Eingewöhnt

Es ist still hier. Sehr still. Aber ich komme einfach nicht zum Bloggen.
Gerade passieren ein paar unvorhersehbare Dinge, die mich ein bisschen ins Rotieren bringen. Davor genoss ich die Elternzeit in vollen Zügen und erfreute mich an der neuen Routine, die dafür sorgte, dass ich meinen Ansprüchen wieder genügte. Es lief endlich so, wie ich es lange versucht hatte, hinzubekommen.
Dazwischen blieb aber nicht viel Zeit und abends war ich müde. Wie dem auch sei, es stehen noch einige Posts aus, mal sehen, ob ich die jemals fertig bekomme.

Wovon ich aber unbedingt berichten wollte, ist der aktuelle Stand der Eingewöhnung.

Ziel war es, dass der kleine Mann bis zum Ende meiner Elternzeit bis 11:30 Uhr in der KiTa bleibt. Das reicht schon, damit ich ins Büro fahren und kann. Sollte er sogar schon doer schlafen, wäre das grandios, aber absolut nicht notwendig. Das nahm viel Druck aus der Sache, aber ich war dennoch fürchterlich angespannt. Es wollte nicht so recht voran gehen.

Jeden Morgen weinte und klammerte der Kleine als ich ging. Noch ehe ich den Kinderwagen vor den Gruppenraum gestellt hatte, hatte er sich beruhigt, aber mir fiel es jeden Morgen unheimlich schwer ihn loszulassen, obwohl ich uns beiden immer gut zuredete. Darüber hinaus blieb es bis Mitte April immer noch nur etwa 1,5 Stunden. Ich hatte den Eindruck, die Erzieherin traute sich nicht wirklich, denn sie wollte ihn nicht überfordern. Müde war zu der Zeit immer und inzwischen ist ja bekannt, dass der Kleine nicht unbedingt eines dieser Kinder ist, die einfach schlafen, wenn sie müde sind. Ich wollte nicht drängen, aber die Zeit arbeitete gegen uns. Ich wurde zunehmend unruhig, der Freund beantragte zur Sicherheit Elternzeit, um es auffangen zu können, sollte der Kleine noch länger für die Eingewöhnung brauchen.

Ab etwa 9:45 Uhr gehen die Erzieherinnen mit den Kleinen nach draußen. Ein Umbruch, der wohl auch mal etwas schwerer fällt. Der nächste Schritt war also den Kleinen bis 10:30 Uhr in der KiTa zu lassen. Ich war beim ersten Versuch unheimlich nervös, aber es klappte echt gut. Er war zwar sehr müde, aber ich holte jeden Tag ein fröhliches Kind ab. Sein Kinderwagen half ihm unheimlich. Er nutzte ihn als seinen sicheren Hafen, zeigte wohl darauf, wenn es ihm zu viel war und machte eine Pause, bis er wieder ins Spiel einstieg. Das klappte wirklich sehr gut, ich war total baff. Nur schlafen wollte er nicht.

Ich sprach ganz viel mit dem kleinen Mann. Ich erzählte ihm von der KiTa. Erklärte ihm, dass es ok sei, wenn er traurig ist, dass ich gehe, aber er auch sehr gerne dort spielen darf, weil ich ihn jeden Tag abholen komme und mich sehr auf ihn freue. Ich wiederholte es fast mantraartig. Und dann passierte es:
Letzte Woche Montag ging der kleine Mann freiwillig auf den Arm der Erzieherin. Wir waren beide ganz baff. Ich kann nicht sagen, wer sich mehr darüber gefreut hat, sie oder ich. Aber mich macht das unheimlich glücklich. Am Ende der Woche streckte er sogar den Arm nach ihr aus.

Dienstag versuchten wir dann den großen Schritt. Ich sollte den Kleinen um halb 12 abholen. Sollte es nicht klappen, würden sie mich anrufen. Soweit so gut. Ab halb 11 hatte ich aber keine Ruhe mehr. Also machte ich mich fertig und schlich vor der KiTa herum, sodass ich ganz schnell da wäre, sollte der Anruf kommen. Aber der kam nicht. Mir schoss bei jedem aufweinenden Kind der Puls in die Höhe, selbst wenn gar keins weinte, hörte ich doch ein Phantomweinen, so sehr rechnete ich damit. Die letzten Wochen waren nicht ganz einfach, aber ich wollte einfach, dass der Kleine mit dem besten Gefühl in die KiTa geht. Das ist mir wirklich wichtig.

