Beikost

Neben den Schlafgewohnheiten scheint es nach ein paar Monaten besonders interessant zu sein, ob der kleine Mann nun endlich etwas zu essen bekäme. Denn „ab 6 Monaten reicht die Milch nicht mehr aus“ oder „die Milch wird zu dünn„.  Außerdem wird jeder Blick als Hunger interpretiert und sowieso ist er ganz arm dran, weil er noch keinen Kuchen haben darf. Und auch keine Kekse. Armes Kind!

Wie bei vielen Dingen, habe ich mir vorher über die Beikost nicht allzu viele Gedanken gemacht. Ich wusste, dass die WHO empfiehlt 6 Monate voll zu stillen und dass ich das gerne tun würde, sofern es denn klappt. Als der Kleine dann da war, zweifelt ich manchmal daran, ob wir das jemals schaffen würden, aber nun ist er 6 Monate alt und siehe da, wird voll gestillt. Er ist ein quietschfideles Baby mit niedlichen Speckbeinchen. Verhungert sieht anders aus!

Aber es wurde seit er 4 Monate alt ist doch immer wieder thematisiert. Von der Ärztin bei der U4, ungefragt von meiner Zahnärztin und auch sonst meint Hinz und Kunz etwas dazu beitragen zu müssen. Wie schon gesagt, wusste ich dass man nicht zwingend mit 4 Monaten Brei bzw. Beikost einführen muss, viel mehr aber auch nicht und als dann die Allergieprävention angesprochen wurde, wurde ich auch etwas unsicher.

Je älter der Kleine wurde, desto mehr Gedanken machte ich mir also über das Thema Beikost.
Als die Kinderärztin die Beikosteinführung bei der U4 anprach, war das alles noch so weit weg, denn der Kleine war alles andere als bereit. Und ehrlich gesagt, sträubte sich in mir auch alles dagegen. Denn mir ging es zu schnell. Diese besondere Nähe, die wollte ich noch nicht aufgeben, aufbrechen. Selbst dem Freund, der ja bekanntlich nicht stillt, ging das zu schnell. Der Speiseplan des kleinen Mannes wird ja erstmal nur ergänzt und vermutlich wird er sich nicht nach dem ersten Bissen abstillen, aber was wenn es plötzlich ganz zügig geht? Davor habe ich ein bisschen Angst, denn dazu bin ich noch nicht bereit. Klar, nervt(e) mich die Stillerei auch manchmal, aber meistens genieße ich es einfach nur. Es ist, wenn es funktioniert, echt unkompliziert und praktisch. Es kommt, wie es kommt, das ist mir klar. Außerdem kann das ja auch noch ne ganze Weile dauern, bis er nicht mehr stillen mag. Ich werde dem kleinen Mann aus Egoismus sicher nicht die Nahrung in Form von Beikost vorenthalten, aber ich werde ein bisschen wehmütig. Mein Baby wird groß. Abnabelung ist eben ein Prozess, den auch ich durchmache.
Daneben wiegt für mich auch die Verantwortung schwer, ihn gut und ausreichend zu ernähren. Das macht mein Körper bisher ganz alleine, wie praktisch das ist!

Nun ist er also schon 6 Monate alt und das Interesse an Essen wird sicher nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Neben der klassischen Breikost erfuhr ich durch Twitter und die Blogs, die ich so lese, vor Jahren von baby-led weaning und fand das Konzept so interessant, dass es sich eingebrannt hat. Mir gefiel und gefällt der Gedanke dahinter sehr und es kam mir viel unkomplizierter vor, schließlich isst das Baby ja einfach mit. Gemeinsam mit uns, das gefällt mir dabei am besten. Aber auch hier ploppten die Fragen, wie ich das konkret anstelle, nach und nach auf wie Luftblasen im Wasser.

