Bereit. (ET-2)

​Die Nacht war grauenhaft. Erst musste ich ständig auf die Toilette und lag dann nach nur 3,5 Stunden Schlaf ab 3:43 Uhr schlaflos im Bett. An Müdigkeit mangelte es nicht, nur am Willen meines Körpers dem nachzugeben. Stattdessen hatte ich einen steinharten Bauch, der sich nicht annähernd bequem Betten ließ und ab 4:30 Uhr solchen Hunger, dem ich dann eine Stunde später nachging als mir schon übel wurde. Mäh.
Schlafen konnte ich trotzdem nicht mehr.

Auf die letzten Tage hat mein Körper also beschlossen mir den Abschied leicht zu machen. Tagsüber ist es in Ordnung. Ich fühle mich schwerfällig und so groß, aber faul auf dem Sofa liegend ist das auszuhalten.

Ich bin bereit. Seit Tagen ist da so ein unterschwelligen Gefühl, dass es bald losgeht. Manchmal packt mich die Panik ob der Verantwortung, die da auf uns zukommt, wenn ich daran denke, dass es nur noch Tage sind bis unser Baby bei uns ist. Aber dann spüre ich es im Bauch strampeln und kann es kaum erwarten es endlich kennenlernen zu dürfen. 

Im Grunde bin ich sehr entspannt. Bis auf das wenige Fruchtwasser, das macht mir etwas Sorgen, denn es macht Druck. Am Wochenende soll ich noch Mal ins Krankenhaus zum CTG und Doppler und ich habe wirklich Angst, dass man mich direkt dort behält und man dem Baby und mir damit auch noch den letzten Funken an Selbstbestimmung nimmt. 

Ich wünsche mir wirklich sehr, dass es nun einfach losgeht und wir unser Baby gesund in den Armen halten dürfen.

Ich bin überzeugt davon, dass sich das Baby nachts auf den Weg macht, wenn man es lässt. In 2 Tagen ist der (wunderschöne) Entbindungstermin. In der Nacht zuvor ist Vollmond, wie auch in der Nacht vor dem Eisprung. Es wäre doch eine runde Sache, wenn es dann einfach losginge.
Ich weiß, dass nur 4% der Kinder am errechneten Termin zur Welt kommen, aber auch nur 3-5% der Kinder begeben sich nicht in Schädellage. Also schauen wir einfach mal.

Mein Kleines, wir sind bereit und freuen uns so sehr auf dich. Du darfst nun gerne den Startschuss geben.

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12. Vorsorgeuntersuchung } ET-3

Auf eine gute Nacht folgt eine schlechte. Ich war furchtbar müde, meine Augen schwer und ich hatte den Wunsch einfach nur im Bett zu liegen.
Dieser Plan wurde von meinem Gynäkologen durchkreuzt, der anrief und fragte, ob es möglich wäre heute statt morgen zur Vorsorgeuntersuchung zu kommen.

Super, ich hab mich eh auf den Termin gefreut. Also angezogen und los.

Nach dem CTG, das gelegentlich ein paar Wehen aufzeichnete, die sich aber wie die schon bekannten Übungswehen, einfach nur wie ein Korsett um den Bauch anfühlen, und einem unauffälligen Labor, ging es dann zum Ultraschall.

Das Baby sitzt wie fest betoniert im Becken. Natürlich mit Po nach unten. Das wird sich auch definitiv nicht mehr ändern. Eher friert die Hölle zu. 
Der innere Muttermund bildete bereits einen Trichter von 1,3 cm und der Gebärmutterhals ist auf 2 cm verkürzt.

Das Baby ist auch wunderbar entwickelt. Es wird aktuell auf 3.250g geschätzt mit einer Toleranz von 15%. Ich finde das total spannend und bin ganz neugierig, wie schwer unser Stubbs tatsächlich sein wird („Ich verrate Ihnen einen Trick. Bei einer Spanne von 15% liegt man fast immer richtig, wenn man 3.500g schätzt. Irgendwo zwischen 3.000 und 4.000g liegen i.d.R. die meisten Kinder. ;-)“).

