Gedankgengeschwurbel

Dieses „Dies und jenes kann man mit Kindern nicht machen“ verunsichert mich sehr. Immer wieder höre ich solche Äußerungen, selbst wenn Kinder eigentlich nicht das Thema sind. Besonders beliebt ist diese Aussage, wenn es um Urlaub geht.

Ich bin, was das angeht, der Überzeugung, dass große Reisen auch mit Kindern gehen. Vermutlich sind sie anders, aber das ganze Leben ist mit Kindern anders, deshalb wollten viele Paare trotzdem welche.
Ich kann nachvollziehen, dass es Dinge gibt, die man noch ohne Kinder machen will, ich störe mich nur daran, dass man mir quasi sagt, dass man es mit Kindern nicht mehr KANN. Für mich ist es eher eine Frage des Wollens. Kinder bleiben ja auch nicht für immer klein. Muss man sich ja auch mal bewusst machen.

Aber darum geht es mir gerade eigentlich gar nicht. Mich verunsichert das. Ich bin mir sicher, dass ich ein Kind will. Es gibt nicht einen Tag, an dem ich nicht daran denke, aber immer wenn ich so was höre, denke ich darüber nach, was ich gerne noch vor dem ersten Kind machen wollen würde. Im ersten Moment ist die Liste lang, denn mir schießt alles in den Kopf, was man ohne Kind „leichter“ machen kann. Und dann rechne ich und überlege und verschiebe. Nach vorne, nach hinten und drei Mal im Kreis.

Ich bin ein verdammtes Gewohnheitstier. Ich sehe, was sich verändern wird. Ich genieße meine Freiheiten, aber ich bin davon überzeugt, dass man erst, wenn man sein eigenes Kind in den Armen hält, erfährt auf was man da bisher verzichtet hat. Das weiß man nur vorher nicht. Und trotzdem bin ich dann unsicher.

In meiner Wunschvorstellung lief mein Leben ohnehin etwas anders ab. Aber es ist nun wie es ist und das ist ok so. Es war eben z.B. einfach noch nicht möglich große Reisen zu unternehmen. Aber ich will wegen einer Reise den Kinderwunsch nicht um ein Jahr verschieben, weil man vielleicht nicht schwanger eine Rundreise machen will. Vor allem, weil ich mir im Klaren darüber bin, dass es auch etwas länger dauern kann, bis es klappt, was wiederum bedeutet, dass die Traumreise (die ich auch mit Kind machen wollen würde!), vielleicht trotz Hibbelei noch vor einer Schwangerschaft stattfinden kann. Um mal ein Beispiel zu nennen. Man kann es einfach nicht planen und dort liegt der Hund begraben. Ich hasse es, dass ich es nicht in der Hand habe.

Und gleichzeitig habe ich es eben doch in der Hand, weil ich in der Situation bin, mich bewusst dafür entscheiden zu können die Familienplanung anzugehen. Das heißt, ich habe ausreichend Zeit mir Gedanken darüber zu machen, was sich alles verändern wird. Was man zwar schon noch, aber nicht mehr einfach mal so machen kann. Und dann bekomme ich trotz all der Sehnsucht, ein bisschen Wehmut und Angst. Ich muss mein Nest verlassen und ein Neues bauen. Ich, das Gewohnheitstier. Auch an die neue Situation werde ich mich gewöhnen und mich einfinden. Aber dieser Schritt muss gegangen werden. Ein Schritt ins Unbekannte. Quasi blind. Das muss man sich erst mal trauen.

Wenn ich einfach aus meinem Nest gestoßen würde, würde ich mich „leichter“ damit tun. Denn dann gibt es nichts mehr daran zu rütteln. Dann ist es wie es ist und ich würde mich mit der Situation anfreunden. Würde ich auch, wenn ich es bewusst mache, aber dazu muss es eben wieder gemacht werden. Man versteht, was ich sagen will?

Und dann ist da noch der eine Gedanke: Was ist, wenn ich mich nicht daran gewöhnen kann? Wenn ich meine Entscheidung bereue? Ich kann es mir nicht vorstellen, aber was ist, wenn ich mein Wunschkind im Arm halte und es mir dann weg wünsche? Mein altes Leben zurück haben will? Das ist das, was mich am meisten beschfätigt. Es sind nicht die Einschränkungen, es ist die Angst, mein Kind nicht lieben zu können, weil es mich immerzu an das erinnert, was ich „nicht mehr habe“. Und das hat kein Kind verdient.

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5 Kommentare zu “Gedankgengeschwurbel

  1. Ich verstehe sehr gut, was du meinst. Das ging mir auch so. Am Ende der Schwangerschaft wollte ich unbedingt noch in alle meine Lieblings-Lokale, weil ich dachte, wer weiß, wie lange das jetzt nicht mehr möglich ist. Und hatte auch Angst, dass alles anders wird und ich das gar nicht schaffe und nicht mehr will.

    Wir haben aber wirklich das Glück, ein eher pflegeleichtes Kind zu haben. Dazu muss ich aber auch immer wieder betonen, dass es NATÜRLICH aufs Kind und sein individuelles Wesen ankommt, aber vieles auch Einstellungssache ist.

    Unser Leben ist anders als früher, das ist klar. Manchmal auch echt anstrengend. Aber das war es vorher auch, da gab es eben nur andere Gründe dafür. Gleichzeitig ist es so viel schöner und es gibt viele Momente, in denen wir uns fragen, wie wir vorher glücklich sein konnten.

    Lass dich nicht abschrecken!

    • Danke! :)
      Klar, hängt es auch vom Kind ab. Aber es könnte ja auch sein, dass ich manche Dinge, die ich jetzt genieße, gar nicht so sehr vermissen werde bzw. mich gar nicht so sehr eingeschränkt fühle, wie man es sich vielleicht ausmalt. Ich weiß es nicht, aber ich weiß, dass ich es bereuen würde jetzt noch ewig zu warten. Kinder werden größer. Kino geht irgendwann auch wieder ohne Babysitter ;) Ich würde später die gleichen Einschränkungen erfahren. Aber nur deshalb auf ein Kind verzichten? Niemals!

  2. Auf keinen Fall wirst du dein Wunschkind wieder wegwünschen.
    Sicher ist das Leben mit Baby anders – aber auf keinen Fall schlechter!
    Und auch wenn Freunde ständig verreisen – die haben dafür nicht dieses kleine Wesen, das dein Herz zum Glühen bringt….mit nur einem Lächeln ♥

  3. Ich glaube, das blödeste, was man machen kann, ist, das Leben mit und ohne Kind zu vergleichen. Und dieses „was man mit Kind nicht mehr machen kann“ kann man auch anders herum sehen: „was man mit Kind nicht mehr machen will“. Weil man auf einmal die Dinge anders sieht, weil bestimmte Dinge wichtiger werden und andere unwichtig werden. Nach über vier Jahren Mamaseins kann ich das nur bestätigen.
    Dieses Gerede von Freiheiten ist in meinen Augen sehr kurz gedacht und egoistisch. Denn ich glaube tief in sich dirn haben die meisten von uns die Sehnsuch, dass etwas von uns bleibt, weitergeht in die nächste Generation.

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