Ich beschäftigte mich also in letzter Zeit mit den Fragen, wie wir den kleinen Mann an feste(re) Nahrung heranführen wollen und wie das so funktioniert. Soll er Brei bekommen oder machen wir BLW? Oder mischen wir das einfach?
Für Breikost gibt es ja zig Pläne und so weiß ich, dass man mit Gemüse anfängt. Klingt auch logisch für mich. Aber warum nach und nach und warum Milch und Getreide vor Obst? Warum schon mit 4 Monaten? Und wie soll mein Kind verstehen, dass es jetzt mittags Essen bekommt, aber abends nur stillen darf/soll/muss? Verwendet man Kuhmilch für den Milchbrei oder Pre/Muttermilch?
Klar, kann man es einfach machen, aber so bin ich nicht. Ich will einfach die Gedanken dahiner verstehen.

Aber auch bei BLW kamen einige Fragen auf, z.B. ob manche Lebensmittel am Anfang weniger geeignet sind als andere. Roh oder nicht roh. Was soll gedünstet werden? Mein Gefühl sagt, alles was roh zu schwer zum Zerteilen sein könnte, sollte gedünstet werden. Aber wenn mein Kind vom Tisch mitessen soll, darf es von Anfang an alles haben? Ist das nicht ein bisschen viel für den Magen und Darm, wo es doch bisher nur Milch gab? Oder fängt man da auch einfach mit Gemüse an, nur eben in seiner ursprünglichen Form?
Bekommt es zu jeder Mahlzeit etwas? Wann fängt man mit Getreide an?

Sollen bestimmte Nahrungsmittel generell vermieden werden? Wie viel soll ein Baby eigentlich essen? Ab wann reiche ich Wasser zum Essen?
Oder die große Frage: woran erkenne ich, ob mein Baby beikostreif ist? Denn ehrlich gesagt, ist gerade das Interesse an Essen das Kriterium, das ich am wenigsten Greifen kann. Es ist alles interessant für ihn. Alles wird beobachtet, befühlt und in den Mund gesteckt, ganz egal um was es sich handelt.

Es waren also ein paar Fragen offen und ich fing an zu recherchieren.

Ich weiß nun, dass es nicht den einen einen Plan gibt. Selbst Breipläne sind in jedem Land anders. Schon interessant wie einem aber suggeriert wird, dass es genau so zu laufen habe. Auch bei Allergikern werden keine Lebensmittel ausgeschlossen, sinnvoll ist einfach sie unter dem Schutz des Stillens einzuführen (sofern man denn stillt, klar!). Ich las, dass in Deutschland viele Frauen bis zum 6. Monat abstillen und damit die Babys Beikost erhalten, während noch gestillt wird, wird oftmals die Beikosteinführung ab dem vollendeten 4. Monat empfohlen. Es sprach also tatsächlich nichts dagegen, einfach weiter zu stillen, bis der Kleine soweit ist, statt ihm regelmäßig mit dem Löffel vor der Nase rumzuwedeln bis er endlich den Mund aufmacht.

Essen darf das Baby fast alles. Es sollte frisch und ausgewogen sein. An sich auch logisch. Es gibt nur wenige Ausnahmen, die nur in geringen Mengen (z.B. Salz, Kuhmilch bzw. Milchprodukte) oder gar nicht (z.B. Ahornsirup, Honig, ganze Nüsse) auf dem Speiseplan stehen sollten. Es ist eigentlich gar nicht so kompliziert

Mittlerweile freue ich mich richtig darauf, dem kleinen Mann diese Welt zu eröffnen. Wahrschrinlich wird es auf eine Mischung zwischen Brei und BLW hinaus laufen, so wie es uns eben gerade passt. Zuhause würde ich aber gerne hauptsächlich Fingerfood anbieten wollen, damit wir gemeinsam Essen können und er sein Essen mit allen Sinnen selbst erfahren darf.

Das wird sicher erstmal ne Sauerei, aber ich freue mich wirklich richtig darauf. Früher oder später komme ich eh nicht drum herum, ich kann ihn ja nicht ewig füttern. Warum dann nicht gleich? Außerdem sah es beim Sohn meiner Freundin nach richtig viel Spaß aus wie er so sein Essen erkundete, das möchte ich dem Kleinen nicht vorenthalten.

Ich bin so gespannt wie er das finden wird, welche Vorlieben er entwickelt. Ob er überhaupt schon möchte. Ob er viel isst oder lieber mehr stillen mag.  J ich freue mich auf die Gesichtsausdrücke bei neuen Speisen und all die Bilder mit verschmiertem Gesicht und Joghurt in den Haaren, das wird super.

