40+2 ♡ (Geburtsbericht Teil 2)

Am Abend sehen der Freund und ich uns „Fack juh Göhte“ an. Eigentlich lasse ich mich eher berieseln, denn ich kann mich nicht so richtig darauf konzentrieren. Gegen 21:30 Uhr nimmt der Schmerz zu und ich muss ständig auf die Toilette. Ich erinnere mich, dass sich der Körper entleert ehe es losgeht, aber ich kann immer noch nicht so richtig daran glauben. Ich schreibe immer wieder mit meiner Freundin, das lenkt mich ab.

Der Freund beobachtet mich und fragt ständig, wie es mir geht. Ich kann nicht viel dazu sagen. Ich versuche ihn zu beruhigen, denn ich spüre seine Unsicherheit und Hilflosigkeit. Es fällt ihm schwer tatenlos zuzusehen, ich tue ihm leid. Alle 5 Minuten verkrampft sich meine Gebärmutter eine Minute lang. Ich konzentriere mich darauf tief in den Bauch zu atmen. Es ist gut auszuhalten, tut aber gleichzeitig echt weh. Aber auch jetzt bin ich unsicher, weil es sich wirklich nur wie schlimme Periodenschmerzen anfühlt. Ich spüre nichts im Bauch oder im Rücken. Meine Freundin ist sich sicher, dass es sich um keinen Fehlalarm handelt. Um 23 Uhr stoppe ich das Messen, es stresst mich und ich möchte mich konzentrieren. Die Wehen kommen alle 3-10 Minuten. Ich frage meine Freundin, wie man solche Schmerzen bis zur Geburt aushalten soll, das kann ja ewig dauern und schiebe ein „Aber die Pausen sind super!“ hinterher.

„Oh, das tut weh, aber solange ich noch unsicher bin, ist es nicht ernst.“, schwebt es in meinem Kopf und ich beschließe in die Wanne zu gehen. Der Freund lässt mir das Wasser ein. Um halb zwölf gleite ich in das warme Wasser und fühle wie sich die Entspannung breit macht. Die Wehen werden weniger und angenehmer. „Also doch ein Fehlalarm, sonst würden die Wehen nicht weggehen!“, denke ich mir und halte mich für ein waschechtes Weichei. Ich genieße die Entspannung bin aber auch etwas enttäuscht. Der Freund sieht alle 10 Minuten nach mir, ich bitte immer wieder um Verlängerung, das Wasser tut so gut. Ich streichle meinen Babybauch, atme tief in ihn hinein. Das Baby ist ganz ruhig, es schiebt sein Köpfchen in meine Handfläche. Die Wehen werden seltener, ihre Intensität nimmt zu. Ich vergesse Raum und Zeit, bin ganz bei mir und dem Baby. Ich atme den Schmerz tief in den Bauch, das hilft mir sehr. Ich spüre wie der Schmerz sich aufbäumt und wieder abflacht.

Als das Wasser kalt wird, beschließe ich die Wanne zu verlassen. Ich zittere. Kaum habe ich das Wasser verlassen, nimmt der Schmerz zu. Noch immer habe ich Zweifel an der Wirksamkeit der Wehen. Beim Versuch meine Blase zu entleeren, verkrampft sich meine Gebärmutter.

Ich überlege in die Klinik zu fahren, ehe der Schmerz so stark wird, dass ich das Sitzen nicht mehr ertragen kann.

ET+2

Ich bitte den Freund im Kreißsaal anzurufen und uns anzukündigen. Vor lauter Nervosität vergisst er die Beckenendlage und den Kaiserschnitt zu erwähnen. Zitternd, nur in ein Handtuch gehüllt, telefoniere ich mit der Hebamme. Während des 30-sekündigen Gesprächs veratme ich eine Wehe ganz ruhig, dabei lasse meine Hüften kreisen. Das tut gut.

Der Freund ist ziemlich durch den Wind. Er wuselt planlos durch die Gegend und schafft es, mich immer genau dann anzusprechen, wenn wieder eine Wehe heranrollt. Ich teste mich und antworte auf dem Höhepunkt der Wehe. Geht. Es ist nicht schön, aber machbar. Auch das ist laut meiner Hebamme im Ernstfall anders. Bestimmt komme ich im Kreißsaal an und es hat sich nichts getan, aber ich möchte nicht mehr warten.

Wir packen die letzten Dinge, dann schicke ich den Freund los, um das Auto zu holen, damit wir die Taschen und die Babyschale nicht so weit tragen müssen. Ich ziehe mich währenddessen an und mache noch ein letztes Bild von meinem Babybauch. So richtig realisiert habe ich das alles noch nicht. Ich habe kein Zeitgefühl mehr. Irgendwann kommt der Freund zurück und berichtet von Schnee und einer spiegelglatten Fahrbahn. Ich kann es fast nicht glauben. Wir bekommen ein richtig echtes Winterbaby. Ein Schneeflöckchen!

Ich bin ganz ruhig. Als wir durch die Türe treten, umhüllt mich frische, eiskalte Luft. Ich bleibe stehen, atme tief ein. Ich nehme das Knirschen des frisch gefallenen Schnees unter meinen Stiefeln war. Ich halte die Hand des Freundes und sage: “Wenn wir zurückkommen, haben wir unser Baby. Dann sind wir Eltern!“ und muss die Tränen wegblinzeln. Der Freund verlädt das Gepäck, stellt mir den Autositz ein, ich schaffe es nicht alleine mich nach vorne zu beugen.

Wir fahren los. Die Straßen sind komplett zugeschneit, ich bitte den Freund langsam zu fahren. Sobald ich ruhiger werde, um eine Wehe zu veratmen, beginnt der Freund zu quasseln und gibt Gas. Er ist unglaublich aufgeregt. Ich versuche ihn zu beruhigen, ich versichere ihm, dass alles ok ist und er bitte langsam fahren soll. Im Radio läuft „Human“ von Rag ‚n‘ Bone Man, während ich die erste Wehe leise vertöne.

Tatsächlich habe ich mir die Wehen im Auto schlimmer vorgestellt, ich würde dennoch gerne wieder stehen und mit den Hüften schaukeln. An der Klinik angekommen, brauche ich 3 Versuche, um aus dem Auto zu steigen, weil immer eine Wehe dazwischen kommt. Auf den 200 Metern bis zum Eingang muss ich ein paar Mal stehen bleiben. Ich schicke mein „Aaaah“ in die Stille. Es ist zauberhaft.

In der Klinik fragt die Dame am Empfang, ob sie uns helfen könne. Ich lächle und antworte „Wir müssen in den Kreißsaal, wir kennen den Weg.“ Sie lächelt zurück und wünscht uns alles Gute.