Allerdings ist die Fruchtwassermenge etwas wenig, das ist wohl normal, macht mich aber etwas nervös und es macht ein bisschen Druck, denn so mag mich der Herr Doktor nicht so lange übertragen lassen wie normal, sofern wir da denn da hinkommen. Aber, sagt er, es ist auch ein Zeichen, dass sich der Körper auf die Geburt vorbereitet. Am liebsten hätte ich trotzdem gehört, dass alles im Normalbereich liegt.

Ich bekam dann vorsorglich einen Termin für eine eventuell letzte Vorsorge unter dem Hinweis, dass ich aber auch gerne erst in 6-8 Wochen wiederkommen dürfe und verabschiedete mich.

Es sieht also gut aus und es könnte jederzeit losgehen! Ich bin sehr entspannt und freue mich einfach nur drauf!

Ja. Nein. Vielleicht. (ET-4)

​Als ich mich heute Morgen nach einem Besuch auf der Toilette wieder ins Bett legte, spürte ich ein leiches Ziehen im Unterleib als würde ich meine Periode bekommen. Ich horchte ein kleines bisschen aufgeregt in mich hinein, aber das Gefühl hielt wieder über mehrere Minuten an und damit verwarf ich dann auch den Gedanken, dass sich möglicherweise wirklich was tut.

Über den Tag bildete ich mir immer wieder mal ein, es würde ein wenig im Unterleib arbeiten. Es stellte sich dann aber heraus, dass es nach wie vor mit der Bewegung des Babys zusammenhängt.
Ich glaube nicht, dass es wirklich quer liegt, aber das periodenartige Ziehen tritt immer nur zusammen mit den Beulen links und rechts am Bauch auf. Sind die Beulen weg, ist alles wieder ruhig.

Immerhin war der Bauch heute ab und an ein bisschen fest. Das hatte ich schon länger nicht mehr. Vielleicht tut sich also doch irgendwas.

Einigeln. (ET-5)

Piep. Ich bin noch da.

Ich habe das große Bedürfnis mich zurückzuziehen. Mich mit dem Freund in unserer Höhle einzuigeln und abzuwarten. Die letzten Tage zu zweit aufzusaugen und es so richtig auszunutzen, dass man tun und lassen kann, was man möchte. Und wenn es nur den Nachmittag mit Serien auf dem Sofa verbringen ist. Gelegentlich ein bisschen frische Luft und ich bin glücklich. 

Bei den Temperaturen ist es übrigens kein Wunder, dass das Baby keine Anstalten macht seine Höhle zu verlassen. Kluges Kind.

Schiebt den Wal.. (ET-6)

Auf gestern folgt heute. Die Nacht war reichlich bescheiden, was einerseits meinem Kopf (dank Schwangerschaftsgefühlsexplosion inkl. fettem Ausraster) und dem Bauch andererseits geschuldet ist. Der Hing heute nämlich knüppelhart an mir und egal wie mich bettete, es war unangenehm. Ich hätte zugern ein eigenes Ultraschallgerät, um in diesen Momenten nachsehen zu können, was das Kind da drinnen tut.

Heute bin ich müde. Ausgelaugt.

Es ist kein Geheimnis, dass ich mir schon lange wünschte schwanger zu werden. Ich hatte mir das immer so wunderschön ausgemalt bis ich es dann tatsächlich war.
Am Anfang konnte ich der ganzen Sache nicht viel abgewinnen. Ich fragte mich, ob etwas mit mir nicht stimmte. Denn ich konnte einfach nicht nachvollziehen, was all die Frauen am Schwangersein fanden. Ich fühlte mich nicht glücklich schwanger, sondern eher eigenartig, auch wenn ich sehr glücklich darüber war schwanger zu sein.
Das änderte sich schlagartig als ich das Baby spüren konnte. Ab da bekam ich einfach nicht genug davon. Ich liebe es schwanger zu sein, aber ich kann auch eine gewisse Vorfreude, meinen Körper wieder für mich zu haben nicht verleugnen. Das konnte ich mir vor ein paar Wochen auch nicht vorstellen, aber ist so.