Und so blieb der Kleine bis zum Essen. Und am nächsten Tag und seit dem jeden Tag. Einfach so.
Und ich war so stolz, erleichtert und wehmütig. Mein großer Junge! Wenn ich ihn abhole, flitzt er durch die Gruppe, grinst mich an und zeigt mir sein Spielzeug. Er grinst und winkt zum Abschied. Das ist großartig.
Er ist dann sehr müde und schläft Zuhause sofort und das für etwa 2 Stunden. Wir haben so einen tollen Rhythmus und das ohne, dass ich etwas dazu beitragen musste. Das war ja auch so ne Sache. als nächstes versuchen wir dann, ob er sich dem Herdentrieb hingibt und auch dort schlafen wird, aber das hat Zeit und wenn es nicht klappt, hole ich ihn weiterhin ab.

Vor zwei Wochen hätte ich niemals gedacht, dass der Kleine jemals bis 11:30 Uhr durchhalten würde. Selbst als er früh wach war oder der Zahn drückte, hielt er durch. Ein ganzes Gebirge kullerte da von meinem Herzen. Ich glaube, er ist eingewöhnt. Und das fühlt sich so gut an.

Ich bin wirklich dankbar, dass die Erzieherin sich so viel Zeit für den Kleinen nahm und ihn so liebevoll und geduldig begleitete. Das ist unbezahlbar.

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Wa-Wa!

Der kleine Mann legt eine ziemlich rasante Entwicklung hin. Damit meine ich nicht, dass er unsere Steuererklärung macht, sondern dass ich täglich darüber staune, was er schon kann und versteht.

Ganz oft bin ich einfach nur baff und muss mir ins Gedächtnis rufen, dass er eben nicht mehr miniminiklein ist.

Er pflegt seine eigenen Rituale, so muss beim Verlassen der KiTa immer der Gabionenzaun angefasst werden. Außerdem werden jeden Morgen ganz aufgeregt die Störche auf dem Kirchturm mit dem Babyzeichen für Vogel begrüßt.

Tiere findet er unheimlich spannend. Er zeigt mit tragenden Blick auf ein Tier, ich erzähle wie es heißt inklusive Tiergeräusch. Oft versucht er es nachzuahmen. Was er mittlerweile perfekt beherrscht ist der Tiger. Der ist namluch auf seinen Windeln drauf. Da wird ganz wild gefaucht. Das ist zu niedlich.

Heute waren wir einkaufen. Auf dem Weg zum Eingang liegen wir durch die Autoreihen, der Kleine in der Trage. Er sah sich um und fauchte. Ich sah in den Himmel, weil ich dachte, er meine die Vögel (obwohl er ganz genau weiß,was Vögel sind und wie sie machen), erklärte ihm, dass da gar keine Vögel zu sehen sind. Und kaum hatte ich das ausgesprochen, fiel mein Blick auf ein Auto und da wusste ich, warum der kleine Mann gefaucht hatte.

Da saß ein orangener sibirischer Husky im Kofferraum. Für den Kleinen, der bisher nur den von der Windel kennt, war das ganz eindeutig ein Tiger. Ich erklärte ihm ziemlich baff (weil ich wirklich ganz erstaunt von der Verknüpfung war) und breit grinsend (weil unfassbar niedlich), dass dass kein Tiger, sondern ein Hund sei, worauf der Kleine ganz geschäftig nickte und „Wa-wa!“ wiederholte. ❤

Wann ist er nur so groß geworden?!

Weiter geht’s!

Es geht weiter. Inzwischen sind nun zwei weitere Wochen der Eingewöhnung vergangen. Zeit für ein kleines Update.

