Alltag 

Samstags fahren wir in die Stadt, um auf dem Markt Obst und Gemüse für die Woche zu besorgen.
Da der kleine Mann ja immer recht früh und aktuell noch vor dem Hahn in der Nachbarschaft wach wird, fahren wir ganz früh los. So ist es in der sonst so wuseligen Stadt noch gähnend leer und wir können ganz entspannt über den Markt schlendern, ohne uns durch die Menschenmassen zu drücken.

Meist ist das auch in etwa die Zeit, zu der der kleine Mann wieder müde wird. Seit einer Weile fällt es ihm schwerer in der Trage einzuschlafen. Es ist alles so furchtbar spannend. Wir hatten unseren Markteinkauf erledigt, einen Abstecher zu DM gemacht (Windeln!) und waren gerade auf dem Weg zum Auto als der kleine Mann sich aufhörte gegen die Trage zu stemmen und einschlief. Die letzten Male fuhren wir einfach Heim. Heute entdeckten wir, dass dem Freund jemand in der Tiefgarage ins Auto gefahren sein musste und weil er jetzt Ablenkung brauchte, ich Hunger hatte und das Baby schlief, schlug ich vor frühstücken zu gehen.

Das hatten wir seit der Schwangerschaft nicht mehr gemacht. Wir begaben uns also ohne Umwege direkt in das niedliche Café, bekamen den letzten Platz in einer Nische und bestellten uns ein großes Frühstück. In dem Moment wurde der kleine Mann nach viel zu kurzen 30 Minuten wach, wollte von Schlaf aber nichts mehr wissen. Ich schälte ihn aus der Trage, nahm ihn auf den Schoß, von wo aus er ganz

neugierig umher schaute.

Wir saßen also zusammen in einem Café frühstückten Croissants, Brötchen, Wurst, Käse, Aufstrich und Rührei. Ich mit Chai Latte, der Freund mit Kaffee. Und dazwischen saß unser kleiner Junge, mümmelte an Gurke und Melone herum. Als er keine Lust mehr darauf hatte, stillte ich ihn und dann machten wir uns auch schon wieder auf den Weg. Das fühlte sich so perfekt an.
Das war das erste Mal seit der Geburt, dass wir auswärts gegessen haben. Ich habe das sehr genossen!

Ich freue mich einfach riesig über diese Entwicklung, die wir gemacht haben. Ich bin viel entspannter und routinierter geworden. Wenn er wach wird, wird er eben wach. Wenn er Hunger hat, stille ich ihn. Die Nische war da natürlich schon komfortabel, aber mittlerweile klappt das diskret Stillen ganz gut.
Vor ein paar Monaten war das noch ganz weit weg. Da hätte das Baby in der Trage wahrscheinlich alles verschlafen, aber allein der Gedanke, es könnte wach werden und stillen wollen, stresste mich so, dass ich gar nicht auf die Idee kam auswärts Essen zu gehen.

KiTa-Luft schnuppern

Bereits Ende Juni war die Informationsveranstaltung der KiTa. Ich war ein bisschen nervös, denn ich wusste nicht genau wie wir das mit dem kleinen Mann machen sollten, da er nicht ohne mich schläft, ich aber unbedingt daran teilnehmen wollte. Ich beschloss ihn einfach mitzunehmen und zu hoffen, dass er einfach schlafen würde. Ganz spontan warfen wir den Plan um, weil der Kleine früher als sonst richtig müde war und auch ziemlich zügig einschlief. Der Freund blieb also beim Baby und ich begab mich ganz alleine zum Infoabend.
Das fühlte sich richtig komisch an, abends allein ohne Baby unterwegs zu sein.

An der Veranstaltung stellten sich die Leitung und die Erzieherinnen vor. Die Erzieherinnen wirken alle sehr herzlich. Ich fühle mich dort richtig wohl und ich hoffe, so wird es auch dem kleinen Mann gehen. Der wird übrigens ein kleiner Maulwurf <3.

