8. Vorsorgeuntersuchung } Hebamme und ein Ärzte-Hebammen-Problem

[28 Wochen & 6 Tage]

Eigentlich wäre heute mein 3. offizieller Vorsorgetermin bei der Hebamme gewesen. Uneigentlich war ich zwar da, aber wie auch schon beim letzten Mal konnte sie keine richtige Vorsorge machen.
Und ich bin wirklich angepisst deshalb!

Auslöser des Ganzen ist aber nicht meine Hebamme, sondern mein Arzt.
Beim letzten Mal war es ein Missverständnis. Ich war zum Zuckertest und danach wollte mich der Arzt noch kurz sehen. Ich dachte, mir nichts weiter dabei und freute mich, dass ich mein Baby außerplanmäßig sehen durfte. Am Ende meinte er ganz überrascht, dass ihm das jetzt leid täte, er hätte ganz vergessen, dass ich die Vorsorge abwechselnd mit der Hebamme machen wollte. Ich war ein bisschen überrumpelt, denn ich hatte außer für den Zuckertest eigentlich auch gar keinen Termin. Man sagte mir nur, wenn ich gerne noch mal einen Ultraschall machen wollen würde, wäre das spontan möglich. Ich hätte gar nicht danach gefragt, aber er kam ja auf mich zu und ich bin fromm wie ein Schaf hinterher marschiert und hab eben mal machen lassen. Doof gelaufen.

Die Vorsorge bei der Hebamme war eine Woche später angesetzt. Ich bin einfach trotzdem hin und dachte mir nichts dabei. Sie erklärte mir dann, dass sie das jetzt eben nicht mehr als Vorsorge abrechnen könne, da der Turnus nicht eingehalten sei. Ok, soweit.
Plötzlich fing sie aber damit an, dass ich mir Gedanken machen müsse, wie ich denn betreut werden möchte. Ich muss ausgesehen haben wie eine Kuh bei Gewitter, denn sie erklärte mir, dass ich aktuell bis auf den einen Termin bei ihr eine rein ärztliche Vorsorge wahrgenommen hätte. Das sei in Ordnung, aber wenn sie mich bei einer außerklinischen Geburt begleiten solle, dann müssen auch eine gewisse Anzahl an Vorsorgeuntersuchungen bei ihr gemacht werden. Damit rannte sie bei mir offene Türen ein!
Als nächstes erklärte sie mir, dass mein Frauenarzt wohl den außerplanmäßigen Besuch wegen des Stechens im Unterleib, der kurz nach der regulären Vorsorgeuntersuchung bei meiner Hebamme, stattfand wohl als Vorsorge abgerechnet habe. Das war der Moment, an dem ich hellhörig wurde. Eine Vorsorge war das nämlich nicht! Zumindest nicht für mich, denn ich war ja wegen Beschwerden da. Sie klärte mich auf, dass jede Untersuchung, die auf dieser Doppelseite im Mutterpass eingetragen wird als Vorsorge gilt.
Wieder was gelernt! Ich kam mir ziemlich blöd und ein Stück weit betrogen vor.
Ich habe dann einfach die Folgetermine getauscht, denn ich will ja wirklich im Wechsel betreut werden. Ich mag meine Hebamme gerne und ich genieße die Ruhe, die sie ausstrahlt.

Als ich dann wegen der Blutung beim Arzt war, sprach ich extra an, dass das jetzt aber keine Vorsorge sein soll, sondern ich eben nur die Blutung abklären lassen möchte. Man erklärte mir, dass man das so handhabe, dass aus Dokumentationsgründen jede Untersuchung dort eingetragen werde. Damit habe ich mich beruhigen lassen. So ganz recht war es mir nicht, aber ich habe eben auch einfach keine Ahnung! Irgendwie klang das für mich ja schon logisch.