Die erste Woche verbrachte ich wieder zusammen mit dem Kleinen in der Gruppe. Ich erzählte ja schon, dass der kleine Mann sich am ersten Tag etwas schwer tat und sich nicht so recht lösen wollte.
Mir brach das ein kleines bisschen das Herz. Nach einigen Minuten sammelte er seinen Mut und zog dann doch wieder los, aber ich spürte sein Zögern und sah seine Blicke, die sich immer wieder versicherten, dass ich auch wirklich in der Nähe bin. Das kannte ich bisher nicht in diesem Umfang. Und es machte mir schmerzlich bewusst, was wir in der Woche zuvor kaputt gemacht hatten. Weil nicht offen kommuniziert wurde, weil wir dachten er sei schon weiter und weil, als ich es mir erstmals dachte, dass es so nichts wird, ich nicht auf mein Bauchgefühl gehört und bestanden habe, sondern auf die Erzieherinnen hörte. Das soll kein Vorwurf sein, sie sind die mit der Erfahrung und es hätte ja klappen können. Aber es zeigt mir eben, dass ich mein Kind am besten kenne. Das lässt sich nun nicht mehr ändern.

Aber es sind nun alles sehr bedacht, den Kleinen ruhig ankommen zu lassen. Hinter dem breiten, frechen Grinsen und dem Schalk im Nacken, steckt eben auch ein sensibler Kern. Jeden Tag taute der Kleine wieder ein bisschen mehr auf. Er zog früher los und größere Kreise, suchte weniger Blickkontakt. An einem Tag konnte ich ihn nicht begleiten, dort übernahm der Freund und das klappte ganz wunderbar. Da zog der Kleine sogar direkt los. Er nahm immer mehr Kontakt mit seiner neuen Bezugserzieherin auf und genießt es sichtlich sich von ihr begleiten zu lassen.

Diese Woche fand die erste Trennung statt. Nach 20 Minuten holte ich einen kleinen Mann ab, der geweint hatte, sich aber beruhigen ließ. Die Erzieherinnen hatten beschlossen, dass so ein guter Abschluss wäre, weil er nicht in Tränen aufgelöst abgeholt wird. Am Tag darauf blieb er schon 45 Minuten und jetzt zum Ende der Woche schon wieder eine Stunde. Sobald ich die Gruppe betrete und seinen Namen rufe, schenkt er mir sein bezauberndes Lächeln. Manchmal kommt er aufgeregt auf mich zu gekrabbelt, aber oft zeigt er mir, was er gerade Tolles zum Spielen hat und widmet sich dieser Sache dann wieder. Das macht mich sehr glücklich!

Nur das Abgeben, das fällt mir schwer. Ich gehe jeden Morgen ganz positiv gestimmt mit ihm in die Gruppe. Schon in der Garderobe zeigt er mit spitzem Zeigefinger, begleitet von „Da! Da!“-Rufen, auf den Gruppenraum. Auch wenn wir ihn betreten ist alles super, aber sobald ich mich verabschiede, ich ihn absetzen oder der Erzieherin geben möchte, klammert er sich an mich. Das ist der Moment, an dem auch ich innerlich versteife. Das ist doof, denn das merkt er natürlich, aber ich weiß auch, dass ein langer Abschied eben auch nichts bringen würde. Ich übergebe ihn dann und manchmal sehe ich noch die zuckenden Mundwinkel wenn ich gehe. Herzbruch!
Aber ich höre ihn nie weinen! Seine Erzieherin nimmt ihn sofort an sich, geht mit ihm in die Sandkiste oder begleitet den Abschiedsschmerz. Jeden Tan versichert sie mir, dass es sich nur um Sekunden handelte. Abschiedsschmerz eben und das sei völlig in Ordnung und normal.

Das weiß ich auch, aber bisher war es eben nicht so. Da konnte er es kaum erwarten, dass er spielen konnte. Seitdem sind natürlich auch schon ein paar Wochen vergangen, er hat sich weiterentwickelt. Vielleicht wäre dieser Punkt auch bei der anderen Erzieherin gekommen, wer weiß das schon.
Ich freue mich jedenfalls, dass sich der Kleine wieder gefangen hat und gerne in die KiTa geht.

Neustart

Wir beginnen das Abenteuer KiTa ganz von vorne.