Die Veranstaltung an sich gab dann gar nicht so viel her, da das meiste im Gespräch vor der Eingewöhnung geklärt wird. Aber so ein paar kleine Tipps gab es dann doch schon mit auf den Weg und bestätigten mein rundum positives Bauchgefühl.
Sie erklärten, dass in der Regel nur an den ersten Tagen der Eingewöhnung nötig ist dort zu bleiben, aber man trotzdem mit 4 Wochen Eingewöhnungszeit rechnen sollte, um selbst entspannt an alles herangehen zu können. Wenn man den Druck im Hinterkopf hätte, dass es jetzt klappen muss, sei die Eingewöhnung oft problematischer, weil das Kind das spüre. Außerdem empfahlen sie, sie ersten 2-3 Monate nicht die komplette Betreuungszeit in Anspruch zu nehmen, sofern es möglich sei, weil der KiTa-Alltag sehr aufregend und neu sei und dem Kind so ein sanfter Einstieg in diesen neuen Abschnitt geboten werde. Das hörte sich für mich sehr stimmig an und ich werde mich demnächst mal ransetzen und mir überlegen wie sich das alles umsetzen lässt.

Ich erzählte ja schon, dass die Eingewöhnung in dieser KiTa erst ab dem 1. Geburtstag beginnt. Das verschafft mir zwei weitere Monate Elternzeit, finanziell ist das ein Totalausfall, aber ich freue mich trotzdem über die Zeit mit meinem Baby und für 2 Monate können wir das schon irgendwie auffangen.

Mit der Platzuzusage wurden auch alle künftigen KiTa-Kinder zum Sommerfest der KiTa eingeladen. Das hat mir schon sehr gefallen, außerdem würde so der Freund auch mal die KiTa von innen sehen können, da er bei der Besichtigung arbeiten musste und am Infoabend auf das Baby aufpasste, das natürlich 30 Minuten nachdem ich weg war von der untergehenden Sonne geweckt wurde, aber auch das haben sie gemeistert.
Da wollte ich unbedingt hin. Also nutzten wir das schöne Wetter, der Freund machte etwas früher Feierabend und ich konnte meinen beiden Männern noch mal alles zeigen.
Ich wurde sofort von den Erzieherinnen erkannt und begrüßt. Die Erzieherinnen, die nicht am Infoabend teilnehmen konnten, stellten sich nochmal vor. Das sind echt die kleinen Dinge. Ich fühle mich dort wirklich richtig wohl und außerdem bin ich sehr verliebt in das wunderschöne Außengelände. Da haben die Kinder richtig Platz, um sich auszutoben. Überall waren Stationen für die Kleinen aufgebaut, an denen sie sich ausprobieren konnten. Wasser, Sand, filzen. Dazu gab es leckeres Essen von den Eltern. Die ganze Atmosphäre war einfach super angenehm. Dem Freund hat es auch gut gefallen und jetzt fühle ich mich noch etwas wohler. Er sagte zwar, dass er meinem Urteil vertraue, aber so ist mir das dann doch lieber.

Beim Gedanken an den KiTa-Start werde ich jetzt schon wehmütig, aber andererseits freue ich mich auch schon darauf ein glückliches, müde gespieltes Kind abzuholen. Wie gern wäre ich auch als Kind unter in der großen Sandkiste unter der riesigen Kastanie gesessen.

Beikost

Neben den Schlafgewohnheiten scheint es nach ein paar Monaten besonders interessant zu sein, ob der kleine Mann nun endlich etwas zu essen bekäme. Denn „ab 6 Monaten reicht die Milch nicht mehr aus“ oder „die Milch wird zu dünn„.  Außerdem wird jeder Blick als Hunger interpretiert und sowieso ist er ganz arm dran, weil er noch keinen Kuchen haben darf. Und auch keine Kekse. Armes Kind!

Wie bei vielen Dingen, habe ich mir vorher über die Beikost nicht allzu viele Gedanken gemacht. Ich wusste, dass die WHO empfiehlt 6 Monate voll zu stillen und dass ich das gerne tun würde, sofern es denn klappt. Als der Kleine dann da war, zweifelt ich manchmal daran, ob wir das jemals schaffen würden, aber nun ist er 6 Monate alt und siehe da, wird voll gestillt. Er ist ein quietschfideles Baby mit niedlichen Speckbeinchen. Verhungert sieht anders aus!

