Flashback

Ich stehe auf dem Balkon, blicke in den Himmel. Ich wollte Sternschnuppen beobachten, aber keine Chance. Es ist komplett bewölkt.

Ich erinnere mich an die Sternschnuppennacht vor einem Jahr.

Ich lag hier auf dem Balkon und starrte in den Himmel, hielt die Hände auf meinen Babybauch und horchte tief in mich herein, um bloß keinen dieser wunderbaren, kleinen Stupser zu verpassen, die ich erst seit kurzem spürte und von denen ich nicht genug bekommen konnte.

Ich verbrachte den Abend allein, der Freund war auf einer Veranstaltung seines Arbeitsgebers. Ich hatte mir schon oft vorgenommen die Sterne zu beobachten, habe die Nacht der Perseiden dann aber irgendwie doch immer verpasst oder es war bewölkt.

Ich machte es mir also auf dem Balkon gemütlich. Stellte ein paar Kerzen auf, wickelte mich in eine warme Decke, denn es wurde langsam kühl und sah in den Himmel. Ich hatte Glück, es war keine einzige Wolke zu sehen. Ich genoss die Ruhe um mich herum und in mir. Ich glaube, so entspannt war ich ewig nicht mehr. Ich ließ den Gedanken freien Lauf, sinnierte über die Zukunft. Ich beobachtete den Sternenhimmel und schickte 3 Wünsche ins Universum, während ich zig weitere Sternschnuppen an mir vorbeiziehen sah. Über mir glitzerte und funkelte es, das war unglaublich romantisch und schön, in meinem Bauch blubberte es – auch vor Glück.

Das war ein sehr erfüllender  Moment. So einer, der sich seinen Platz in einem Glücksglas verdient hätte, besäße ich eines. Wir sollten viel öfter einen Blick in den Himmel werfen!

Manchmal

Manchmal frage ich mich, ob ich etwas falsch gemacht habe. Ob ich es hätte anders angehen sollen. Ob ich mich mehr hätte probieren sollen. Mich durchsetzten oder besser organisieren müsste. Ob ich zu sehr auf ihn eingehe und deshalb kaum Raum für mich habe. Ihn zu sehr betüddle.

Ich war immer sehr organisiert, hab viel hinbekommen. Das klappt nun nicht mehr. Im Grunde bekomme ich nur noch das Nötigste geschafft und selbst das nicht immer. Das frustriert mich an manchen Tagen sehr. Dann kommen diese Gedanken. Ich hatte es mir etwas einfacher vorgestellt. Um nichts in der Welt wollte ich tauschen, aber ich gebe zu, ich habe unterschätzt wie anstrengend es sein kann 24/7 bereitzustehen. 
Zu kuscheln, tragen, stillen, wickeln, bespaßen. Die Welt zu erklären und selbst neu kennenzulernen, während ich versuche den Alltag zu bestreiten und das Chaos nicht die Oberhand gewinnen zu lassen. 

Und dann sehe ich wie wunderbar er sich entwickelt. Wie fröhlich und offen er ist. Wie toll er sich bereits verständlich machen kann und erkenne, dass es ist wie es ist. Und so muss es sein, denn es ist das, was er einfordert. Das was er braucht. Und genau das gebe ich ihm, das kann nicht falsch sein. Er braucht meine Nähe und die soll er bekommen, auch wenn es in mir manchmal nach Pause und Auszeit schreit. Er schreckt nicht im Schlaf auf, um mich zu ärgern. Nichts von dem, was er tut, hat einen Hintergedanken, zumindest keinen bösen. Es ist ein Bedürfnis, meist eines, das ich leicht erfüllen kann. Warum sollte ich es nicht tun? Aus reinem Egoismus? Ja, manchmal da würde ich auch Mal gerne alles abgeben, die Türe schließen, aber das bringe ich nicht übers Herz. Das fühlt sich nach Strafe an, wenn ich doch genau weiß, was ich tun kann. Und wenn nicht, kann ich ihn in seiner Unruhe und Verzweiflung nicht sich selbst überlassen.

Dann schiebe ich diese Gedanken beiseite, denn ich weiß, dass ich es richtig mache. Ich handle nach meinem Gefühl, bin für ihn da, wenn er mich hraucht. Ich mache sicher nicht alles richtig, aber ich gebe mein Bestes. Ich sage mir, dass er mich nicht lange so intensiv brauchen wird, dass ich mir in ein paar Jahren diese Momente zurück wünschen werde. Dass es mir fehlen wird, wie er sich ankuschelt und kichert und fröhlich kreischt, wenn ich ihn abknutsche. 

