Ängste und Zweifel

Je greifbarer der Kinderwunsch wird, desto mehr Gedanken mache ich mir. Das habe ich die letzten Jahre auch schon, aber die Gedanken verändern sich. Ich brüte schon eine Weile darüber und habe Angst missverstanden zu werden. Allerdings beschäftigt es mich schon sehr und deshalb hoffe ich, dass hier der richtige Ort dafür ist.

Inzwischen dürfte bekannt sein, dass ich ein Kopfmensch bin. Ich brauche Sicherheit. In einigen Fällen kann mir kein Mensch dieser Welt diese Sicherheit geben, sie muss aus mir selbst heraus wachsen. Oft helfen mir aber die Erfahrungen anderer Menschen dabei.

Schon immer habe ich den Wunsch irgendwann eine eigene Familie zu gründen. In den letzten Jahren so intensiv, dass es manchmal weh tut. Bei jedem Baby das ich sehe, geht mir das Herz auf. Ein warmes Gefühl überrollt mich wie eine Welle. Ich kann es kaum erwarten und bin so voller Sehnsucht. Ich wünsche mir nichts mehr auf dieser Welt als selbst Mama zu werden.

Und dennoch blitzen immer wieder einige Gedanken auf, die mich zum Nachdenken bringen.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass trotz allem meist der Bauch die richtigen Entscheidungen trifft. Sobald man darüber nachdenkt, wird es eher schlimmer. Das war oft bei Klausuren so, wenn ich mir nicht sicher war. Nachdenken = falsch. Ich nenne das zerdenken. Mir wurde mal gesagt, dass man mehr aufs Herz als auf den Verstand hören soll. Ich habe lange auf den Verstand gehört. Allmählich bin ich soweit, dass ich den Verstand beruhigen kann, denn hier ist der Weg geebnet. Und nun kommt der Kopf mit einem anderen Pups daher und macht es mir schwer. Mischt sich in Entscheidungen ein, die der Bauch längst getroffen hat.

Etwas, das ich nie in Frage gesellt habe, rüttelt gerade sehr an mir. Vorher war es die Frage, ob es finanziell geht. Es war einfach logisch und es war klar, dass es so eben noch nicht geht. Nun ist es die Frage, ob ich wirklich bereit bin? Vor kurzem noch hätte ich die Pille sofort wieder ausgespuckt, wenn der Freund gesagt hätte, dass es jetzt losgehen kann. Und nun werde ich ängstlicher, frage mich, ob ich bereit bin. Kann ich dieser Verantwortung gerecht werden? Die Verantwortung, die ein Kind mit sich bringt, bereitet mir großen Respekt. Wir sind hier völlig auf uns alleine gestellt, haben keine Familie in der Umgebung, die uns schnell mal unterstützen könnte. Das wird sich in absehbarer Zeit aber auch nicht ändern. Werde ich unserem Kind eine gute Mutter sein? Wie werden wir das als Eltern meistern? Was wird aus uns als Paar? Wäre es besser noch zu warten (mein Herz!)? Und immer wieder: bin ich bereit?

Für den ein oder anderen mag es eigenartig sein, dass ich mir jetzt schon solche Gedanken mache. Aber ich wäre nicht ich, wenn es nicht so wäre. Es ist ja noch ganz schön früh, schließlich haben wir noch nicht angefangen, aber es beschäftigt eben mich doch.

Ich verstehe mich selbst nicht mehr. Wieso frage ich mich jetzt, wo es bald soweit sein könnte, solche Dinge? Vorher war mir absolut klar, dass es mein Wunsch ist und ich nicht mehr bereit bin noch Jahre zu warten. Nun stelle ich mir die Frage, ob ich mir da was eingeredet habe. Ob es für den kleinen Menschen besser wäre, würden wir noch warten. Es ist nach wie vor mein sehnlichster Wunsch eine Familie mit dem Freund zu gründen. Ich kann mir diese Gedanken selbst nicht erklären.

Bis es soweit sein wird, also bis sich die Frage über loslegen oder doch nicht wirklich stellt, wird noch ein wenig Zeit vergehen. Bis dahin kann sich viel verändern, aber es verunsichert mich doch, dass ich jetzt, wo das Ziel sichtbar wird, dieser Gedanke aufblitzt. Vielleicht liegt es gerader an der Greifbarkeit. Es ist doch etwas anderes über eine Familie nachzudenken und sich zu wünschen und es wirklich in die Tat umzusetzen.