Der Hochstuhl steht bereit, das Lätzchen ist startklar, fehlt eigentlich nur noch der kleine Mann. Und eine wasserabweisende Tischdecke, der Holztisch wird es uns danken. Der Rest kommt dann vermutlich von alleine.

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6 Kommentare zu “Beikost

  1. Liebe Frau Mümmel,
    deine Gedanken erinnern mich ein wenig an meine damals als es bei uns mit der Beikost losgehen sollte. Und am Ende haben wir auch eine Mischung aus Finger-Food und Brei gehabt, daher dachte ich, ich berichte einfach mal, wie es bei uns war:
    Wie du hatte ich durch Blogs auch schon früh von BLW erfahren und mir dann auch mal das dazugehörige Buch ausgeliehen. Ich fand die Idee ziemlich gut und irgendwie auch schlüssig, daher wollte ich es gern versuchen. Mit ca. 5 Monaten war das Interesse an Essen bei unserem Kleinen nicht zu übersehen, er hat alles mit den Augen verfolgt beim Essen und hat z.B. ganz begeistert an einer Birne gelutscht. BLW wird ja offiziell erst ab 6 Monaten empfohlen und außerdem sollte das Kind ja dazu sitzen können, damit es sich selbst sein Essen nehmen kann. Irgendwie ist der BLW Start darum etwas gescheitert bei uns. Ich habe gleichzeitig mal einen klassischen Gemüsebrei gemacht und das Kind fand es super! Also dachte ich, okay, wenn das Kind Brei mag, dann warum nicht.
    Es gab dann lange Zeit für uns Mittags einen Brei. Anfangs danach noch mit Stillen, irgendwann dann auch ohne Stillen. Soweit so gut! Aber irgendwie hatte ich Hemmungen, gleich nach einem Monat den nächsten Brei einzuführen. Ehrlich gesagt hatte ich keine Lust dann irgendwann den ganzen Tag nur mit Brei kochen und füttern beschäftigt zu sein! BLW war aber auch immer noch nicht so ganz das richtige. Er konnte ja nur auf meinem Schoß sitzen und so war es irgendwie für uns beide nicht so toll. Ich habe ihm zwischendurch immer mal wieder etwas Finger-Food gegeben aber nicht so regelmäßig, wie bei BLW gedacht. Zudem war ich wegen der „kein Salz“ Regel etwas verunsichert. Salz ist ja fast überall drin, wenn man genau drauf achtet! z.B. in Brühe, die ich oft bei Rezepten verwende. Ich wusste nicht so recht, wie viel ich ihm davon geben darf.
    Nachdem mein Arzt mich bei einer U-Untersuchung auch noch etwas verunsichert hat, habe ich dann mit 7 Monaten doch den Milch-Brei am Abend eingeführt. Den hat der Kleine geliebt!
    Danach kam die Zeit wo sich irgendwie alles von alleine ergeben hat. Der Kleine konnte zwar immer noch nicht sitzen, aber er konnte sich schon an Möbeln hochziehen! Daher beschloss ich, dass auch sitzen im Hochstuhl seinem Rücken nicht mehr allzu sehr schaden konnte (Richtig sich selbst hinsetzen konnte er übrigens erst mit 10 Monaten). Dann kam der Durchbruch! Er durfte beim Frühstück mit mir mitessen. Brot mit Frischkäse, Obst, Gemüse, Joghurt… Das war toll! Gleichzeitig verlor er das Interesse an dem Mittagsbrei. Da ich meinem Kind keinen einzigen Löffel Brei aufgezwungen habe in seinem Leben, hatten wir eine kurze Phase wo er Mittags wieder mehr gestillt wurde (die Milch wurde wieder mehr, das war gar kein Problem). Abendbrei war trotzdem noch beliebt. Dann kam irgendwann der AHA-Effekt bei mir. Er wollte Mittags auch etwas mehr Stücke haben. Deshalb habe ich immer mehr Rezepte entdeckt, die er gut mitessen konnte (Schupfnudeln z.B. sind wegen der Form und Geschmack der Renner gewesen). Falls es mal etwas gab was er nicht gut essen konnte, wurde es eben mit der Gabel klein gedrückt oder es gab doch mal wieder einen Brei zwischendurch. Mit ca. 10 Monaten hat er den ganzen Tag bei uns mitgegessen. Gestillt haben wir noch abends und nachts. Irgendwann dann nur noch nachts und mit ca. 13 Monaten hat er ab und zu durchgeschlafen und sich dadurch selbst abgestillt.
    Als Fazit finde ich, wir haben das eigentlich ganz gut gemacht. Wenn das Baby Brei gerne ist: warum nicht? BLW von Anfang an, ist bei uns nur am sitzen gescheitert, aber so wie es jetzt war, hat er sehr viel selbst das essen erkunden können und hat dadurch denke ich auch bis heute ein gutes und ausgewogenes Essverhalten.
    Ich wünsche euch viel Spaß beim Erkunden der Beikost und bin gespannt auf weitere Berichte von dir!
    Liebe Grüße
    Nadine