In der Klinik wird gerade umgebaut. Zwischen den Lifttüren steht eine Holzwand, um die man herumlaufen muss. Man sieht leider nicht welche Türe sich öffnen wird. Zielsicher steuere ich auf die Seite zu, die sich natürlich nicht öffnet. Ich veratme gerade eine Wehe als sich die andere Tür öffnet. Der Freund erwähnt, dass wir die Seite wechseln müssen. Ich reagiere nicht. „Wir müssen rüber!“ setzt er erneut an. Meine Luft reicht nur für ein gezischtes „Wehe! … Der kommt bestimmt nochmal.“ An der Information kichert es.

Am Kreißsaal angekommen, nimmt uns eine Hebamme in Empfang. Es soll erst ein CTG geschrieben und dann noch ein Ultraschall gemacht werden. Ich verstehe nicht so recht warum, da ich ja ohnehin einen Kaiserschnitt bekomme, aber sie werden schon wissen, was sie tun. Ich bitte darum stehen bleiben zu dürfen, weil der Schmerz im Sitzen schlecht zu ertragen ist. Ich habe keine Ahnung, ob das CTG starke Wehen aufzeichnet oder nicht. Laut der Hebamme zeigt sich das Baby von den Wehen völlig unbeeindruckt. Die coole Socke! Es war auch schon beim Wendungsversuch die Ruhe selbst.

Dann kommt die Ärztin. Ich bin wahnsinnig neugierig und freue mich als sie sagt, dass sie mich gerne untersuchen würde. Ich möchte wissen, ob ich mich nur anstelle oder das Ganze etwas bewirkt. Der Muttermund ist 2-3 cm geöffnet. Ich bin sehr glücklich! Innerlich gebe ich mir ein High-Five. Es sind also doch richtige Wehen! Die Ärztin erklärt, dass noch eine Frau vor mir im OP sei, ich aber als nächstes dran komme. Sie bespricht noch einmal den Ablauf mit uns. Wir dürfen unsere Musik im OP abspielen, wenn wir möchten. Sobald das Baby entwickelt wird, werde der Vorhang abgesenkt, damit wir zusehen können. Ich frage, ob der Freund die Nabelschnur durchtrennen darf. Das gehe nicht, aber sie könnte das Baby mit der Plazenta entbinden, sodass er es auf der „Einheit“ abnabeln könne. Ich frage noch einmal nach, ob ich mein Baby auch wirklich gleich bei mir haben dürfe. „Selbstverständlich! Wenn es dem Baby gut geht, kommt es kurz auf die Einheit, wo es abgetrocknet wird. Das dauert ein paar Sekunden und dann kommt es zu Ihnen, wo es auch bleibt.“ Ich freue mich.

Ich solle noch ein bisschen CTG schreiben. Für die Untersuchung bin auch aus dem Schlauch gestiegen, beim Versuch ihn wieder anzuziehen, rollt eine Wehe heran. Die Hebamme stützt mich, eine Hand an meinem Bauch. Sie sieht mich an und sagt „Das ist eine ordentliche Wehe“, da müssen wir kein CTG mehr schreiben. Die Wehenabstände werden immer kürzer. Ich möchte auf die Toilette, das Entleeren der Blase ist schmerzhafter als die Wehen selbst. Ich ziehe das OP-Hemd an. Nach vorne offen, damit das Baby und ich sofort kuscheln können. Ich bekomme den Katheter gelegt. Ist das eklig! Ich bin überzeugt davon, mir gerade in die Hose gemacht zu haben. Die Hebamme erklärt mir, dass sich das am Anfang so anfühle.

1:30 Uhr. Wir werden alleine gelassen. Der Freund spielt den Geburtssoundtrack ab, solange wir warten. Er hält meine Hand, ich atme. Es fühlt sich so surreal an hier zu sein. Ab und zu muss ich die Wehen vertönen. Der Anästhesist, der nach der äußeren Wendung bereits das Aufklärungsgespräch durchgeführt hat, hat heute Dienst. Er ist lustig. Ich werde in den Vorbereitungsraum geschoben, der Freund wird von der Hebamme in einen anderen Raum gebracht, um sich umzuziehen.

Ich bekomme den Zugang gelegt. Dr. Sandmann erklärt mir alles ganz genau. Ich soll mich auch die Seite legen, den Rücken etwas rund machen und ganz still halten. Ich bin nervös wegen der Spinalanästhesie. Mittlerweile kommen die Wehen ununterbrochen, die Abstände sind so kurz, dass sie kaum der Rede wert sind. Ich halte meine Augen geschlossen, konzentriere mich auf meine Atmung und versuche sie zuzulassen, um nicht noch mehr zu verkrampfen, während eine Wehe nach der anderen auf mich zurollt.

Davon abgesehen bin ich einfach nur aufgeregt. Mein Rücken wird betäubt, kurz darauf spüre ich einen unangenehmen Druck im Rücken. Nach ein paar Sekunden macht sich ein warmes, kribbeliges Gefühl in meinen Beinen breit. Es breitet sich bis zu meiner Brust aus, ich spüre wie mir das Atmen etwas schwerer fällt. Die Anästhesie liegt. Der Schmerz ist einfach weg. Für den Moment genieße ich das sehr.

Irgendwann fragt Dr. Sandmann wo der Freund bleibe, ich scherze „Der bummelt bestimmt wieder.“. Alle lachen. Es herrscht eine lockere, fröhliche Atmosphäre. Währenddessen saß der Freund im Umkleideraum und wartete darauf abgeholt zu werden, er wusste nicht, dass wir auf ihn warteten. Ich bin froh als er wieder bei mir ist. Auf dem Weg in den OP erzählt mir der Freund, dass er so nervös war, dass er dreimal in dasselbe Hosenbein stieg.

Im OP stellt sich das Team vor, das finde ich richtig toll. Ich werde mit warmen Decken zugedeckt. Ich bin sehr glücklich, dass meine Arme nicht festgebunden werden. Gleich geht es los. Plötzlich taucht das Gesicht des Anästhesisten über mir auf, er fragt, ob ich nervös sei. Mein Blutdruck läge bei 180 zu irgendwas. Die Situation zeugt von Witz. Das Tuch wird vor meinen Augen gespannt, der Freund wird angewiesen auf keinen Fall aufzustehen. Sollte ihm schwindelig werden, solle er sich auf den Boden legen. Mit gedämpfter Stimme, informiert die Ärztin Dr. Sandmann darüber, das Tuch beim Entwickeln zu senken, damit wir zusehen können. Er wiegelt das ab. Ich bin genervt, dass er dem Wunsch nicht nackommen will, aber ich sage nichts. In diesem Moment ist es nicht so wichtig. Ich möchte mein Baby haben!

