44 Tage

[33 Wochen & 5 Tage]

Die Woche war geprägt von einem nicht stillstehenden Gedankenkarussell. Ich hatte viel zu erledigen, aber meine Gedanken fanden immer wieder den Weg zurück zur Lage des Babys.

Immerzu beschäftigte ich mich damit, was man tun könnte, damit unser Mäuschen sich noch dreht.

„Es hat noch ausreichend Zeit! Manche Kinder drehen sich noch in der letzten Minute. Du siehst doch wie doll sich der Bauch verformt und du spürst genau, dass sich das Baby noch bewegen kann und in dir rotiert!“ bete ich mir immer wieder vor, während ich mir mit der indischen Brücke fast das Kreuz breche.

Auf Licht reagierte die kleine Motte auch ganz gut, drehte sich aber wieder um. Allerdings werde ich das immer wieder mal probieren, einfach weil es so unheimlich faszinierend ist, wie das Baby auf das Licht reagiert und sich die Bewegungen anfühlen. Wie gesagt, wechselt es ohnehin ständig die Position. Zum Teil recht schmerzhaft für mich, insbesondere, wenn es sich nur direkt im Bauch quer legt.

Es ist kein Geheimnis, dass ich mir eine Geburt im Geburtshaus wünsche. Inzwischen liebäugle ich sogar sehr mit einer Hausgeburt. Das ist aber nicht möglich, wenn Mäuschen den Po weiterhin nach unten streckt. Eine natürliche Geburt wäre nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich und ob ich die erfülle, werden wir dann noch sehen. Außerdem ist meine Hebamme ja auch noch 2 Wochen im Urlaub und ich dann vollends auf das Krankenhauspersonal und dessen Wohlwollen diesbezüglich angewiesen. Es würde die ganze Sache allerdings erheblich verkomplizieren, da unter Umständen auch ein relativ weit entferntes Krankenhaus meine Anlaufstelle Nr. 1 wäre, da dort eine sehr BEL-erfahrene Ärztin arbeitet. Sollte das dann alles ganz doof ausgehen und in einem Kaiserschnitt enden, wäre ich echt weit weg vom Freund. Das wäre wirklich schlimm für mich.

Ich versuche mich damit anzufreunden, dass es auch so auf einen Kaiserschnitt hinaus laufen könnte. So oder so. Aber das will noch nicht so recht funktionieren. Ich versuche die Gedanken loszulassen, spreche mit dem Baby, bitte es sich doch zu drehen, damit ich zur Ruhe komme.

Es ist noch Zeit! Einatmen. Ausatmen.

Nicht besonders hilfreich ist dabei der Bauch, der immer wieder hart wird und mir ein bisschen Angst macht, dass das vielleicht schon in Richtung Senkwehen und damit Geburtsvorbereitung des Körpers ist. Dabei weiß ich auch, dass das völlig normal ist. Schließlich wird mein Bauch schon seit der 28. Woche immer mal wieder fest, aber auch das hatte keinerlei Auswirkungen. Übungswehen halt. Alles wird anstrengender und das Baby immer größer. Da wird bei den wilden Drehungen im Bauch eben auch mal der Bauch fest. Ich habe aber schon festgestellt, dass das weniger ist, wenn ich entspannter bin, aber wen wundert das. Wenn ich ständig auf Achse bin, strengt das eben an.

Seit dem Wochenende fühle ich mich plötzlich deutlich positiver. Total optimistisch. Ich habe viel abarbeiten können und plötzlich fühlt es sich an als wäre noch richtig viel Zeit.
Während des Kinderwunschs beschäftigte ich mich nach einer Weile auch mit künstlicher Befruchtung und allen möglichen Dingen. Dabei fühlte es sich aber nie an als würde es mich wirklich betreffen. Ich war davon überzeugt, dass es von alleine klappen würde, wenn der Zyklus erstmal rundläuft. Und so war es. Ich wusste damals sicher, dass ich schwanger bin. Es konnte gar nicht anders sein. Und so fühlt es sich auch jetzt an. Ich beschäftige mich durchaus intensiv mit den Möglichkeiten, aber es fühlt sich so an als würde sich alles selbst ins Lot bringen. (Murphy, ich bitte dich, hör einfach mal weg, ja?!) Wir haben also noch Zeit.