Aber es wurde seit er 4 Monate alt ist doch immer wieder thematisiert. Von der Ärztin bei der U4, ungefragt von meiner Zahnärztin und auch sonst meint Hinz und Kunz etwas dazu beitragen zu müssen. Wie schon gesagt, wusste ich dass man nicht zwingend mit 4 Monaten Brei bzw. Beikost einführen muss, viel mehr aber auch nicht und als dann die Allergieprävention angesprochen wurde, wurde ich auch etwas unsicher.

Je älter der Kleine wurde, desto mehr Gedanken machte ich mir also über das Thema Beikost.
Als die Kinderärztin die Beikosteinführung bei der U4 anprach, war das alles noch so weit weg, denn der Kleine war alles andere als bereit. Und ehrlich gesagt, sträubte sich in mir auch alles dagegen. Denn mir ging es zu schnell. Diese besondere Nähe, die wollte ich noch nicht aufgeben, aufbrechen. Selbst dem Freund, der ja bekanntlich nicht stillt, ging das zu schnell. Der Speiseplan des kleinen Mannes wird ja erstmal nur ergänzt und vermutlich wird er sich nicht nach dem ersten Bissen abstillen, aber was wenn es plötzlich ganz zügig geht? Davor habe ich ein bisschen Angst, denn dazu bin ich noch nicht bereit. Klar, nervt(e) mich die Stillerei auch manchmal, aber meistens genieße ich es einfach nur. Es ist, wenn es funktioniert, echt unkompliziert und praktisch. Es kommt, wie es kommt, das ist mir klar. Außerdem kann das ja auch noch ne ganze Weile dauern, bis er nicht mehr stillen mag. Ich werde dem kleinen Mann aus Egoismus sicher nicht die Nahrung in Form von Beikost vorenthalten, aber ich werde ein bisschen wehmütig. Mein Baby wird groß. Abnabelung ist eben ein Prozess, den auch ich durchmache.
Daneben wiegt für mich auch die Verantwortung schwer, ihn gut und ausreichend zu ernähren. Das macht mein Körper bisher ganz alleine, wie praktisch das ist!

Nun ist er also schon 6 Monate alt und das Interesse an Essen wird sicher nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Neben der klassischen Breikost erfuhr ich durch Twitter und die Blogs, die ich so lese, vor Jahren von baby-led weaning und fand das Konzept so interessant, dass es sich eingebrannt hat. Mir gefiel und gefällt der Gedanke dahinter sehr und es kam mir viel unkomplizierter vor, schließlich isst das Baby ja einfach mit. Gemeinsam mit uns, das gefällt mir dabei am besten. Aber auch hier ploppten die Fragen, wie ich das konkret anstelle, nach und nach auf wie Luftblasen im Wasser.

Ich beschäftigte mich also in letzter Zeit mit den Fragen, wie wir den kleinen Mann an feste(re) Nahrung heranführen wollen und wie das so funktioniert. Soll er Brei bekommen oder machen wir BLW? Oder mischen wir das einfach?
Für Breikost gibt es ja zig Pläne und so weiß ich, dass man mit Gemüse anfängt. Klingt auch logisch für mich. Aber warum nach und nach und warum Milch und Getreide vor Obst? Warum schon mit 4 Monaten? Und wie soll mein Kind verstehen, dass es jetzt mittags Essen bekommt, aber abends nur stillen darf/soll/muss? Verwendet man Kuhmilch für den Milchbrei oder Pre/Muttermilch?
Klar, kann man es einfach machen, aber so bin ich nicht. Ich will einfach die Gedanken dahiner verstehen.

Aber auch bei BLW kamen einige Fragen auf, z.B. ob manche Lebensmittel am Anfang weniger geeignet sind als andere. Roh oder nicht roh. Was soll gedünstet werden? Mein Gefühl sagt, alles was roh zu schwer zum Zerteilen sein könnte, sollte gedünstet werden. Aber wenn mein Kind vom Tisch mitessen soll, darf es von Anfang an alles haben? Ist das nicht ein bisschen viel für den Magen und Darm, wo es doch bisher nur Milch gab? Oder fängt man da auch einfach mit Gemüse an, nur eben in seiner ursprünglichen Form?
Bekommt es zu jeder Mahlzeit etwas? Wann fängt man mit Getreide an?