Der Freund hält meine Hand. Dann beginnt es zu ruckeln. Ich spüre wie ordentlich an mir gezogen und gedrückt wird. Es fühlt sich an als wolle das Kleine nicht raus. Gleich ist es soweit! Ich bekomme Sauerstoff.

Und dann geht alles ganz schnell. Noch ehe ich es sah, hörte ich mein Baby gurgeln. Ich habe nie ein schöneres Geräusch gehört. Mein Baby ist da! Die Ärztin hält das Baby über das Tuch. Ich sehe eine blutverschmierte Stupsnase. Das Profil sieht genauso aus wie auf dem Ultraschallbild! „Es ist ein Junge“, höre ich jemanden sagen. „Er ist so süß!“ ist alles was ich denken kann.

Bis zur Geburt wussten wir das Geschlecht unseres Babys nicht sicher, da mein Gynäkologe bei jedem Ultraschall etwas anderes erzählte. Bei der letzten Untersuchung vor ein paar Tagen, erzählte er noch etwas von einem Mädchen.

Der Kleine wird auf die Einheit gebracht, der Freund folgt ihm, wo er die Nabelschnur durchtrennt. Mir steigen die Tränen in die Augen, jemand tupft sie mir aus dem Augenwinkel. Ich werde gefragt wie er heißen soll. Ich tat mich mit dem Namen für einen Jungen bis zum Schluss unheimlich schwer, aber jetzt bin ich mir ganz sicher, obwohl ich ihn noch nicht einmal richtig gesehen habe. Ich antworte, gebe unserem Sohn seinen Namen.

Plötzlich wird mir furchtbar schlecht. Ich bekomme etwas gespritzt, aber es hilft nicht. Ich muss würgen. Es ist ein furchtbares Gefühl, die Übelkeit aufsteigen zu spüren und sich nicht drehen oder aufrichten zu können. Kurz darauf beruhigt sich mein Magen wieder.

Der Freund ist zurück, wir strahlen uns an, küssen uns. Er berichtet voller Stolz wie süß unser Baby sei. Und dann bekomme ich endlich mein Baby auf den Bauch gelegt. In diesem Moment hörte die Welt um mich herum auf zu existieren. Es ist unbeschreiblich. Er ist unglaublich warm und weich! Ich flüstere „Hallo, Baby!“, er schmiegt sich an mich und schläft ein. Meine Finger streichen sanft über seinen Rücken. Er ist so zart, als wäre er gar nicht richtig da. So muss sich eine Wolke anfühlen! Nur seine winzigen Hände und Füße sind ganz rau und runzlig.

Ich vergrabe meine Nase in sein Haar (so viele Haare!), atme seinen unvergleichlichen Duft ein. Er riecht ganz frisch und süß, wie ein Frühlingtag.

Da liegt es nun, dieses kleine Bündel Mensch, auf das ich so lange gewartet habe. Der Weg dahin ganz anders als erhofft, das Ergebnis unbeschreiblich.

Ich bin der glücklichste Mensch der Welt.

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40+2 ♡ (Geburtsbericht Teil 1)

Es war eine verschneite Winternacht…

Eine Geschichte, die so beginnt, kann gar nicht schlecht sein, oder? Ohne viel vorweg nehmen zu wollen: es ist eine wunderbare Geschichte – die Geburt des kleinen Mannes.

Heute bist du genauso lange auf der Welt wie du in meinem Bauch warst. Und auch, wenn dein Weg zu uns ganz anders als erhofft und gewünscht war, war es doch ein unvergesslicher Moment, der sich tief in mein Herz gebrannt hat. Niemals mehr werde ich vergessen, wie ich dich zum ersten Mal sah.

Du hast mich zur Mama gemacht. Und nun möchte ich davon erzählen.

Ich muss aber ein bisschen ausholen, denn eigentlich ging es schon ein bisschen eher los.

Ich war die gesamte Schwangerschaft davon überzeugt, dass sich unser Baby nicht vor dem Termin Weg machen würde. Ich würde Wehen bekommen und unser Kind nachts zur Welt bringen. Ich war mir über diesen Ablauf so sicher, dass ich darauf verzichtete das Bett wasserfest zu machen.

 

ET-3

Seit einiger Zeit fühle ich immer wieder ein Ziehen im Unterleib als würde sich die Periode ankündigen. Mir fällt auf, dass das meist mit der Bewegung des Babys zusammenhängt. Ohne es weiter beschreiben zu können, macht sich immer mehr das Gefühl breit, dass sich unser Baby bald auf den Weg macht. Es fühlt sich anders an und arbeitet in mir.

Die Vorsorge bei meinem Gynäkologen bestätigt dies. Der Po des Babys sitzt tief im Becken, der Gebärmutterhals hat sich verkürzt und es ist eine Trichterbildung zu sehen. Alle Zeichen stehen auf Geburt. Es kann noch dauern, aber es könnte auch jederzeit losgehen.

Nach der Untersuchung fühlt sich mein Bauch an als hätte ich einen Gürtel um meinen Oberbauch gelegt. Mir fällt das Atmen schwer und es zieht im Unterleib. Ich mache mir wieder Sorgen. Mein Gynäkologe sprach nämlich auch von wenig Fruchtwasser und setzt mir eine Deadline bis wann das Baby kommen solle. Das macht mich unheimlich traurig. Ich wünschte mir nichts mehr als dass mein Baby sich seinen Geburtstag selbst aussuchen darf, nachdem mir der Traum von einer Geburt in ruhigen Atmosphäre in der Badewanne des Geburtshauses aufgrund der Beckenendlage verwehrt bleiben soll. Ich weine. Ich möchte doch Geburtswehen fühlen dürfen. Ich brauche das! Und ich wünsche es mir für mein Baby, damit es nicht ohne Vorwarnung aus mir herausgerissen wird.

 

ET-1

Ich telefoniere mit meiner Hebamme.  Ich weine mich ein bisschen aus, erzähle, dass ich seit Tagen furchtbar schlecht schlafe und sehr emotional bin. Sie kann mir meine Sorgen ein bisschen nehmen und das Gedankenkarussell etwas bremsen. Sie sagt, dass meine Beschreibung sehr gut zum Befund passe. Es sei die richtige Zeit und ich müsse ja auch irgendwann loslassen wollen.

Sie rät mir, mich viel zu bewegen, einen lustigen Film anzusehen (Oxytocin!) und einen netten Abend mit dem Freund zu verbringen, all das würde den Anstoß geben, wenn unser Baby bereit sei auf die Welt zu kommen.