Mittlerweile fühle ich mich oft als hätte man mich aufgepumpt und vergessen damit aufzuhören. Das Ein- und Aussteigen im Auto geht nicht mehr lautlos von statten und überhaupt ist alles, was den Bauch in irgendeiner Art und Weise einengt furchtbar böse. Aber Not macht ja bekanntlich erfinderisch und so habe ich eine neue Technik entwickelt, um Socken anzuziehen. Dabei stelle ich mein Bein auf die Badewanne, drehe das Knie nach außen und den Fuß nach innen, sodass ich meinen Bauch leicht (weil mehr geht echt nicht) nach vorne zwischen die Beine beugen kann. Das sieht ein bisschen aus wie ein stehender Schneidersitz auf einem Bein. Sehr elegant kann ich euch sagen, aber immerhin schaffe ich es so an den Fuß zu kommen ohne zu schnaufen wie eine Dampflock oder das Gefühl zu haben, mein Frühstück gleich noch mal wiederzusehen. Außerdem sitze ich am liebsten im Schneidersitz oder liege in der Gegend herum. Hauptsache mein Oberkörper ist so lang wie es nur geht, denn Stubbs füllt mich im wahrsten Sinne des Wortes aus bis ins letzte Eck. Und da der Kopf leider ja nach wie vor oben ist, tut das teilweise wirklich weh.

Was ich auch nicht vermissen werde ist das Gefühl STÄNDIG auf die Toilette zu müssen. Oder das Gefühl der lockeren Beine. Ich habe ja schon davon erzählt. So muss sich dieses Figürchen fühlen, dessen Beine so locker herumbaumeln, wenn man am Schnürchen zieht. Irgendwie .. locker eben.

Ich bin immer noch gerne schwanger. Ich genieße das Rumpeln und Stupsen im Bauch immer noch sehr, aber es ist auch beschwerlich geworden. Ich fühle mich schwerfällig, wie ein gestrandeter Wal, weil mir der Bauch meine Bewegungsfreieheit nimmt. Ich schaffe es nur noch über die Seite aufzustehen und muss den Freund ständig ermahnen, mich bitte nicht anzuschieben, auch wenn er es nur gut meint. Alles völlig normal. Letztlich hängt das meiste einfach mit dem Umfang und der härte des Bauches zusammen. Immerhin blieb ich bisher von Dingen wie Ischias und Rückenschmerzen (außer ab und zu mal kurz) verschont. Da will ich mich nicht beschweren. Nur mal festhalten. (Für’s nächste Mal.)

#Wochenwechsel (ET-7)

40. Woche. Bäm! Die offiziell letzte Schwangerschaftswoche ist angebrochen. Noch 7 Tage. 7!!!

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Es ist der vielleicht letzte Wochenwechsel.
Bei dem Gedanken muss ich etwas kniepern. Ich freue mich so sehr auf unser Baby, aber ich glaube, ich werde den Bauch auch ganz furchtbar vermissen. Das Baby in meinem Bauch. Die Bewegungen. Ich hoffe so sehr, dass ich dieses Gefühl niemals vergessen werde. Das ist so magisch.
Ach Manno, jetzt laufen dann doch die Tränen. Ich bin heute ziemlich emotional. 

An manchen Tagen finde ich es gar nicht so schlimm, dass die Schwangerschaft bald vorbei ist und dann gibt es wieder so Tage wie heute, an denen mich der Gedanke daran in Tränen ausbrechen lässt. Momente, in denen ich merke, dass ich noch nicht loslassen kann, dass ich mich noch nicht bereit fühle.

Im Moment ist nach wie vor alles ruhig. Ich glaube, dass wir das lange Wochenende noch zu zweit verbringen und ich den Gyntermin am Mittwoch wahrnehmen werde. Außerdem ist da ja noch die Prüfung des Freundes am Montag. Ob das Baby darauf Rücksicht nimmt? 

Hachja. Es ist bald soweit. Es ist verrückt. Ich weiß, jeden Tag die gleiche Leier, aber es ist einfach unbegreiflich für mich. Ein Wunder.
Ich habe so lange darauf gewartet schwanger werden zu dürfen. Und nun ist mein Herzenswunsch nur noch einen Wimpernschlag entfernt.