Ich war nie müder, erschöpfter und nie glücklicher.

Ich bin nichts lieber als seine Mama. Der schönste und fordernste Job der Welt. Und für mich definitiv der Beste.

Angekommen.

Ich bin im Mamasein angekommen.

Mein Baby hat mich von Anfang an verzaubert. Ich konnte gar nicht anders als es immer wieder zu knutschen, streicheln und seinen einzigartigen Geruch zu inhalieren. Aber ich war auch überfordert uns hatte mit der Umstellung zu kämpfen. 

Ich wusste, dass nun jemand anders den Takt angeben würde, aber das zu erleben ist nochmal was Anderes. Ich war ein völlig freier Mensch und plötzlich mussten sogar Klogänge geplant werden. Dazu der komplette Wegfall der Freizeit und das Bedürfnis meines Babys nach Körperkontakt. 24/7.

Ich bin dem gerne nachgekommen, wünschte mir aber auch Auszeiten. Ich habe mir viele Sorgen und noch mehr Gedanken gemacht. Trotz aller Liebe und Freude, fiel es mir manchmal schwer es anzunehmen.

Ein ziemlich kluger Mensch gab mir einen guten Rat, den ich mir zum Mantra gemacht habe „Go with the flow.“ Anfangs fand ich den Spruch ein bisschen doof, es muss doch auch anders gehen. Aber nach 4 Monaten als Mama kann ich sagen, dass dieser Spruch einfach so wahr ist.

Ich würde lügen, würde ich sagen, alles ist easypeasy. Nach schlechten Nächten bin ich müde und es käst mich auch immer wieder an, dass ich den 3-stündigen Mittagsschlaf neben dem Baby verbringen muss oder seit der Geburt keine Stunde abends alleine mit dem Freund auf dem Sofa sitzen konnte, weil er den Schnuller nicht nimmt, aber nuckeln möchte. Und wenn jemand einen Tipp hat, nehme ich den gerne an.

    Aber es fällt mir leichter es anzunehmen. Bin ich müde, schlafe ich mit. Oder lese. Oder kuschle mich an mein Baby und versuche mir klar machen, dass es nur eine kurze Zeit ist, in der er mich so intensiv braucht und ich mir diese Zeit irgendwann zurück wünschen werde. Wenn ich sehe welche Entwicklung er in dieser kurzen Zeit gemacht hat, wie viel sich schon verändert hat, wird mir ganz schwindelig.

    Ich hatte Startschwierigkeiten, aber ich bin angekommen. Ich bin unfassbar glücklich. Ich war sofort in mein Baby verliebt, das was ich jetzt empfinde, übersteigt jefoch alles. Da ist so viel Liebe, Glück und Stolz wie ich es nicht für möglich gehalten hätte. 

    Ich bin ausgeglichener, ruhiger und geduldiger. Mit mir neuen Situationen und auch mit dem kleinen Mann. Wird gequängelt statt zu schlafen, dann ist das eben so. Ich kann es meistens annehmen wie es ist. Und dann stört es mich nicht alles  mehr. Esndert ja auch nichts, wenn ich mich aufrege oder damit hardere. Es hilft auch, mich in ihn hineinzuversetzen und nachzuvollziehen wie schwer es für ihn ist. Für ihn ist alles neu, er kann sich noch nicht so verständlich machen wie er es möchte. Gar nicht so einfach, so ein Babyleben.

    Und diese Herangehensweise macht es so viel leichter für mich. Nicht immer und nicht bei allem, aber insgesamt bin ich viel entspannter mit allem. Diese Grundgelassenheit ist so gut. Ich fühle und lebe und bin (meistens) so wie ich es mir für mich gewünscht habe. 

    Und so glücklich, dass es fast schon eklig ist. Kleiner Mann, großes Glück. 💙

    Kleine Auszeit

    Letzten Samstag begann mein Rückbildungskurs. Eigentlich wollte ich schon 8 Wochen nach der Geburt anfangen,aber leider war der Kurs, den ich besuchen wollte, schon voll. 

    Die anderen Kurse zur gleichen Zeit waren entweder voll oder für uns nicht geeignet. Ich wollte gerne einen Kurs ohne Baby besuchen, denn der Kleine ist sehr anhänglich und mit ihm komme ich einfach nicht dazu Übungen zu machen, das kann ich dann also auch gleich bleiben lassen. Kurse am Abend sind doof, weil der Freund regelmäßig Rufbereitschaft hat und das dann zeitlich nicht hinkommt und mich der Kleine abends einfach braucht. Vielleicht ginge es mit genug Milch, aber das Abpumpen ist bei mir nicht so ergiebig. 
    Im Nachhinein stellte sich der spätere Einstieg als genau richtig heraus, denn ich glaube, das hätte so früh noch nicht geklappt.