Ich verbringe den Tag damit, die letzten Vorbereitungen zu treffen, trage den Sperrmüll an die Straße und gehe einkaufen. Insgeheim hoffe ich darauf, das Mäuschen so aus seinem Versteck locken zu können.
Mittags höre ich mir den Geburtssoundtrack an. Ich heule Rotz und Wasser, weil die Schwangerschaft bald ein Ende hat, während ich das Baby in meinem Bauch wiege. Ein letzter Tanz, bevor wir uns vielleicht schon ganz bald kennenlernen und ein neues Band knüpfen werden. All meine Gefühle brechen aus mir heraus, quellen aus jeder Pore meines Körpers. Ich bin so glücklich und dankbar. Ich bekomme ein Baby! Viele der Lieder habe ich über die Schwangerschaft hinweg gehört und gesungen, jetzt tragen sie mich durch diese Erinnerungen.

Meine Emotionen gehen mit mir durch. Ich bin bereit. Ich möchte mein Baby haben.

Es ist 17 Uhr als ich zum ersten Mal ein Ziehen spüre, ohne dass sich das Baby bewegt hätte. Ich sitze an den Tisch in der Küche gelehnt, das Essen auf dem Herd und grinse. Vielleicht geht es jetzt bald los. Ich freue mich auf den Freund. Ich möchte Abschied von der Zweisamkeit nehmen, die Zeit noch einmal richtig auskosten.

Wir haben es uns schon auf dem Sofa gemütlich gemacht als mein Handy klingelt. Ohne zu wissen, wer anruft, weiß ich, dass mich keine guten Neuigkeiten erwarten. Manchmal verfluche ich mein Gefühl. Mein Opa liegt im Sterben. Wieder übermannen mich meine Gefühle. Wieder bin ich voller Wut und Trauer. Diese Gefühle dominierten die letzten Wochen. Ich bin so wütend auf das Leben.

Wir verbringen trotz der Nachricht einen schönen Abend miteinander und sehen uns „Monsieur Claude und seine Töchter“ an. Gegen 23 Uhr gehe ich auf die Toilette und bin ein bisschen überrumpelt. Ich hatte schon seit Weihnachten immer wieder etwas Schleim verloren und seitdem, trotz innerer Überzeugung, gebibbert und gehofft, dass wir es bis Januar schaffen würden. Dachte ich, das könnte der Schleimpropf gewesen sein, wurde ich gerade eines Besseren belehrt. SO sieht also ein Schleimpropf aus.

 

ET

Um 1 Uhr werde ich wach. Der Bauch drückt sehr unangenehm. Es sind wieder diese periodenartigen Schmerzen, aber das kenn ich ja schon. Ich bin furchtbar unruhig, was auch am Sturm liegen könnte, der draußen wütet. Meine Gedanken sind bei meinem Opa. Um 3 Uhr schlafe ich wieder ein, es ist ein ruhiger Schlaf. Morgens erfahre ich, dass ich in Gedanken bei ihm war, als mein Opa starb.

Um 9 Uhr bin ich in der Praxis meines Gynäkologen. Das CTG zeichnet Wehen auf, sobald sich das Baby bewegt. Sie sind nicht schmerzhaft, aber unruhiger als noch vor ein paar Tagen. Ich fühle mich ausgelaugt. Seit Tagen liege ich nachts stundenlang wach und finde auch tagsüber nicht zur Ruhe. Die Gynäkologin, die meinen Arzt vertritt, rät mir, auf meinen Körper zu hören und um den Kaiserschnitt zu bitten.

Einen kurzen Moment denke ich darüber nach, verwerfe den Gedanken aber sofort wieder. Nein, so will ich das nicht. Es fühlt sich nach abkürzen an. So schön ich das Datum auch fände, es wäre nicht die Entscheidung unseres Babys gewesen.

Das Ziehen kommt über den Tag nun öfter, aber ich weiß ja, dass das nichts heißen muss. Viele Frauen haben über Wochen regelmäßig Wehen, die nach Stunden einfach wieder weg sind. Ich spreche mit dem Freund und wir sind uns einig, dass wir uns ans Protokoll halten wollen. Ich will, nein, ich brauche diese abgespeckte Version von Geburtserlebnis.

Um 19 Uhr wird das Ziehen regelmäßig. Alle 20 Minuten macht sich ein Periodenschmerz breit, der 30 Sekunden anhält. Das ist unangenehm, aber ich stelle mich sicherlich auch an, ich kenne das ja schon von der Periode. Eins ist aber sicher, ein Spaß wird das mit den Wehen nicht.

Gegen 21:30 Uhr finde ich rosanen Schleim am Toilettenpapier. Eine Zeichnungsblutung! Ich bin sofort hellwach und aufgeregt. Es tut sich also wirklich etwas am Muttermund. Das ist so spannend! Für eine Geburt heute würde es wohl nicht mehr reichen.

 

ET+1

Es ist 1 Uhr und wieder einmal bin ich wach. Auf der Toilette verliere ich blutigen Schleim. Viel Schleim. Wo kommt das denn alles her?! Ab 2 Uhr wird das Ziehen zu Krämpfen. Ich kann mich schwer konzentrieren, möchte tief in den Bauch atmen, aber das fällt mir unheimlich schwer, weil sich alles so fest anfühlt. Ich verfluche mich ein bisschen, das Atmen nicht richtig geübt zu haben. Vor lauter Beckenendlage und Kaiserschnitt habe ich irgendwie vergessen, dass ich ja trotzdem Wehen haben werde. Ich massiere den Bauch und hoffe, dass er sich durch die Wärme ein bisschen entspannt.

Das Baby drückt unter meine Rippen und nimmt mir die Luft zum Atmen. Das ist unangenehmer als die Wehen. Bei jeder Wehe fühlt es sich an als würde mein Bauch innen größer werden, nur der untere Teil bleibt eng. Dieses Gefühl kommt in unregelmäßigen Abständen von 20 bis 2 Minuten und hält 30 bis 60 Sekunden lang an.

Gegen 3 Uhr schleiche ich mich aus dem Bett und mache es mir auf dem Sofa gemütlich. Ich esse Kekse gegen die aufsteigende Übelkeit. Ich drappiere die Decke unter meinem Bauch und schaffe es eine einigermaßen bequeme Position zu finden. Ich bin so unglaublich müde. Ich starte die Wehenapp und lese nebenher Geburtsberichte, um herauszufinden, ob das, was ich spüre echte Wehen oder nur ekeliges Vorgeplänkel sind. Es fühlt sich so sehr nach Periode an, dass ich ständig mit einem Schwall Blut rechne. Um 4 Uhr ist der Spuk vorbei, keine Wehen mehr,ich schaffe es endlich einzuschlafen.