Sollen bestimmte Nahrungsmittel generell vermieden werden? Wie viel soll ein Baby eigentlich essen? Ab wann reiche ich Wasser zum Essen?
Oder die große Frage: woran erkenne ich, ob mein Baby beikostreif ist? Denn ehrlich gesagt, ist gerade das Interesse an Essen das Kriterium, das ich am wenigsten Greifen kann. Es ist alles interessant für ihn. Alles wird beobachtet, befühlt und in den Mund gesteckt, ganz egal um was es sich handelt.

Es waren also ein paar Fragen offen und ich fing an zu recherchieren.

Ich weiß nun, dass es nicht den einen einen Plan gibt. Selbst Breipläne sind in jedem Land anders. Schon interessant wie einem aber suggeriert wird, dass es genau so zu laufen habe. Auch bei Allergikern werden keine Lebensmittel ausgeschlossen, sinnvoll ist einfach sie unter dem Schutz des Stillens einzuführen (sofern man denn stillt, klar!). Ich las, dass in Deutschland viele Frauen bis zum 6. Monat abstillen und damit die Babys Beikost erhalten, während noch gestillt wird, wird oftmals die Beikosteinführung ab dem vollendeten 4. Monat empfohlen. Es sprach also tatsächlich nichts dagegen, einfach weiter zu stillen, bis der Kleine soweit ist, statt ihm regelmäßig mit dem Löffel vor der Nase rumzuwedeln bis er endlich den Mund aufmacht.

Essen darf das Baby fast alles. Es sollte frisch und ausgewogen sein. An sich auch logisch. Es gibt nur wenige Ausnahmen, die nur in geringen Mengen (z.B. Salz, Kuhmilch bzw. Milchprodukte) oder gar nicht (z.B. Ahornsirup, Honig, ganze Nüsse) auf dem Speiseplan stehen sollten. Es ist eigentlich gar nicht so kompliziert

Mittlerweile freue ich mich richtig darauf, dem kleinen Mann diese Welt zu eröffnen. Wahrschrinlich wird es auf eine Mischung zwischen Brei und BLW hinaus laufen, so wie es uns eben gerade passt. Zuhause würde ich aber gerne hauptsächlich Fingerfood anbieten wollen, damit wir gemeinsam Essen können und er sein Essen mit allen Sinnen selbst erfahren darf.

Das wird sicher erstmal ne Sauerei, aber ich freue mich wirklich richtig darauf. Früher oder später komme ich eh nicht drum herum, ich kann ihn ja nicht ewig füttern. Warum dann nicht gleich? Außerdem sah es beim Sohn meiner Freundin nach richtig viel Spaß aus wie er so sein Essen erkundete, das möchte ich dem Kleinen nicht vorenthalten.

Ich bin so gespannt wie er das finden wird, welche Vorlieben er entwickelt. Ob er überhaupt schon möchte. Ob er viel isst oder lieber mehr stillen mag.  J ich freue mich auf die Gesichtsausdrücke bei neuen Speisen und all die Bilder mit verschmiertem Gesicht und Joghurt in den Haaren, das wird super.

Der Hochstuhl steht bereit, das Lätzchen ist startklar, fehlt eigentlich nur noch der kleine Mann. Und eine wasserabweisende Tischdecke, der Holztisch wird es uns danken. Der Rest kommt dann vermutlich von alleine.

23

Der kleine Mann ist seit 23 Wochen bei uns. Ich kann das noch immer kaum begreifen. Es ist als wäre es nie anders gewesen. Er hat seinen Platz in unserer Mitte so selbstverständlich eingenommen und zeitgleich fühlt es sich an als wäre es gestern gewesen, dass man mir dieses kleine Bündel auf die Brust legte. 

Noch völlig hilflos. So zerbrechlich. Ich erinnere mich an das Schmatzen und Grunzen. Die zarten Laute und diesen Blick.
Jetzt rollt er sich wild von links nach rechts, reißt die Arme vor Freude nach oben. Grinst, strampelt und quietscht vor sich hin. 

Ich erinnere mich. Und obwohl erst ein paar Wochen vergangen sind, ist da oft dieses verschwommene Gefühl. Ich sehe die Bilder und kann nicht fassen, dass er so klein und zierlich gewesen sein soll. 

Das Minibaby, das nur auf oder an mir schlief, liegt nun einfach neben mir. Dass er jetzt schon so groß ist, macht ganz komische Sachen mit mir. Wann ist das bitte passiert?! 

