Schockmoment

[27 Wochen & 3 Tage]

„Alles sieht gut aus!“ Ausatmen.

Es fühlt sich an als hätte ich seit Stunden die Luft angehalten. Seit dem Moment als ich das Blut am Toilettenpapier sah. Nicht viel, aber genug um die Bilder herauf zu beschwören, die ich sorgfältig verstaut hatte.
Sofort war sie zurück, die nackte Angst. Ich versuchte mir gut zuzureden. Ich hatte keine Schmerzen, es war wirklich nur wenig Blut. Bestimmt nur eine kleine geplatzte Ader. Bei dem Druck der letzten Tage kein Wunder, der Bauch wächst, das Baby auch. Das spüre ich deutlich.
„Atmen! Alles ist gut!“, sage ich mir immer wieder als ich mich zurück ins Bett lege.

Kurz überlege ich noch ins Büro zu fahren und von dort aus zum Arzt. Es ist so furchtbar viel los und ich wäre abgelenkt. Aber bereits während dieses Gedankens wird mir klar, wie dämlich er ist und ich mich sicher gar nicht konzentrieren kann.
Der Freund fragt, ob ich frei habe. Ich erzähle vom Blut und dann ist es vorbei, ich kann die Tränen nicht zurückhalten. „Ich kann das nicht nochmal.“, schluchze ich in seine Arme. Er hält mich und während dessen strampelt unser Baby in meinem Bauch als wollte es mir sagen, dass ich mir keine Sorgen machen müsse. Ich habe furchtbare Angst.

Ich frage mich, ob es reicht die Hebamme anzurufen. Ich beschließe direkt zun Arzt zu fahren. Da müsste ich heute wegen einer Spritze sowieso noch hin. Im Hinterkopf habe ich das letzte Gespräch mit meiner Hebamme bezüglich der Vorsorgeuntersuchungen. Ich habe ein schlechtes Gewissen. Stop!
Es geht um das Baby. Ich muss wissen, dass alles gut ist, das geht beim Arzt aufgrund der Nähe schneller.

Der Freund besteht darauf mich zu begleiten. Ich komme mir etwas doof vor, weil kein weiteres Blut mehr kam. Es scheint also gut zu sein. Er drängt mich dennoch zu gehen, er kennt mich einfach.
Ich komme sofort dran. Ich bin ruhig, aber mir geht es nicht gut. Unabhängig von meinem Besuchsgrund. Das sieht auch mein Arzt und als er mich fragt, wie es mir geht, schießen mir die Tränen in die Augen.
Er spricht von Krankschreibung und ich kann nicht anders als auf meine Schuhspitzen zu starren und mit den Schultern zu zucken.

Ich fühle mich schlecht. Ich kann jetzt nicht ausfallen. Zu viel zu tun. Überall. Arzt und Freund sind sich einig – es reicht, ich bleibe Zuhause.

Das alles dauert nur zwei Minuten, dann sitze ich schon auf dem Stuhl und bekomme Entwarnung. Alles gut. Plazenta, Gebärmutterhals, Nabelschnur, alles perfekt. Unser Baby sieht gesund aus und wiegt nun schon 1.000g!

Erleichterung. Alles gut. Ausatmen.

Bitte, bitte. Ich möchte das nie wieder fühlen. Diese abnorme Angst. Ich fühlte mich um knapp ein Jahr zurückversetzt. Alle guten Gedanken konnten den einen nicht abschütteln. Ich bettelte innerlich darum, dass es meinem Baby gut gehen möge. Es ist gut. Der Schock sitzt aber noch immer.

Noch 88 Tage bis zum ET.

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8 Kommentare zu “Schockmoment

  1. Bei meiner ersten Schwangerschaft hab ich auch zweimal eine kleine – wirklich leichte, klitzekleine Blutung gehabt, aber das reicht schon aus, dass man in Panik verfehlt! Beide Male in der Früh, da war ich dann richtig wach. Hab dann gleich mit dem Arzt telefoniert gehabt und zum Glück war nichts gewesen, aber schonen war angesagt. Auch wenn man es nicht gern hört, besser so, als wenn doch was mit dem Baby is.
    Wünsch dir alles Gute, wird schon gut gehn :)

  2. Puh.
    Und ich verstehe deine Angst total. Ich hatte so einen Moment bei der KLeinen (wo ich sonst entspannt war) auch und bin ins Krankenhaus gefahren. Besser als wenn man sich ewig weiter mit der Angst quält.
    Und gut dass er dich krankgeschrieben hat! Erhol dich gut. ❤

  3. Ganz ehrlich? Wer würde da anders reagieren? Also ich glaub ich kenne keine die das locker nehmen würde. Ich wäre auch sofort zum Arzt, hätte ich damals gewusst, dass ich schwanger bin als die Blutung kam. Aber der Arzt schloss ja ne Schwangerschaft aus und sagte es würden meine Tage kommen, daher hatte ich keine bedenken.
    Heute schon. Ist da was passiert? Ist der zwerg deswegen anders? Hibbeliger? nicht der norm, dem standart entsprechend?

    Lieber einmal zu viel zum arzt als zu wenig! und WO nur noch 88 Tage!!! Wie toll ist das bitte? Ich hab sooooo mit euch gehibbelt. Ich bin schon so gespannt. Du wirst so eine tolle Mama sein.

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