Das Erlebnis letzten Freitag zeigte mir ganz deutlich, dass hier erst wieder Vertrauen aufgebaut werden und ein neues Kennenlernen stattfinden muss. Ich will nicht lügen, ich war sehr nervös vor diesem neuen Versuch und wünschte mir kurz es einfach aufschieben zu können. Aber wohin?
Also verbrachten wir ein schönes Wochenende miteinander und erzählten dem kleinen Mann immer Mal wieder von der KiTa und dass wir dort am Montag gemeinsam bleiben werden. Das kann man jetzt für unnötig halten, aber ich erzähle meinen Kind ständig, was wir tun. Nur so lernt er – meiner Meinung nach – die Dinge zu benennen und ich glaube fest daran, dass er sich auch jetzt schon weniger überfallen fühlt. Wir gehen auch nie zum Arzt, ohne ihm vorher davon zu erzählen und zu erklären, was dort passieren wird. Für mich hat das auch mit Vertrauen zu tun. Aber gut, darum soll es gerade gar nicht gehen.

Mit pochendem Herzen lief ich heute Morgen zur KiTa. Ich wollte gar nicht so nervös sein, konnte es aber nicht ändern. Trotzdem gab ich mich betont positiv, was ich ja auch war, nur eben auch nervös, und dann ging es los. In der Garderobe schaute sich der Kleine neugierig, aber verunsichert um. Es war wenig los. Die Hälfte der Gruppe ist krank, ein Teil war draußen, so dass nur zwei weitere Kinder in der Gruppe waren. Wir gingen rein und die neue Bezugserzieherin begrüßte den Kleinen gleich.

Er kuschelte sich an mich, entspannte sich aber als er merkte, dass ich nicht gehe. Ich setzte mich auf meinen Platz und wollte ihn absetzen. Das wollte er nicht, hielt sich fest und so blieb er eben bei mir auf dem Schoß sitzen. Ein Mädchen aus der Gruppe brachte ihm ein Spielzeug und er spielte die ersten 10 Minuten auf meinem Schoß und beobachtete alles ganz genau. Danach bewegte er sich zwischen meinen Beinen, aber immerhin schon mit Bodenkontakt.
Ich konnte richtig sehen, wie er immer mehr auftaute. Nach 20 Minuten begann er wieder ohne mich zu spielen und nahm ersten Kontakt mit der Erzieherin auf. Als er sich dann durch den ganzen Raum von mir entfernte und vergnügt in der Sandkiste saß, musste ich schon wieder kniepern. Mir fielen ganze Felsbrocken von der Brust. Da war er wieder – mein kleiner Entdecker. Als er dann mit der Kette der Erzieherin spielte und sie angrinste, machte sich auch sichtliche Erleichterung bei ihr breit. Er versicherte sich sehr oft, dass ich noch da bin und suchte meinen Blick, dann drehte er sich wieder um und spielte weiter. Das wird. Und es wird auf einem möglichst sanften Weg.

Das macht mich heute sehr glücklich.

Kommando zurück

Mein Bauchgefühl sagte mir, wir sollten es ganz von vorne probieren. Es sollte Recht behalten.

Ich ging mir einem guten Gefühl in die Kita. Der Kleine hatte gute Laune, aß vorher gut und er wurde von uns „vorbereitet“.

Schon beim Abgeben drückte er sich fest an mich als dir Erzieherin versuchte ihn von meinem Arm zu nehmen. Wir müssen es versuchen, sagte sie. Nein, sagte mein Herz.

Ich setzte ihn in die Sankiste, er begann zu spielen und ich verabschiedete mich. Nach 7 Minuten hörte ich mein Kind weinen. Ich schluckte den Kloß in meinem Hals herunter. Das Weinen wurde zu einem verzweifelten Schreien. Mein Herz brach. Alles in mir schrie danach, in die Gruppe zu stürmen, aber ich atmete tief ein und aus, denn sie sollten die Chance bekommen ihn zu beruhigen. Das klappt bei mir auch oft nicht nach 2 Minuten. Die Leiterin setzte sich zu mir und noch ehe sie etwas sagen konnte, brachen alle Dämme.

Da saß ich nun heulend in der Garderobe, während mein Baby im Gruppenraum schrie. Dieser Moment hat mein Herz in Asche gelegt. Ich bin innerlich ein emotionaler Mensch, nach außen, mit Publikum, bin ich eher beherrscht, zumindest wenn es um Trauer geht. Aber ich konnte mich nicht zurückhalten. Alle Dämme brachen und es sprudelte aus mir heraus. So will ich das nicht.

