9. Vorsorge } 3. Screening

[ 30 Wochen & 3 Tage ]

Heute war es Zeit für den 3. großen Ultraschall. Die Nacht zuvor war wie jede Nacht vor den Arztterminen durchwachsen. Ich mache mir absolut keine Gedanken, dass irgendetwas nicht stimmen könnte und doch bin ich vor jedem Arztbesuch nervös.

Neben dem Standardprozedere (Urin, Blutdruck, wiegen), wurde ich zum ersten Mal an das CTG gehängt.
Schon seit einiger Zeit wird mein Bauch immer mal wieder kurz ganz fest. Ich dachte mir schon, dass das Übungswehen sind und bekam dies nun auch bestätigt. Das CTG zeichnete neben 1a-Herztönen auch ein paar kleine Wehen auf. Der Freund hatte richtig Spaß daran mir zu erzählen, wann wieder ein Ausschlag aufgezeichnet wurde. Das Baby fand das ganze weniger toll, boxte immer wieder gegen den Knopf und turnte ganz wild herum.

Die Untersuchung zeigte wieder einmal ein völlig zeitgerecht entwickeltes Kind. Dieses Mal ließ sich der Frauenarzt nicht mehr zu einem Outing hinreißen, denn auch dieses Mal hätte er nur eine Tendenz abgegeben können. Im Grunde hätte es aufgrund der ständig wechselnden Aussagen eh nichts für uns geändert. Es bleibt nun also dabei, wir wissen gar nichts und lassen uns überraschen. Der Arzt bescheinigte uns aber ein zartes Kind (1.500g) mit langen Beinen.

Bei der letzten Untersuchung lag das Baby schon in Scheitellage, dieses Mal rotierte es wild im Bauch herum. Zuerst sah es nach Beckenendlage aus, aber schon kurze Zeit später machte es sich quer im Bauch bequem. Auch gab es wieder kein Profilbild. Unser Kind legt wirklich großen Wert auf seine Privatsphäre ;-)
Durchblutung, Plazenta und Gebärmutterhals sind super. Urinwerte müssen noch mal abgeklärt werden. Das bereitet mir tatsächlich ein bisschen Bauchschmerzen, weil bisher alles in Ordnung war und ich auch keinerlei Probleme habe.

Soweit so gut. Weniger gut war allerdings der Rahmen um die Veranstaltung. Ich bekam nämlich erst einmal Rüffel dafür, dass ich es wage meiner Hebamme die Kompetenz zuzusprechen, mir Blut abzunehmen und Blutwerte bestimmen zu lassen. Die würden nämlich beim nächsten Mal anfallen und da ich ja beabsichtige erst am ET wieder beim Arzt vorstellig zu werden, könnte sie das ja aus rein praktischen Gründen machen. Sagte ich mal so. Der Sprechstundenhilfe.
Noch ehe ich durch die Tür war, wurde mir vom Arzt in einem äußerst deutlichen Tonfall mitgeteilt, dass er das Labor nicht aus der Hand gebe und er das nicht mittrage. Ich hatte noch nicht mal mit ihm gesprochen! Er wolle den Werten nicht hinterherlaufen und so weiter. Interessanterweise hat meine Hebamme von ihm bisher noch nie irgendwelche Werte mitgeteilt bekommen. Aber das nur am Rande.

Ich kann es nicht wirklich nachvollziehen, warum sie das nicht können sollte, zumal zwischen Arzt und Hebamme durchaus ein Austausch stattfinden kann und doch eh alles im Mutterpass steht. Und sollte irgendwas nicht ok sein, schickt mich die Hebamme sowieso zu ihm. Wie gesagt, ich verstehe es nicht. Aber ich war überrumpelt, eh schlecht drauf und sagte zu, dass es für mich kein Problem sei, die Blutwerte dennoch von ihm bestimmen zu lassen (gewurmt hat es mich aber trotzdem und tut es noch).
Als ich dann am Ende des Termins erwähnte, dass ich nicht in 4 Wochen wiederkäme, sondern vorhabe auch diese Untersuchung bei der Hebamme wahrzunehmen, sprang er auf, packte den Mutterpass und warf uns quasi raus. Man sah ihm richtig an, dass er sauer war. Er hatte nicht mal aussprechen lassen.