Ich möchte nicht zu früh ins Krankenhaus fahren, aus Angst gleich da behalten zu werden, wenn ich schon mal da bin, auch wenn es noch keine geburtswirksamen Wehen sind, ich möchte aber auch nicht zu spät dort ankommen, damit die Vorbereitungen für den Kaiserschnitt ganz entspannt durchgeführt werden können. Monkisch wie ich bin, hoffe ich, dass es ruhig bleibt. Ich hätte so gerne ein ungerades Geburtsdatum. Ja, es ist interessant worüber man sich so Gedanken machen kann.

Der Freund weckt mich um 8 Uhr. Ich fühle mich wie ausgespuckt. Ich bin erschöpft. Nach dem Frühstück versuche ich noch ein bisschen Kraft zu schöpfen, aber der Kopf gibt keine Ruhe. Ich bin überzeugt, dass wir die Deadline nicht mehr erreichen werden.

Eigentlich wollten wir heute einen schönen Tag miteinander verbringen. Wir hatten geplant noch ein bisschen bummeln und etwas essen zu gehen und danach noch ein letztes Mal ins Kino, bevor wir Eltern werden. Dazu fühle ich mich nicht in der Lage, stattdessen liege ich im Bett und versuche zu schlafen. Mein Körper weiß nicht, dass ich einen Kaiserschnitt bekomme, vielleicht geht es ja los, wenn ich etwas Kraft tanken konnte.

Gegen 14 Uhr gelingt mir das endlich. Als ich 3 Stunden später aus dem Bett steige, fühle ich mich annähernd erholt. Jede Drehung des Babys löst das altbekannte krampfartige Ziehen aus. Mittlerweile fühlt es sich deutlich fieser an als dieses leichte Gefühl, wenn sich die Periode ankündigt. Es fühlt sich viel mehr nach richtigen Periodenschmerzen an. Ich verliere weiterhin unfassbar viel mit Blut durchzogenen Schleim. Mein Körper scheint das mit dem Schleimpropf sehr ernst zu nehmen. Die Unsicherheit hat mich fest im Griff, es fühlt sich alles so sehr nach Periode an und die Abstände sind sehr unregelmäßig. Ich weiß doch gar nicht wie sich richtige Wehen anfühlen und wo sie weh tun. Ich warte auf das Ziehen im Bauch und im Rücken, das mir sagt, dass es richtig losgeht. „Das merkst du dann“, schreibt eine Freundin. Sie schreibt aber auch, dass es bei ihr genauso war und sie es sich ganz anders vorgestellt hatte.

Kliniktasche reloaded

Ich tat mich richtig schwer mit dem Packen der Kliniktasche. Erstens wollte ich keine Kliniktasche packen und zweitens kommt da wieder dieser Monk durch, der an alles gedacht haben will. Ich verglich also verschiedene Listen und packte allerhand Dinge ein. Als dann klar war, dass unser kleiner Mann definitiv per Kaiserschnitt zur Welt kommen würde, schmiss ich einiges wieder raus. Aber es wird dennoch Zeit ein Resümee zu ziehen, denn ich hoffe, dass es nicht das letzte Mal gewesen sein wird, dass ich eine Geburtstasche packen werde und dann möchte ich nicht mehr so lange darüber grübeln, was ich nun einpacke und was nicht.

Kreißsaaltasche:
Wie ich ja schon sagte, brauchte ich diese Tasche leider nicht.

-Lippenpflege: habe ich eh immer dabei.
– Haargummi: ohne gehe ich nie aus dem Haus.
– warme Socken: kann nicht schaden.
Die Snacks und Getränke wanderten in die Kliniktasche. In der Nacht vor dem Milcheinschuss hatte ich riesigen Hunger und auch so war es nett, zwischen durch ein paar Kekse mümmeln zu können.
– langes, knöpfbares Shirt: Das Shirt trug ich nachts und fand es wirklich super zum Stillen. Ein Stilltop und eine Shorts sind auch super, aber durch den Kaiserschnitt war ich froh, wenn ich nicht so oft die Beine anheben musste. Für die Geburt selbst könnte ich es mir auch als echt praktisch vorstellen. Je nach Jahreszeit würde ich ein dünneres Material wählen.
– Musik: wir hörten noch ein paar Lieder im Kreißsaal und dann nach der Geburt, das war sehr bewegend.
– Kamera: unbedingt einpacken!
– Ladekabel: selbsterklärend.
– Snacks und Süßkram: während der Wehen hatte ich weder Hunger noch Durst, aber danach war es nett immer mal etwas zu knabbern zu haben. Besonders in der Nacht des Milcheinschusses hatte ich einen riesigen Kohldampf.

Was ich zusätzlich einpacken würde, wäre ein Notziblock. Ich habe immer wieder Notizen in meinem Smartphone gemacht und bin sehr froh darum. Die Hormone und all diese intensiven Momente prasselten nur so auf mich ein, dass ich schon am Tag darauf Probleme hatte nicht alles durcheinander zu bringen. Ich wäre wirklich traurig, wenn ich diese Aufzeichnungen nicht hätte.

Kliniktasche:
Ich war 5 Tage in der Klinik. Das war deutlich länger als ich geplant hatte. Das ist hoffentlich beim nächsten Mal anders.

– Kleidung: Socken, eine Hose und eine Jogginghose, Schlafzeug, stillfreundliche Oberteile, Hausschuhe
Ich würde ich alles wieder so einpacken. Für die Nacht würde ich wieder ein Nachthemd, aber auch Stilltops und Shorts einpacken. Im Zimmer war es recht warm, der Kleine sollte ja nicht frieren, daher habe ich zum Schlafen nur kurze Sachen getragen. Je nachdem wie stark man schwitzt, braucht man vielleicht ein paar Oberteile mehr. Die Hose sollte bequem und nicht zu eng sein. Zu glauben, dass man nach der Geburt wieder in die alten Hosen passt, dürfte in den meisten Fällen etwas optimistisch sein.
Generell sollte darauf geachtet werden, dass die Bündchen der Hosen nicht zu eng und tief sitzen. Darüber hatte ich mir vorher keine Gedanken gemacht, was ich später spüren durfte.
Ich hatte nicht so viel dabei, aber auch, weil ich nicht weit entfernt wohne und der Freund jederzeit mehr hätte holen können.
– Hygieneprodukte: Zahnbürste, Zahncreme, Duschzeug, Deo, Haarbürste

Ich würde zusätzlich mein Tagebuch einpacken. Ich musste meine Gedanken sortieren und wollte diese besondere Zeit festhalten. Der Kleine schlief auch oft, ich wäre also dazu gekommen. So habe ich nur Notizen gehabt, die ich dann übertragen musste, was im Nachhinein ordentlich Zeit in Anspruch nahm.
Und auch hier darf etwas Süßes nicht fehlen. Ich hatte ein paar Energieriegel, Cashews und diese genialen Doppelkekse mit Zartbitterschokolade von Alnatura dabei. Dazu Karamalz (bäh! Aber nett für den Milcheinschuss, der bei mir etwas träge war) und eine leckere Bionade.

