Atmen.

Während ich auf die Bilder der neugeborenen Tochter meiner Freundin starre, mischen sich bittere Tränen unter die Freude. Kurz darauf sitze ich heulend auf dem Sofa und Weine all die Verzweiflung und Angst heraus, die sich in mir breit gemacht haben.

Ich gönne meiner Freundin dieses Glück. Da ist kein Funken Neid oder Missgunst, nur ehrliche Freude für sie und ihre gewachsene Familie. Und doch hält es mir vor Augen, was ich verloren habe. Dass ich dieses Glück im Juli nicht nachempfinden können werde. Und es beschwört die Ängste wieder herauf, jetzt wo die Zeichen auf Neuanfang stehen.

Wieder nimmt das Gedankenkarussell Fahrt auf, mit all den bekannten Fragen. Neu ist die Angst, das alles noch mal zu erleben oder dass dies gar die letzte Erfahrung bleiben und niemals Milderung durch ein happy end erfahren wird.
Werde ich jemals ein Baby bekommen? Wie lange werde ich warten müssen? Wird sich mein Zyklus einpendeln oder weiterhin so rumeiern wie zuvor?

Ich kann nichts dagegen tun, plötzlich sind diese Gedanken einfach da und die Angst greift nach mir. In diesen Momenten fällt es mir schwer sie abzuwimmeln und nach vorne zu blicken, dorthin wo meine Zukunft ist. Dabei nehme ich mir vor positiv zu bleiben. Das klappt meist ganz gut, nur manchmal bricht es eben hervor. Die Narben sind noch frisch und empfindlich, das muss ich akzeptieren. Es wird besser werden, aber jetzt tut es noch weh und das ist ok so.
Einatmen, Tränen trocken. Ausatmen, weitermachen.

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7 Kommentare zu “Atmen.

  1. Lass dich mal umarmen! Ich weiß nicht, ob es dich tröstet, aber mir hat es geholfen, als meine Hebamme zu mir sagte, dass manche hormongeplagte Körper (Hast du die Pille genommen?) eine Schwangerschaft brauchen, um sich „zu reinigen“. Ein Neustart und du bist so stark wie nie! Und du darfst auch traurig sein. Der Gedanke an dein erstes Kind wird dich womöglich nie verlassen – und das ist auch gut so!

  2. Hallo unbekannterweise,

    zwischen den Zeilen liest man heraus, dass auch du dein Baby verloren hast, Ich weiss aus eigener Erfahrung das Worte einen nicht trösten können, deswegen drücke ich dich ganz fest. Auch ich hatte nach meiner ersten Fehlgeburt die Angst nie wieder schwanger zu werden. Ich habe mich dann lange Zeit unter Druck gesetzt und bin erst 8 Monate später wieder schwanger geworden. Leider habe ich auch dieses Kind auf Grund einer nicht bekannten Gerinnungsstörung verloren. Ich wünsche Dir für die Zukunft viel Zuversicht und gib die Hoffnung nicht auf. Tatsächlich ist es oftmals so, dass Frauen 1 Fehlgeburt erleiden. Meine Frauenärztin meinte sie hätte das Gefühl das einige Frauen quasi einen „Probedurchlauf“ brauchen.

    Liebe Grüße

  3. Liebe Frau Mümmel, ich glaube, Du machst das Alles schon super gut👍🏻 Du hörst auf Deine Gefühle und akzeptierst sie, wie sie sind. Dass Du bei solch einem Anlass traurig bist, finde ich auch völlig in Ordnung!
    Ich drücke Euch ganz fest die Daumen für Euer Familienglück🍀LG

  4. du liebe, deine posts klingen 1:1 so wie meine vor ein paar jahren. aber verlier die hoffnung nicht! ja, es mag sein, dass du noch lange warten musst. dass du noch oft weinen wirst, weil bei anderen das anscheinend mühelos gelingt, was du dir so sehr wünschst. die kinderwunschjahre waren für mich emotional gesehen das schlimmste, was ich bisher durchmachen musste, aber das durchhalten hat sich gelohnt. irgendwann wird es klappen, ganz ganz ganz bestimmt! und ich drücke die daumen, dass es ganz bald sein wird! <3

    • Danke für deine Worte. Ich weiß, dass ich nichts weiß und dass es sofort klappen oder noch ewig dauern kann. Wenn man es genau nimmt, dauerte es ja nicht so lange…
      Aber das Wissen, dass es dauern kann, tut dennoch weh.

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