So gemein

Wir haben das Tal der Tränen erreicht. 

Ich muss gestehen, dass ich damit noch nicht gerechnet hatte. Gedanklich habe ich das so etwa um den 1. Geburtstag angesiedelt, vielleicht ganz optimistisch sogar noch später. Aber da habe ich mich wohl geirrt.

Der kleine Mann ist nun mobil und wenn ich mobil sage, dann meine ich „Ich kann keine Sekunde an einer Stelle liegen bleiben und schiebe mich mit einem Affenzahn durch die Wohnung“ mobil. Natürlich sind es die verbotenen Früchte, die besonders gut schmecken und so zieht es den kleinen Mann zu allem, was nicht babytauglich ist. Leider kann ich nicht die komplette Wohnung hochstellen. Kabel und Steckdosen haben es ihm besonders angetan. Oder das Heizungsrohr und an dessen Position lässt sich nunmal nichts ändern.

Außerdem möchte ich auch gar nicht alles wegräumen. Wir leben ja alle hier also muss der Kleine lernen, dass manche Dinge tabu sind. Weil wir ihn lieb haben und wollen, dass er uns erhalten bleibt. Und so pflücken wir ihn immer wieder von diesen heißbegehrten Zielen.

Das wiederum findet der kleine Mann doof. So richtig, richtig doof. Es gab schon den ein oder anderen Nervenzusammenbruch mit ganz schlimmem Schluchzheulanfall, weil „Ich will aber!“ als wir ihn davon abhielten sich mit den Schiebeelementen der Hemneskommode den Kopf einzuschlagen oder am heißen Heizungsrohr zu lecken.

Sorry, das ist eben nicht verhandelbar. Es tut mir dennoch fürchterlich leid, wie er da schluchzt und dicke Tränen seine Wangen entlang kullern.
Ich verstehe ihn ja. Er will das haben und versteht gar nicht, warum das nicht geht. Ich erkläre es zwar, aber was davon ankommt, weiß ich nicht und es ändert nichts an seibem Bedürfnis das jetzt haben/tun zu wollen.

Wir müssen da alle noch den Weg finden, wie wir dem begegnen. Ich will auch nicht ständig „Nein.“ sagen und überlege ganz genau,wann mir etwas wirklich wichtig ist und wo es einfach nur eine erste Reaktion war/wäre.

Und bis dahin reiche ich eben den anderen Becher, um die Tränen zu trocknen, weil aus dem einen nichts raus kommt, wenn man am oberen Rand saugt, ich aber auch nicht helfen darf. 

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8 Monate Januarbaby

Mein kleiner Mann,

du bist jetzt 8 Monate alt. Das sind genau 34 Wochen und 5 Tage.

Es ist unglaublich. Die Zeit rast einfach nur so dahin. Du bist so ein wunderbarer, kleiner Mensch. Du bereitest uns jeden Tag Freude. Wenn du mich anlächelst, bleibt die Welt kurz stehen. Ich kann es immer noch nicht fassen, dass du mich als deine Mama ausgewählt hast.

Dein Kleiderschrank ist nun in Größe 68/74 bestückt. Bei Oberteilen trägst du Größe 68, Hosen passen in 74 perfekt. Ich staune fast täglich wie groß du geworden bist. Du misst ca. 70 cm, so genau kann ich das leider nicht sagen, denn du hältst nicht besonders viel davon still zu halten.

Mit deiner offenen Art gewinnst du alle für dich. Wirklich jeder, der dich sieht, ist ganz angetan und immer wieder wird uns gesagt, was für ein fröhliches und freundliches Kind du bist. Und das bist du wirklich. Du lachst viel und machst Quatsch mit uns, wann immer du kannst. Es macht so einen Spaß dir.

Du hast zum ersten Mal Meerluft geschnuppert. Die intensive Zeit fernab vom Alltag tat uns allen gut und du hast die Aufmerksamkeit sehr genossen. Du warst ganz fasziniert von den Wellen.

Die Fahrt dorthin hast du so wunderbar gemeistert, auch wenn du das Autofahren nach wie vor eher duldest als magst. Die meiste Zeit schliefst du sogar! Wenn du müde bist, schaffst du es oft einfach einzuschlafen. Das ist wirklich grandios! 

Du bist ein kleiner Stubbelkopf. Du hast so viele Haare! Die Spitzen ragen bereits über die Ohren, wenn du dann dein verschmitztes Lächeln aufsetzt, erinnerst du mich an einen kleinen Kobold. Ich liebe es dir durch deine wilde Mähne zu wuscheln. Und du genießt es auch! Manchmal legst du dich auf den Bauch, den Kopf zwischen die Händchen gelegt und lässt dich kraulen. Dabei grummelst du ganz genüsslich.
Du hast noch immer wunderschöne, blaue Augen. Inzwischen bin ich ziemlich überzeugt, dass das so bleiben wird.

Du drehst dich zurück auf den Bauch, jetzt gibt es kein Halten mehr. Man möchte nicht glauben, dass du das erst seit kurzem machst. Du bist so schnell! Nun da diese Hürde überwunden ist, hebst du den Bauch oder den Po in Bauchlage an und möchtest gerne vorankommen.

