung ein paar Tränen vergießen. Das sei völlig in Ordnung, es ist eben ein großer Schritt. Es helfe da alles anzusprechen und sich mit anderen Eltern auszutauschen.

Sie erzählte uns ein bisschen von der Eingewöhnung anderer Kinder und betonte immer wieder wie offen, freundlich und lustig unser Kind sei. Und wie sehr sie sich schon auf ihn freut!

Ich glaube, mit ihrer liebevollen, offenen und albernen Art passt sie einfach perfekt zu unserem kleinen Mann. Das erleichtert mich doch sehr.

Bald geht es los. Mein Baby wird groß.