Ich bin überzeugt davon, dass alles anders ist, wenn der Test erst einmal positiv ist. Aber eben diesen Schritt zu wagen, das braucht auch ein bisschen Mut. Vielleicht ist es aber auch umso beruhigender, wenn er dann getan ist.

Manchmal wünschte ich ungeplant schwanger zu werden, um die Entscheidung nicht treffen zu müssen. Dabei geht es nicht um das ob, sondern das wann. Es gibt nie einen richtigen Zeitpunkt und trotzdem muss man sich irgendwann für einen Zeitpunkt entscheiden. Manchmal kann es sinnvoll sein zu warten. Manchmal muss man feststellen, dass man einen guten Zeitpunkt verpasst hat. Ich habe schlichtweg Angst, den falschen Moment zu wählen.

Ich will nicht mehr warten und gleichzeitig, frage ich mich, ob später vielleicht besser wäre. Und wieder dieses „Ich muss ja nicht verzichten, nur warten.“ aber wer sagt mir, dass diese „Ängste“ jemals weggehen? Ein Kind wird nicht am nächsten Tag geliefert und doch kommt es mir ein wenig so vor. Man hat Zeit sich darauf einzustellen. Man wächst mit seinen Aufgaben.

Sind diese Gedanken normal? Dieser Schritt stellt die eigene Welt völlig auf den Kopf. Ihn bewusst zu gehen, das ist aufregend und beängstigend zugleich. Man muss sich fallen lassen und jede Kontrolle abgeben. Man weiß nicht was auf einen zukommt. Natürlich habe ich eine Vorstellung davon, aber was es wirklich heißt ein Kind zu haben, werde ich erst erfahren, wenn es soweit ist.  Und trotzdem wird mir ganz warm ums Herz, wenn ich daran denke, dass aus uns eine Familie wird.

Woran merkt man, dass man bereit ist? Vielleicht gehört es dazu, dass man auch diesen Gedankengang einschlägt. Sind es nur Gedanken, die man sich vorher macht, weil da die Zeit da ist? Trifft sich die Entscheidung möglicherweise wie allein, wenn es soweit ist? Ich kann es nicht sagen.
Wie war das bei euch bevor der Entschluss fiel ein Kind zu bekommen?

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9 Kommentare zu “Ängste und Zweifel

  1. Man ist bereit, wenn man bereit sein muss… Hört sich jetzt dumm an, aber so empfinde ich das. Wenn du diesen zweiten Strich auf dem Test siehst, dann übermannen dich Sorgen und Ängste, aber wenn du dich dem dann stellst, dann bist du bereit!
    So ist es beim ersten Kind und auch beim fünften…bei mir war das so, jedes Mal…bis die Freude überwiegt. Sorgen und Ängste bleiben allerdings. Immer. Vorher, während der Schwangerschaft und erst Recht danach! Ich glaube das hat die Natur ganz gut eingerichtet, denn ohne diese Gedanken, könnte man sich nicht ausreichend um sein Kind kümmern. Verstehst du was ich meine?
    Du wirst eine zauberhafte Mutter werden!

    (Achso, das ist für dich…du musst diesen Kommentar nicht freischalten, wenn du nicht magst…das ist okay, ich wollte es lediglich DIR sagen!)

  2. Wow, du sprichtst mir wirklich aus der Seele. Auch ich mache mir unheimlich viele Gedanken zu dem Thema und warte immer noch auf das „Zeichen“, das mir sagt, dass ich bereit bin. Ich bin 27 und bis jetzt kam noch nicht mal der Hauch eines Zeichens. :-(
    Wie man letztenendes den Mut dazu fasst weiß ich auch nicht. Ich fände es schön, wenn auch für mich jemand einen Rat hätte.

    Liebste Grüße

    Lana

  3. Ich bin ja, wie bekannt, auch noch keine Mama, kann deine Gedanken also total nachvollziehen. An manchen Tagen denke ich, ja ich werde eine super Mom und es wir mir nie zu stressig werden und an anderen Tagen zweifel ich sehr. Bei mir wohnt die Verwandschaft leider auch sehr weit weg.
    Du besitzt Reflexionsvermögen deinem eigenen Können gegenüber und das ist schon viel wert!

