Perfektionismus

Mein Perfektionismus treibt mich an, stellt mir aber auch immer wieder das Bein. Ich habe sehr hohe Ansprüche an mich. Kein Wunder also, dass ich nicht immer alles so umsetzen kann wie ich es möchte. Das war schon als Kind so. Das führte zu Tobsuchtsanfällen, wenn ich etwas nicht hinbekam oder zu Heulanfällen, weil ich meine Ziele nicht erreichte – auch wenn die Ergebnisse dennoch wirklich gut waren.
Habe ich aber meine hochgesteckten Ziele erreicht, blieb nicht lange Zeit sich zu freuen. Gab ja noch mehr davon, außerdem erfüllte ich nur meine Erwartungen an mich.

Ich war streng mit mir und bin es noch. Das hat sich zwar schon deutlich gebessert, aber wenn mir etwas wichtig ist oder ich es sehr gerne mache, dann sind die Erwartungen immer noch hoch.
Ich habe einige Interessen. Und ich möchte sie beherrschen. Jetzt. Sofort. Und natürlich perfekt. Und am besten auch noch schnell. Möglichst ohne große Erklärungen und Übungen. Aber so läuft das eben meistens nicht.

Meine Nähmaschine z.B. wäre schon mehr als einmal fast Opfer eines Attentats geworden, obwohl das Problem wohl eher vor der Maschine saß.
Oft schon habe ich das Feld geräumt, schäumend vor Wut, weil es einfach nicht klappen wollte. Komme aber mit hängenden Schultern irgendwann wieder angeschlurpt. Aufgeben ist nicht. Ich will das! Manchmal sitze ich aber auch Stunden da und probiere solange bis meine Hirnwindungen einen einzigen Knoten bilden, kann es aber nicht loslassen. Es muss klappen!

Das ist anstrengend. Für mich und auch für mein Umfeld. Fliegende Nähmaschinen können ganz schön weh tun, wenn man sie an den Kopf bekommt..

Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Das weiß ich und doch erwarte ich von mir, dass alles gleich perfekt läuft. Die Apllikation perfekt sitzt. Rundungen super genäht sind. Ich merke ja auch, wie mit der Zeit und auch mit den Fehlern die Erfahrung kommt. Aber ich würde es eben JETZT gerne können.

Nicht immer sind meine Ansprüche so hoch. Ich weiß nämlich sehr genau was ich nicht kann. Zeichnen zum Beispiel. Da überbietet mich jeder 5-Jährige.

Verbessert hat sich seit früher auf jeden Fall, dass ich die Dinge, die ich hinbekomme meist sehe. Sie sind nicht mehr nur abgehakte Punkte. Ich habe etwas erreicht. Ich habe aus bloßem Stoff etwas gemacht – um beim Nähen zu bleiben.

Inzwischen kann ich dem, was ich erreicht habe, die nötige Aufmerksamkeit widmen. Mir auch mal auf die Schulter klopfen und mich darüber freuen, dass ICH das gemacht habe. Und irgendwann, da kann ich mir dann vielleicht auch zugestehen, dass manches eben einfach seine Zeit braucht. Kritisch bin ich nämlich nach wie vor.

Vielleicht ist das auch der Grund, warum so viele Blogeinträge in den Entwürfen stecken. Weil ich einfach das Gefühl habe, meinen Gefühle und Gedanken mit Worten nicht gerecht zu werden.

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