Für das Baby:
Hose und Oberteil in 50 und 56, Strumpfhose, ein Overall, Mützchen und die Babydecke.

In der Liste fehlen Söckchen und Bodys! Wickelbodys!
Im Krankenhaus hätten wir an sich keine Kleidung für den Kleinen benötigt, aber ich bin froh, dass wir eigene Kleidung dabei hatten, denn die Bodys im Krankenhaus waren relativ fest und eng. Wir hatten wirklich Schwierigkeiten den Kleinen hineinzubekommen und brachen das dann einfach ab. Mit den Wickelbodys war es einfach viel entspannter für alle. Außerdem trug er so direkt seine eigene Kleidung, die nach unserem Zuhause roch, das war schön. Ich hätte aber mehr Bodys einpacken sollen, denn es geht doch auch mal etwas daneben.
Wir hatten zusätzlich noch ein paar Schlafanzüge dabei. Hier würde ich auch mehrere Größen einpacken und auf Anzüge mit Füßchen verzichten oder dann Söckchen drüber ziehen. Der Kleine strampelte sich immer aus den Füßen heraus und fand das gar nicht lustig.

Und ich würde wieder ein Tragetuch bzw. eine Babytrage einpacken. In der zweiten Nacht weinte der kleine Mann sehr viel. Ich hatte ein Tragetuch dabei, ich hatte mir aber gar keine Gedanken darüber gemacht, dass ich ihn vielleicht nicht tragen können könnte. Für den Freund war es in der Situation zu viel Gefummel, da wäre die Trage Gold wert gewesen. So trug der Freund den kleinen Mann ewig auf dem Arm, was mit der Zeit echt anstrengend werden kann und ihm auch etwas schwer fiel, weil der Kleine noch so zerbrechlich wirkte. Mit einer Trage wäre das bestimmt einfacher gewesen.

Für den Freund:
– Badehose, falls er mit ins Wasser möchte
– bequeme Kleidung für die Geburt
– Snacks und Cola
– Unterlagen für die Geburtsurkunde
– Liste mit wichtigen Telefonnummern
– Deo (man weiß ja nie!)

Würde ich alles wieder so einpacken. Wenn geplant ist, dass er mit im Krankenhaus bleibt (bzw. für den Notfall) würde ich aber zusätzlich auch noch Socken, Unterwäsche, Hygieneprodukte und Wechsel-/Schlafkleidung. Was man hat, hat man. Kann man ja einfach in den Kofferraum schmeißen, so muss der Papa nach der Geburt nicht nochmal extra nach Hause fahren.

Was ich nicht gebraucht habe:

– Stillbustier: unnötig. Ich habe die Stilltops von h&m und finde die einfach genial. Gerade für die Anfangszeit ist es so weniger gefummel und reichte für mich völlig aus.
– Stilleinlagen: Ich brauche bis heute keine Stilleinlagen, würde zur Sicherheit aber wohl doch wieder ein paar einpacken, denn die hätte ich im Krankenhaus nicht bekommen.
– Unterhosen: Ich habe die Netzhöschen getragen und für die ersten Tage auch noch ein paar mit nach Hause genommen, weil sie so praktisch waren. Geht was daneben kann man sie wegschmeißen und ich fand sie angenehm wegen der Narbe.
– Binden: Die riesigen Vorlagen bekommt man im Krankenhaus. Da habe ich auch ein paar eingesteckt, weil die noch etwas größer als die Pelzys waren.
– Mascara: Wir erwarteten keinen Besuch und ich hatte absolut nicht das Bedürfnis mehr als mein gängiges Pflegeprogramm zu fahren.
– Bikinioberteil: Ich habe es nicht benötigt, glaube aber, dass ich es nicht mehr einpacken würde, denn unter den Wehen scherte ich mich nicht mehr darum, wer mich wie sah.

Ich las, dass viele Frauen Spülbecher, Stillkissen und Handtücher mit ins Krankenhaus nahmen. In unserem gab es das alles vor Ort, deshalb habe ich darauf verzichtet.

Es ist Liebe.

Schon vorher kreisten meine Gedanken immer wieder darum, dass es geklappt haben musste, aber seit diesem Moment als ich um 05:30 Uhr im schlechten Badezimmerlicht aller Zeiten, diesen Hauch von Strich entdeckte, kann ich an nichts anderes mehr denken. Es gibt keinen Zweifel, du bist da. Und wenn ich es wieder nicht glauben kann, schaue ich auf den Teststreifen, der mir jedes Mal ein schiefes Grinsen ins Gesicht zaubert.
Du bist da! Und das macht mich so unfassbar glücklich.
[05. Mai 2016]

Als sich der Tag der letzten Pille jährte, wurde ich ungeduldig. Ich begann mich über Kinderwunschzentren und Spermiogramme zu informieren. Ich beriet mich erneut mit meinem Frauenarzt und ging noch mehr in mich. Ich begann mich in die verschiedenen Behandlungsmethoden einzulesen, suchte Informationen über Alternativen. Ich fand mich mit dem Gedanken einer Laparoskopie ab, begann nachzulesen, wie man ein ggf. schlecht ausfallenden Spermiogramm aufpeppen könnte. Ich vereinbarte einen ersten Termin in der Kinderwunschklinik und beim Andrologen. Informierte mich über Kostenübernahmen.

All das ohne den Optimismus zu verlieren. Ich wollte einfach vorbereitet sein, damit mich das, was vielleicht kommen sollte nicht wie ein Hammer treffen würde.

Bevor ich positiv testen durfte, träumte ich wieder davon schwanger zu sein. Es war aber noch zu früh zum Testen. Mein Bauchgefühl sagte mir aber auch ganz deutlich, dass es geklappt haben musste. Es konnte gar nicht anders sein. In der Nacht bevor ich testen wollte, träumte ich von 3 positiven Tests. Das war exakt die Anzahl, die es benötigte, um einen wirklich eindeutigen Strich zu erkennen.

Jetzt liegt dieses kleine große Wunder in meinem Arm. Es quietscht, lacht und strampelt wild herum.
Er nimmt uns ein und erfüllt mich mit Liebe, Glück und Stolz. Unglaublich, dass er vor kurzem noch in meimem Bauch gewesen sein soll!

Unsere Welt auf den Kopf gestellt. Alles wurde durchgeschüttelt und ich kann mir nichts Schöneres vorstellen.