Wir redeten ein bisschen. Ich erzählte von meiner Angst, etwas kaputt zu machen. Dass ich ihn so nicht kenne und es mich so sehr verunsichert, weil er vorher eben nie weinte. Mal kurz kommt vor, aber so? Wie soll ich ihn so dort lassen? Sie nahm mir ein bisschen meine Ängste, erzählte von ihren Kindern. Er beruhigte sich, ich wurde ruhiger.

Kurz bevor ich ihn abholte, begann er erneut zu weinen. Beruhigte sich bei mir aber sofort. Auch den anderen Erzieherinnen ging das sehr, sehr nah. So wie es jetzt läuft, will das keiner. Aber alle sind sich sicher, dass wir das hinbekommen. Wir müssen jetzt das Vertrauen wieder aufbauen und deshalb werde ich nächste Woche wieder mit in den Gruppenraum kommen. Schwierig ist nur, dass es jetzt zeitlich gestaffelt werden muss.

Es läuft gerade alles andere als gut, aber ich bin trotzdem froh, in dieser Kita zu sein. Im Vorfeld lief es jetzt suboptimal und vielleicht hätten wir vorher reagieren sollen, aber es konnte auch keiner ahnen, dass es sich so zuspitzen würde. Ich kenne mein Kind so bisher auch noch nicht. Ich sehe aber, dass alle mit dem Herzen dabei sind und sich für ihn das Beste wünschen.

In der Garderobe kuschelte er und war ganz schnell wieder richtig ausgelassen. Grinste alle Erzieherinnen an und winkte fröhlich zum Abschied. Immerhin hatten wir so doch noch einen positiven Abschluss – irgendwie.

Jetzt ist Wochenende. Viel Zeit für ungestörte Aufmerksamkeit. Und dann fangen wir von vorne an. Atmen.

Das Gespräch

Mir ist es wichtig, dass sich keine negativen Gefühle aufstauen und das eigentlich positive Verhältnis belasten, so suchten wir das Gespräch mit der KiTa.
Ich sprach mein Gefühl an, dass für den Kleinen nicht mehr so recht Platz sei, weil die Kapazitäten ausgeschöpft seien und meine Bedenken. Ich bin sehr für ein offenes Wort, scheue es zeitgleich aber auch, einfach weil ich gerne in Harmonie lebe. Da konnte ich aber nicht ruhig bleiben. Es ist wirklich verrückt, welche Tigergene da in einem aktiv werden, wenn es um das wohl des eigenen Kindes geht.

Die Erzieherin hatte viel Verständnis. Das erleichterte mich sehr. Sie wollen natürlich auch eine Lösung finden, damit der Kleine sich wieder wohl fühlt und irgendwann auch richtig eingewöhnt ist. Sie dachten, weil er schon eine Weile da ist, versuchen sie es erstmal, ob er mit wechselnden Personen, die sich seiner annehmen, zurecht kommt. Das funktionierte leider nicht so wirklich. Manchen Kindern mache das nicht viel aus, aber unser Kleiner sei einfach sensibler, was das angeht. Und das war nicht negativ gemeint. Ich fand es schön zu sehen, dass sie ihn doch wahrnehmen.

Und wurde gefragt, ob mein Gespräch mit meinem Arbeitgeber erfolgreich war und ich glaube, es erleichterte sie sehr, dass wir nun ein paar Wochen mehr Zeit haben, um alles wieder in geordnete Bahnen zu bekommen, ohne unnötig Druck ausüben zu müssen.
Die Personalsituation wird sich aber noch weiter zuspitzen, da noch sie bald auch für einige Zeit ausfallen wird. Uff. Das ist echt hart. Natürlich steht mein Kind für mich an erster Stelle, aber ich habe auch wirklich Verständnis für die KiTa. Ich meine, die können sich auch nicht teilen oder Personal aus dem Hut zaubern. Mir ist bewusst, dass es keine 1:1 Betreuungssituation gibt und erwarte das auch nicht.

