Alleinsein

Nicht nur mein Angstempfinden hat sich in den letzten Jahren gewandelt, sondern auch mein Bedürfnis alleine zu sein.

„Früher“ verbrachte ich viel Zeit alleine. Gerne.
Ich brauchte diese Zeit, genoss die Ruhe. Ich war gerne für mich.
Schrieb. Las. Machte mein eigenes Ding.

Aber ich war nicht immer alleine. Meistens war es so, dass das Wochenende die „Freundezeit“ war.
Da hatte ich Zeit. Ich war gerne mit ihnen zusammen. Wir hatten viel Spaß, aber die Tage unter der Woche waren mir. Ganz alleine.
Meine eigene Entscheidung. Außerdem nahm die Schule viel Zeit in Anspruch und mein Ehrgeiz und Perfektionismus kosteten zusätzlich viel Zeit.
Ich hatte immer große Ansprüche an mich, aber das ist ein anderes Thema.

Ich verbrachte also viel Zeit mit mir. Manchmal wohl zu viel. Denn in den schwierigen Phasen hat mir das Alleinsein im Nachhinein betrachtet eher geschadet.
Ich wollte es so. Ich habe es bekommen, aber ob es so richtig war, ist eine andere Frage. Zumindest nicht immer.

Ich konnte es mir damals nie vorstellen sofort mit meinem Freund, sofern ich einen hätte, zusammen zu ziehen.
Ich war fest davon überzeugt meine Freiheit zu brauchen. Alleine sein zu wollen, zu müssen. Nicht sofort mit jemandem auf „so engem Raum“ zusammen leben zu können.

Und dann kam das Ende meiner Ausbildung und mit ihr die Frage „Zusammenziehen oder eine eigene Wohnung?“. Und plötzlich war alleine wohnen nur noch eine Option, wenn der Freund nicht zusammen ziehen wollen würde.
Es war so einfach. So richtig.

Ich fragte mich schon, wie das wohl laufen würde.
Wie es so für mich sein würde, weil ich doch immer so viel alleine – für mich war.
Wie würde ich damit klar kommen?

Aber es war gut. Ungewohnt, aber gut. Und ich merkte schnell, dass es im Gegenteil echt eigenartig für mich wäre in eine leere Wohnung zu kommen. Mit dem Wissen, dass sie leer bleiben würde. Nur ich allein.

Ich genieße die Zeit, in der ich alleine Zuhause bin. Meine Freizeit. Exklusivzeit.
Es ist einfach anders als wenn der Freund da ist. Weder besser, noch schlechter. Nur anderes.
Es ist schön und auch mal entspannend.
Und doch freue ich mich jedes Mal, wenn der Freund wieder da ist. Oder ich die Tür öffne und weiß, dass er da ist.

Ich kann es mir nicht mehr vorstellen alleine zu leben. Ohne ihn zu leben.
Die Vorstellung über längere Zeit alleine zu sein, macht mich nervös.

Früher konnte ich nicht genug davon bekommen. Heute bereitet es mir ein mulmiges Gefühl.
Vielleicht lag es auch daran, dass ich zwar viel für mich war, aber Zuhause war ja doch immer jemand.
Andere Situation und doch war es mir damals so wichtig alleine zu sein.

Ich merke, dass es mir gut tut. jemanden um mich zu haben. Dass es für mich gesünder ist, meine „Alleinezeit“ zu wählen und nicht mehr meine „Menschenzeit“.

Nicht mehr ganz alleine zu sein gibt mir Sicherheit und ein gutes Gefühl.
Getoppt wird es natürlich dadurch, dass es nicht nur irgendjemand ist, der da ist, sondern er.

Mein Ruhepol. Mein Fangnetz. Aber ich weiche ab, denn auch das ist ein anderes Thema.

Mein Leben also. Immer im Wandel.
Und es ist gut so.

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Ein Kommentar zu “Alleinsein

  1. irgendwie kommt mir das seeeehr bekannt vor ;)
    das war bei mir eigentlich ähnlich – selbst in den ersten monaten, die ich mit dem mann zusammen war, wollte ich ihn nicht jeden tag sehen, ich brauchte auch einfach mal einen abend für mich. umso größer meine spannung, wie das wohl mit dem „zusammen wohnen“ funktionieren würde. aber es funktioniert ganz wunderbar, jeder schafft sich so seine freiräume und wenn ich mal mehr als zwei abende die woche alleine zu hause bin, dann finde ich das doof…

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