Vergänglichkeit

Der Besuch bei Oma und Opa hat mir wieder einmal vor Augen geführt, wie vergänglich und zerbrechlich das Leben ist.

Seit einiger Zeit baut mein Opa immer mehr ab, aber bei diesem Besuch habe ich ihn kaum wieder erkannt. Er wirkte so  gebrechlich.
Es war fast so wie damals, als ich ihn nach seiner Rücken-OP besucht habe und er plötzlich so dünn war und etwas verwirrt aussah. Nur dass damals noch gar nicht lange her ist.

Vor 1,5 Jahren war er noch fit. War noch immer in seinem Geschäft tätig, obwohl er schon lange in Rente war. Ich erinnere mich genau an den lustigen Mann, mit dem Bauch und dem starken Händedruck.
Heute sitzt er im Rollstuhl, weil ihn seine Beine nicht mehr tragen.
Der Weg vom Rollstuhl zum Sofa scheint an manchen Tagen ein kaum überwindbareres Hindernis zu sein.
Es ist schwer mit anzusehen, wie sehr er auf Hilfe angewiesen ist. Dass meine Oma ihm kaum helfen kann, weil sie selbst auch im Rollstuhl sitzt. Sie ist zum Glück sonst völlig fit.

Er ist dünn geworden. Ein Schatten seiner selbst. Das Haar steht ihm vom Kopf und lässt ihn noch zerstreuter wirken. Alles was geblieben ist, ist der Händedruck.
So wie früher.

Er möchte nicht mehr, weil er so eingeschränkt ist. Er sagt, dass sein Kopf nicht mehr richtig mitmacht. Manchmal verwechselt er mich mit seiner Nichte. Sonst ist er völlig klar, nur langsamer als früher.
Ich sehe einen Mann, dem das Leben zu mühsam geworden ist. Der es nicht mehr selbst bestimmt leben kann. Er hat resigniert. Dieser Anblick ist kaum zu ertragen.

Es war ein schöner Besuch und gleichzeitig hat es mich sehr traurig gemacht.
Denn ich bin mit dem Gefühl gegangen, dass ich meinen Opa nicht mehr lange haben werde.

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3 Kommentare zu “Vergänglichkeit

  1. Ich kenne das Gefühl… Mein Opa war immer ein „Patriarch“, hat sich um alles gekümmert und war für alle da. Ein absoluter Familienmensch, der für uns Enkel Puppenhäuser gebaut und mit uns stuindenlang werkeln konnte. Nun kann er kaum selbst laufen, weiß unsere Namen oft nicht mehr und spricht manchmal tagelang von seinen Eltern und fragt, wo sie denn gerade seien. Und es tut weh, ihn so zu sehen. Ich verstehe dich nur zu gut. (())

  2. Ein ähnliches Erlebnis hatte ich zu Weihnachten leider auch. Dieses „auf den Boden zurück geholt werden“ durch den Anblick eines so hauchdünnen Lebens. Das Leben ist endlich und diese Erkenntnis schockiert mich immer wieder.

  3. Aus eigener Erfahrung….solchen Gefühlen sollte man immer trauen. Dann ist man auch nicht zu überrascht…. Ich kann nur sagen: Besuche so oft wie es geht. Ich drücke außerdem die Daumen dass sein Kopf klar bleibt. Mein Opa hatte Alzheimer und zu sehen wie nicht der Körper schwacher wird -darauf ist man ja eingestellte bei älteren Menschen- sondern der verstand deines fröhlichen Opas auf das Niveau eines Kindes abbaut wünsche ich niemandem…

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