Heute vor einem Jahr begann etwas ganz Kleines für uns etwas Großes zu sein. 💙

And so the adventure begins

Am Sonntag, an ET+2, erblickte unser Sohn um 2:40 Uhr das Licht der Welt. Sein erstes Gurgeln werde ich nie vergessen, ab da war es um mich geschehen.

Nach anfänglichen Startschwierigkeiten sind wir nun endlich Zuhause. Es geht uns gut. Wir brauchen noch etwas Zeit, um anzukommen und genießen unsere kleine Blase sehr.

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Unser Leben Kopf und alles dreht sich nur noch um ihn.
Ich habe so viel zu erzählen. Aber ich kann (und will) mich nicht von ihm losreißen. Ich kann einfach nicht aufhören ihn zu bestaunen. Er ist perfekt. Jede kleine Hautfalte, jedes Blinzeln. Er ist so warm und weich. Sein Blick so intensiv. Seine Geräusche und das Engelslächeln, das manchmal über seine Lippen huscht, lassen mein Herz überquellen.
Ich, nein, wir sind unglaublich verliebt.

Aus dem Bauch. Mitten ins Herz.

Happy birthday, Babybär! ♡

Kreislauf des Lebens (ET)

Ich wurde heute Nacht um 1 Uhr wach. Draußen wütete ein Sturm, ich war unruhig wie immer in solchen Nächten. Mein Bauch tat weh, es zog unangenehm. Ich dachte an erste Wehen, die sich jedoch gleich legten.
Der Bauch entspannte sich, ich konnte dennoch nicht schlafen. Ich hatte Hunger und stand auf, um eine Banane zu essen. Ich legte mich aufs Sofa, surfte ein wenig durch youtube. Der Sturm machte mich nervös.
Gegen 3 Uhr ging ich ins Bett und konnte schlafen.

Heute ist der errechnete Entbindungstermin. Der Tag, auf den ich so hinfieberte. Dieser besondere Tag, der eigentlich nicht viel mehr ist als eine Zahl und trotzdem von mir gefeiert wurde. Vielleicht werden wir heute zur Familie.

Um 6 Uhr erhielt ich den Anruf meiner Mama, dass Opa um 2 Uhr aufwachte und dreißig Minuten später für immer einschlief.

Es ging ihm nicht gut, schon lange. Er hat nun beschlossen, dass es Zeit ist und ich bin dankbar, dass er nicht unnötig leiden musste. Für ihn war es jetzt richtig, das tröstet mich.

Eigentlich sollten wir ein neues Leben feiern, stattdessen muss ich mich von meinem Opa verabschieden. Das passt gerade nicht in meinen Kopf. Leben und Tod, ein ständiger Kreislauf. Ich hätte mir dennoch gewünscht, dass diese beiden Erlebnisse nicht so nah beieinander liegen würden.
Ich bin furchtbar traurig, dass Opa sein Urenkelchen niemals kennenlernen wird.