Sie seien im Team überein gekommen, dass sie gerne die verbleibende Erzieherin die Bezugserzieherin für unseren Spatz werden soll, weil sich eben rausgestellt hat, dass es noch sehr verwirrend für ihn ist, wenn sich verschiedene Leute um ihn kümmern. Sie macht zwar auch die Eingewöhnung für ein weiteres Kind, das sei aber schon Älter und es könnte auch sein, dass es demnächst noch ein paar Wochen mit den Eltern verreise. Darüber hinaus werden wir für die nächsten Tage komplett zurückfahren. Sie wird vermehrt Kontakt mit ihm aufnehmen und er soll die nächsten Tage erst einmal wieder nur 30 Minuten bleiben und ich direkt im Haus, damit er wieder Vertrauen fasst und mit einem positiven Abschluss aus dem Tag geht. Wenn er sich wieder wohlfühle, könnte man schauen, ob man langsam steigert oder versucht dort anzuknüpfen, wo wir aufgehört haben.
Das ganze Gespräch zeigte mir, dass mein Gefühl bei der KiTa-Wahl nicht verkehrt war. Manche meiner Gefühle der letzten Tage, waren durch meine Sorgen sicherlich trüber als nötig. Die Erzieherinnen sind sehr feinfühlig und ich glaube, dass sie mittlerweile einen guten Blick auf mein Kind gewinnen konnten. Dafür spricht auch der Vorschlag. Das hätte gerne auch vorher kommen können, aber gut, es ist jetzt nicht mehr zu ändern.

Ich hoffe nur sehr, dass die letzten Tage nicht zu viel zerstört haben und der Kleine sich bald wieder wohl fühlt. Das ist für mein Mamaherz ganz schwer zu ertragen, ihn so zu sehen.

Rückschlag

Sagte ich, die Eingewöhnung läuft? Tut sie. Rückwärts und bergab, aber läuft.

Bis jetzt lief es wirklich bilderbuchmäßig. Die 2,5 Stunden letzte Woche waren wirklich anstrengend für ihn und er war danach richtig erledigt, aber er meisterte das ganz wunderbar. Das änderte sich diese Woche.
Für diese Woche standen große Schritte an. Der Kleine sollte das erste Mal bis zum Mittagessen bleiben und dann zum ersten Schlafversuch bleiben. Der Punkt, dem ich ohnehin mit Bauchschmerzen entgegen blickte. Stattdessen fuhren wir die Zeit sogar zurück.

Tag 16 startete nach einer durchzahnten Nacht mit der Nachricht, dass die Bezugserzieherin des Kleinen die komplette Woche ausfallen wird. Tatsächlich begann er 10 Minuten bevor ich ihn abholen kam, zu weinen. Er war so unfassbar müde, dass er nach 3 Minuten in der Trage tief und fest einschlief. Zum ersten Mal hatte ich kein gutes Gefühl. So kamen einfach zwei schwierige Umstände zusammen. Im Grunde ist das nicht weiter schlimm, aber mir tat er dennoch so leid.Er hat seine Bezugserzieherin schon sehr ins Herz geschlossen, dass sie nicht da war, warf ihn etwas aus der Bahn.

Auch am den nächsten Tagen weinte er bittere Tränen als ich wir ihn abholte. Ich vermutete, dass ihm im Schneenazug velleicht einfac zu warm war, aber wir beschlossen ihn am Tag darauf noch vor dem Rausgehen abzuholen, falls ihm das einfach zu viel ist. Er sei halt ab 10 müde, sagte mir die Leitung. Ja, schon. Aber da muss sich doch ein anderer Weg finden als dass ich ihn abhole? Er muss sich ja auch dran gewöhnen. Da dachte ich zum ersten Mal, dass es die Kapazitäten wohl nicht herzugeben scheinen, dass vielleicht jemand versucht ihn zu einem Schläfchen zu bewegen.
Neuer Tag, neues Glück. Aber da klingelte zum ersten Mal das Telefon. Der Kleine lasse sich nicht beruhigen, ob ich ihn abholen könne. Natürlich! Mich empfang ein völlig aufgelöster, kleiner Mann. Die Sorgen, die ich mir seit Montag machte, verwandelten sich in einen wahren Sturm. So kann es unmöglich weitergehen. Der Kleine soll doch mit einem guten Gefühl in die KiTa gehen. Daneben steht der Jobbeginn, der immer näher rückt. Beim Gedanken daran wurde mir schlecht. An diesem Tag verriet uns eine Erzieherin, dass die Bezugserzieherin des Kleinen schwanger ist. Uff. Ich freue mich riesig für sie. Für den kleinen Mann ist das eine Katastrophe. Ich hätte heulen können. Wie soll das so klappen? Da muss unbedingt eine Lösung her. Zeitgleich werden gerade zwei weitere Kinder eingewöhnt, wodurch eigentlich keine Kapazitäten frei sind.

