Naschfrei – Halbzeit

Statt es vorher groß anzukündigen, habe ich es dieses Mal einfach gemacht: ich faste. Nicht das Fasten, bei dem man komplett auf das Essen verzichtet – soweit bin ich noch nicht. Aber das Fasten zwischen Fasnacht und Ostern, bei dem man auf etwas verzichtet.

In den letzten Jahren habe ich mir immer wieder vorgenommen auf Naschkram zu verzichten, nur um mich 3 Tage später in Flagranti mit dem Löffel im Nutellaglas zu erwischen. Es ist nicht mal so, dass ich es immer bewusst getan hätte, ich habe es oft einfach wieder vergessen. So wichtig war es mir immer..

Letztes Jahr habe ich aufs Fasten verzichtet. Ich hatte keine Lust an mir selbst zu scheitern und irgendwie passte es auch nicht. Aber dieses Jahr, da habe ich mich drauf gefreut. Ich habe mir fest vorgenommen es durchzuziehen und mir selbst zu beweisen, dass ich es kann, wenn ich wirklich will. In den Wochen vor der Fastenzeit habe ich Naschkram in schwindelerregenden Mengen, vor allem in Form von Schokolade und Keksen verdrückt. Da kam mir die Fastenzeit gerade gelegen. Ich nutze solche Daten gerne, um etwas Neues zu beginnen, weil ich dann einen Punkt habe, an dem ich mich festhalten kann. Es hilft mir, mich zu motivieren.

Drei Wochen sind nun vergangen. Zeit für ein Zwischenfazit:

Ich bin noch dabei! Aber es war schwer für mich.

Als ich den Entschluss gefasst hatte, habe ich für mich abgesteckt, was genau alles unter Naschkram fallen soll. Ich beschloss auf Knabberzeug und jegliche Süßigkeiten zu verzichten. An Tag 3 beschloss ich dann, dass auch mein heiß geliebter Kakao dazu gehören soll und verzichtete beim Frühstück auf Nutella und Marmelade. Ist ja so doch nur ne Ausrede. Nur, weil ne Scheibe Brot drunter ist, ist Nutella immer noch streichbare Schokolade. Außerdem hilft mir „ganz oder gar nicht“ dabei durchzuhalten.

Ich hatte ständig Lust auf Süßes und musste wirklich innere Überzeugungsarbeit leisten, um nicht doch zu naschen. Der Ruf des Nutellaglases wurde immer lauter und auch die Löffel klapperten schon freudig im Besteckkasten. Aber ich blieb hart. Ich habe mal gelesen, dass es 21 Tage braucht, um seine Gewohnheiten zu ändern. An Tag 4 konnte ich mir absolut nicht vorstellen, dass da was dran sein soll.

Ich versuchte weitestgehend auf Zucker zu verzichten. An Tag 5 war ich kurz davor aufzugeben. Ich hatte schlechte Laune und war überzeugt davon, dass nur Zucker helfen kann. Überall roch es plötzlich total intensiv nach Süßem. Mein Hirn auf Entzug gaukelte mir auch schon Zuckerwatteduft vor. Da war nirgends Zuckerwatte! Aber ich hätte mich nur zu gern direkt in den Topf gelegt. Ich hatte Kopfschmerzen und schlief schlecht. Woher das kam, weiß ich nicht, festhalten will ich es dennoch.

An Tag 6 feierte ein Arbeitskollege seinen 55. Geburtstag. Ich ging zum Gratulieren und wurde herzlich auf ein Stück eines wagenradgroßen Käsekuchens eingeladen. Aber ich hielt durch und sah den anderen beim Kuchenessen zu. Und ehrlich, es hat mir nichts ausgemacht.

Nach Tag 8 wurde es für mich deutlich einfacher. Die Lust gelegentlich zu naschen ist immer noch da, aber ich komme gut damit zu recht. Mir geht es gut und ich habe das Gefühl besser riechen zu können?!

Inzwischen habe ich zwar immer noch Lust darauf, aber das Verlangen hat deutlich abgenommen. Und ich denke immer öfter, dass ich das eigentlich gar nicht zu mir nehmen will. Klar, es ist lecker, aber teilweise war mir das Zeug eigentlich eh zu süß und ich will danach auch nicht gleich wieder in alte Muster verfallen. Ich sehe das gerade als Chance für mich, meinen Zuckerkonsum wieder etwas in den Griff zu bekommen und es scheint zu klappen. So achte ich inzwischen mehr auf die Inhaltsstoffe und alles mit viel Zucker lasse ich einfach weg. Vor einigen Tagen hatte ich Lust auf Kartoffelpuffer mit Apfelmus. Beim Blick auf den Zuckergehalt darin hatte ich nicht mehr so dolle Lust drauf. Zumindest jetzt während meiner Fastenzeit nicht. Aber die DIY-Tante in mir jubelt da auch schon wieder los.

Also kann ich sagen, dass es nach drei Wochen leichter ist und sich viel natürlicher anfühlt. Die Lust auf Süßes ist immer noch da und ich freue mich auch darauf nach der Fastenzeit mal wieder was zu naschen, aber der Drang wie in den ersten Tagen ist auf jeden Fall vergangen. Und wenn ich mal wieder so RICHTIG süßhungrig bin, dann lese ich einfach Rezepte. Meine Ersatzbefriedigung. Das macht mir interessanterweise nämlich gar nichts aus.

Und ich bin richtig stolz auf mich, auch wenn es für andere keine große Leistung sein mag. Für mich ist es das sehr wohl!

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2 Kommentare zu “Naschfrei – Halbzeit

  1. Liebe Frau Mümmel,
    Kopfschmerzen und schlechter Schlaf können vom Zuckerentzug kommen. Ich verzichte seit 1 Monat aufgrund von Fructoseintoleranz auf jeglichen Zucker und es fiel mir wirklich schwer, da ich gerade während der Arbeitszeit viel genascht habe. Nach 4 Wochen geht es mir aber deutlich besser, ich schlafe neuerdings durch, habe weniger Kopfschmerzen und rieche viel besser.
    Ich drücke die Daumen, dass es weiter reibungslos klappt.
    Liebe Grüße aus Berlin,
    Liesi

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