Du bist sehr ehrgeizig. Wenn du dir etwas in den Kopf gesetzt hast, dann hält dich nichts davon ab. Du ziehst und wendest dich, du machst dich lang und versuchst mit stöhnen, ächzen und „ähähäh“ die fehlenden Centimeter wett zu machen bis du dein Ziel erreicht hast.

Du weißt ganz genau was du willst und was nicht! Was du gar nichts magst sind Schlafsäcke. Da kommst du nämlich nicht an deine Füße und das findest du richtig doof. 
Bei jeder sich bietenden Gelegenheit reißt du dir sie Söckchen von den Füßen, da passt ein Schlafsack natürlich gar nicht ins Konzept.
Ach, du und deine Füße, das ist große Liebe! Auch bei mir. Wenn du aufgeregt bist oder dich freust, kreiselst du ganz wild mit deinen Füßchen, das ist so unglaublich niedlich!

Du erzählst uns wilde Geschichten. Wawawawa, Mamamam, Bababap und Jajaja sind besonders beliebt. Bei Ersterem machst du den Mund ganz breit und schmal, dabei bekommst du furchtbar niedliche Pausbäckchen. Zwischendurch prustest du wild umher. Du bist ein wahrer Gesichtskasper und bringst uns immer wieder mit deiner Mimik zum Lachen. 

Du bist sehr aktiv, aber mindestens ebenso geduldig und aufmerksam. Dir entgeht nichts. Du möchtest die Welt entdecken, das aber auch gerne von meinem Arm aus. Es überrascht mich also nicht, dass du Bücher liebst, sei es, um sie zu essen oder anzusehen. Wenn wir gemeinsam Bücher ansehen, ruderst du aufgeregt mit Armen und Beinen und fauchst und aaaa-st vor Freude.

Es scheint als seist du zum waschechten Bauchschläfer mutiert. Eines Morgens lagst du plötzlich einfach auf dem Bauch. Ich bin total erschrocken und musste erst einmal kontrollieren, ob du noch atmest. Aber auch im Halbschlaf fasst du dich an den Füßen und kugelst dich hin und her und änderst dabei imner wieder deine Schlafposition.

Wenn du müde bist, aber nicht schlafen kannst, polterst du mit den Füßchen auf die Matratze. Ddecke ich dich mit deiner Wolldecke zu, krallst du dich darin fest und deine Augenlider werden schwer als müssten sie der Last des Schlafsandes sofort nachgeben, das klappt aber nur, wenn du richtig müde bist. Zum Schlafen muss es einfach kuschelig sein, da robbst du dich auch gerne so nah an mich heran als wolltest du in mich hineinkriechen. Kein Blatt Papier würde mehr zwischen uns passen, erst dann ist es nah genug. Ich genieße diese intimen Momente so sehr.

Du lernst gerade so viel, das bringt deine Welt ins Wanken. Das scheinst du im Schlaf zu verarbeiten. Du wachst nachts weinend auf und lässt dich manchmal nur schwer beruhigen. Das kenne ich so eigentlich nicht von dir. Insgesamt schläfst du etwas schlechter, wirst öfter und früher wach. Aber einmal schliefst du fast 8 Stunden am Stück. Ich konnte meinen Augen kaum trauen!

Dich im Schlaf zu beobachten hat etwas Meditatives. Wie sich deine Brust langsam hebt und senkt, deine Füßchen oder Finger zucken, wenn du träumst, wirken so beruhigend auf mich. Wenn ein Grinsen über dein Gesicht huscht und ich es erhaschen kann, hüpft mein Herz.

Papa ist dein Held! Hörst du den Schlüssel im Schloss, schnellt dein Kopf herum und ein breites Grinsen legt sich über dein Gesicht, sobald er um die Ecke kommt. Es ist fast egal, was er macht, alles belohnst du mit deinem Strahlen. Du liebst es aber ganz besonders, wenn er auf deinem Bauch blubbert, dich fliegen lässt oder auf die Schultern setzt.
Wir stillen noch immer voll, aber du hast deine Begeisterung für feste Nahrung entdeckt. Du sitzt nun völlig frei in deinem Hochstuhl und kannst es kaum erwarten, dass man dir etwas zu Essen reicht. Noch landet das meiste auf dem Boden, aber du hast großen Spaß daran alles zu befühlen, belutschen und zu probieren. Hier verfeinerst du auch den Pinzettengriff immer mehr. Inzwischen reagierst du nicht mehr völlig irritiert, wenn Stückchen im Mund landen. Ab und zu bekommst du auch etwas Brei, aber auch hier bist du weiterhin nach ein paar Löffeln befriedigt. Du reißt die Schnute auf, brummfauchst und haust deine Händchen auf den Tisch, um zu zeigen, dass du mehr möchtest. Wenn du satt bist, reibst du dir die Augen. Das ist ziemlich niedlich, leider vergisst du vorher die Hände zu leeren und verpasst dir damit zum Abschluss eine Gesichtsmaske.

Zum Essen bieten wir die etwas Wasser an, das du wie ein Profi aus einem Eierbecher trinkst. Die haben einfach die perfekte Größe. Du formst ein U und trinkst einfach drauf los. Ich bin ganz begeistert wie gut das schon klappt. 

Ich würde so gerne jedes noch so  kleine Detail festhalten, das würde aber den Rahmen sprengen. Alles, was du tust ist Besonders. Du bist toll!

Meine kleine Krawallhummel, ich lieb‘ dich so!