Ich weiß gar nicht was los ist, bisher war ich eigentlich überwiegend zufrieden. Aber ich mag es nicht wie ich gerade behandelt werde, nur weil ich mein Recht zu entscheiden, wer mich untersucht, wahrnehme. Klar, es geht um Geld. Aber hallo!? Den ganzen Abend zerbrach ich mir den Kopf und auch heute ist es nicht besser. Ich will das einfach nicht so stehen lassen.
Und jetzt stehe ich da und weiß nicht weiter. Wie ich eben bin, bekomme ich das auch einfach nicht aus dem Kopf. Ich fühle mich ungerecht behandelt und es stört mich so sehr, dass das auf meinem Rücken ausgetragen wird…

Jetzt könnte ich einfach drauf Sch*** und alles bei der Hebamme machen lassen, weil ich ja in nächster Zeit nicht mehr bei ihm untersucht werde. Finde ich aber auch irgendwie doof, wo ich das jetzt weiß. Außerdem werde ich ja doch vielleicht irgendwann wieder bei ihm aufschlagen.
Das ist nämlich der nächste Punkt. Möchte ich da noch mal hin? Wie ist das, wenn ich über den Termin gehe und die „Zustimmung“ für eine außerklinische Geburt holen muss. Da gibt es einen Kriterienkatalog – Fakten – und wenn die erfüllt sind, passt das. Aber ein Arzt, der einem ein bisschen positiv gesinnt ist, schadet in der Regel ja nicht. Und naja, ich will auch einfach nicht mit so einem blöden Gefühl zu einem Arzt gehen.

Aber macht ein Arztwechsel jetzt noch Sinn? Ich will ja eben auch nur noch zum Arzt, wenn es nötig ist. Würde mich überhaupt noch jemand nehmen? Ach Mensch, ich möchte mir über sowas eigentlich gar nicht den Kopf zerbrechen und doch kann ich es nicht abstellen.
Muss ich immer alles beim Gyn abklären lassen? Die Uringeschichte könnte ja zum Beispiel auch der Hausarzt machen, oder? Ich stelle mich da vielleicht gerade einfach blöd an, aber ich musste mir noch nie über so etwas Gedanken machen. Für mich war es so: Bist du Schwanger und hast irgendwelche Wehwehchen, gehst du zum Frauenarzt.
Irgendwie waren Vorsorgeuntersuchungen auch schon mal schöner.

Vielleicht kann ich aber zumindest dort eine Behandlung abwenden. Darauf erst mal eine große Tasse Tee!

Nachtrag:

Die Sache ließ mich einfach nicht los, also entschloss ich mich eine E-Mail an den Arzt zu schicken. Ich habe meine Sicht der Dinge dargestellt und auch klar kommuniziert, dass es meine Entscheidung ist, wie ich betreut werden möchte. Daraufhin erhielt ich überraschenderweise sogar eine Antwort. Mit Entschuldigung und der Bitte um ein klärendes Gespräch. Geht also doch!

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5 Kommentare zu “9. Vorsorge } 3. Screening

  1. Schöner Nachtrag. Freut mich dass dein Arzt es doch einzusehen scheint. Als ich das mit dem Rausschmiss las dachte ich nur „So ein Arsch *grrrr*“
    Ohne den Nachtrag hätte ich dir jetzt mal geraten die Ärztekammer deines Bundeslandes anzurufen, die sollten eine telefonische Beratung haben. Das hat mir bei meinem Zahnarztdings jedenfalls sehr geholfen und mir meine Unsicherheit genommen. Musst dich ja nicht gleich offiziell über den Arzt beschweren. Aber es bestärkt einen ja auch in seinem Recht, wenn man da mal gesagt bekommt „Ja auf der und der Grundlage ist das gerechtfertigt was sie wollen“ oder so ähnlich.