Es machte sich das Gefühl breit, dass für mein Kind kein Platz ist. Ich hatte den Eindruck, dass er so hin und her geschoben wird. Er ist zwar schon seit 3 Wochen dort und hat sich etwas eingelebt, aber eben noch nicht so sehr, dass er da derart flexibel reagieren kann. Er zwar sehr offen, aber auch sensibel und mit ganz feinen Antennen ausgestattet. Er shäkert gerne, aber er vertraut nicht jedem.

Zuhause erarbeiteten der Freund und ich einen Notfallplan, den ich am nächsten Tag mit meiner Chefin besprechen würde. Ich hatte ohnehin vor ins Büro zu fahren, weil ich meine Arbeitszeiten mit ihr besprechen wollte. Kaum ausgesprochen, fühlte ich mich schon viel leichter. Jetzt muss es nur noch klappen.

Für Donnerstag (Tag 19) planten wir schon nur noch 1,5 Stunden ein, aber bereits nach 45 Minuten klingelte das Handy, ob wir den Kleinen in 30 Minuten abholen könnten. Irgendwie verwirrte mich das, ich fragte, ob er weine und als es hieß ja, schickte ich den Freund los, denn ich saß im Büro. Als er ankam, spielte der Kleine mit einer der Erzieherinnen am Waschbecken. Nicht ganz glücklich, aber auch nicht weinend. Der Freund nahm ihn dann mit, so blieb zumindest ein einigermaßen positiver Abschluss. Allerdings beschlich uns immer mehr das Gefühl, dass da eben kein Platz, keine Zeit für unser Kind ist. Und dass es vielleicht auch gar nicht richtig versucht wird und man es sich etwas leicht macht. Es machte mich wütend, dass noch keine Lösung erarbeitet wurde. Ich meine, die Erzieherin fällt jetzt einfach weg, er steckt mitten in der Eingewöhnung. Da muss man sich doch mal überlegen, wie man das auffängt?
Ziemlich blöde Gefühle und Gedanken, die das Verhältnis belasten, wo ich doch so überzeugt von der KiTa bin. Da muss ein Gespräch und eine Lösung her. Mein Kind hat eine liebevolle Eingewöhnung verdient, so wie die anderen auch.

Es tut mir weh zu sehen wie mein aufgewecktes, offenes Kind jeden Tag zurückhaltender wird. Statt in seiner geliebten Sandkiste zu verschwinden, die Arme nach uns ausstreckt und deutlich zeigt, dass er lieber mit nach Hause möchte. Zuhause klebt er an uns. Als ich zum Arzttermin aufbrach, weinte er wohl nach 10 Minuten ganz bitterlich nach mir. Er rückte nicht einen Zentimeter von meiner Seite. Er ist schon immer auch anhänglich gewesen, aber so kenne ich ihn nicht. Wir versuchen ihm viel zu erklären, gut zuzureden, ihn auf den nächsten Tag vorzubereiten und ganz viele Spiel- und Kuscheleinheiten einzubauen, aber das allein reicht nicht.

Das Gespräch mit meiner Chefin lief wunderbar. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass sie so verständnisvoll reagieren würde. Mich hatte nämlich wirklich ernsthaft das Gewissen gebissen, weil man mich auch einplant, aber ohne ein Zögern stimmte sie meinem Wunsch zu und so werde ich noch einmal meine Elternzeit verlängern. Das gibt uns etwas mehr Zeit. Auf Dauer ist das aber keine Lösung, denn von Elternzeit allein gewöhnt sich der Kleine auch nicht ein. Das Wohl meines Kindes steht über allem, aber auch der finanzielle Aspekt ist nicht zu verachten. Ich bin dankbar, dass wir das auffangen können, aber auf Dauer geht das nicht. Ich bin so unfassbar dankbar für meinen grandiosen Arbeitgeber.