    Ich habe mich richtig darauf gefreut, endlich wieder etwas Sport zu machen. Am Abend vor dem Kurs verließ mich dann die Vorfreude und ich wünschte der Kurs wäre schon rum. Das beschreibt meine Gefühlslage zurzeit recht gut. Ein ständiges Auf und Ab.

    Samstagmorgen stand ich um 7:15 Uhr auf, zog mich an, stillte den kleinen Mann nochmal ausgiebig, damit er die kommenden 2 Stunden ohne Hunger übersteht (wir stillen aktuell sehr häufig, da ist doch was im Busch!) und machte mich dann auf den Weg.

    Schon alleine die Fahrt hob meine Laune deutlich. 20 Minuten ohne Gebrüll, dafür mit lauter Musik, ganz für mich allein. 
    Im Kurs erblickte ich sogar ein paar bekannte Gesichter aus dem Schwangerschaftsyoga, das war schön. Wir quatschten ein bisschen und dann ging es auch schon los.

    Die Hebamme, die den Kurs leitet ist wirklich toll. Sie hat 7 Kinder und weiß wovon sie spricht. Ich hatte auch überlegt mich von ihr in der Schwangerschaft betreuen zu lassen, entschied mich aber dagegen, weil ich ja im Geburtshaus entbinden wollte. Beim Nächsten dann. ;-)

    Sie erklärte ein bisschen den Beckenboden und machte nochmal deutlich, dass die Rückbildung nach dem Kurs nicht abgeschlossen sei, wir auch während des Kurses alle zwei Tage ein paar Übungen machen nd danach auch für Bewegung sorgen sollten. Nach 3 Monaten regelmäßigem Sporteln, sei der Beckenboden meist wieder recht fit. Mit 40 würde man sonst merken, dass es falsch war,sich keine Gedanken darum zu machen.

    Und dann ging es ans Eingemachte. Was hat mir das gefehlt! Das war zum Teil echt anstrengend, ich könnte auch einfach gar keine Bauchmuskeln haben, das wäre kaum ein Unterschied. Ich bin froh, schon vorher ein bisschen was zur Wahrnehmung des Beckenbodens gemacht zu haben, sonst wäre ich wohl nicht mitgekommen.
    Eshat echt Spaß gemacht und ich bin fast traurig, dass der Kursnur 5 Einheiten hat.

    Es tat so gut sich zu bewegen und mal 2 Stunden nur für mich zu haben. Mein Gewissen zwickt auch ein bisschen, weil ich nicht vor Vermissung zergangen bin. Dafür hatte ich keine Zeit und ehrlich gesagt, habe ich so wenig Zeit für mich, ohne Haushalt oder solchen Kram, die sauge ich dann einfach auf.

    Gefreut gabe ich mich auf meine beiden Männer aber trotzdem. Die haben das natürlich wunderbar gemeistert, auch wenn der kleine Mann das Nickerchen verweigerte und dann etwas grumpy war. Aber daran hatte ich auch nicht eine Sekunde gezweifelt.

    Happy me

    Wieder ein Jahr rum. Wieder ein Jahr älter.

    Vor ein paar Tagen war mein Geburtstag! Und der Tag hätte nicht schöner sein können.
    Nachdem es tags zu noch kalt, regnerisch und grau war, schien an meinem Tag die Sonne und der Himmel erstrahlte in schönstem Blau. Morgens war es noch frisch und man spürte den Herbst und kann ihn auch schon vereinzelt in den Bäumen sehen, aber später war es noch mal richtig warm.

    Es war ein ganz unaufgeregter, ruhiger Tag, der mit Erdbeertorte begann. Kann ein Tag besser anfangen als mit dem Frühstück der Champions!? Mehr hätte ich schon gar nicht gefreut, aber der Freund konnte das so nicht hinnehmen und hat mir ein paar tolle Geschenke gemacht, über die ich mir immer noch ein Loch in den Bauch freue!
    Ich verbrachte viel Zeit unter der Dusche und auch sonst verbummelte ich den Morgen und genoss es einfach mal ganz bewusst nichts zu tun. Den Abend verbrachten wir dann mit Sushi auf der Couch. Ich muss ja gestehen, ein bisschen neidisch schielte ich schon auf die Lachsmaki des Freundes, aber auch diese Zeit wird wieder kommen.