Zusammengefasst } 10. Monat

Woche: 37. – 40. Woche
Das Baby: Wassermelone (2.800 – 4.000g)
Unser Stubbs hat beschlossen sich nicht mehr von der Stelle zu bewegen. Es sitzt also immer noch mit dem Po nach unten und daran wird sich vermutlich auch nichts mehr ändern. Uns wurde wieder gesagt wie zart es sei. Mal sehen, ob das am Ende wirklich stimmt. Ansonsten entwickelt es sich super. Es ist nach wie vor eher ruhig, hat aber auch immer mal wieder Tage an denen es etwa 2 Stunden am Stück aktiv war. Ich spüre nun immer öfter Füßchen und/oder Knie in der rechten Seite und auf Bauchnabelhöhe. Außerdem versucht es manchmal sich zwischen meine Haut und die Rippen zu schieben. So fühlt es sich jedenfalls an. Das ist ziemlich unangenehm, aber naja, da oben ist für so einen kleinen Dickkopf eben nicht immer genug Platz. Außerdem schiebt es immer noch gerne den Kopf (vermute ich zumindest) auf die linke Seite, das spüre ich sofort am Gefühl, das sich durch den ganzen Körper zieht.
Bauch:   94,5 cm –  95 cm – 95,5 cm – 96,5 cm
Wenn das Baby seinen Kopf (vermute ich zumindest) auf die linke Seite schiebt, bahnt sich immer noch dieses ganz bestimmte Gefühl durch meinen Körper. Es ist fast wie ein elektrisches Kribbeln. Der Bauch wird dann ganz fest, aber der ist ja grundsätzlich eher fest. Nach dem Versuch der Wendung war es mal fast sowas wie entspannt, das hält meist aber nicht lange an.
Körper & Wehwehchen:  Das Baby drückt. Ich habe das Gefühl ständig auf Toilette zu müssen. Meist ist es aber einfach nur der Druck des Babys. Wenn es sich ganz lang macht und sich unter die Rippen drückt, wird es auch immer unschöner. Das kommt zum Glück nicht so oft vor. Sonst habe ich festgestellt, dass diese Drehung des Babys, wenn es den Kopf auf die linke Seite streckt ein Gefühl wie Periodenschmerz auslöst. Ich dachte erst, das wären vielleicht Wehen, aber das Gefühl hält wirklich genau so lange an bis es sich wieder wegdreht. Faszinierend. Der Bauch wird gelegentlich fest, aber auch das ist ja nichts Neues (38. Woche). Ach, und wenn ich länger auf der Seite liege, tut mir die Haut (?) weh. Lagerungsschmerzen oder sowas, aber auch nur auf der linken Seite. Dazu gesellt sich das Gefühl als würde sich meine Hüfte weiten, es fühlt sich manchmal so locker an. Gerade nach längeren Spaziergängen kommt es mir so vor als säßen meine Beine nicht mehr fest in der Hüfte.
Inzwischen fühlt es sich an als bereite sich mrin Körper auf die Geburt vor. Es zieht, der Bauch wird fest. Nachts schlafe ich kaum, weil der Bauch so hart ist.
Haut/Haare/Nägel: Alles beim Alten. Nein, stimmt nicht. In der 39. Woche wurde meine Haut wieder ein bisschen schlechter. Was ich allerdings mal festhalten möchte ist, dass meine Haare in der Schwangerschaft weniger schnell fetten. Das darf gerne so bleiben.
Gefühlswelt: Ich habe mir ziemlich viele Sorgen gemacht wegen der Beckenendlage. Vor dem Versuch der Wendung war ich richtig durch und habe viel geweint. Ebenso an dem Tag an dem ich erfuhr, dass ich nicht spontan entbinden darf. Da war ich zusätzlich auch noch furchtbar wütend. Ich hab mich richtig vor mir selbst erschrocken. Zum Glück verblasste das schon im Laufe des nächsten Tages. Inzwischen habe ich mich damit abgefunden. Ich bin nicht glücklich darüber, aber ich kann es nicht ändern. Ich habe nur zwei Möglichkeiten: das Beste daraus machen oder bockig in der Ecke sitzen. Letzteres ist keine Option, also reiten wir die Welle wie sie kommt. Dazwischen ging es mir richtig gut. Nach dem Wendungsversuch war ich sehr erschöpft aber auch unheimlich gelöst. Ich hatte nun alles getan, was ich tun konnte und das nahm mir eine große Last. Die Weihnachtsfeiertage und auch die Tage zwischen den Jahren taten mir sehr gut. Die Zeit mit dem Freund füllte meinen Akku wieder auf und wir hatten einfache eine schöne Zeit miteinander. Wir waren Essen, im Kino und der Therme. Ich komme langsam dahinter, dass die Tage nun gezählt sind und es stellt sich die Vorfreude ein. Ich warte noch nicht sehnsüchtig auf den start, sondern hoffe immer noch, dass es noch etwas dauert, aber ja, ich freue mich so sehr auf unser Baby. Abgesehen von der Geburt, geht es mir mit der Schwangerschaft echt gut. Ich bin nach wie vor überglücklich und dankbar. Aber auch froh, wenn es vorbei ist. Der harte Bsuch und der Schlafmangel deshalb machen das Nervenkostüm ganz schön dünn. Dazu dieses Fruchtwasserding und die ganzen Untersuchungen. Ich mag doch nur meine Ruhe haben.
Untersuchungen/Arzttermine: Ich war zur Geburtsplanung im Krankenhaus und am Tag darauf noch einmal wegen der äußeren Wendung. Außerdem wurde ein MRT gemacht. Ja, ich wurde reichlich untersucht. Geändert hat es leider nichts. Ach, und die letzteVorsorgeuntersuchung.
Geht gut: Obst. Faul sein, da bin ich inzwischen Königin drin (mit schlechtem Gewissen). Überraschenderweise Spaziergänge. Die kalte Luft pustet mir den Kopf so richtig schön frei und auch körperlich fühle ich mich dann freier.
Geht gar nicht: Nach vorne beugen. Es ist einfach kein Platz mehr da. Mir fällt das Trinken wieder schwerer. Das ist wirklich ärgerlich, klappte es vor kurzem noch so gut.Ich esse schlecht. Schlafen ist leider auch so eine Sache. Ich muss nämlich ständig aufs Klo und schlafe insgesamt etwas unruhiger.
Must have /Essverhalten/Gelüste: Süßes. Ich bin froh, wenn das endlich aufhört.
Der Papa: Hat sich diesen Monat einige Sorgen um uns gemacht. Die äußere Wendung und auch mein Gefühlszustand nach der Nachricht, dass ich an einem Kaiserschnitt nicht vorbeikommen werde, sind nicht spurlos an ihm vorbeigegangen. Er war uns eine große Stütze, auch wenn er es manchmal nicht so empfunden hat. Er erzählt immer wieder wie sehr er sich auf Stubbs freut, hat aber auch nichts dagegen, wenn wir noch ein paar Tage bis zum großen Ereignis vor und für uns haben (39. Woche). Er hat festgestellt, dass man auch unter Männern nun ständig irgendwelche Kommentare und Tipps zu allem bekommt, ob man will oder nicht. Außerdem scheint alles ein ewiger Wettbewerb zu sein. Er hat schon vorgeschlagen sich irgendwelche Dinge auszudenken, einfach nur damit die Leute ruhig sind. („Na klar, schläft mein Kind durch. Und meine Steuererklärung macht es auch. Ist ja schon drei Monate alt!“).
Der beste Moment: Als wir am Morgen vor der Wendung ganz nah bei einanender mit verschränkten Fingern auf meinem Bauch im Bett lagen. Das war ein unheimlich intensiver, inniger Moment. Wir wussten beide nicht, was auf uns zukommt und ob das nicht vielleicht der letzte ruhige Moment mit dickem Bauch sein würde. Es brauchte keine Worte, um den Zusammenhalt zu spüren. Wir sind jetzt eine Familie.

Weihnachten war auch wunderschön!
Und sonst? 

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Bereit. (ET-2)

​Die Nacht war grauenhaft. Erst musste ich ständig auf die Toilette und lag dann nach nur 3,5 Stunden Schlaf ab 3:43 Uhr schlaflos im Bett. An Müdigkeit mangelte es nicht, nur am Willen meines Körpers dem nachzugeben. Stattdessen hatte ich einen steinharten Bauch, der sich nicht annähernd bequem Betten ließ und ab 4:30 Uhr solchen Hunger, dem ich dann eine Stunde später nachging als mir schon übel wurde. Mäh.
Schlafen konnte ich trotzdem nicht mehr.

Auf die letzten Tage hat mein Körper also beschlossen mir den Abschied leicht zu machen. Tagsüber ist es in Ordnung. Ich fühle mich schwerfällig und so groß, aber faul auf dem Sofa liegend ist das auszuhalten.

Ich bin bereit. Seit Tagen ist da so ein unterschwelligen Gefühl, dass es bald losgeht. Manchmal packt mich die Panik ob der Verantwortung, die da auf uns zukommt, wenn ich daran denke, dass es nur noch Tage sind bis unser Baby bei uns ist. Aber dann spüre ich es im Bauch strampeln und kann es kaum erwarten es endlich kennenlernen zu dürfen. 

Im Grunde bin ich sehr entspannt. Bis auf das wenige Fruchtwasser, das macht mir etwas Sorgen, denn es macht Druck. Am Wochenende soll ich noch Mal ins Krankenhaus zum CTG und Doppler und ich habe wirklich Angst, dass man mich direkt dort behält und man dem Baby und mir damit auch noch den letzten Funken an Selbstbestimmung nimmt. 

Ich wünsche mir wirklich sehr, dass es nun einfach losgeht und wir unser Baby gesund in den Armen halten dürfen.

Ich bin überzeugt davon, dass sich das Baby nachts auf den Weg macht, wenn man es lässt. In 2 Tagen ist der (wunderschöne) Entbindungstermin. In der Nacht zuvor ist Vollmond, wie auch in der Nacht vor dem Eisprung. Es wäre doch eine runde Sache, wenn es dann einfach losginge.
Ich weiß, dass nur 4% der Kinder am errechneten Termin zur Welt kommen, aber auch nur 3-5% der Kinder begeben sich nicht in Schädellage. Also schauen wir einfach mal.

Mein Kleines, wir sind bereit und freuen uns so sehr auf dich. Du darfst nun gerne den Startschuss geben.