Alter Hase

Der Freund musste diese Woche länger arbeiten und konnte morgens später los. Er begleitete uns deshalb diese Woche in die KiTa. Er wollte gerne wissen, wie das so bei uns abläuft, weil er den Morgendienst an einigen Tagen übernehmen wird, wenn ich wieder arbeite.

Ich fürchtete ein bisschen, dass sich das Verabschieden tränenreich gestalten könnte, denn Zuhause findet es der Kleine gar nicht gut, wenn Papa einfach arbeiten geht. Da wird geschimpft und manchmal auch ein bisschen geweint. Meine Sorge war jedoch unbegründet. Wie auch schon die Tage zuvor, hielt es den Kleinen ab betreten des Gruppenraumes kaum noch bei uns. Mit einem halben Auge verabschiedet er sich von uns, während er schon beschäftigt an etwas herumspielte. Er liebt die KiTa!

Der Freund erzählte nach dem ersten Abgeben, dass es sich für ihn ganz eigenartig anfühlte, den Kleinen einfach dort zu lassen. Ja, das erste Mal war wirklich nicht leicht, aber es wird besser!

An Tag 12 der Eingewöhnung verließen wir das erste Mal ohne unser Kind das Gebäude. Zum ersten Mal seit der Geburt waren der Freund und ich komplett alleine in unserer Wohnung. Gemeinsam. Verrückt. Und eigenartig. Als der Freund ins Büro fuhr, nutzte ich die Zeit, um Unliebsames zu erledigen. Zwischendurch suchte ich einmal ganz erschrocken das Babyphone, weil ich befürchtete es nicht eingeshaltet zu haben. Es dauerte ein bisschen, bis mir einfiel, dass ich ja alleine zuhause bin. So schön es war, der kleine Wirbelwind fehlte mir schon. Ich liebe es ihn abzuholen. Sein Gesicht, wenn er mich sieht und wie er auf mich zu gekrabbelt kommt. Das ist schon ein ganz besonderer Moment.

An Tag 13 verbrachte der kleine Mann schon 2,5 Stunden in der KiTa. Der erste Ausflug nach draußen! Er ist nach der KiTa immer richtig erledigt, die nächtlichen Defizite (es ist ein Graus momentan!) tun da ihr Übriges. Ich behielt das Smartphone die ganze Zeit im Auge und wartete geradezu auf einen Anruf, weil mein müdes Baby sich nicht beruhigen möchte, aber auch nicht einfach einschlafen kann. Aber nichts.

Er macht das wirklich ganz wunderbar. Während er in seiner geliebten Sandkiste buddelt, shäkert er mit den Erzieherinnen aus der anderen Gruppe. Immer wieder erzählt mir seine Erzieherin wie wunderbar es laufe. Als sei er schon Monate dort, nicht einmal die Mutter, die gerade wegen der Eingewöhnung ihrer Tochter da sei, würde ihn irritieren. Er sei so offen und fröhlich und habe schon allen den Kopf verdreht. Aber auch, dass er Energie hat. Er flitzt durch die Gegend, krabbelt, klettert und läuft an allem entlang, was ihm zwischen die Finger kommt. Zwei kleine Unfälle hatte er, einmal biss er sich auf die Zunge, das andere Mal bremste er beim Klettern mit der Nase auf Teppichboden. Danach sei er wohl viel vorsichtiger gewesen, wenn er an die Stelle kam. Er lernt also dazu! Ansonsten gab es keinerlei Tränen.

Er hat super viel Spaß dort und immer wenn ich ihn abhole, ist er eigentlich noch gar nicht fertig mit spielen. Ich merke aber deutlich, dass die 2,5 Stunden nicht spurlos an ihm vorbei gehen. Und plötzlich isst mein Kind! Er hat bisher bis auf ein paar Ausnahmen wirklich eher kleine Mengen zu sich genommen. Seit dieser Woche haut er für seine Verhältnisse richtig rein. Das freut mich wirklich sehr, denn so weiß ich, dass er auch ohne mich über den Tag kommt (ja, ich weiß, er ist alt genug, dass er nicht verhungern würde und schon äße, wäre er sehr hungrig, aber ich halte nichts davon ihn dazu zu „zwingen“).

Mein kleiner Junge, ich bin mächtig stolz!

Fazit nach 15 Tagen Kita: läuft.