Vielleicht regelt sich ja alles, sobald ich aufhören kann zu rotieren. Gefühlt steht bei mir seit Monaten alles Kopf, wer weiß, vielleicht überträgt sich das auch so. Ich freue mich jedenfalls sehr auf den Mutterschutz und erhoffe mir mehr Zeit für das Baby und mich.

Der Freund wird demnächst noch eine Woche beruflich unterwegs sein. Ich kenne mich ja, deshalb habe ich das Angebot des Arztes angenommen und lasse noch mal nach dem Gebärmutterhals sehen, damit ich zumindest dort einen Befund habe und weiß, ob ich so weitermachen kann wie bisher oder mich zumindest schonen sollte, damit es hier nicht viel zu früh losgeht. Auch, wenn ich –wie schon zig Mal erwähnt- absolut nicht daran glaube.

Zahlen sind Fakten und Fakten beruhigen mich. Mir ist durchaus bewusst, dass der Schuss auch nach hinten losgehen kann, aber bisher war ich vor den Messungen immer nervös und rechnete aufgrund vieler Berichte von Bekannten und Freundinnen immer mit einem verkürzten Gebärmutterhals o.Ä. und nie war etwas. Im Gegenteil, es war immer ok. Und wenn nicht, weiß ich zumindest Bescheid. Es kann immer anders kommen.
Ich erhoffe mir dasselbe vom heutigen Termin und ich der Abwesenheit des Freundes ein klein wenig entspannter entgegen blicken kann. Auch ein top Befund, muss nichts heißen, aber trotzdem. Und außerdem ist da ja noch immer mein Bauchgefühl, das mir sagt, dass alles gut wird,

Hach ja, es ist schon nicht immer leicht, ich zu sein.

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3 Kommentare zu “44 Tage

  1. Wie sieht denn deine Hebamme das Ganze? Ist die entspannt, darfst du es auch ruhig sein. Ich muss dir was verraten… ich habe mich in der 2. und 3. Sschwangerschaft auch ganz verrückt gemacht wegen der Lage (die Große habe ich ja damals spontan in einem auf BEL-spezialisiertem Krankenhaus entbunden), und auf dem Infoabend des Geburtshaus wurden wir natürlich auch darauf hingewiesen, dass unter diesem Umständen keine Geburt dort möglich sei usw. Aber… ja aber… meine Hebamme erzählte mir, dass es tatsächlich schon 2x vorgekommen sei, dass eine andere Geburtshaushebamme unter den Wehen den Popo tastete und sie um Hilfe fragte… ja was soll man da machen… die Frau weg schicken? Letztendlich kamen alle spontan und total „normal“ bzw. komplikationslos zur Welt. Für erfahrene Hebammen ist eine BEL-Geburt meistens nichts bedrohliches, wie gesagt kommt es manchmal sogar vor, dass die Kinder sich unter der Geburt noch drehen. Wenn deine Hebamme das auch so sieht und es darauf ankommen lassen würde, dann darfst du ganz entspannt sein.
    Ich hätte ohne die natürliche Geburt und Unterstützung für diesen Weg von wenigen erfahrenen Menschen (zweite Hebamme und Chefarzt der Klinik) beim ersten Kind wahrscheinlich niemals drei Kinder bekommen… und schon gar nicht die beiden letzten im Geburtshaus! :-D Es ist aber natürlich auch immer die Frage, was du dir zutraust und was dein Bauchgefühl sagt… und welche Menschen dir was einreden bzw. raten.

    • Ich danke dir! Sie sieht das relativ entspannt. Mich machen nur die Umstände wahnsinnig, da sie eventuell eben ein anderes Krankenhaus dann bevorzugen würde und das relativ weit weg ist. Ich bin so in der Schwebe, das mag ich gar nicht.

      • Ich kenne das nur zu gut. Schau dir das andere Krankenhaus an, zur Vorbereitung. Aber dann lehne dich zurück und entspann dich. Dein Kind wird am Ende entscheiden, wie rum es auf die Welt kommen möchte. Und ja unsere Große sitzt heute noch gerne die Dinge aus. *lach*

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