Zurück zum aktuellen Termin:

Ein Vorteil der Schwangerschaft ist ja, dass ich mir keine Gedanken mehr darüber machen muss, ob ich wohl Urin abgeben kann. Denn das geht immer! Ich war also kaum durch die Tür, da hatte ich schon den ersten Teil erledigt. Meine Hebamme erklärte, dass das leuchtende Violett auf Leukozyten im Urin hindeute und das wiederum ein Hinweis auf einen Harnwegsinfekt sein könnte. Ich erklärte ihr von dem außerplanmäßigen Termin und der Blutung. Daraufhin flossen erst einmal ein paar Tränen. Ich erzählte ihr von der furchtbaren Angst um mein Baby und den Erlebnissen vor knapp einem Jahr. Sie hörte zu, nahm sich Zeit für mich und nahm meine Gefühle ernst. Wir sprachen eine Weile darüber und es war so anders als beim Arzt. Der ist zwar auch nett und ich fühle mich an sich gut betreut, aber das Gespräch zwischen meiner Hebamme und mir bewegte sich auf einer anderen Ebene. Ich fühlte mich eben nicht nur überwacht, sondern betreut.

Ich wurde mal gefragt, wieso ich die Vorsorge bei einer Hebamme machen lasse. Genau darum!

Dann folgte der unangenehme Teil. Sie erklärte mir erneut, dass sie unser Treffen nicht als Vorsorge abrechnen könne. Ich gab wider, was mir beim Frauenarzt erzählt wurde und hoffte, dass das Thema damit erledigt sei. Aber Pustekuchen! Es ist wohl scheinbar so, dass diese eine Doppelseite eben als Nachweis für die Vorsorgeuntersuchungen für die Krankenkassen dienen und sie da jetzt eben keine eintragen könne, da mein Arzt die Woche zuvor eine eingetragen habe. Solche außerplanmäßigen Untersuchungen werden normalerweise wo anders vermerkt und es sei eigentlich auch üblich, dass dann ein Bericht über solche Termine an die Hebamme gehen. Ich muss natürlich nicht dazu sagen, dass da nichts in der Richtung passiert ist.

Sie tastete trotzdem mal nach dem Baby und gab mir ein paar Tipps gegen den spannenden Bauch. Aber mich wurmte das sehr und tut es immer noch.
Es ärgert mich, dass mein Wunsch nach einer wechselnden Betreuung scheinbar nicht ernst genommen wird. Es macht mich wütend, dass es so scheint als würde man es ausnutzen, dass man bei mir abkassieren kann. Ich bin auch ehrlich gesagt einfach ahnungslos was das angeht und habe einfach mal geglaubt, dass das seine Richtigkeit hat. Das werde ich beim nächsten Besuch ansprechen, man kann ich sich vielleicht vorstellen, dass ich mich nicht gerade darauf freue. Aber ich möchte es einfach nicht so stehen lassen.
Außerdem fände ich es auch nett, wenn meine Hebamme über Untersuchungen in Kenntnis gesetzt würde und generell als ist mir aufgefallen, dass ich zwar immer gesagt bekomme, dass alles ok ist, aber besonders viel steht in meinem Mutterpass eigentlich nicht drin. Ich wüsste zwar auch nicht genau, was da alles drin stehen soll, aber gut. Irgendwie ist da schon das Bedürfnis da, mehr zu erfahren.

Hat da vielleicht jemand Erfahrung und kann mir sagen wie das richtige Vorgehen da ist?

Alles in allem macht sich immer mehr das Gefühl breit, dass mein Arzt die Hebamme eher als Konkurrenz denn als gleichwertigen Ansprechpartner sieht. Er ist eben einer der schulmedizinischen Sorte, das merkte ich auch schon beim Kinderwunsch. Dort setzte ich mich aber bestimmter durch. Wie gesagt, ich bin an sich zufrieden mit meinem Arzt, aber das finde ich daneben.

Ich finde es schade, dass es da solch eine Diskrepanz zu geben scheint. Ich würde mir wünschen, dass das Hand in Hand oder zumindest in stiller Akzeptanz abläuft. Denn ich sitze da wirklich zwischen den stühlen und das ist kein Gefühl, das ich haben möchte.