Gebucht

Wir haben endlich Urlaub gebucht!

Mitte Juni sind wir damit äußerst früh dran, aber gut Ding will Weile haben. 
Freue mich Baby Meer zu zeigen.
Eigentlich wollte ich das schon im Januar erledigt haben, aber dann kam das Baby und wir waren unentschlossen. Auch, weil unser Baby Auto fahren zu hassen schien, was für all unsere Urlaubsideen ein k.o.-Kriterium war.

Unentschlossen waren wir bis vor 3 Tagen immer noch. Ich wäre unheimlich gerne in die USA geflogen, aber ich komme schlichtweg nicht dazu eine Route zu planen und da sollten wir nun wirklich langsam buchen. Außerdem weiß ich nicht so recht, ob der kleine Spatz eine Rundreise so toll finden würde.

Andere Ideen waren Mallorca mit einer Finca und Mietwagen, um das Rundreiseding im Kleunen anzutesten. Oder Italien, weil der Weg nicht so weit ist und wir ewig nicht mehr dort waren. Oder Holland. Holland und wir, das ist Liebe. Aber es ist eben nicht gleich ums Eck.

To make a long story short:
Wir fahren nach Holland!

Noch etwas zu finden, war gar nicht so leicht.
Der Traum wäre ein Häuschen direkt am Meer oder mit Garten gewesen, aber das ist leider viel zu teuer oder wir zu spät dran. Irgendwann!
Außerdem möchte ich nicht 800 km fahren und eine gute Ausgangslage für Städtetrips nach Amsterdam und Den Haag haben.
Am Ende haben wir eine hübsche Wohnung gefundeb, die nur 5 Minuten zu Fuß vom Meer entfernt ist. Alles, was man so braucht, gibt es drumherum und sogar ein Streichelzoo und ein Schwimmbad sind ganz in der Nähe. Perfekt!

Ich freue mich so unheimlich darauf dem kleinen Mann das Meer zu zegen. Unser erster Urlaub als Familie. 💙

Vor der Autofahrt habe ich Respekt und ich weiß auch noch nicht wie wir all den Kram in mein kleines Auto bekommen wollen, allein die Menge an Kleidung dürfte beachtlich sein, schließlich muss man im September auf jedes Wetter vorbereiten, aber mit meinen Tetris-Skills wird das schon irgendwie klappen.

4 Monate Januarbaby

Mein Spatz,

du bist nun 4 Monate alt, das sind genau 17 Wochen und 1 Tag.
Schon wieder ist ein Monat vorbei. Ich kann es kaum glauben!

Du bist ein wunderbarer kleiner Junge und wäre ich nicht schon bis über beide Ohren in dich verliebt, wäre es spätestens jetzt soweit.

Du bist groß geworden. Ganze 62 cm bist du inzwischen lang. Dir passen nur noch wenige Teile in Größe 56, das sind meist Pullover und ein paar Bodys. 

Du hast das Greifen perfektioniert. Du nutzt nun auch beide Hände gleichzeitig und gibst dir deinen Oball von einer Hand in die andere. Du greifst nach allem, was du in die Finger bekommst, um es zu begutachten und dir dann in den Mund zu stecken und mit deiner kleinen Zunge zu erkunden. Immer öfter steckst du dir unsere Finger in den Mund und lässt uns die Kraft deines Kiefers spüren. Dabei sabberst du ganze Sturzbäche.
Du sprampelst wie wild und ruderst dabei mit deinen Armen. Du stößt dich mit den Beinchen ab und schiebst dich so herum. Lege ich dich kurz ab, dauert es nicht lange und du hast dich auf die Seite gedreht oder dich um dich selbst gekreiselt, um dir etwas zu spielen zu schnappen.

Du übst das Drehen, aber der richtige Schwung fehlt noch.
Es ist nicht deine liebste Position, aber du toleriert die Bauchlage immer länger. Du hebst dein Köpfchen deutlich ab und schaust umher. Seit der U4 hältst du dich immer länger und stabiler im Unterarmstütz, alleine schaffst du es aber noch nicht in diese Position, sondern schiebst die Arme nach hinten.