    Vor einem Jahr, vielleicht auch schon in dem Jahr davor, hoffte ich meinen Geburtstag schwanger feiern zu dürfen. In diesem Jahr ist dieser Wunsch wahr geworden. Das schönste Geschenk, das man mir machen konnte, strampelt in meinem Bauch herum. Dieses Gefühl ist in so vielerlei Hinsicht unglaublich. Ich könnte nicht dankbarer und glücklicher sein.
    Für all das. Mein Leben. Den Freund an meiner Seite, unser Kind unter dem Herzen.
    Und Erdbeerkuchen mit Kerzen im Bett! Life is beautiful!

    Happy birthday to me.

    Vom Reisen und Erinnern

    Es ist nun schon über ein Jahr her, dass wir in die USA reisten und doch kehren meine Gedanken immer wieder zurück. Reisen noch einmal an diese wunderbaren Orte und lassen mich das Erlebte immer wieder nachempfinden.
    Ich vermisse die USA. Ich habe große Sehnsucht und Lust wieder in dieses atemberaubende Land zu reisen und noch mehr zu sehen.
    Aber ich habe auch viel aus diesem Urlaub mitgenommen.

    Dieser Urlaub hat etwas mit mir gemacht. Er hat mich verändert.
    Er hat mit Sicherheit und Gewissheit gegeben. Ich habe mich und meine Grenzen besser kennengelernt. Ich weiß das Schöne im Leben wieder mehr zu schätzen.

    Ich kann mich nicht erinnern, wann ich vorher das letzte Mal lachend durch den Regen lief. Ich wanderte trotz Höhenangst an schmalen Wegen entlang, traute mich aber nicht an den Rand des Grand Canyon. Ich fürchte mich nach wie vor vor Höhe, aber wilde Tiere machen mir nichts aus. Ich habe gelernt mich selbst zu halten, bin Achterbahn gefahren und hatte viel Spaß dabei.

    Ich möchte mit die zu Leichtigkeit und Gelassenheit erhalten, die die Amerikaner oft austrahlten. Das Leben nehmen wie es ist und in allem das Gute zusehen. Mehr Lächeln, weniger Meckern. Geniessen, was man hat, solange es geht.

    Auch Regenwolken können schön sein. Das Leben mit all seinen Facetten zu schätzen wissen, das ist die Kunst.

    Ich bin mutiger als ich mich selbst eingeschätzt hätte. Ich weiß nun einmal mehr, dass mir die Höhe Angst macht, ich mich aber beruhigen kann. Dass ich die Wüste liebe. Die Ruhe, die dort herrscht ist magisch. Es gibt keine Zeit. Dort war ich ich. Mehr nicht. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so eins mit mir war.

    Diese Reise hat mein Herz überflutet. Sie lässt mich ehrfürchtig und dankbar auf mein Leben blicken und einmal mehr kann ich es nicht fassen, was ich in meinem Leben alles schon erleben durfte.

    Nicht nur für mich hat dich viel verändert. Auch unsere Beziehung ist an dieser Reise gewachsen und hat sich weiter gefestigt.
    Wir mussten und können uns blind aufeinander verlassen. Ich hatte Respekt vor 4 Wochen ohne Ausweichmöglichkeit.

    Ich gestehe, dass ich überrascht war, wie gut wir uns verstanden. Wie reibungslos all das verlief und wie gut wir aufeinander abgestimmt sind.
    Wir haben viel erlebt, miteinander geschwiegen ohne dass es sich schlecht anfühlte.
    Wir waren befreit von alltäglichen Zwängen und das merkte man auch. Wir erlebten, zeigten uns wie kleine Kinder die Welt, staunten zusammen um die Wette. Und wir lachten. So viel und so lange bis die Tränen kamen.

    Es war eine traumhafte Zeit. Sie hat mich viel gelehrt. Und ich bin so dankbar, dass ich das erleben durfte und all das noch immer im Herzen trage. Ich hoffe, dass ich mir diese Gefühle auch weiterhin bewahren kann.

    Vom Glück anderer

    Es tut mir so leid, aber ich kann es grade sehr schwer ertragen glückliche Familien zu sehen.
    Ich wünschen mir so sehr ein Kind, dass es mir immer wieder fiese Stiche versetzt, wenn ich von Schwangerschaften, Geburten und Familienglück lese, höre oder es sehe.