Ich wurde auch schon gefragt, warum ich denn ins Geburtshaus wolle und was gegen eine Entbindung im Krankenhaus spräche. Die Frage ist doch (zumindest für mich) vielmehr, warum man davon ausgeht, dass eine Geburt im Krankenhaus stattzufinden hat.

Und dann kam noch die Hiobsbotschaft!

Das Geburtshaus stellt die außerklinische Geburtsbegleitung zu Ende Januar ein. Mein Baby könnte eines der letzten sein, das dort zur Welt kommt, wenn.. ja, wenn die Räumlichkeiten dann noch zur Verfügung stehen. Das ist nämlich noch nicht raus. Ich war geschockt. Seit Jahren erzähle ich wie gern ich in einem Geburtshaus gebären möchte, die ganze Schwangerschaft Stelle ich mich darauf ein. Da bemüht man sich, hat Glück und kann tatsächlich von einer Hebamme außerklinisch begleitet werden und dann das! Sie würde mich auch ins Krankenhaus oder Zuhause begleiten. Zweites wird immer mehr zur Option, aber so ganz richtig fühlt es sich einfach nicht an. Das bereitet mir ein wenig Bauchschmerzen, aber noch ist das nicht raus.

Ich könnte echt ein paar Daumen gebrauchen, dass das so klappt wie ich es mir wünsche.

Es macht mich traurig, dass immer weniger Frauen die Wahl haben. Dass es keine freiwillige Entscheidung sondern dieser Wandel rein finanzieller Natur ist. Es ist ja nicht neu und doch ändert sich nichts. Es kotzt mich an und lässt mich gleichermaßen hilflos zurück.

Sicher kann man sein Kind auch einfach im Krankenhaus bekommen. Man braucht auch nicht zwingend eine Hebamme. Aber ich will das selbst entscheiden können. ICH! In Gedanken sahbich mich schon mit dem zweiten Kind wieder dort, in Wahrheit kann ich nur hoffen, dass es in ein paar Jahren noch (freiberufliche) Hebammen gibt.

Advertisements

7 Kommentare zu “8. Vorsorgeuntersuchung } Hebamme und ein Ärzte-Hebammen-Problem

  1. Puh das erinnert mich sehr an meine zweit Schwangerschaft. Ich wollte nur die drei großen Ultraschalluntersuchungen bei der Ärztin machen. Und habe ihr das auch mitgeteilt. Zwischendurch war ich immer bei meiner Hebamme (auch vom Geburtshaus) und als ich dann zu meinem Termin beim Ultraschall kam (mein Mann hatte sich extra frei genommen) sagte mir meine Ärztin, dass sie mich nicht weiter behandeln wird. Sie möchte nicht, dass ich zur Hebamme gehe. Voll die Erpressung. Den Ultraschall könne sie nur durchführen, wenn ich entweder verspreche nur noch zu ihr zu gehen oder ihn selber bezahle. Bin eher stinkesauer nach Hause gegangen. Ich bin da ganz bei dir. Die Ärzte akzeptieren Hebammen in der Regel nicht und denken sie könnten alles besser überwachen…genau so habe ich es auch bei der ersten Entbindung im Krankenhaus erlebt.
    Immerhin hat sie klare Worte gesprochen. Was dein Arzt macht ist auch nicht ganz in Ordnung und würde ich auf jeden Fall ansprechen oder ich hätte zufällig meinen Mutterpass nicht dabei. Man. Das tut mir für die Hebamme voll leid. Sie betreut sich und kann es nicht abrechnen.
    Ich drücke dir alle Daumen, dass es mit der Entbindung im Geburtshaus noch klappt!