Wenn du wach bist, lässt du dich ablegen und beschäftigst dich auch etwas selbst, sodass ich mich in Ruhe anziehen und Frühstück machen kann. Am liebsten magst du es aber, wenn ich bei dir bleibe. Es ist eine Freude dir beim Entdecken neuer Fähigkeiten zuzusehen und dich dabei zu beobachten wie viel Spaß du hast. 

Ja, du propellerst. Im Bett nimmst du dadurch mehr Platz ein. Aber selbst wenn du seitlich schläfst und ich ein bisschen Raum zwischen uns schaffe, liegst du kurz darauf wieder ganz nah an mich gekuschelt. Dabei legst du deine Füße immer auf meinen Oberschenkel.

Du bist sehr aufmerksam und ausdauernd. Du nimmst die Welt wahr und bestaunst alles. Man merkt richtig wie wach du bist. Nichts entgeht deinem neugierigen Blick. Du hast diesen Monat so einen großen Sprung gemacht.
Schliefst du in der Trage bisher zuverlässig innerhalb kürzester Zeit ein, bleiben deine Äuglein nun immer länger offen. Die Welt ist viel zu aufregend!
Meistens schläfst du aber doch irgendwann ein. Allerdings nicht ohne dich gegen die Müdigkeit zu kämpfen, dabei schimpfst du vor dich hin und wehrst dich. Dann weiß ich, dass du in wenigen Minuten im Land der Träume bist.

Wenn du müde bist, bekommst du Augenringe und reibst dir die Äuglein. Das Schlafen fiel dir schwer. Du wurdest oft wach und wolltest trinken. Du verkürzest deine lange Schlafphase auf 1,5-2,5 Stunden und hattest danach zu jeder Stunde wieder Hunger.  Das war wirklich sehr anstrengend. Und trotzdem bist du jeden Tag mit einem Lächeln auf den Lippen aufgewacht. Mittags wachst du fast immer weinend auf.
Am Anfang und jetzt zum Ende des 4. Monats schläfst du nachts wieder toll und gönnst uns 4-5,5 Stunden Schlaf. Danach stillen wir 1-2 Mal, bevor wir gegen 7 Uhr aufstehen. Den Tagesrhythmus hast du beibehalten. Alleine schlafen magst du immer noch nicht. Du brauchst mich einfach zum Kuscheln.
Du hast gelernt alleine wieder einzuschlafen, wenn du wach wirst. Das klappt bisher eher in Ausnahmefällen und dennoch ist es für mich ein ganz großer Schritt. Auch streicheln und summen hilft auch immer öfter. Wenn du ganz unruhig bist, kommst du auch zur Ruhe, wenn man dich auf die Seite oder den Rücken dreht. Was aber immer hilft ist die Brust. Du bist einfach ein Kuschler. Liege ich nicht neben dir, wirst du nach kurzer Zeit definitiv wach.  

Auch wenn alle sagen, dass du deinem Papa sehr ähnlich siehst, zeigt der Bildervergleich, dass du mir als Baby sehr ähnelst.
Du hast Papas Kinn und Lippenform, aber meine Nase, Kopfform und Frisur. Deine inzwischen richtig dicken Haare auf dem Oberkopf liegen schon seit der Geburt nach rechts. Ich muss einfach immer in ihnen herum wuscheln.

Es macht so viel Spaß dir beim Wachsen und Erobern der Welt zuzusehen. Wir sind ein tolles Team. Wir haben uns gut eingespielt und ich bin so unfassbar stolz, dass ich dich verstehe und kenne.

Die meisten Autofahrten schaffen wir ohne Tränen, das ist einfach grandios! Und auch den Kinderwagen akzeptierst du,solange du satt und fit bist, einschlafen kannst du darin nicht. Legt man dich aber schlafend hinein, ist das ok für dich.

Du spiegelst deine Umwelt. Lächelt man dich an, grinst du zurück. Kennst du die Person nicht, vergräbst du dein Köpfchen in meine Schulter und grinst etwas schüchtern,aber aus vollem Herzrn aus dem Augenwinkel zurück. Du bist ein so fröhliches Kerlchen. Du weinst eher selten, meckerst nur, wenn dir etwas nicht passt oder Hunger hast.
Hängt der Haussegen mal schief, helfen deine Spieluhr oder Musik/Gesang dich zu beruhigen. Wenn alle Stricke reißen, schafft es die Lichterkette oder dein Spiegelbild oft noch mal das Ruder rumzureißen.