  4. Hm, so geht es mir auch sehr oft. Mein Liebster und ich sind ja schon einige Zeit am üben. Allerdings steht mir da mein Körper momentan selbst im Weg ;) Bei mir war es einfach so dass mein Herz lauter gerufen hat als mein Verstand. Die finanziellen Möglichkeiten sind bei uns aber auch gegeben. Ich glaube aber nicht dass die finanzielle Situation alleine ausschlaggebend sein sollte. (klingt jetzt wahrscheinlich doof, wenns passiert passierts eben aber wenn man ein Kind richtig plant ist das eben ein großer Faktor der da mit reinspielt – ausschlaggebend ist aber wohl immer das Herz)
    Ich glaube auch nicht dass es diesen perfekten Zeitpunkt gibt. Ich fands immer toll eine junge Mama zu werden als bis Mitte 30 zu warten. Das ist aber auch nur mein persönlicher Geschmack.

    Das einzige was ich dir als noch nicht Mama sagen kann ist, dass die Situation VOR dem absetzen der Pille für mich schlimmer und unwirklicher war als jetzt die Wartezeit – auch wenns nicht auf Anhieb geklappt hat. Irgendwann wenn ihr euch dann tatsächlich dazu entschließt nicht mehr zu Verhüten braucht dein Kopf garnicht mehr lange um sich daran zu gewöhnen :) dann geht die ungeduldige Hibbelzeit los. Die bringt zwar ganz neue Sorgen mit aber es ist ein anderes und schöneres Gefühl! :)

    • Da sagst du was! Wenn es passieren würde, wäre ich die letzte, die sich nicht freut, aber es bewusst anzugehen ist doch anders. Seit dem Eintrag fühle ich mich viel leichter und habe Hoffnung, dass sich alles von ganz alleine fügen wird, wenn es an der Zeit ist.

  5. „Manchmal wünschte ich ungeplant schwanger zu werden, um die Entscheidung nicht treffen zu müssen. “
    – Dazu könnte ich jetzt einen ganzen Aufsatz antworten…aber kurz: JA so geht es mir/ uns auch!

    Und mir ging es nach meinem „Ängste“- Eintrag auch viel besser. Es tat einfach gut, es sich mal von der Seele zu schreiben und zu schauen ob es Menschen gibt, die diese ganzen Gedankengänge nachvollziehen können. :)

  6. Oh Liebes, ich habe selten etwas so normales gelesen. Als wir schwanger werden wollten, hatte ich Schiss meine Peris zu bekommen, war ich überfällig, hatte ich Schiss schwanger zu sein und jetzt schläft der wundervollste kleine Mensch in meinem Arm.
    Ich denke, der Mensch tut sich schwer diese Entscheidung zu treffen, weil sie das Leben aller Beteiligten verändert und keiner will eben „schuld“ sein; wenn was passiert oder es nicht so wird wie man es sich dachte. Du willst, dass dir die Entscheidung durch eine „ungewollte“ Schwangerschaft abgenommen wird … die Entscheidung steht längst fest.
    Deine Ängste sind normal, aber unbegründet. Du hast dir, nachdem was ich lese, mehr Gedanken gemacht als die Meisten.
    Du wirst eine Mammi sei und zwar eine gute.

  7. Ich glaube, das ist ganz normal, dass man Angst vor der eigenen Courage hat. Wann soll man bloß mit dem „versuchen“ beginnen? Dieses Jahr ist doch dies und jenes, da wäre schwanger sein bestimmt anstrengend… Aber nächstes Jahr ist es genauso und irgendwas ist eh immer. Dazu kommt, dass man gar nicht planen kann. Wird es „ein Schuss, ein Treffer“? Oder muss man es jahrelang vergeblich probieren und immer hoffen und warten…?

    Es ist ein großer Schritt, es einfach drauf anzulegen, aber das Ergebnis lohnt sich! Ich kann mir ein Leben ohne den Kleinen nicht mehr vorstellen und auch, wenn es anfänglich auch nicht so richtig passte, wann tut es das schon? So ist das Leben!

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