    • Ich bin froh, dass sich mein Arzt so nie geäußert hat, aber irgendwie umgeht er meinen Wunsch so trotzdem.
      Ich werde das auch auf jeden Fall ansprechen und ihm sagen, dass er zwar die Untersuchung abrechnen kann, aber sicher nicht als Vorsorge. Mich macht das wirklich wütend.

  2. Dein Arzt ist ja mal komisch. Ich weiß ja nicht ob der jedes Mal Ultraschall macht (und wenn du dann nicht bezahlst wäre es interessant wie er das gegenüber der KK begründet, die zahlen nämlich eigentlich nur die 3 großen… außer eben in besonderen Fällen. Bei Gestationsdiabetes o.ä.) ansonsten bekommt der nicht für jede Vorsorge extra Geld. Wie ich schon gebloggt habe bei meinem FA-Wechsel: Eine Praxis bekommt einmal im Quartal den Abrechnungsposten „Betreuung Schwangerschaft“. Und da müsste es egal sein wie oft du dann dort bist für die reguläre Vorsorge.
    Deshalb dachte ich eigentlich, dass es die Ärzte freut wenn man abwechselnd bei der Hebamme ist, da die Hebammen extra bezahlt werden! So kassieren die Praxen das Geld ohne „alles“ machen zu müssen, also weniger Kosten, weniger Aufwand.
    Kann aber sein dass ich da einen Denkfehler hab.

    Ansonsten kann ich das sehr gut nachvollziehen mit der Geburtssituation. Es ist echt schlimm geworden und keinen interessiert es. Außer eben Schwangere oder Familien die noch weitere Kinder wollen. Alle anderen haben halt mit dem Thema nichts zu tun. Am wenigstens offenbar unser Gesundheitsminister! Es wird sich jedenfalls nicht wirklich bemüht auch für die Zukunft eine gute Versorgung sicher zu stellen.
    Da will man mehr Kinder in Deutschland haben weil die Gesellschaft überaltert und würgt dann die Hebammen ab, entzieht Geburtshäusern die Grundlage (von wegen ab 3 Tage drüber zwingend in die Klinik) und schließt Kreißsäle am laufenden Band. Man könnte meinen das wäre ein schlechter Witz.. dabei ist es bittere Realität :(
    Wenn ich immer lese von Krankenhäusern die Geburtsstationen schließen mit der Begründung „Nicht rentabel“ könnte ich schreien. Geburten müssen rentabel sein? Für die Klinik? Damit sich die Vorstände noch ein paar Tausender mehr im Jahr in die Tasche stecken können? Geburten sollten nicht rentabel sein müssen für die Kliniken. Geburten sind etwas wundervolles, wichtiges, elementares! Sind Geburten nicht rentabel für die Gesellschaft? Wo will man denn hin? In ein paar Jahren dann nur noch Kaiserschnitte nach Termin?
    Mir macht das Angst :( Vor allem frage ich mich: Wie wird es meiner Tochter in 25-30 Jahren gehen wenn sie dann selber vielleicht schwanger ist? Wie wird die Situation dann sein?

  3. ich würde aber auch mal bei deiner krankenkassen nachfragen wie das ist und wie du zu deinen recht kommen kannst, dass du abwechselnd betreut wirst. es kann nicht sein, dass dein arzt deinen wunsch missachtet und geld dafür kassieren kann, das würde ich wie gesagt abklären lassen

    alles gute

  4. Ich war dann am Ende überhaupt nicht mehr beim FA, weil ich keine Lust mehr hatte immer zu diskutieren oder zu hören wenn gefährlich eine Hausgeburt sein kann. Hatte dann nur noch Vorsorgen bei den Hebammen :)
    Und erst wollte ich auch ins GH. Meine Hebammen meinten dann noch dass es vom „Sicherheitsaspekt“ keinen Unterschied macht ob Zuhause oder GH und das Autofahren mit Wehen auch doof sein kann. Tja und so wurde es unsere schöne Hausgeburt :)
    Also lass dich nicht fertig machen von deinem Arzt uns hör auf dein Gefühl und dein Baby :-*

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s