Aber meistens bist du einfach gut gelaunt und strahlst und quietschst vor dich hin. Du brabbelst und übst neue Stimmlagen aus. Dabei hast du auch deinen Lautstärkeregler gefunden und ordentlich aufgedreht. Du erzählst uns Geschichten in deiner ganz eigenen Sprache. Ich kann nicht genug davon bekommen. Antworte ich dir, rastest du fast aus vor Freude.

Du hast zum ersten Mal laut gelacht. Nein, du hast richtig gegackert. Meine Güte war das schön! Und ich war der Grund dafür. Ich könnte jedes Mal heulen vor Glück! Gibt es etwas Schöneres als dieses ehrliche Kinderlachen?! Ich liebe es so sehr, wenn du den Mund weit aufreißt, deine Augen schmal werden und beginnen zu glänzen und du dich nicht mehr halten kannst, es dich schüttelt vor Lachen. Du gurrst und quietschst, kicherst. Du bist meine große Liebe, weißt du das?

Dein Vertrauen macht mir Herzklopfen. Du erfüllst mich mit Glück wie ich es bisher nicht kannte. Es ist so schön, dass du da bist.

Ich liebe dich.

Es ist Liebe.

Schon vorher kreisten meine Gedanken immer wieder darum, dass es geklappt haben musste, aber seit diesem Moment als ich um 05:30 Uhr im schlechten Badezimmerlicht aller Zeiten, diesen Hauch von Strich entdeckte, kann ich an nichts anderes mehr denken. Es gibt keinen Zweifel, du bist da. Und wenn ich es wieder nicht glauben kann, schaue ich auf den Teststreifen, der mir jedes Mal ein schiefes Grinsen ins Gesicht zaubert.
Du bist da! Und das macht mich so unfassbar glücklich.
[05. Mai 2016]

Als sich der Tag der letzten Pille jährte, wurde ich ungeduldig. Ich begann mich über Kinderwunschzentren und Spermiogramme zu informieren. Ich beriet mich erneut mit meinem Frauenarzt und ging noch mehr in mich. Ich begann mich in die verschiedenen Behandlungsmethoden einzulesen, suchte Informationen über Alternativen. Ich fand mich mit dem Gedanken einer Laparoskopie ab, begann nachzulesen, wie man ein ggf. schlecht ausfallenden Spermiogramm aufpeppen könnte. Ich vereinbarte einen ersten Termin in der Kinderwunschklinik und beim Andrologen. Informierte mich über Kostenübernahmen.

All das ohne den Optimismus zu verlieren. Ich wollte einfach vorbereitet sein, damit mich das, was vielleicht kommen sollte nicht wie ein Hammer treffen würde.

Bevor ich positiv testen durfte, träumte ich wieder davon schwanger zu sein. Es war aber noch zu früh zum Testen. Mein Bauchgefühl sagte mir aber auch ganz deutlich, dass es geklappt haben musste. Es konnte gar nicht anders sein. In der Nacht bevor ich testen wollte, träumte ich von 3 positiven Tests. Das war exakt die Anzahl, die es benötigte, um einen wirklich eindeutigen Strich zu erkennen.

Jetzt liegt dieses kleine große Wunder in meinem Arm. Es quietscht, lacht und strampelt wild herum.
Er nimmt uns ein und erfüllt mich mit Liebe, Glück und Stolz. Unglaublich, dass er vor kurzem noch in meimem Bauch gewesen sein soll!

Unsere Welt auf den Kopf gestellt. Alles wurde durchgeschüttelt und ich kann mir nichts Schöneres vorstellen.

Heute vor einem Jahr begann etwas ganz Kleines für uns etwas Großes zu sein. 💙

Im Zeitraffer

Am 12. März 2015 setzte ich die Pille ab. Kurz vor unserer großen USA-Reise. Ich hoffte, ein kleines Mitbringsel zurück zu schmuggeln und freute mich so sehr über diesen großen Schritt.

Heute, genau 2 Jahre später, endet der Mutterschutz. Mein acht Wochen altes Baby liegt schnuffelnd in meinem Arm. Ich bin dankbar und überglücklich. 💙