    Gyn-Wechsel ist mitten im Quartal schlecht und wird auch kaum von einem Arzt gemacht. Siehe was ich bei meinem FA-Wechsel schrieb. Zum neuen Quartal (also ab Januar) hättest du da eher eine Chance. Unmöglich ist es allerdings nicht, man muss halt nur jemanden finden der es macht!

    • Ich bin privat versichert, daher dürfte das mit dem Quatalswechsel kein Problem sein. Vermutlich könnte die heftige Reaktion auch daher rühren.
      Ich will ja grundsätzlich eh gar nicht mehr zum Arzt in dieser Schwangerschaft.
      Trotz der Entschuldigung bin ich aber immer noch etwas angesäuert, weil diese Reaktion in keiner Weise gerechtfertigt war. Ich bin keine Risikoschwangere, daher kann ich mir sehr wohl aussuchen wie und bei wem ich mich untersuchen lasse. Ich bin mal gespannt, ob da noch was kommt. Letztlich ist es einfach so, dass ich zwar nicht unbedingt scharf auf einen Wechsel bin, aber ich muss auch nicht alles mit mir machen lassen.

  2. Aahhhh privat versichert. Klar das er da „austickt“ jeder privatversicherte ist doch der reinste goldesel für so einen Arzt. Habe mich mal mit nem bekannten Arzt unterhalten, der hatte das zugegeben, er ist auch Frauenarzt und meinte, das Privatpatientinnen die nur eine ärztliche Versorgung wünschen ihn die liebsten sind. die bringen richtig viel geld, danach kommen die kassenpatientinnen mit komplett versorge, dann die mit hebammen im wechsel und dann die prvaten die nur kommen wenn es die hebamme nicht machen kann.

    Aber die Reacktion von ihm war ja wohl mehr als unangebracht. Ich wäre da ja so eine, die dann nie wieder da auftauchen würde :/ ich bin auch ohne überweisung oder so ins KH und die haben dort entschieden das eingeleitet wird. Nicht mein FA. der war im Urlaub und die olle vertretung sah keinen zweck. zum glück hatte ich eine überweisung für ein großes screening und damit haben die dann entschieden. ich war auch in nen anderen kh angemeldet, aber die waren bei einer untersuchung wegen schmerzen so scheiße, bin da nie wieder hin.

    Man, man soll sich doch wohlfühlen bei so einen arzt :/ und nciht mit bauchgrummeln hingehen, und angst haben, dass man so behandelt wird.

    Ich denke du würdest auch ein Zeichen setzen, wenn du wechsels. Deine Patientenakte einfordern bzw eine kopie und auf nimmer wiedersehen.

    Hut ab ich hätte da glaub ich heulend rumgemeckert XD ich war so mega emotional gerade in so ungerechten situationen.

    • Oh, ich auch. Mir ging das auch sehr nach. Aber ich war so überrumpelt, ich konnte gar nicht reagieren. Erst draußen ist es richtig angekommen. Ich war froh, dass der Freund dabei war, der war genauso perplex wie ich.

  3. Uff, was für eine unangenehme Situation! Mein erster Gedanke war auch eine Email und ich wünsche dir, dass das Gespräch dann auch wirklich klärend ist und dass sich dein Arzt nochmal bei dir entschuldigt…
    Trotzdem würde ich wohl – so wie ich mich kenne – schon mal nach einem Ersatz suchen, falls er es wieder nicht hinkriegt. Und den Freund würde ich zum klärenden Gespräch wahrscheinlich auch mitnehmen.
    Total blöd sowas und ich hoffe, dass sich alles für dich klärt, sodass du wieder mit besserem Gefühl zu deinem Arzt gehen kannst.
    Viele liebe Grüße von einer bisher stillen Leserin… :)

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