Kommando zurück

Mein Bauchgefühl sagte mir, wir sollten es ganz von vorne probieren. Es sollte Recht behalten.

Ich ging mir einem guten Gefühl in die Kita. Der Kleine hatte gute Laune, aß vorher gut und er wurde von uns „vorbereitet“.

Schon beim Abgeben drückte er sich fest an mich als dir Erzieherin versuchte ihn von meinem Arm zu nehmen. Wir müssen es versuchen, sagte sie. Nein, sagte mein Herz.

Ich setzte ihn in die Sankiste, er begann zu spielen und ich verabschiedete mich. Nach 7 Minuten hörte ich mein Kind weinen. Ich schluckte den Kloß in meinem Hals herunter. Das Weinen wurde zu einem verzweifelten Schreien. Mein Herz brach. Alles in mir schrie danach, in die Gruppe zu stürmen, aber ich atmete tief ein und aus, denn sie sollten die Chance bekommen ihn zu beruhigen. Das klappt bei mir auch oft nicht nach 2 Minuten. Die Leiterin setzte sich zu mir und noch ehe sie etwas sagen konnte, brachen alle Dämme.

Da saß ich nun heulend in der Garderobe, während mein Baby im Gruppenraum schrie. Dieser Moment hat mein Herz in Asche gelegt. Ich bin innerlich ein emotionaler Mensch, nach außen, mit Publikum, bin ich eher beherrscht, zumindest wenn es um Trauer geht. Aber ich konnte mich nicht zurückhalten. Alle Dämme brachen und es sprudelte aus mir heraus. So will ich das nicht.

Wir redeten ein bisschen. Ich erzählte von meiner Angst, etwas kaputt zu machen. Dass ich ihn so nicht kenne und es mich so sehr verunsichert, weil er vorher eben nie weinte. Mal kurz kommt vor, aber so? Wie soll ich ihn so dort lassen? Sie nahm mir ein bisschen meine Ängste, erzählte von ihren Kindern. Er beruhigte sich, ich wurde ruhiger.

Kurz bevor ich ihn abholte, begann er erneut zu weinen. Beruhigte sich bei mir aber sofort. Auch den anderen Erzieherinnen ging das sehr, sehr nah. So wie es jetzt läuft, will das keiner. Aber alle sind sich sicher, dass wir das hinbekommen. Wir müssen jetzt das Vertrauen wieder aufbauen und deshalb werde ich nächste Woche wieder mit in den Gruppenraum kommen. Schwierig ist nur, dass es jetzt zeitlich gestaffelt werden muss.

Es läuft gerade alles andere als gut, aber ich bin trotzdem froh, in dieser Kita zu sein. Im Vorfeld lief es jetzt suboptimal und vielleicht hätten wir vorher reagieren sollen, aber es konnte auch keiner ahnen, dass es sich so zuspitzen würde. Ich kenne mein Kind so bisher auch noch nicht. Ich sehe aber, dass alle mit dem Herzen dabei sind und sich für ihn das Beste wünschen.

In der Garderobe kuschelte er und war ganz schnell wieder richtig ausgelassen. Grinste alle Erzieherinnen an und winkte fröhlich zum Abschied. Immerhin hatten wir so doch noch einen positiven Abschluss – irgendwie.

Jetzt ist Wochenende. Viel Zeit für ungestörte Aufmerksamkeit. Und dann fangen wir von vorne an. Atmen.

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2 Kommentare zu “Kommando zurück

  1. Das liest sich wirklich traurig 😦
    Besteht denn gar keine Möglichkeit, dass du eben erst wieder beruflich einsteigst, wenn der Kleine alt genug für den „richtigen“ Kindergarten ist? Vielleicht soll es einfach nicht sein. Er ist das erste Mal von dir getrennt, oder? Gab es mal Tage oder Nächte, die er z.B. bei den Großeltern verbracht hat? Oder zumindest immer mal wieder stundenweise weg war, bei Großeltern, Geschwister, Paten etc. Meiner Erfahrung nach, tun sich die Kleinen dann viel leichter. Trotz allem, alles Gute weiterhin und viel Erfolg!
    LG, Nane

    • Nein, leider nicht, sonst hätten wir das direkt so gemacht. Bisher war er nur bei uns,weil unsere Familien weit weg wohnen. Ich glaube auch nicht, dass er grundsätzlich nicht soweit ist. Die ersten drei Wochen waren ja komplett tränenfrei. Es liegt am Wegfall seiner Bezugserzieherin. :(

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