  2. Huhu 🙂
    Ich hatte es mir so schön ausgemalt. Bis zum 6. Monat voll stillen und dann schön langsam eine Mahlzeit nach der anderen ersetzen. Durch BLW.
    Denkste. Nachdem ich mit 4,5 Monaten die Abendmahlzeit durch die Flasche (über den Tag abgepumpt) ersetzen musste (er forderte 500ml in gut 10 Minuten – Das bekommt keiner so weggestillt)… Ging es mit 5 Monaten langsam mit BLW los. Er wollte einfach probieren. Das sah so niedlich aus, wie er immer schmatzend neben mir lag. Aber genau das war auch unser Problem. Paul konnte erst spät sitzen, aber der Appetit auf normales Essen war da. Ich organisierte mir eine Wippe (denn für den Aufsatz für den TrippTrapp war er schon zu groß – daher auch der große Appetit) und los ging es. Aber der Position wegen konnte das nicht klappen. Nur gewürgt. Also doch Brei. An Tag 6 wollte er nicht mehr an die Brust. Hatte schon Panik, dass er quasi von jetzt auf gleich normal essen wollte. Hat es sich dann aber doch nochmal anders überlegt. Dennoch waren die Tagesmahlzeiten deutlich schneller ersetzt, als geplant. Nachts hat er allerdings sehr lange auf seine Milch bestanden. Bis heute möchte er zum Einschlafen die Milch. Allerdings habe ich die dann doch irgendwann gegen PRE ersetzt. BLW kam dann hinzu, als er richtig sitzen konnte. Man muss da wohl wirklich einfach auf sein Kind achten und nicht immer stumpf nach Plan vorgehen.
    Das lehren einem die Kinder

    • Danke :) Ich finde es echt spannend wie unterschiedlich Kinder sind. Das Babymädchen eines Freundes bekam mit 4 Monaten Brei und isst voller Begeisterung von Anfang an, stillst aber zu jeder Mahlzeit dazu. Ein anderes Mädchen mag mit 8 Monaten nichts von Essen wissen. Und da soll nochmal jemand behaupten, man müsse (!!) es so und so machen.

  3. Klasse! Ich kann noch einen nassen Waschlappen empfehlen. Haben wir seit Essenanfang immer mit am Tisch. Hält die „Sauerei“ in Grenzen, die bei unserem blw-und-auch-mal-Breikind nicht wirklich herrscht (habt da schon gaaanz anderes bei nur-Brei-gefütterten Kindern gesehen- was ein Geklecker!).

    Ich kann weiter für später -wenn das angeborene Werkzeug (die Hände) ausgiebig zum Essen getestet wurde- als erstes Besteckteil einen Honigholzlöffel sehr empfehlen! Wurde hier anfangs für Porridge, Spinat, Kartoffelbrei oder ähnliches genutzt.

    Denkt an den Spruch:
    Food before ONE – just for FUN!

    In diesem Sinne fröhliches Weiterstillen und viel Spaß beim gemeinsamen Essen!
    💜

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