Der Wunsch

Bereits mit 15 Jahre wollte ich eine eigene Familie. Diesen Wunsch behielt ich allerdings für mich, da es es sich dabei nicht um einen Wunsch für die Zukunft handelte, sondern sich dieser gerne sofort erfüllen dürfte. Laut ausgesprochen habe ich es nicht, weil man es albern gefunden hätte und es ja auch nicht zur Debatte stand diesen Wunsch oder viel mehr diese fixe Idee in die Tat umzusetzen. Was es bedeuten würde ein Kind zu haben, war mir damals nicht richtig bewusst. Die waren ja so unheimlich süß und niedlich. In meiner kindlichen Naivität habe ich mir das alles in den plüschpuffigsten Glitzerfarben ausgemalt.

Etwa zwei Jahre später wurde meine Patentante schwanger. Es wurde ein kleines Mädchen geboren und mit ihm ein Gefühl in mir.
Ich wollte Mama werden. Es war nicht mehr nur der Traum eine Familie zu haben. Es war mehr. Da war eine Sehnsucht in mir. Noch ganz sanft, aber sie war da. Ich wünsche mir eine eigene Familie. So richtig. Mit allem was dazu gehört.

Aber zu diesem Zeitpunkt war schwanger werden keine Option für mich. Die Vernunft. Ihr wisst schon…
Ich ging noch zur Schule. Der Abschluss lag noch vor mir. Ich hatte kein Geld. Ich hätte es nicht mit meinem Gewissen vereinbaren können bewusst ein Kind in die Welt zu setzen.
Ich wollte erst eine Ausbildung machen. In einer gefestigten Beziehung sein, die schon eine paar Jahre besteht. Zusammen wohnen.
Wenn möglich etwas sparen oder zumindest zusammen genug Geld zur Verfügung haben, um das tägliche Leben finanzieren zu können.
Ich war mir der Verantwortung bewusst, die ein Kind mit sich bringt. Die kann man nicht mal eben abgeben. Und in diesem Bewusstsein entschied ich mich zu warten, ob es mir gefiel oder nicht.

Vielleicht wurde der Wunsch nach einer eigenen Familie schon so früh wach, weil in meiner Familie einiges anders lief als ich mir das vorstellte. Aber in all den Jahren hat sich nichts daran geändert. Im Gegenteil. Jeden Tag nimmt die Sehnsucht ein bisschen zu. Inzwischen ist der Wunsch sehr präsent. Eigentlich begleitet er mich die ganze Zeit.

In Gesprächen vertrat ich immer die Meinung, dass 27 ein tolles Alter sei, um Mama zu werden. Das glaubte ich auch wirklich, obwohl ich mir eigentlich etwas anderes wünschte.
Heute habe ich mein persönliches Wunschschwangerschaftsalter nach unten korrigiert. Das ändert allerdings nichts daran, dass der Wunsch noch nicht in die Tat umgesetzt wird.

Besonders in der Weihnachtszeit wird der Wunsch immer intensiver. Weihnachtszeit ist für mich Familienzeit wie sie intensiver nicht sein könnte.
Und auch die Schwangerschaft der Arbeitskollegin und der Cousine des Freundes zeigen mit aller Deutlichkeit, was mir fehlt. Mich beschleicht eine tiefe Traurigkeit. Ich freue mich für sie, aber mir ist mein Strahlen ein bisschen abhanden gekommen. Ich fühle mich dabei etwas ausgehöhlt.

So schwer es manchmal auch sein mag. So weiß ich, dass es richtig war zu warten. Hätte ich mich damals dem Gefühl hingegeben, wäre ich wohl schon mit Erscheinen des zweiten Strichs auf dem Schwangerschaftstest alleine gewesen. Mein Gefühl hat mir, was meinen Herzenswunsch angeht ganz gute Dienste erwiesen und so verlasse ich mich auch jetzt drauf, dass wir für uns und unsere zukünftige Familie den richtigen Weg wählen.

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