    Ich möchte auch glücklich über meinen immer dicker werdenden Bauch streicheln dürfen. Ich möchte die Wärme meines Babys auf meiner Brust spüren. Es begleiten dürfen, wie es immer größere Schritte im Leben macht. Ich möchte auch an verregneten Sonntagen bei Kakao Brettspiele zocken. Ich will so viel und jetzt fühlt es sich soweit entfernt an, wie ein großer Lottogewinn.

    Immer wieder muss ich daran denken, was hätte sein können, aber auch daran was noch sein kann. Es ist ein schwieriges Thema, um das ich kreise wie ein Adler um seine Beute. Ich kann es nicht einfach beiseite schieben und so tun als gehe es mich nichts an, auch wenn ich es gerne täte.

    Kinderwunsch ist ein so großes Thema. Allumfassend, emotional, fordernd. Aber er baut auch Brücken, vertieft und intensiviert.
    Manchmal oder mit bestimmten Menschen möchte ich darüber sprechen, aber ganz häufig kann ich es nicht und ich meide das Thema. Nicht nur deshalb, weil ich diesbezüglich unheimlich nah am Wasser gebaut bin. Immer wieder steigen mir die Tränen in die Augen. Es ist nicht leicht für mich damit zurecht zu kommen. Die Sehnsucht ist groß. Der Wunsch nach einem Happy End noch viel größer.

    Ich hätte nie geglaubt, dass man etwas, das man nie selbst erfahren hat, so sehr vermissen kann.

    Alles wird sich ändern, wenn wir groß sind!

    Vor einigen Wochen überschritt ich eine für mich magische Grenze. Ich feierte meinen 27. Geburtstag!

    Wir feierten diesen Grenzübertritt an einem herrlichen (Spät-)Sommertag. Der Freund überraschte mich mit einem Geschenketisch und einem Raum voller Luftschlangen, Luftballons und Musik. Ich hab mich so sehr gefreut! Dazu gab es Himbeertorte und Kerzen zim Auspusten. Ich war im Himmel!
    Es war ein traumhaftet, entspannter Tag und mir wurde mal wieder klar, was für ein Glück ich mit diesem Mann an meiner Seite habe.

    27 war für mich immer die Grenze zum Erwachsensein. Dann ist man groß. Ist verheiratet und hat Kind und idealerweise Haus. Vielleicht sogar mit Hund.
    So viel zu meiner kindlichen Vorstellung meines erwachsenen Ich.

    Was soll ich sagen? Seifenblase, flieg und sieg! Anderen gegenüber behauptete ich auch oft, dass 27 perfekt wäre, um es anzugehen. Insgeheim war der Wunsch doch schon deutlich früher sehr ausgeprägt. Ich hielt mich dennoch ein bisschen daran fest.

    Nun habe ich den Schritt gemacht, stehe auf der anderen Seite. Ich entspreche nicht in einem Punkt meiner Wunschvorstellung von damals. Aber das ist ok. Auch wenn es anders schön wäre! Aber ich habe ja noch fast ein Jahr Zeit ;)

    Es ist komisch, denn nun bin ich nach meiner eigenen Definition erwachsen. Begriffen habe ich das nicht. Es fühlt sich manchmal echt eigenartig und immer noch so weit weg an. Als wäre ich noch immer 20. Immer wieder wird mir schlagartig bewusst, dass ich nun groß bin und selbstbestimnen darf. Verrückt.

    Ich fühle mich nicht so wie ich dachte, dass es sich anfühlt. Wo ist die Zeit nur hin? Das muss einer dieser Zeitsprünge gewesen sein! Das kam so plötzlich!
    Man ist mit 30 halt nur solange “alt“, bis man selbst daran kratzt. Dann verschiebt sich der Blickwinkel.

    Was ich für mich sagen kann ist, dass ich meinem Alter nicht immer hinterher kam. Plötzlich ist es da und alles ist anders und irgendwie doch nicht. Manchmal muss ich rechnen, um zu wissen wie alt ich bin ;)

    Ich habe neue Wünsche dazu gewonnen und andere Wünsche vielleicht abgelegt, weil ich nun weiß welche Möglichkeiten ich habe. Ich habe mich verändert. Und bin doch immer noch ich.

    Alles wird sich ändern, wenn wir groß sind? Nein, nicht alles! So ein bisschen Kind und ungläubiges Staunen über das Fortschreiten der Zeit bleibt.

    Und jetzt gehe ich mir Träume erfüllen!